Bio Natur - Der Weblog

30.11.2010

Geo-Engineering: Moderne Ruinenbaumeister

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 02:02

Hans und die Bohneranke. Ein Märchen neu erzählt

Es ist vielleicht nicht das bekannteste Märchen. Und es stammt auch nicht von den Gebrüdern Grimm, sondern die erste Niederschrift finden wir bei Benjamin Tabart undJack and the Beanstalk: Ein Märchen namens Geo-Engineering. bei diesem Londoner Buchhändler ist sie vermutlich 1807 auch zum ersten Mal unter dem Originaltitel “The History of Jack and the Beanstalk” erschienen. Aber genug der Märchen. Wenden wir uns dem Tausendsassa Nathan Myhrvold zu, welcher laut New York Times (Turning Patents Into “Invention Capital”) im Laufe seines Lebens schon 30 000 Patente gesammelt haben soll. Dass Nathan Myhrvold zu früheren Zeiten Entwicklungschef bei Bill Gates und Microsoft war, bevor er sich mit fünf Milliarden Dollar (!!!)Risikokapital auf den Weg machte, die eigene Firma Intellectual Ventures zu gründen, soll nur der Vollständigkeit halber im Lebenslauf stehen. (Bildquelle: Laura´s Blog)

Myhrvold befasst sich aber neben vielen anderen Themen mit dem sogenannten “Geo-Engineering” oder, da ich hauptsächlich für deutschsprachige LeserInnen schreibe, mit den Ingenieurswissenschaften zur Rettung unseres Klimas. Seit der nun von mir bereits zur Genüge erwähnte UN-Artenschutzgipfel von Nagoya den verschiedenen (meist utopischen) Konzepten dieser neuen Ingenieurskunst aber einen erhöhten Stellenwert einräumt und dementsprechend auch das Geo-Engineering dezidiert in den Abschlussbericht aufnahm, sollten wir uns die verschiedenen Pläne zumindest auch einmal ansehen.

Geo-Engineering - Utopie und Wirklichkeit

Über die dramatischen Entwicklungen und daraus entstehenden Folgen und Konsequenzen des Klimawandels zu schreiben hieße eigentlich Eulen nach Athen tragen. Also belasse ich es bei diesem Eingangssatz. Das Geo-Engineering verfolgt im Moment zwei verschiedene Wege und Lösungsansätze, um das Klima der Erde abzukühlen.

Zum einen befassen sich die Ingenieure mit der Möglichkeit, dass bereits freigesetzte und also real existierende Kohlendioxid wieder aus unserer Erdatmosphäre zu entfernen, der Carbon Dioxide Removal (CDR) Methode. Diese Maßnahmen zur Klimakontrolle dient der Entsorgung der ausgestossenen Kohlendioxidmengen, wobei Speicher wie etwa Holzkohle in den Böden, tief in der Erde liegende Grundwasserschichten oder die Injektion in bereits ausgebeutete Öl- und Erdgaslagerstätten den überschüssigen Klimakiller beseitigen sollen.  

Ich glaube allerdings, dass diese Methode, sollte sie sich denn umsetzen lassen, einige Risiken birgt, von denen der Wegfall eines Anreizsystems zur Reduzierung der schädlichen Emissionen wohl geradezu in den Vordergrund drängt. Sollte es uns tatsächlich gelingen, technische Möglichkeiten zu entwickeln, um das natürliche Erdthermostat zukünftig zu regeln, werden sich Industrieländer mit dieser Methode möglicherweise so anfreunden, dass sie vor lauter In-die-Atmosphäre-pumpen auf das eigentliche Ziel der Schadstoffvermeidung einfach “vergessen”.

Und weiterhin sollten wir uns die Frage stellen, ob wir aufgrund unserer moralischen Verpflichtung gegenüber unseren Nachfahren, welchen wir durch unser heutiges Handeln keine Rechenschaft schuldig bleiben (können), überhaupt eine Berechtigung haben, derart unkontrolliert in das Weltklima einzugreifen. Ich verweise hierbei noch einmal auf meinen Artikel “Klimawandel und Generationengerechtigkeit“, welcher der Frage nachgeht, ob die aus philosophischer Sicht bestehende Problematik der Machtasymmetrie zwischen Lebenden und erst nach unserem Tode Geborenen ein derartiges Tun überhaupt gestattet. Genau diese Divergenzen von Kooperationsbeziehungen haben letztendlich zum heutigen Klimawandel geführt, wenngleich wir, wie schon ausgeführt, größtenteils Nutznießer vergangener Handlungen sind. Haben wir also nicht schon weitreichend als menschgewordene Götter die Atmosphäre so verändert, dass diesem Treiben nicht endlich Einhalt geboten werden sollte? Nein, anstatt neue Klimaschutzziele zu definieren und dafür Sorge zu tragen, durch entsprechende Maßnahmen jene “von unseren Kindern angemietete” Welt wieder ordnungsgemäß zurückzugeben, klammern wir uns in unserer Verzweiflung an jeden nur in Reichweite befindlichen Strohhalm.

Thomas Leisner und Stefan Müller-Klieser schreiben in “Aerosolbasierte Methoden des Climate Engineering” unter 1 Einleitung: Macht über die natürlichen Kräfte von Wetter und Klima zu erlangen, zählt zu den urzeitlichen Träumen der Menschheit, die entsprechende Fähigkeit wurde allerdings nur Gottheiten oder deren Günstlingen zugestanden. Mit der Entdeckung und Beherrschung der nuklearen Kräfte schien dieser Traum in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts erstmals in erreichbare Nähe zu kommen. Visionen einer menschengeformten Umwelt aus den 40er und 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts beinhalteten dabei nicht nur die Kontrolle über das Klima, sondern strebten eine Umgestaltung des Erdsystems zum Nutzen seiner menschlichen Bewohner an …” (dazu: Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis 19. Jg., Heft 2, Juli 2010 Seite 25).  

Geo-Engineering, ein brodelnder Vulkan 

Und dieser andere Strohhalm, der andere Weg, Geo-Engineering erfolgreich in die Bekämpfung des Klimawandels einzubinden, besteht darin, dass direkt in den Strahlenhaushalt der Erde eingegriffen wird. Und hierbei soll, zumindest wenn es nach den Klima-Architekten geht, die Solar Radiation Management (SRM) Methode gute Umweltdienste leisten. Was uns z.B. der Vulkan Eyjafjalla auf Island vorgemacht hat, dient als Ideenschmiede für den Homo sapiens. Schwefel wird in die Luft geblasen, reflektiert in den oberen Regionen die Sonneneinstrahlung und der Planet kühlt sich ab. Diese kleinsten Aerosol-Partikel in der Stratosphäre übernehmen die Funktion unzähliger Spiegel, welche die unerwünschte Energie in Form von Wärme erst gar nicht auf die Erde weiterleiten, sondern postwendend mit “Unbekannter Absender” zurückschicken. Klingt doch einfach!

