Schmutzige Geschäfte mit Clean Label 1


Saubere Etiketten auf dreckigem Inhalt

Begibt man sich, so wie ich es tat, auf Spurensuche bzw. nach einer griffigen Definition des Begriffes „Clean Label“, führen einen die Suchmaschinen, man glaubt es kaum, an erster Stelle auf die „Plattform für ehrliche Lebensmittel-Rohstoffe“. Und diese heißt? Natürlich Clean Label. Nun gut, hier fühlt man sich gleich verstanden, so denke ich. Wenn ich etwas Wissenswertes über die Schlagworte „Keine Konservierungsstoffe“, „Ohne Geschmacksverstärker“ oder „Frei von Aromastoffen“ erfahren möchte, dann ja wohl auf der „Clean Label“-Seite.

Ich sage Ihnen gleich: „Die Mühe lohnt sich (bis jetzt) nicht!“ Außer Allgemeinplätzen im Sinne von „Die offene Deklaration wird für Lebensmittelproduzenten immer wichtiger. Der Anspruch des Endkunden zu wissen, was sich in den Produkten befindet, die er konsumiert, wird zukünftig steigen.“ finde ich weder nützliche Clean Label Produkte noch hilfreiche Informationen über den letzten Stand der „Clean Label“-Kennzeichnung. Irgendwie wirkt die Seite genauso inhaltsreich wie die vorherrschenden Praktiken der Hersteller und Anbieter, welche sich mit ihren kurz formulierten Verzichtserklärungen auf ihren Produkten den VerbraucherInnen als grüne HeilsbringerInnen darstellen wollen. Also, sehr geehrter Herr Messemer, hier besteht noch erheblicher Nachholbedarf. Selbstverständlich schaue ich zu gegebener Zeit wieder auf Ihrer Seite vorbei, um mich von möglichen Fortschritten zu überzeugen.

Ich wandere also weiter in der virtuellen Welt Internet. Doch scheinbar dürften sich bisher weder klare Richtlinien und schon gar keine gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich des „Clean Label“-Begriffes durchgesetzt haben. Die österreichische Fachzeitschrift für Lebensmittelindustrie und -Forschung schreibt dazu in Ausgabe 2009/4 auf Seite 96, wobei sie besonders auf die durch ihren exzessiven Einsatz von künstlichen Aromen und Geschmacksstoffen oder Verdickungsmittel hervorstechende Süßwarenwirtschaft abzielt: „Der Begriff steht fur das Engagement der Hersteller, im Bestreben nach möglichst natürlichen Produkten bei den Rezepturen auf Inhaltsstoffe mit E-Nummern zu verzichten und diese durch natürliche Inhaltsstoffe, beispielsweise natürliche Farben und Aromen zu ersetzen.“

Doch wo beginnt die Grenzziehung zwischen Natürlichkeit und Kunstprodukt im Sinne von Zusatzstoffen, E-Stoffen, Farbstoffen, künstlichen Aromastoffen etc.? Dass sich KonsumentInnen durch das erwachende Gesundheitsbewusstsein im Sinne von „natürlich, gesund und frei von …“ mittlerweile die Verpackungen und die darauf abgedruckten Inhaltstoffe genauer ansehen, ist natürlich auch bis zu den Anbietern vorgedrungen. Und selbst Brüssel fängt schön langsam an, sich außer der Genehmigung von gv-Maislinien mit der Zulassung von Lebensmittelzusätzen (EU-Richtlinie 94/36/EG) zu beschäftigen.

Bereits 2009 hat New Nutrition Business mit dem Report zur Trendforschung für den Lebensmittelmarkt (siehe 10 Key Trends in Food, Nutrition and Health) herausgearbeitet, dass nur jene Unternehmen die zukünftigen Märkte erfolgreich beherrschen werden, welche sich diesen Verbraucherwünschen nicht nur stellen, sondern auch dementsprechend befriedigen werden. Wir VerbraucherInnen müssen in Zukunft umdenken und vor allem eines lernen. Nicht die Hersteller dürfen unsere Wünsche und unser Verlangen bestimmen, sondern wir haben den unschätzbaren Vorteil, den Anbietern unsere Bedürfnisse aufzudrängen. Ob dies nun mit der sogenannten Ampelkennzeichnung zum Erfolg führt oder durch ein anderes verpflichtendes Kennzeichnungssystem in die Wege geleitet wird, mögen andere entscheiden. Aber die Politik ist nun gefordert, sich endlich für ein allgemeingültiges Kennzeichnungssystem durchzuringen.

Dass diese Regelung wiederum zu Marketingzwecken missbraucht wird, ist fast schon vorprogrammiert. Denn selbst ein verständliches und in erster Linie transparentes Clean Label wird auch in naher Zukunft den schwammigen und nebulösen Begriff „natürliche Produkte“ nicht zu aller Zufriedenheit auflösen. Ganz im Sinne der Industrie selbstverständlich. Aber wenn PolitikerInnen, und in diesem Fall liegt das Gewicht leider auf den …Innen, keine klare Stellungnahme beziehen wollen oder können, liegt der Verdacht nahe, dass die offensichtlichen und unmissverständlich geäußerten Verbraucherwünsche nach authentischen Produkten und verständlichen Produktkennzeichnungen zugunsten von Industrie und Handel kastriert werden.   


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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