BP: Zaster trotz Desaster


Herzliche Gratulation an BP

BP schreibt wieder schwarze ZahlenTrotz der vorläufigen kolportierten 40 Milliarden Dollar, welche dem britischen Ölriesen aufgrund der havarierten Deepwater Horizon bisher an Folgekosten entstanden sind, dürfte das dritte Quartalsergebnis für die Aktionäre Erfreuliches mit sich bringen. Nachdem bereits im Juli 32 Mrd. Dollar ihren Weg in die ölverpesteten Tiefen des Golfs von Mexiko gefunden hatten, musste BP nun noch einmal nachbessern und zusätzlich fast acht Milliarden Dollar in die Pipelines aus Gier und Unverantwortlichkeit pumpen. Doch man höre und staune: Börsennews schreibt doch tatsächlich, dass „BP im dritten Quartal wieder profitabel“ ist.

Gestiegene Ölpreise lassen BP, aber auch die direkten Konkurrenten Shell, Exxon oder Total jubeln und übertönen mit lautem Getöse die längst schon vergessene Explosion, welche sich am 20. April 2010 auf der Ölplattform Deepwater Horizon ereignete. Ich befürchte diesbezüglich aber, dass unser aller Vergessen mehr für die Steigerung der BP-Gewinne verantwortlich ist als die steigenden Preise der fossilen und doch so modernen schwarzen Pest.

Wo sind die kämpferischen Ansagen gegen BP nach der Apokalypse hingekommen? Vielleicht schon im ölverschmierten Gefieder der unzähligen toten Meeresvögel erstickt. Wer erinnert sich noch an die Boykott-Aufrufe gegen BP? Möglicherweise schwimmen auch diese bereits weit unter der Meeresoberfläche mit den Meeresschildkröten vereint gegen einen qualvollen Tod? Wo sind die Zugeständnisse von BP, der amerikanischen Regierung und Mitbewerbern, zukünftige Lizenzvergaben für Erdölbohrungen in der Tiefsee strengstens zu überprüfen und dafür notwendige neue Sicherheitsstandards zu schaffen? Durchaus denkbar, dass sie mit den 11 Toten, welche bei der Explosion damals ums Leben kamen, still und heimlich begraben wurden. Passend dazu die Aussage „Es wäre nicht besonders feinfühlig von uns, als erster die Hand zu heben und uns mit den ersten Lizenzen zu hetzen“ des neuen Kapitäns Bob Dudley auf der Kommandobrücke des leckgeschlagenen BP-Supertankers. Dudley übernahm von Tony Hayward mit Oktober das BP-Ruder übernahm, welcher nach selbst für Briten katastrophalen Entscheidungen und „Not amused“-Aussagen den Vorstandsvorsitz räumen musste (Ölpest wird für BP 40 Milliarden Dollar teuer).

Der Satz des neuen BP-Vorstandsvorsitzenden kommt zum jetzigen Zeitpunkt nicht von ungefähr. Und darüberhinaus beinhaltet er eine leicht nachzuvollziehende Logik. Der amerikanische „Yes, we can“-Präsident Barack Obama aus dem Lager der Demokraten wurde bei den eben zu Ende gegangenen Midterm elections, den US-Kongresswahlen ordentlich „abgewatscht“. Die Gründe sind sicherlich vielfältig, die Ergebnisse bezüglich der bisherigen und zukünftigen Ölpolitik Amerikas dagegen wie immer einzigartig vorhersehbar. Der Sieg der in ihrer Grundhaltung sehr Pro-Erdöl eingestellten Republikaner wird die Genehmigungsverfahren für Erdölbohrungen vor der amerikanischen Haustüre wohl wieder immens vereinfachen und die Lizenzen damit wieder in greifbare Reichweite der Ölkonzerne rücken.

In zwei Jahren finden die nächsten Wahlen zum mächtigsten Präsidentenamt dieser Welt statt. Barack Obama wird sich der mächtigen Wirtschaftslobby inklusive den weitreichenden Verflechtungen und Beziehungen der erdölproduzierenden und -verarbeitenden Industrie wohl kaum verschließen können, sollte er eine weitere Legislaturperiode im Weissen Haus anstreben. Und spätestens dann wird er jene Kompromisse eingehen müssen, welche ihm die notwendigen Stimmen bringen. Auch wenn er Ende April 2010 und den gesamten Mai hindurch voller Anteilnahme die ölverseuchten Strände und Feuchtgebiete rund um das betroffene Mississippidelta als Anlass zu einem „No, we can not“ hinsichtlich der Geschäftspraktiken und Vergabeverfahren zwischen Regierung und Erdöllobby genommen hat. Sein „Yes, we can“ wird wohl deutlich schwächer ausfallen und wohl um die stillschweigende Formulierung „but with petroleum we can it better“ erweitert   

Wenn nun Bob Dudley sagt, die ölverschmierte Hand nicht als erster heben zu wollen, bedeutet dies eigentlich nur, den strategischen Nachteil und im wahrsten Sinne schwarzen Peter den direkten Mitbewerbern in die Schuhe zu schieben. Sollen die sich zuerst mit der Öffentlichkeit auseinandersetzen und damit auch in die Negativschlagzeilen geraten. Ich bin mir sicher, dass die seit langer Zeit abgesteckten Ölreviere als morastiger Teppich auf den Weltmeeren der Politik und Wirtschaft treiben. Ob nun Mr. Dudley seine Hand als erster hebt oder verschämt solange unter dem Tisch hält, bis sich andere erdreisten, um Bohrlizenzen anzufragen, spielt dabei wohl nur eine untergeordnete Rolle. 

Die USA waren und werden wohl immer vom schwarzen Gold Erdöl abhängig sein. Und mit dieser Tradition werden sie kaum brechen können geschweige brechen wollen, selbst wenn die Möglichkeiten vorhanden wären. Die propagierte Feinfühligkeit von BP wird deshalb wohl nur eine Frage einer sehr (begrenzten) Zeit sein. Und spätestens dann werden die Briten wieder nahtlos dort anschließen, wo sie nach Deepwater Horizon eigentlich nicht wirklich aufgehört haben. Alleine schon der Druck der Aktionäre und die damit verbundenen Forderungen nach ertragreichen Dividenden werden in einem Jahr über die Sicherheitsgedanken nach Deepwater Horizon den Mantel des Schweigens und Vergessens breiten.       

Die UN-Artenschutzkonferenz 2010 im japanischen Nagoya hat klare Zahlen auf den Tisch gelegt: Durch Großkonzerne wie BP werden jährlich Umweltschäden von umgerechnet 1,7 Billionen Euro laut UNO-Umweltchef Steiner verursacht. Doch solange sich die Verantwortlichen mit geradezu lächerlichen Summen auch in Zukunft freikaufen können, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass wir alle noch nicht bereits sind, uns aktiv unserer gemeinsamen Aufgabe und Verantwortung stellen zu wollen.

BP schreibt Ende 2010 also wieder schwarze Zahlen. Eigentlich und vor allem bei näherer Betrachtung keine grosse Kunst. War es doch nur notwendig, die roten Zahlen der vergangenen Periode lange genug in das über drei Monate ausströmende Erdöl des unverschlossenen Bohrlochs zu halten und mit jenen 780 Millionen Litern Erdöl, welche ungehindert aus den Tiefen des Ozeans strömten, reinzuwaschen.            



Über Paul Boegle

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