Eine andere (verblüffend) unkomplizierte Lösung, zumindest auf dem geduldigen Reißbrett unendlich grauer Theorie, wäre der Anbau von Nutzpflanzen, welche das gleiche Prinzip der Reflektion nutzen würden. Pflanzen werfen durch glänzende Blätter und feine Härchen die einfallende Sonneneinstrahlung zumindest zum Teil wieder dorthin zurück, wo sie herkam, in die Weiten des Weltalls. Was ist demnach die Konklusion dieser Idee? Britische Forscher der Universität Bristol empfehlen, zukünftig verstärkt jene Arten Weizen, Roggen oder Aloe Vera einzusetzen, welche durch ihre Oberfläche der Klimaerwärmung entgegenwirken. Durch diese Rückstrahlung prognostizieren die Forscher eine Abkühlung des Erdklimas von durchschnittlich mehr als ein Grad. Zumindest dort, wo solche reflektierenden Pflanzen zum Einsatz kommen.

Ich habe mir den Artikel “Reflektierende Pflanzen könnten Erde kühlen” durchgelesen. Wissen Sie, wann meine Alarmglocken ohrenbetäubenden Lärm schlugen? Als ich den ersten Satz im dritten Abschnitt und dort besonders die Worte “… dass der großflächige Anbau geeigneter Pflanzen …” las. Gentechnik, war mein erster Gedanke. Wer sich auf die Suche nach geeigneten Pflanzen begibt, wird unweigerlich auch vor der Gentechnik nicht Halt machen. Und auch hierzu darf ich Sie wieder auf einen meiner Artikel verweisen, welchen ich unter dem Titel “Grüne Vernunft vs. Greenpeace” veröffentlicht habe. Geo-Engineering oder auch Climate Engineering als Spielwiese für genmanipulierte und staatlich sanktionierte Nutzpflanzen ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen.

Das Märchen von Hans und seinem Streben in ungeahnte Höhen geht weiter. Ich hoffe, dass Sie dann auch den Kontext zu Hans und seiner Bohnenranke verstehen. Unter dem Titel “Geo-Engineering, das Märchen geht weiter” werden wir uns den beiden verschiedenen Methoden kurz widmen und dann besonders der Frage nachgehen, ob und inwieweit Nathan Myhrvold, dessen Konzept mich so fatal an das Märchen erinnert, sein Geo-Engineering mit wirtschaftlichen Interessen verbindet und verknüpft. Ich darf Sie dabei jetzt schon auf seine Verflechtungen zu seinem “Mentor” Bill Gates vorbereiten. Und wir werden der Frage nachgehen, was ein Kampfflugzeug mit dem schönen Namen F-35 mit der ganzen Sache zu tun hat.

Bis dahin bastle ich weiterhin an meinem Weblog “Bio Natur, der Weblog rund um unsere (noch) schöne Welt”, sozusagen als kleiner Architekt in einer Welt voller grosser globaler Ruinenbaumeister.


28.11.2010

Klimawandel und Generationengerechtigkeit

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 01:12

Die Erde: Leihgabe unserer Nachfahren

Cancun rückt näher. Und mit ihm der UNO-Klimagipfel 2011. Wie schon im Vorjahr, als Kopenhagen sich in puncto Klimaschutz, Emissionsvorgaben, Begrenzung des Kohlendioxid-Ausstosses, erneuerbare Energien, Ernährungsprobleme und was weiss ich noch alles zu einem regelrechten Nullsummenspiel entwickelte und auch dementsprechend endete, liegen die Erwartungen trotzdem hoch. Grund für den vorsichtigen und verhaltenen Optimismus, dass das Kyoto-Protokoll doch einen adäquaten Nachfolger findet, war die nicht ganz ergebnislose UN-Artenschutzkonferenz im chinesischen Tianjin.

Der an der Grazer Karl Franzens Universität lehrende Lukas H. Meyer, Professor für praktische Philosophie, widmet sich dem Klimawandel unter dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeit. Einerseits steht bei ihm jene Ungerechtigkeit des Verursacherprinzips im Vordergrund, d.h. jene Länder ziehen die grössten Vorteile aus dem Klimawandel, welche aber am wenigsten davon betroffen sind. Oder im Umkehrschluss: Am schlimmsten wirken sich schädliche Emissionen auf jene Regionen und die dort lebenden Menschen aus, welche am wenigsten dafür können und zu den Verschmutzungen dazu beitragen. Aber andererseits, und dies ist ein sehr interessanter Ansatz von Lukas H. Meyer, sieht er die Emissionen der heute lebenden Generationen im Kontext zu den zukünftigen, erst nach unserem Tod geborenen Generationen. Inwiefern wirken sich also jene von uns geschaffenen Lebensbedingungen auf die Existenz nachfolgenden menschlichen Lebens aus.

Welche Konsequenzen implizieren also die gegenwärtigen Ideen von Gerechtigkeit, wenn wir diese auf zukünftig lebende Menschen (ZLM) beziehen und fiktiv übertragen? Meyer kommt zu dem Schluss, dass hierbei vollkommen andere Machtstrukturen herrschen als jene Merkmale zwischen ZeitgenossInnen auftreten. Und diese nicht änderbare absolute Machtasymmetrie hat einen gravierenden Nachteil für bisher noch nicht gelebtes Leben: Die Unmöglichkeit der Kooperation zwischen uns und eben diesen erst nach unserem eigenen Tode Geborenen. Dies wiederum bedeutet dann aber, dass durch diese Konstellation der gegenwärtige Mensch das Leben der nachfolgenden Menschen und deren Lebensbedingungen unmittelbar und mittelbar beeinflussen kann, ohne dass wir jedoch für dieses Handeln zur Verantwortung gezogen werden können. Übertragen auf die Problematiken des Klimawandels heißt dies nichts anderes als ein entstehendes Abhängigkeitsverhältnis, ohne aber dafür Rechenschaft ablegen zu müssen.

Der Konflikt der Generationengerechtigkeit

Meyer stellt dabei die theoretische Frage auf, ob dann überhaupt Gerechtigkeit möglich ist. Wenn, so wie von anderen Theoretikern behauptet, Gerechtigkeit nur in Verbindung mit Kooperationsbeziehungen zu sinnvollen Interpretationen führen kann, würde sich aufgrund der fehlenden Bindungen zu den ZLM diese Frage der Aufteilung gemeinschaftlich erwirtschafteter Güter gar nicht stellen. Generationengerechtigkeit ist demnach nur dann möglich und auch exekutierbar, wenn die Identitäten zum gleichen Zeitpunkt existieren.

Meyer hingegen geht einen Schritt weiter. Alleine der Umstand, dass wir die Möglichkeit haben, die ZLM schädigen oder auch begünstigen zu können, genügt, um durch dieses Wissen dafür Sorge zu tragen, zukünftigen Schaden zu vermeiden und im Schadensfall durch geeignete Maßnahmen diesen Schaden zu kompensieren. Für den Philosophen besitzen also zukünftige Menschen bereits jetzt schon grundlegende Rechte, etwa das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Obwohl es sich hierbei nur um ein theoretisches Konstrukt handelt, sieht Meyer durch unser Zuwiderhandeln eine Verpflichtung heutiger Generationen darin begründet, diese Menschenrechte durch dieses Wissen und Handeln nicht zu verletzen. Übertragen auf die von uns verursachten Emissionen, welche das Klima der Zukunft beeinflussen und deren Tragweite uns bewusst ist, bedeutet dies, dass ein Höchstmaß erlaubter Emissionen wie Kohlendioxid unter den heute Lebenden aufzuteilen sind, um die Existenz der ZLM nicht zu gefährden.

