Bio Natur - Der Weblog

11.11.2010

Tchibo: Heisses Kaffeewasser dank Ökostrom?

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 23:17

Grüner Strom oder heisse Luft von Tchibo?

Nachdem “Öko …” und all jene damit verbundenen und beliebig austauschbaren Endungen und Verbindungen nun endgültig seinen Siegeszug durch die VerbraucherInnen-, HerstellerInnen- und natürlich Werbewelten angetreten hat, fühlt sich auch Tchibo bemüßigt, die braungerösteten Hochglanzschuhe durch grüne Öko-Sandalen zu ersetzen. Und so hat sich der Kaffeeröster Tchibo entschlossen, neben den braunen Bohnen gleich das dazugehörige Kaffeewasser durch bereitgestellten Ökostrom zu erhitzen.

Tchibo: Heisses Kaffeewasser dank Ökostrom?

Die Stiftung Warentest ist naturgemäß wieder einmal schwer begeistert, wobei dies nicht unbedingt als Indikator für qualitative hochwertigen und grünen Tchibo-Strom angesehen werden sollte. Liest man sich auf der Webseite unter Punkt Stromherkunft die Brandrede des Kaffeerösters durch, hört sich dies auf den ersten Blick nicht schlecht an:

Unser Grüner Strom aus erneuerbaren Energiequellen in Norwegen wird aus Wasserkraft gewonnen. Stromerzeugung aus Wasserkraft gilt als eine der klimaverträglichsten Möglichkeiten, um Strom zu produzieren. Bei der Stromerzeugung wird der Ausstoß von CO2 vermieden.
Ausgezeichnet mit dem ok-power Label garantiert der Grüne Strom von Tchibo eine umweltschonende Stromversorgung. Gleichzeitig stellt das ok-power Label sicher, dass kontinuierlich neue Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien errichtet werden. Damit fördert es den weiteren Ausbau von klimaverträglich erzeugtem Strom.” 

Das ok-power Label ist sicherlich ein sehr brauchbares und seriöses Gütesiegel auf dem inflationären Markt heutiger Gütesiegel und wird im Regelfall nur dann an Ökostrom-Anbieter vergeben, wenn gewährleistet ist, “… dass die mit dem Gütesiegel ausgestatteten Produkte zu einem “zusätzlichen Umweltnutzen” führen.” Und um dies sicherzustellen und natürlich vor allem transparent darzustellen, lässt sich die Stromherkunft der untersuchten und “als für gut” befundenen Ökostrom-Anbieter auch nachlesen. Wer also wissen möchte, welcher zertifizierte Stromanbieter mit welcher Stromherkunft gekoppelt ist, schaut unter EnergieVision: Alle zertifizierten Produkte nach.

Jetzt lassen wir uns also die abrufbaren Informationen für Tchibo anzeigen. Wir möchten also wissen, welche Windkraftanlagen, Speicherkraftwerke, Laufwasserkraftwerke oder sanierten Druckspeicherkraftwerke an welchem Standort wieviel zum Energie-Portfolio beitragen von Tchibo. Und was finden wir unter “Tchibo direct GmbH” und dem unter dem Namen ”Tchibo Grüner Strom” vertriebenen Ökostrom? Leere Zeilen öffnen sich unseren neugierigen Blicken.

Anteil am Bezugsportfolio: Ein leeres Feld

Energiequelle und Anlagentyp: Ein leeres Feld

Name der Anlage: Ein leeres Feld

Standort: Ein leeres Feld

Leistungsklasse: Ein leeres Feld

Tchibo hat sicherlich den richtigen Weg eingeschlagen, sowohl umweltpolitisch als natürlich auch und besonders aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Aber mit leeren Feldern lassen sich weder heutige VerbraucherInnen überzeugen und schon gar nicht lässt sich damit eine Vertrauensbasis schaffen. Deshalb wären die bei Tchibo für die Sparte Ökostrom Verantwortlichen gut beraten, im eigenen und in erster Linie in unser aller Interesse im Hinblick auf Transparenz und Informationsbedürfnis bei der Stromherkunft ordentlich und auch bald nachzubessern. Ansonsten bleibt neben dem aromatischen Kaffeeduft immer ein trügerischer Hauch von ärgerlichem Unwissen und Misstrauen in der Luft zurück.    

Siehe dazu auch: Der Klima-Lügendetektor “Tchibo: Grüner Strom mit einem Fragezeichen”       



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