„Beziehungs-weise“: Aufbruch in 36 Raten 1


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Abschied bedeutet Aufbruch

Ein Innehalten und Atemholen mit Christian Mewes oder Gedichte, Balladen und Beobachtungen, die einer schrieb, bevor er sich weiter auf seinen Weg machte.

Der Begriff „Aufbruchstimmung“ beinhaltet zwei Wörter. „Aufbruch“ und „Stimmung„. Ein Aufbruch impliziert oftmals die Notwendigkeit, aus der Alltäglichkeit aufzubrechen, vielleicht sogar auszubrechen, ohne dabei jedoch den Alltag aus den Augen zu verlieren. Aufbrechen bedeutet aber auch, alte Strukturen aufzulösen, Grenzen neu zu definieren, neue Standortbestimmungen zu finden. „Standortbestimmungen„, ein weiteres verbales Konglomerat, oftmals unbedacht ausgesprochen, ohne sich der Bedeutung klar zu sein, bewusst zu werden, welchen Standort es zu bestimmen gilt.

Unseren eigenen Standort? Oder unseren Standpunkt? Bis hierher und nicht weiter? Oder doch einen Schritt darüberhinaus? Die Standpunkte unserer Gesprächspartner ausloten? Die Standorte unserer Geschäftspartner zu unseren Gunsten verschieben? Das Gewicht und die Last unseres Lebens je nach Gegebenheit zu verlagern oder nur der Bequemlichkeit wegen gleichmäßig zu verteilen?   

Christian Mewes: Beziehungs-weise. Gedichte, Balladen und Beobachtungen. Eine CD aus Zufälligkeiten und Alltäglichem.Christian Mewes verwebt seine Beobachtungen alltäglicher Szenen unseres Lebens, denen wir selbst immer und immer wieder begegnen, ohne uns jedoch dieser meist bewusst zu werden, in seiner CD Beziehungs-weise zu einem gesprochenen und musikalischen Klangteppich. Er erfasst Banalitäten mit dem Auge des Außenstehenden, einerseits neutraler Beobachter, dann wieder involvierter Betrachter. Einmal rezipiert er die Unzufriedenheit des Angestellten des Supermarktes, ein anderes Mal folgt er dem Blick des an der Bar Sitzenden, welcher sein Gegenüber erfasst und mit wenigen Worten beschreibt, was er sieht. 

Doch immer stellt Christian Mewes die Beziehungen verschiedener Menschen in den Kontext seiner kurzen Abrisse. Nachbarschaftliche Konflikte, ausgelöst durch den lärmenden Aufbau eines Schrankes. Der stressgeplagte Geschäftsmann, plötzlich völlig gefangen und heimlich verzückt vom unbedachten Plappern des kleinen Kindes, welches aufgeregt über die Erlebnisse im Kindergarten berichtet. Geschehnisse werden in wenigen Zeilen zusammengefasst, auf das Wesentliche reduziert, um sich auf diese Weise dem Zuhörer, dem Zuhörenden durch diese komprimierte Form gleich darauf zu öffnen. Doch bevor sie ihre Wirkung zur Gänze entfalten können, werden sie schon wieder durch Neues abgelöst und aufgelöst.

Die CD Beziehungs-weise folgt dem Rhythmus unserer Empfindungen und Eindrücke. Schnell aufeinanderfolgende Situationen und Sequenzen, welchen wir permanent ausgesetzt sind und die es zu verarbeiten gilt, was aber in den seltensten Fällen gelingt, da sie spurlos und unbemerkt an uns vorübergehen und im stetigen Rieseln fortschreitender Zeit verschwinden. Meist leise unmerkliche Momentaufnahmen, derer wir jedoch kaum habhaft werden können, weil schon im nächsten Augenblick neue Alltäglichkeiten sich in den Vordergrund drängen und unsere Aufmerksamkeit beanspruchen, wenngleich meist nur für einen Sekundenbruchteil, um durch weitere Zeit-Punkte ersetzt zu werden.  

Es ist deshalb lohnenswert, sich die Texte immer wieder anzuhören. Denn man wird jedes Mal neue Details entdecken, mit anderen Kleinigkeiten belohnt, bisher ungehörte Nuancen lassen sich finden. Die Anthologie zwischen eigenen Kompositionen und jenen berühmter DichterInnen folgt dabei keinem starren Muster, sondern lädt die Zuhörenden zu einer Entdeckungsfahrt ein. Diese sprachliche Reise von Mewes wird dabei durch seine drei musikalischen Begleiter Gerhard Wagner (Saxophon, Flöte), Felix Occhionero (Gitarre) und Adjiri Odametey (Percussion) je nach Anekdote oder Situation erweitert oder in bestimmten Fällen sogar verstärkt. Spannungen werden erzeugt, Konflikte auf improvisierten Klangebenen ausgetragen. Zarte figurale musikalische Hintergrundbilder vermischen sich mit den Gedichten und bilden verschiedene Schichten, überlagern sich gegenseitig, um sich aber sofort wieder aufzulösen und Platz sowie Raum für neue Assoziationen zu schaffen.

Besonders interessant wird die CD übrigens, wenn sie zufällig wiedergegeben wird. Und wer die Möglichkeit hat, die CD auf seinem Computer durch ein entsprechendes Wiedergabeprogramm durch visuelle Effekte „sichtbar“ zu machen, sollte diese vollkommen neue Betrachtungsweise auf alle Fälle in Erwägung ziehen und natürlich ausprobieren. Gerade der Titel „Enger Supermarkt“ ist geradezu prädestiniert für einen Ausflug in solch visuell-akustische Sphären, da durch die Einbeziehung solch optischer Reize die anfängliche Freundlichkeit und Rücksichtnahme der Mitmenschen durch die folgende Aggression des Mitarbeiters noch deutlicher zum Tragen kommt.                         

Lieber Christian, Deine CD Beziehungs-weise ist wunderschön geworden. Möglicherweise gibt es eine Fortsetzung. Vielleicht folgen weitere alltägliche Beobachtungen in lyrischer und musikalisch vertonter Form, welche Du durch Goethe, Hofmannsthal oder Rilke unterbrichst, um diese Fragmente wiederum zu einer Einheit zusammenzusetzen. Und für diesen zweiten Teil hätte ich eigene Wünsche und Anregungen.

Ich habe vor ziemlich genau einem Jahr, es war am 8. November 2009, auf meinem Blog eines meiner Lieblingsgedichte meinen LeserInnen mit auf den Weg gegeben. Du kennst es natürlich: Der Panther von Rainer Maria Rilke. Ich freue mich jetzt schon darauf, wie es sich „anfühlen“ wird, wenn Du dieses geknechtete Lebewesen als Symbol des Gefangenseins auf Deiner (hoffentlich) folgenden CD interpretierst. Und ich würde mich freuen, wenn ich weiterhin die grossen weiblichen Vertreterinnen aus Prosa, Lyrik und Gedichten auf einer Nachfolge-CD finden würde. Denken wir gemeinsam an Annette von Droste-Hülshoff, Bettina von Arnim, Marie von Ebner-Eschenbach („Grabschrift“ ist einfach herrlich) oder die von mir so geliebte Friederike Mayröcker. Aber dies ist selbstverständlich nur ein verschwindend geringes Exzerpt aus einer unendlich langen Liste.

Einen lieben Gruß aus Wien sendet Paul.   



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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