Um nun diesen Begriff der schädigenden Rechtsverletzung neu zu denken und wohl auch neu zu definieren, bedarf es einer gemeinschaftlichen Einigung in Bezug auf den Ausstoß von Emissionen. Der einfachste Weg wäre dabei, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens gleich viel Emissionen verursachen darf. Ein Ding der Unmöglichkeit. Denn Meyer kommt zu dem Schluss, dass erwachsene Menschen in den reichen OECD-Staaten schon jetzt schon überproportional hohe Emissionen verursacht haben als eben jene in den sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern. Und weiterhin stehen wir vor dem möglicherweise noch grösseren Problem, dass jener zukümftige Klimawandel, welchen die ZLM zu meistern haben, aus heutiger Sicht schon nicht mehr aufzuhalten geschweige denn zu vermeiden ist.

Dann aber stellt sich die Frage: “Warum soll ich als heute lebender Mensch für die Schäden meiner Vorfahren verantwortlich gemacht werden? Bin ich nicht genauso ein ZLM, welcher die Toten nicht mehr zur Rechenschaft ziehen kann.” Wer also soll für die Kosten dieser Schäden aufkommen? Meyer begibt sich zur Beantwortung dieser sicherlich noch schwierigeren Fragestellung in Dimensionen der historischen Gerechtigkeit. Die Verpflichtung, für frühere Schäden aufzukommen, also normative Konsequenzen als Resultat vergangener Handlungen, leitet er dabei aus dem Postulat der kompensatorischen Gerechtigkeit ab. Dies bedeutet, dass die Konsequenzen der Handlungen früherer Lebender die Bedingungen so geändert haben, welches ein Überdenken unseres jetzigen und zukünftigen Umgangs miteinander notwendig macht und aus dieser Notwendigkeit heraus eine Neubewertung und Neudefinition dieser Umstände nach sich zieht.

Meyer vergleicht diese Problematik mit jener “unserer” NS-Vergangenheit und versteht sich dabei, und hier stimme ich ihm uneingeschränkt zu, als Teil einer transgenerationellen Gemeinschaft, welche in der Pflicht steht, all jenen Kompensationsleistungen zu erbringen, welche immer noch unter den Folgen dieser Verbrechen leiden müssen. Wobei hierbei Meyer aus Sicht der moralischen Verwerflichkeit zwischen NS-Verbrechen und Klimawandel durchaus differenziert. Während die Nationalsozialisten durchaus in der Lage waren, jenes moralische und ethische Tun als falsch anzusehen, können unseren Vorfahren in vielen Fällen die negativen Konsequenzen ihrer Emissionen nicht angelastet werden und in weiterer Folge darf ihnen dadurch auch kein Unrechtbewußtsein unterstellt werden.

Lösungen und Alternative

Was aber vielfach vergessen wird, ist die Tatsache, dass wir durch das Handeln unserer toten Vorgänger Nutznießer und Begünstigte sind. Wenn wir also sagen und darauf hinweisen, dass wir für die Missstände, Missetaten und Fehler unserer Altvorderen nicht in die Verantwortung genommen werden können, sollten wir immer bedenken, dass wir gerade durch diese Aktivitäten jene Vorteile und Güter geerbt haben, denen wir nicht mehr abschwören wollen. Und damit stellt sich uns wieder jenes Problem der kompensatorischen Gerechtigkeit, gekoppelt mit jenem Verursacherprinzip aus der historischen Gerechtigkeit heraus.

Lukas H. Meyer hät es deshalb für denkbar, die Emissionsrechte als fiktives Gut zu betrachten, welches global frei handelbar ist. In einer noch zu vereinbarenden Übergangsfrist könnten somit reiche Industriestaaten, welche für eine Überproduktion von Emissionen verantwortlich sind, von ärmeren Ländern, deren Emissionen unter dem vereinbarten Limit liegen, deren Kapazitäten zukaufen. Allerdings verweist Meyer explizit auf die Begrenztheit dieser Methode, da langfristig nur eine bestimmte Reduktion der Emissionswerte zielführend sein kann. Als weiteren Vorteil dieses Bonus-Malus-Systems sieht Meyer darin eine gewisse Art von Entwicklungshilfe, da die ärmeren Staaten aufgrund ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse die ihnen zustehenden Rechte gar nicht umsetzen könnten und zumindest auf diesem Weg eine Art Ausgleichszahlung erhielten.

Auch wenn der Philosoph theoretische Ansätze für ein weltweit funktionierendes Kozept liefert, bleibt er Realist. Die Konferenz von Kopenhagen 2009 hat deutlich gezeigt, dass eine weltweite Einigung der am Verhandlungstisch sitzenden Partner in naher Zukunft zustande kommt. Deshalb seien brauchbare Alternativen gefragt. Und diese lassen sich vielleicht am ehesten auf nationaler Ebene umsetzen. Erste Anpassungen an den nicht vermiedenen und absehbar nicht vermeidbaren Klimawandel lasse sich dementsprechend nur innerhalb der eigenen Ländergrenzen wirkungsvoll vollziehen. Wenn schon die kollektive Unvereinbarkeit das wahrscheinlichste Szenario der Zukunft ist, muss der Staat zumindest seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Bürgern dahingehend nachkommen, dass Lebensbedingungen zu aller Zufriedenheit geschaffen werden. Was er dabei nicht verschweigt: Diese Anpassungen zum Schutz der eigenen Bürger ist in OECD-Ländern viel leichter zu bewerkstelligen als in Entwicklungsländern.

Dass wir alle gezwungen sind, unsere Lebensweisen zu ändern, in neue Umwelttechnologien zu investieren und umweltfreundliche Stromkonzepte zu realisieren, ist sicherlich nicht neu. Dass wir verpflichtet sind, diese neuen Erkenntnisse mit anderen zu teilen und bereitzustellen, wird nicht überraschen. Dass wir diese Erde nur von unseren Kindern geliehen haben, ist eine altbekannte Floskel. Doch woher wir gemeinsam schnellstmöglich effektive Lösungen hernehmen sollen, daran scheitert wohl auch Lukas H. Meyer. Nebenbei gesagt, ich selbstverständlich auch. Aber die Frage der Generationengerechtigkeit hinsichtlich des Klimawandels ist mit Sicherheit sehr spannend und wirft natürlich weitere Fragen auf.

Die drängendste aus meiner Sicht lautet dabei: Lässt sich der von Meyer angesprochene Konflikt asymmetrischer Machtverteilung zwischen heute lebenden Menschen und zukünftig lebenden Menschen in geregelte Bahnen lenken respektive wie werden eben jene bis dato ungelebten Existenzen mit diesem Machtvakuum umgehen? Ich fühle mich auf seltsame Weise an das altbekannte spieltheoretische Problem des Gefangenendilemmas erinnert. Kooperation ist für alle besser. Doch die Auszahlungsmatrix spricht leider meist eine andere Sprache.                            


26.11.2010

Kauf nix: Buy Nothing Day am 27.11.10

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 15:21

Shopping ohne Ende oder Ende mit Shopping?

