Biopiraterie: Moderner Mundraub der Industrie 1


Die Verwertung genetischer und biologischer Ressourcen 

Biopiraterie: Die skrupellose Verwertung biologischer und genetischer Ressourcen von Entwicklungsländern durch Industrienationen.Bildquelle: Soika: Biopiraterie – oder wie aus Gemeingut Privateigentum wird

Der Begriff der Biopiraterie ist spätestens seit der UN-Artenschutzkonferenz von Nagoya ein Thema geworden. Reiche Industrienationen bereichern sich auf Kosten der Schwellen- und Entwicklungsländer, welche de facto die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg in ihren Händen halten, genauer gesagt in den leeren Händen. Denn was indigene Stämme, Naturvölker oder Ureinwohner seit Jahrtausenden von Generation zu Generation zum Wohle aller weitergegeben haben, wird ohne Zustimmung und vor allem ohne entsprechende Gewinnbeteiligung der profitierenden Seilschaften, welche diese wertvollen Ressourcen rigoros beanspruchen, gnadenlos verwertet.

Biopiraterie bedeutet nichts anderes als die stillschweigende Enteignung der Nutzungsinhaber. Vollkommen legal selbstverständlich, denn wo keine Patentrechte und gesetzlichen Grundlagen vorhanden sind, da darf auch ungestört und skrupellos gewildert werden. Das wertvolle Wissen wird durch internationale Konzerne ohne Rücksprache angeeignet und ausgeschlachtet. Patente auf biologische und genetische Ressourcen werden angemeldet, um mögliche Ansprüche der rechtmäßigen Eigentümer im Keim zu ersticken.

Verwertungsrechte an Heilpflanzen, welche die Wirkstoffe für ertragreiche Pharmaprodukte und gewinnbringende Medikamente liefern, werden gesichert, ohne die daran Beteiligten am Wertschöpfungsprozes zu beteiligen. Geistiges Eigentum wird an Tieren und Pflanzen mit rechtlichen Mitteln verankert, ohne jedoch nur den geringsten Anspruch darauf zu besitzen. Industrie und Handel, aber selbst Staaten machen nicht vor dieser Entwicklung moderner Wegelagerei und legalem Mundraub halt und annektieren einfach alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Was der Öffentlichkeit zugänglich war, wird privatisiert. Was allen unentgeltlich zum Vorteil gereichte, wird nun durch finanzkräftige Biopiraten in Form von Patentrechten enteignet. Der einst positiv besetzte Begriff der grünen Piraterie wie ich das Guerilla Gardening einst bezeichnet habe, erhält eine vollkommen neue Bedeutung.

Wir können zwei grosse Bereiche und heutigen Ausprägungen des Begriffes „Biopiraterie“ unterscheiden. Zum einen eben jene angesprochene Form unrechtmäßiger Aneignung von Pflanzen oder den daraus resultierenden Nutzungen in Form von eingereichten Patenten. Was Urvölker bereits vor zig Generationen kannten und unter dem Terminus „traditionelles Wissen“ einsetzten, kann und darf nicht Gegenstand von Einzelansprüchen sein, da hierbei weder neue Erkenntnisse geschaffen werden noch bisher nicht dagewesene Güter entstehen. Doch wie in den meisten Fällen liegt die Beweislast beim Betrogenen und diese ist kostenintensiv. Wo die Kontrollmechanismen gegen zu Unrecht ausgestellte Patente versagen, bleibt nur die Möglichkeit der Nachprüfung durch Anwälte. Der Kreislauf schließt sich dann wieder, wenn durch unzureichende Finanzmittel und notwendiges Know-how kein Einspruch möglich ist. Dann heißt es: Stillschweigen bedeutet Zustimmung.

Die zweite Form der Biopiraterie steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der sogenannten Biodiversitätskonvention. Die Kontrolle genetischer Ressourcen wird jenen Staaten und nationalen Gesetzgebungen übereignet, welche Zugang zu diesen genetischen Ressourcen haben. Eine daraus resultierende Wertschöpfung wiederum muss unter den beteiligten Parteien nach fairen und ausgewogenen Gesichtspunkten aufgeteilt werden. Wer also Zugang zu genetischen Resourcen möchte, braucht dafür die Legitimation der ressourcengebenden Partei. Diese Einverständniserklärung muss dabei auf einer Kenntnis der Sachlage begründeten Zustimmung erfolgen, also einer konkreten Policy zur Umsetzung dieses Prinzips der freien, rechtzeitigen und informierten Zustimmung (Prior Informed Consent PIC). Biopiraterie ist dann gegeben, wenn sich eine Institution, sei es ein Staat oder ein Unternehmen, unrechtmäßigen Zugang zu den genetischen Ressourcen verschafft und das damit verbundene Access and Benefit Sharing (ABS) missachtet. 

Nagoya 2010 hat gezeigt, dass sich die teilnehmenden Staaten dem Problem der Biopiraterie zunehmend stellen und gemeinsam an Lösungsvorschlägen arbeiten. Doch genau dieses verzweifelte Suchen gemeinsamer und für alle Beteiligten zufriedenstellender Lösungen hat die UN-Artenschutzkonferenz in ihrer angestrebten Zielsetzung nach allgemeinverbindlichen Richtlinien in Bezug auf Biodiversität enorm schwach aussehen lassen. Ziele wurden zugunsten vorzeigbarer Resultate abgeschwächt, ein konkreter Finanzierungsplan bis zur nächsten Konferenz 2012 verschoben und länderübergreifende Kontrollmechanismen und gesetzliche Bestimmungen weisen im Moment mehr Lücken auf als die ausgestorbenen Arten die nächsten Jahre auf diesem Planeten hinterlassen werden.

Biopiraten versenken, eine BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie.   



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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