Buy Nothing Day: Der Kauf nix Tag am 27.11.2010

Kennen Sie eigentlich den “Buy Nothing Day” oder salopp deutsch gesagt den “Kauf nix”-Tag? Kennen Sie nicht? Morgen, am Samstag, den 27.11.2010, jährt sich dieser Tag der strikten Einkaufsverweigerer und Shopping-Neinsager doch bereits schon zum 18. Mal. Ja, der “Buy Nothing Day” ist nun endlich erwachsen geworden, zumindest wenn es nach Zahlen geht.

Initiiert wurde er zum ersten Mal 1992 vom kanadischen Künstler Ted Dave und mit tatkräftiger Unterstützung der Adbusters Media Foundation umgesetzt. Konsumkritik durch Konsumverweigerung lautet die Botschaft, welcher sich mittlerweile Organisationen und natürlich vor allem Nicht-Konsumenten aus mehr als 80 Ländern angeschlossen haben. Am Freitag nach Thanksgiving, in Europa dementsprechend Samstag, einem der amerikanischen Highlights in puncto Umsätze, sollen die Räder still stehen. Wer also zur Besinnung kommen möchte und zumindest dem Shopping-Wahnsinn für einen Tag entsagen will, sagt am 27.11.2010 “Nein danke” und begeht den sogenannten Black Friday vielleicht einmal im Kreise seiner Angehöriger und dies nicht nur zur Weihnachtszeit.

Lassen Sie deshalb am 27.11.10 die Kreditkarte zuhause, bleiben Sie am besten gleich selbst dort oder machen Sie doch einfach einen kleinen Spaziergang. Selbstverständlich abseits der Konsumtempel, in weitem Bogen um die Einkaufsstrassen und fernab all der hellerleuchteten Shoppingmeilen.    


23.11.2010

Grüne Vernunft vs. Greenpeace

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 02:43

Prof. Klaus Ammann auf den Spuren des Martin Luther

In Hamburg wandelte nun der Schweizer Botaniker und Professor im Ruhestand, Prof. Klaus Ammann, auf den Spuren des Reformators und Ketzers von Gottes Ungnaden Martin Luther schlägt die 95 Thesen an die Türe der Schlosskirche von Wittenberg.oder kurz und knapp Martin Luther. Gemeinsam mit Dr. Uwe Schrader, seines Zeichens Vorsitzender des Forums Grüne Vernunft, nagelte Ammann, so wie anno dazumal (1517) Luther seine 95 Thesen in die altehrwürdige Türe der Schlosskirche zu Wittenberg mit lauten Hammerschlägen trieb, ein Kernpapier an die Türe der Deutschlandzentrale von Greenpeace. Wobei diese Hammerschlag-Geschichte wohl mehr eine Hypothese ist denn ein wirkliches Ereignis unserer Geschichte (siehe dazu Legenden um Luther: Der Thesenanschlag).

Inhalt des mit dem Gummihammer plakatierten Schreibens: “Zwölf Thesen zur Grünen Gentechnik” und die damit verbundene Einladung an die Greenpeaece-Verantwortlichen, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen, um über die Aspekte der modernen Biotechnologie zu sprechen. Die Aktion ist nicht einmal von schlechten Eltern, muss sogar ich zugeben, handelt doch Greenpeace immer wieder nach ähnlichen Mustern, um die Öffentlichkeit zu wecken und auf Probleme aufmerksam zu machen.

Auch mit der Grundhaltung der Aktion, nämlich “Klimawandel und Sicherung der Welternährung sind die brennendsten Fragen unserer Zeit” stimme ich überein. Allerdings finde ich die Aussage, dass durch eine “ideologiegetriebene Blockadehaltung zur Grünen Gentechnik“, welche die Gentechniklobbyisten gegenüber Greenpeace gemeinsam mit diesen zwölf Thesen mit an die Pforte schlagen, dann doch des Guten zuviel. Auch wenn Herr Ammann Papst Benedikt XVI. (siehe dazu die Aussagen im unten bereitgestellten Video) als positiven Faktor und womöglich Befürworter in Sachen Gentechnik vor sich herschiebt, sollte man sich bei aller propagierten Dialogbereitschaft das Geflecht der Plattform “Grüne Vernunft” genauer anschauen.

Ist doch zufällig Uwe Schrader auch Kontaktperson und darüberhinaus Vorstandsvorsitzender der Agro-Technik Vereinigung InnoPlanta. Und diese InnoPlanta hat auf ihren gentechnisch veränderten und genmanipulierten grünen Fahnen die Autogramme sehr illustrer Gäste. So wird voller Stolz auf der eigenen Webseite berichtet, dass zum ersten InnoPlanta AGIL Feldtag am 06.07.2009 in Üplingen einige Gäste von weither angereist waren. So durfte der Chef höchstpersönlich die Nordeuropa-Chefin der Monsanto AG begrüssen, ein Privileg in den (Dunst)Kreisen der Gentechnik. Und über Monsanto und Freunde wie Syngenta (z.B. Toscanella - Tomaten aus der Toscana) herrschen durchaus andere Meinungen vor als die Selbstdarstellung und Selbstbeweihräucherung der Gentechnik-Anhänger. Und welcher Schauplatz wäre für InnoPlant geeigneter gewesen als der Gentechnik-Schaugarten der Firma BioTech Farm GmbH. Und dieser steht zufälligerweise auch in Üplingen.

Im Streichelzoo für GVO: Gentechnik-Schaugarten der Firma BioTech Farm GmbH.

SchülerInnen, StudentInnen und auch allen anderen Menschen sollen dort die Vorzüge der Gentechnik praxisnah und mundgerecht nahegebracht werden. Einträchtig stehen pralle Felder voller Mais, Zuckerrüben, Weizen und Kartoffeln dort und präsentieren sich den BesucherInnen im schönsten Licht der Gentechnik. Ein wundervoller Garten Eden der Genmanipulation, gehegt und gepflegt im Schutze der neuesten Erkenntnisse und Anwendungstechniken von Pflanzenschutz- und Düngemitteln. Ein gar lieblicher Streichelzoo für GVO.

Wir könnten graben und graben in diesem Filz und Dickicht aus Wirtschaft, Gentechnik und selbstverständlich auch Politik. Also buddeln wir noch etwas tiefer hinein in diesem Sumpf. Wenn man sich einmal auf der Seite der BioTech Farm GmbH umschaut, wird man entdecken, dass im Impressum eine Frau Kerstin Schmidt als Geschäftsführer, steht so dort, nicht Geschäftsführerin, ich kann es auch nicht ändern (will ich auch gar nicht), aufgeführt ist. Dieser Name besagter Frau Schmidt ist desweiteren auf den Webauftritten der Firmen BioOK, BioMath GmbH und Biovativ zu finden, wie Antje Lorch und Christoph Then im Auftrag der Bündnis90/Die Grünen Bundestagsabgeordneten Ulrike Höfken umfassend in ihrem Bericht Kontrolle oder Kollaboration? Agro-Gentechnik und die Rolle der Behörden recherchiert haben. Besonders sei hierbei der Punkt “4.1.2 Welche Funktion hat der Verein FINAB im Zusammenhang mit dem umstrittenen Montoringplan für MON810-Mais?” erwähnt.

Und BioMath wiederum betreibt die Webseite der schon angesprochenen BioTech Farm GmbH. Aber damit nicht genug. BioMath ist auch verantwortlich für den sogenannten Monitoringplan der Firma Monsanto und deren gentechnisch veränderter Maissorte MON 810. Ziel dieses Planes ist die Wiederzulassung dieser gv-Maissorte, deren Verkauf bereits 2007 mit Bescheid des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ohne Vorlage solch eines Monitorings vorläufig verboten wurde (siehe Verwirrung um Auflagen für gentechnisch veränderten Mais).

Die Interessen und Verstrickungen der Firma Biovativ sind dagegen anders gelagert. Selbst preist sich die Firma wie folgt an: “Dienstleistungen rund um die Entwicklung, Analyse und Bewertung von agrobiotechnologischen Produkten und Methoden an. Das Leistungsspektrum reicht von Anbauversuchen im Feld über Gewächshausversuche aller Art bis zu gentechnischen Analysen im Labor.” Und so ist sie offenbar unter anderem mit der Durchführung von Freilandversuchen mit transgenem Weizen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt betraut, ohne dass dies jedoch aus den Antragsunterlagen hervorgeht (Umweltinstitut München e.V.: Wer ist wer im Gentechnik-Filz?). Dass das Dörfchen Üplingen in der Region Sachsen-Anhalt liegt, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung.

Weiterhin ist Biovativ ein 100%-iges Tochterunternehmen des gemeinnützigen Vereins FINAB. Dieser “Verein zur Förderung innovativer und nachhaltiger AgroBiotechnologie” hat selbstverständlich auch wieder hehre Ziele, welche den BesucherInnen gleich eingangs auf dem Webauftritt präsentiert werden: “Der gemeinnützige Verein FINAB e.V. wurde 1999 mit dem Ziel der Förderung der Agrobiotechnologie in MV gegründet. Wichtiger Meilenstein hierfür war die Errichtung eines Kompetenz- und Gründerzentrums für Agrobiotechnologie. Das AgroBioTechnikum Groß Lüsewitz konnte im November 2004 eröffnet werden. Zeitnah gründete FINAB Ende 2003 seine 100%ige Tochterfirma biovativ GmbH, die am 01.07.2004 ihre Geschäftstätigkeit aufnahm. FINAB und biovativ nutzen seit Beginn 2005 das AgroBioTechnikum für ihre Forschungs- bzw. Dienstleistungstätigkeiten.”

So weit, so gut. Besonders interessant ist dabei jedoch, dass der Verein FINAB ein Projekt (Laufzeit 23.08.2004 - 31.12.2006) beschreibt, welches der ”Entwicklung eines standardisierten Verfahrens zur Minimierung der Auskreuzungsraten von transgenem Raps am Standort Groß Lüsewitz” dient. Und Sie werden es nicht glauben, das finanzielle Volumen von fast 630 000,– Euro wird zu 80% aus Mitteln des deutschen Staates gefördert. Dass der Verein dabei stark mit der Universität Rostock kooperiert, mag auf den ersten Blick eine lässliche Sünde sein. Dass die FINAB-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Inge Broer heisst, soll uns ebenfalls recht sein. Dass Frau Prof. Broer dabei an der Universität Rostock den Lehrstuhl für Agrobiotechnologie inne hat, wird Sie wahrscheinlich auch nicht mehr verwundern. Und dass auf Umweltinstitut München e.V.: Wer ist wer im Gentechnik-Filz? zu lesen ist, dass Frau Broer nebenbei Gesellschafterin von BioOK und Gesellschaftervorsitzende von Biovativ ist, sollte jetzt auch nicht mehr ins Gewicht fallen.

Und da kommt dann tatsächlich ein Martin Luther der Neuzeit daher, nagelt zwölf Thesen an die grüne Pforte von Greenpeace und freut sich auf konstruktive Gespräche? Irgendwie verstehe ich die Welt nicht mehr. Richtig, bevor ich es nun vergesse! Das Video natürlich. Schließlich will ich nicht alleine das Privileg genießen, mich im Sumpf der Gentechnik zu suhlen.


21.11.2010

Enteignung “Made in Austria”

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 23:13

Zwangsabgabe “Kühlschrankpickerl”: Neue Geldquelle

Kühlschrankpickerl: Österreichische Regierung will gemeinnützige Stiftung UFH, welche die Gelder für die Entsorgungsplakette verwaltet, nun enteignen.Wer sich in Österreich zwischen 1993 und 2005 entschied, einen neuen Kühlschrank zu kaufen, musste im Zuge dessen auch gleich die dazugehörige Entsorgungsplakette mit bezahlen. Nachdem aber im Jahr 2005 die neuen Richtlinien der Elektroaltgeräteverordnung in Kraft traten, wie in allen anderen EU-Staaten übrigens auch, war die zwölf Jahre vorher eingeführte und im Volksmund meist als “Kühlschrankpickerl” bezeichnete Zwangsabgabe überholt. Hauptgrund dafür waren die beiden Richtlinien über die kostenlose Rückgabemöglichkeit der Altgeräte bei Sammelstellen der örtlichen Gemeinden und die Erweiterung auf die sogenannte 1:1 Regelung, welche bestimmte Teile des Handels dazu verpflichtete, beim Neukauf eines gleichwertigen Elektrogerätes das alte Elektrogerät zurückzunehmen (weiterführend dazu Österreichisches Lebensmittelministerium: Elektroaltgeräteverordnung (EAG-VO). Über die erweiterten Anpassungen, Ergänzungen und Novellen der Folgejahre möchte ich mich an dieser Stelle nicht auslassen, dazu gibt es Download der EAG-VO-Novellen auf Umweltnet ganz unten auf der Seite.  

Die Idee war nicht schlecht. Hersteller und Importeure von Elektroartikeln sind zu einer umfassenderen Informationspflicht gegenüber den VerbraucherInnen angehalten. Durch die so bezeichnete “Produzentenverantwortung“ werden Hersteller in die Pflicht genommen, die gesammelten Altgeräte einer fachgerechten Verwertung zuzuführen. Besonders Problemstoffe und umweltgefährdende Bestandteile dürfen nicht mehr kommentarlos auf den Mistplätzen und Müllhalden dieser Welt verschwinden. Der Abfallvermeidung und der damit verbundenen Ressourcenschonung wird durch die Wiederverwendung funktionsfähiger Geräte und Reparatur von Altgeräten ein erhöhter Stellenwert eingeräumt, welcher durch entsprechende Dokumentationen nachgewiesen werden muss.

Ergo hatten wir KonsumentInnen das Recht, die entsprechenden Gutscheine bei der damals gegründeten Sammelstelle Umweltforum Haushalt GmbH & Co KG (UFH) gegen Bares in Höhe von bis zu 100,– Euro Trennungsprämie einzutauschen. Die gesamte Sammelaktion brachte in diesem Zeitraum von 1993 bis 2005 an die 50 Millionen Euro. Geld, welches den KonsumentInnen gehört. Da aber bis zum heutigen Zeitpunkt nur etwa Entsorgungsplaketten im Gegenwert von zehn Millionen Euro bei der gemeinnützigen Stiftung UFH eingelöst wurden, liegen dementsprechend noch etliche Millionen, an die 32 Millionen Euro werden kolportiert, im Verborgenen. Geld, welches, wie schon erwähnt, den KonsumentInnen, den BürgerInnen, den VerbraucherInnen Österreichs gehört und auch zusteht.       

Nun aber hat die österreichische Regierung eine noch bessere Idee bezüglich der bisher nicht eingeforderten Gutscheine. Da der Staat sowieso wir alle sind, möchte die Regierung dieses Geld dazu verwenden, eigene Löcher im Budget zu stopfen. Schließlich gehören die Millionen ja uns, also nicht uns, aber irgendwie doch uns. Sozusagen wird dem Begriff “Ozonloch” eine völlig neue Bedeutung gegeben. Quasi ein “Made in Austria”-Ozonloch, welches dank findiger Köpfe im Zuge des Budgetbegleitgesetzes durch diese neue Einnahmequelle verkleinert werden soll. Sind sich auch sonst die verschiedenen Ministerien nicht einig, so sind sie sich in diesem speziellen Fall einmal richtig “grün”. Die Stiftung wir einfach enteignet und die brach liegenden Gelder werden schwesterlich und brüderlich unter Umwelt-, Wirtschafts- und Justizministerium aufgeteilt.

Es könnte einem jetzt der sündige Gedanke kommen, dass plötzlich einige arbeitslose BP-Mitarbeiter, welche nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ebenso als dilettantische Löcherverstopfungs-Experten fungierten, der österreichischen Regierung zur Seite stehen und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Thomas Faast, Geschäftsführer vom Umweltforum Haushalt, spricht klare Worte: ”Wir sehen das als Enteignung der Konsumenten, weil das Geld nicht für die Umwelt verwendet wird.” Der Verfassungsrechtler Heinz Mayer sieht dies genauso und so werden sich wohl die Gerichte mit der möglicherweise verfassungswidrigen Gesetzesänderung beschäftigen müssen, sollte es nicht zu einer angestrebten politischen Lösung kommen, welche von Faast trotz allem immer noch angestrebt wird.

UFH: Geld zurück für Ihr Kühlschrankpickerl.Sie haben selbst noch ein Kühlschrankpickerl oder finden es nicht mehr, wollen aber trotzdem auf Ihr gutes Recht nicht verzichten? Das Infotelefon des UFH wird in nächster Zeit hoffentlich verstärkt mit MitarbeiterInnen besetzt sein.


19.11.2010

Bayerischer Wald: Ur-Laub, Ur-Wald, Kult-Ur. Oder ur-gut und ur-gemütlich

Abgelegt unter: Reisen — Paul Boegle @ 20:08

[Trigami-Review]

1. Vorgeschichte

Sie folgten den Spuren nun schon mehrere Stunden. Der Regen hatte endlich aufgehört und durch die dichten Wipfel streckte die Sonne ihre wärmenden langen hellen Finger nach ihnen aus. Der dichte Nebel, welcher sie bisher schweigend auf ihrem stummen Marsch begleitete und zärtlich fürsorglich verhüllte, seinen undurchdringlichen weissen kalten Mantel wortlos über sie ausgebreitet hatte, lüftete sich endlich und gab die Sicht zögernd und nur widerwillig frei. Vor ihnen wuchs plötzlich die Schwärze des Tages in die Höhe und gab die schemenhaften Umrisse der Bäume preis. Immer noch fielen Regentropfen von oben herab, trafen sie unangenehm im Genick und krallten sich mit ihren glitzernden Körpern auf ihren Fellmänteln fest, um dort langsam in der dampfenden hauchdünnen Tiefe zu versinken.

Ihre Schritte wurden durch die endlosen Bahnen aus grünem Moos gedämpft, welche sich entlang der Wurzeln unter der beginnenden Sonneneinstrahlung tief in die feuchten Winkel duckten. Nur ein leises Schmatzen und Glucksen war in der Stille des Waldes zu hören, wenn die Ballen unter der Last der Darauftretenden zusammenbrachen und unter dem Druck der Füsse das Nass aus ihrem Innersten auf den dunklen Erdboden erbrachen. Schritt für Schritt folgte der grössere der beiden Jäger seinem Vordermann, sorgsam darauf bedacht, seine Abdrücke immer in die hinterlassenen Kuhlen des Vorangehenden zu setzen. Neben ihnen schlängelte sich die spiegelblanke messerscharfe Klinge eines Gebirgsbaches durch den Waldboden, schnitt sich mit jedem weiteren Tropfen wohlig in den Untergrund hinein, glitt mit flinken glasigen Händen über die moosbewachsenen Felsen, um sich eilig geschäftig plätschernd mit anderen kleinen Rinnsalen zu vereinen.Bayerischer Wald: Nachhaltiges Reisen in intakter Landschaft.   

Immer wieder stellten sich ihnen dürre Äste in den Weg, beobachteten aus helleren hölzernen Augen die seltsamen Eindringlinge und tuschelten und wisperten hinter ihrem Rücken mit dem auffrischenden Wind. Das satte frische Grün eines kleinen Laubbaumes schrie ihnen entgegen, welcher verzweifelt gegen die mit dunkelgrünen Nadeln stachelbewehrten Riesen kämpfte, um sich seinen Platz an der Sonne zu sichern. Daneben stand der gebeugte Leichnam einer mächtigen Fichte. Ein Blitz hatte sie dicht über dem Wurzelstock getroffen, sich in Sekundenbruchteilen durch die rauhe Rinde bis zum Kern durchgefressen, um mit seiner Feuerzunge die Eingeweide der Jahresringe herauszulecken. Dann zog sich sein ausgebrannter Atem genauso schnell wie er gekommen war wieder in die Lüfte zurück, ließ den durch die Hitze erschöpften Baum zurück, welcher sich kraftlos gegen die schweigenden Nachbarn lehnte, um mit jedem Windstoß seiner horizontalen Bestimmtheit ein Stückchen näher zu rücken. 

Plötzlich blieb der vordere Mann stehen. Ohne sich umzudrehen, reichte er seinen Speer nach hinten und, als er den zupackenden Griff und den leichten Ruck seines Begleiters spürte, bückte er sich und griff mit der rechten Hand nach unten. Neugierig trat der andere Jäger daneben und öffnete schon seinen Mund. Doch mit einem fast lautlosen Knurren und einer darauffolgenden gebieterischen Geste befahl ihm der andere zu schweigen. Dann wandte er sich wieder dem Boden zu. Unschlüssig nahm er etwas der feuchten aufgeweichten Masse zwischen Daumen und Zeigefinger und zerrieb sie sorgfältig zwischen den groben und mit struppigen schwarzen Haaren überzogenen Fingern. Immer wieder führte er die Losung an die Nase, schnüffelte, rieb währendessen weiter, bis sich auch die letzten Krümel auf der Erde ausbreiteten. Dann folgte sein Blick der sanften Steigung, welche sich vor ihnen im dichten Wald verlief. Die tiefen Spuren waren jetzt deutlich zu sehen. Fast schnurgerade liefen sie nach oben, bahnten sich ihren Weg durch das Gestrüpp und wichen nur dort aus, wo sich die Kraft der Natur ihnen mit aller Macht in den Weg stellte. In den Abdrücken standen kleine Lachen Regenwasser, welche die Spiegelbilder der Baumwipfel in sich aufnahmen und den beiden Männern entgegenwarfen.

Dann richtete sich der vordere Jäger langsam wieder auf. Die Muskelstränge spannten sich unter den Fellen, welche er sich um die Waden geschlungen und sorgsam mit Lianen verknotet hatte. Dann forderte seine Hand wortlos den Speer zurück. Noch einmal blickte er zwischen den Bäumen hindurch, bevor er weiterging. Dicht über ihnen war ein lange anhaltendes Brüllen zu vernehmen. Sie hatten das Reich des Bären betreten.                   

2. Bayerischer Wald: Urlaub im Urwald, Kultur im Grünen

Bayerischer Wald: Urlaub im Urwald und Kultur im Grünen.Dies alles könnte sich so oder zumindest so ähnlich vor 10 000 im erdgeschichtlichen Jungpaläolithikum zugetragen haben. Der Bayerische Wald löste sich langsam aus der Umklammerung der Eiszeit. Unzählige Rinnsale einer bis zu 100 Meter dicken Eisschicht schmolzen, vereinigten sich zu kristallklaren Gebirgsbächen, deren kaltes Gletscherwasser entlang der Findlinge in die nahen Täler strömte und dort heute so bekannten Seen wie den Grossen und Kleinen Arbersee oder den Rachelsee füllten. Vielleicht war es aber auch ganz anders. Wer weiß dies schon, jetzt nach so langer Zeit?

Doch die schweigenden Baumriesen haben die Zeit überdauert. Und wer genau hinhört, wird auch jene Bäume in Mitteleuropas grösster Waldlandschaft manches Mal ein leises Wort sagen hören. Und wenn es nur auf Facebook ist. Wer aber bereit ist, nur einen Bruchteil jener 6000 Quadratkilometer zu erwandern, welche sich dank bestens ausgebauter Wanderwege durch diese im wahrsten Sinne grenzenlose Region zwischen Donau, dem tschechischen Böhmerwald und natürlich auch Österreich ziehen, wird auch ohne Facebook glücklich.

Und wer ohne Facebook auf Schusters Rappen gerne im Nationalpark Bayerischer Wald unterwegs ist, wird mit dem Top Trail Goldweg wohl eine der reichhaltigsten Landschaften kennenlernen, welche sich durch den gleichnamigen Fernwanderweg auf einer Länge von 660 Kilometern durch den Osten Bayerns den WanderInnen erschließt.

Wissen Sie eigentlich, woher dieses geflügelte Wort “Auf Schusters Rappen” herkommt? Nein? Also, früher war es den Reichen vorbehalten, mithilfe von Pferden voranzukommen. Und die teuersten Pferde waren die schwarzen, die sogenannten Rappen. Wer dementsprechend arm war, dem blieben nur die guten Schuhe, um etwa von A wie ArberLand bis Z wie Zwiesel zu kommen. Und weil die eben in den meisten Fällen ebenfalls schwarz waren und vom Schuster damals noch in Handarbeit gefertigt wurden, waren sie eben des “Schusters Rappen”. Aber dies ist wieder eine ganz eine andere Geschichte. Und vielleicht erzähle ich auch diese irgendwann zu Ende.Bayerischer Wald: Wandern in unberührter Landschaft So wie jene von den beiden Jägern und dem Bären. Oder so viele andere Geschichten rund um den Bayerischen Wald, welche bisher unvollendet geblieben sind und möglicherweise noch gar nicht geschrieben wurden. Und sollten Sie in nächster Zeit nichts mehr von mir hören, was fast unvorstellbar ist, dann finden Sie mich vielleicht dort, wo vor Jahrtausenden ein Blitz in eine alte Fichte einschlug. Oder sollte auch dieses nur ein Traum sein?           

3. Angerhof: Wellness und Fairness unter einem Dach

Sie wundern sich, warum Sie ausgerechnet im Reich des Bären Meister Petz nicht über den WegAngerhof Sport- und Wellnesshotel in St. Englmar: Der Bayerische Wald von seiner schönsten Seite.

laufen? Dafür gibt es natürlich viele gute Gründe. Ein Hauptgrund könnte aber sein, dass sogar ein Bär einmal eine Ruhepause braucht, sozusagen auf der faulen Bärenhaut liegen möchte. Meister Petz und seine beiden Jäger haben nun (endlich) Frieden geschlossen. Und so liegen sie nun in trauter Dreisamkeit vereint im Angerhof Sport- und Wellnesshotel, lassen sich gemeinsam die Wintersonne auf den Bärenbauch scheinen, trocknen die nassen Felle und genießen ein Wellness-Wochenende im Bayerischen Wald.

Und wer weiß, vielleicht liegen die drei Protagonisten meiner Vorgeschichte ja immer noch dort, wenn Sie im Angerhof zu Gast sind. Keine Angst! Die Speere liegen wohlbehütet in einem der Doppelzimmer. Und der Bär? Ja, der Bär schwimmt seine Runden unter Bayerns Wintersonne im Sole-Aussenbecken. Und wenn er nicht dort ist, finden Sie ihn möglicherweise beim Ganzkörperpeeling im Rasul-Bad. Oder er sitzt im Panorama-Palmengarten, trinkt einen bärigen Cocktail an der Wasser-, Tee- oder Saftbar. Ich habe auch keine Ahnung, was so ein Bär den ganzen Tag tut. In Zeiten wie diesen durchaus denkbar, dass er gerade auf Facebook mit dem Angerhof Sport- und Wellnesshotel über einen köstlichen Bärenwitz lacht. 

Angerhof Sport- und Wellnesshotel: Die Phantasie-OaseSie fragen: “Und wenn der Bär gar kein Bär, sondern eine Bärin ist?” Dann liegt Frau Bärin wohl in der Phantasie-Oase oder lässt sich die Krallen in der Kosmetikabteilung stutzen. Schauen Sie doch am besten gleich selber auf derm Wellnessplan-Karte nach.

Angerhof Sport- und Wellnesshotel Sankt Englmar: Der Wellness- und Spa-Bereich.      

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17.11.2010

Bauxitschlamm begräbt Menschenrechte

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 20:56

Ungarn sagt “Nem!” zu geplanter Protestkundgebung

Das ungarische Wörtchen “Nem” bedeutet schlicht und einfach “Nein“. Am 4. Oktober brachen alle Dämme, symbolisch gesprochen für jenen Damm des Auffangbeckens in der Aluminiumfabrik Aluminium-AG MAL. Roter, mit giftigen Schwermetallen angereicherter Bauxitschlamm begrub unter anderem die ungarischen Ortschaften Devecser und Kolontar unter sich. Zehn Menschen starben, 150 durch Verätzungen teilweise schwer verletzte AnwohnerInnen, mehr als 350 zerstörte Häuser, Dutzende Quadratkilometer verseuchte Erde ließ die Lawine zurück.

Den Menschen wurde selbstverständlich sofortige Hilfe durch die ungarische Regierung zugesagt. Schadensersatzforderungen der betroffenen BürgerInnen wurden gestellt, die Hoffnung auf baldige Besserung bis heute genährt, doch nicht erfüllt. “Nem!” sagen die Verantwortlichen bis zum heutigen Zeitpunkt. Und morgen, am 17. November 2010 wollten die in ihrer Gesundheit, ihren Eigentumsrechten und nicht zuletzt in ihrem Stolz Verletzten auf die Strasse, sprichwörtlich auf die Strasse, um ihrem Unmut über die Verweigerung.

Sie wollten sich auf de Fernverkehrsstrasse Devecser niedersetzen, zumindest halbseitig dort niederlassen, um gegen dieses Unrecht aufzustehen. Die kleine Frau von der Strasse, der kleine Mann auf der Strasse wollten protestieren, auf jener Strasse demonstrieren gegen Willkür und Ungerechtigkeit. Und die ungarische Regierung? “Nem!” sagt sie zu dieser bodenlosen Frechheit der kleinen Leute. “Es herrsche immer noch Katastrophennotstand in der betroffenen Region um Devecser” lautet die Begründung, welche wohl zurecht von MenschenrechtsschützerInnen angezweifelt wird.

Bis zum Austritt Ungarns aus der sogenannten Doppelmonarchie Österreich-Ungarn am 31. Oktober 1918 wäre dies alles noch verständlich oder womöglich sogar begreiflich gewesen. Schließlich gab es bis zu diesem Datum jene Monarchie, welche den bis dato in ihrem Denken und Handeln unselbständigen BürgerInnen den Weg wies. Doch seither hat sich (nicht nur) in Europa viel verändert. Die Republik Ungarn wurde ausgerufen, seit dem 1. Mai 2004 ist jene Republik sogar Mitglied der Europäischen Union. Aber möglicherweise ist diese neue Lage des politischen Systems noch nicht bis in die hintersten Winkel der ungarischen VolksvertreterInnen durchgedrungen. Oder sollte es nur daran liegen, dass sich Ungarns PolitikerInnen der unsäglichen Götterdämmerung des französischen Sonnenkönigs Louis XIV noch immer verplichtet fühlen, welcher mit seinem “L’état c’est moi” den Zeitgeist der damaligen prärevolutionären Ohnmacht im Allmachtstaat Frankreich diktierte.

Geza Csenki, seines Zeichens Sprecher und Organisator der Bürgerinitiative, ruft deshalb trotzdem oder besser gesagt gerade deshalb zum Protest und zivilen Ungehorsam auf: “Wenn sie uns daran hindern wollen zu protestieren, werden wir zivilen Ungehorsam leisten. Sie haben unser Leben ruiniert, jetzt wollen sie uns auch noch unsere Rechte wegnehmen. Sollen sie doch auf uns schießen!”

Legen es Ungarns PolitikerInnen wirklich darauf an, einen weiteren Prager Frühling heraufzubeschwören. Und dies mitten im November. 


Aquamation: Vom ökologisch richtigen Sterben

Abgelegt unter: Reisen — Paul Boegle @ 00:11

Gute Reise oder Sterben, ohne der Umwelt zu schaden

Ich mache mir von Tag zu Tag so meine Gedanken. Und je mehr Tage ins schöne Bögle-Bloggerdasein-Land ziehen, desto eintöniger werden diese. Sollten Sie dies als lineares Denken titulieren wollen, so muss ich Ihnen diesbezüglich leider zustimmen. Aber sei´s drum und deshalb sei es so. Und so bleibt es natürlich nicht aus, dass sich in einem unbedachten Moment dieser Nachdenk-Nachdenklichkeit immer wieder ein bestimmter Gedanke in den Vordergrund schiebt: “Alles hat irgendwann ein Ende!” Nicht zwei wie jene viel besungene Wurst, sondern eben jenes endgültige, alles entscheidende, alles beendende Ende. Im Volksmund auch als Gevatter Tod verschrien. Und da es sich nirgends so würdevoll und schön sterben lässt wie in Wien, quasi die Hochburg des Todes schlechthin, stellt sich dementsprechend die Frage: “Wie stirbt es sich am allerschönsten?”

Und weil Herr Sensenmann, und im Sinne der Gleichberechtigung, oder Frau Sensenfrau nun einmal vor nichts und niemandem Halt machen, muss ein Blogger der grünen Schiene (Untertitel: “Paul Bögle, ein Blogger sieht grün!”) die Fragestellung erweitern und umformulieren in: “Wie stirbt es sich ökologisch am allerschönsten?” Und so hat mich mein lineares Gedankengut auf den Begriff der “Aquamation” gebracht. Und weil ich die unangenehme Eigenschaft habe, (fast) jeder Fragestellung nachzulaufen, führten mich meine virtuellen Beine hin zu Aquamation - die Öko-Beerdigung.

Die ganze Welt redet von begrenzten Ressourcen. Monte Carlo baut in die Höhe, weil sich die Reichen im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr ausbreiten können. Malaysia holzt Tag für Tag Baum für Baum ab, weil die Papierindustrie Platz braucht. Afrika würde gerne den Platz in den Wüsten für Anbaugebiete nutzen. Süd- und Mittelamerika roden den Regenwald, weil Platz nicht gleich Platz ist. China braucht noch mehr Platz für noch mehr Kohlekraftwerke. Und Europa und die USA brauchen sowieso immer Platz, für was auch immer. Bis auf Monte Carlo natürlich, die wissen wenigstens, für was sie Platz brauchen.

Aber alle vergessen, dass das grosse Sterben tagtäglich ebenfalls sein kleines lauschiges Plätzchen beansprucht. Aber dafür haben nun findige Platzmacher die phänomenale Aquamation aus den Tiefen der Hölle geschaufelt. Und so wird der Prozess der Aquamation in jenem oben bereits erwähnten Artikel folgendermaßen umrissen: “Aquamation ist ein vierstündiger Prozess, für den man die Leiche gemeinsam mit Kalium und Wasser in einen Stahltank gibt. Das Wasser wird auf 93° Celsius erhitzt, was offensichtlich die effizienteste Temperatur ist um Fleisch und Organe zu zersetzen. Die Knochen bleiben übrig, aber das ist in Krematorien ja auch nicht anders. Der Vorteil von Aquamation ist, dass sie nur 10 Prozent der Energie einer Verbrennung benötigt und keine Gifte emittiert werden. Außerdem bleiben Prothesen, beispielsweise die von Knie und Hüfte übrig und lassen sich zumindest theoretisch wiederverwerten.”

Nun, dies klingt doch auf den ersten todesverachtenden Blick nicht schlecht. Ergänzen wir den zitierten Text nun noch mit den beiden Sätzen, welche ich auf dem Bestatterweblog zum Thema Aquamation gefunden habe “Was übrig bleibt sind ein hervorragender Flüssigdünger und die Knochen. Ausprobiert habe man das mit Schweineleichen und dabei herausgefunden, daß es bei 93° C am besten funktioniert.”, kann ich dieser neuen Form des Bestattungswesens einiges abgewinnen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich später einmal bei 93 Grad Celsius vier Stunden lang bei kleiner Flamme gar gekocht werde, hat das schon was. Da bekommt der Begriff “Warmduscher” doch plötzlich eine vollkommen neue Bedeutung.

Die einzige Frage, welche ich mir bei all der Kocherei allerdings stellen muss: “Was, wenn der Strom ausfällt?” Muss die anwesende Trauergemeinde mich dann kräftig umrühren, damit ich mich portionsgerecht verflüssige. Denn wie wir alle wissen, verderben viele Köche den Brei. Aber ich werde trotz alledem weiterhin mein eigenes Süppchen kochen, selbst wenn es meine letzte ist, in welcher ich zu liegen komme. Und die ich dann auch auszulöffeln habe.


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