Der Grüne Elektronik Ratgeber von Greenpeace


Internationale Elektronik-Hersteller: Spreu und Weizen

Grüne Elektronik Ratgeber von Greenpeace

Die nun zum bereits 16. Mal veröffentlichte Ausgabe der von Greenpeace erstellten Untersuchung internationaler Elektronik-Anbieter ist zu haben. Hauptaugenmerk gilt dabei den von den Herstellern verwendeten Chemikalien, welche bei der Produktion der elektronischen Erzeugnisse eingesetzt werden. Viele Hersteller verzichten in Fernsehern, Druckern oder Computern immer noch nicht auf den Einsatz von Polyvinylchlorid (PVC), Phthalate oder die sehr problematischen bromierten Flammschutzmittel, welche einerseits zwar flammenhemmend wirken und die Flammenausbreitung verlangsamen, aber leider auch schwer abbaubar sind und zudem durch die Anreicherung in Lebewesen ihre toxische Wirkung verbreiten. 

Aber auch dem Thema Recycling wird dementsprechende Aufmerksamkeit gewidmet. Haben die VerbraucherInnen leicht zugängliche Möglichkeiten, die Altgeräte fachgerecht zu entsorgen, mit ein Punkt, welcher in die Bewertung einfliesst. Und natürlich spielt die Energieeffizienz der elektronischen Geräte weiterhin eine tragende Rolle. Doch nicht nur Unternehmen konnten punkten und sich auf den vorderen Rängen etablieren, welche wie Nokia, Sony Ericsson oder Philips bei der Vermeidung problematischer Chemikalien und sehr guter Energieeffizienz führend sind, sondern auch die Zusage von HP, ab dem Sommer 2011 auf Beryllium und berylliumhaltige Verbindungen zu verzichten, ergaben Punktegewinne.

Allerdings bleibt allen Herstellern gemeinsam, dass sie hinsichtlich Elektroschrott und besonders bei der Umsetzung der neuen RoHS 2.0 Richtlinien (Restriction of (the use of certain) hazardous substances) oder zu deutsch „Beschränkung (der Verwendung bestimmter) gefährlicher Stoffe“ enormes Aufholpotential haben. Wer das Ziel hat, die Vorgaben der Konzentration von höchstens 0,1 % von z.B. chlorierten/bromierten Flammschutzmitteln oder chlorierten Weichmachern in den homogenen Werkstoffen der Elektro- und Elektronikgeräte zu erreichen, hat noch einen steinigen Weg vor sich.

Und einen besonders steinigen Weg haben Hersteller wie Toshiba, Microsoft und wie zum wiederholten Male Nintendo vor sich. Fehlende, falsche und nicht verwirklichte Zeitpläne bei der Verbannung problematischer Chemikalien, unklare und vage Zusagen über bevorstehende Umsetzungen der Planvorgaben, kein Konzept bei Elektroschrott. Super Mario und Co fühlen sich scheinbar auf den letzten Plätzen des Rankings für grüne Elektronik pudelwohl.

Schaut man sich die auf Greenpeace Österreich deutschsprachige animierte Grafik (siehe Greenpeace: Guide to Greener Electronics) an und vergleicht die ersten Versionen aus dem Jahre 2006 mit den aktuellen Versionen 2010, so fällt zumindest auf, dass sich einiges getan hat innerhalb der letzten vier Jahre in puncto grüne Elektronik. Allerdings nicht unbedingt zum Positiven. Aber hier sollte man differenzieren. Denn was sich auf den ersten Blick als eindeutiger Rückschritt entpuppt, sollte bei näherer Betrachtung genauer untersucht werden.

Und hier setzt meine Kritik bei der Auswertung von Greenpeace an. Denn es ist nicht klar ersichtlich, inwieweit sich die Bewertung z.B. der RoHS 2.0 Richtlinien in den verschiedenen Zeiträumen widerspiegelt. Auch interessant wäre zu erfahren, ob und in welcher unterschiedlichen Gewichtung die einzelnen Faktoren zum Gesamtergebnis des Rankings beitragen. Bedeutet etwa eine Steigerung von 10 % auf dem Sektor Energieeffizienz bei einer gleichzeitigen Reduktion von 10 % des Faktors Recycling letztendlich ein Nullsummenspiel. Selbstverständlich ist das Handling solch einer dynamischen Listung ungleich schwieriger als eine auf nicht veränderlichen Einflussfaktoren beruhende Reihung, aber ich würde mich über etwas mehr Transparenz freuen.

Weiterhin darf angemerkt werden, dass die Erstellung des Ratgebers für grüne Elektronik zum einen auf öffentlich zugänglichen Informationen, aber in erster Linie auf der Kommunikation zwischen den einzelnen Parteien aufgebaut ist. Und hier sehe ich das grösste Problem für ein aussagekräftiges Ranking der Elektronik-Hersteller durch Greenpeace. Wer möchte schon sämtliche elektronischen Leichen im eigenen Unternehmenskeller und die dazugehörigen überlaufenden Chemiefässer preisgeben, wenn dies dem Image vom grünen Saubermann schadet? Die englischsprachige Erklärung über die Verwendung und Bewertung der einzelnen Kriterien, welche ab der achten Version deutlich ausgebaut wurde (siehe Ranking Criteria Explained January 2010) trägt mit Sicherheit zur Verbesserung der Transparenz bei, aber für einen Laien wie mich wäre eine verständlichere Zusammenfassung sehr hilfreich.

Und, aber dies wird explizit erwähnt, wichtige Bewertungskriterien wie Produktions- und Arbeitsbedingungen werden vollständig außer Acht gelassen. Wenn also ArbeiterInnen den giftigen Dämpfen der verwendeten Chemikalien durch fehlende Absaugungen permanent ausgesetzt sind, so ist dies zwar ein nicht von der Hand zu weisender Nachteil, welcher aber in keinster Weise auf die Ergebnisse Einfluss hat. Ich kann der Forderung nach Berücksichtigung solcher Faktoren deshalb keinen Nachdruck verleihen, da ich ansonsten meine gerade aufgestellte Forderung nach mehr Transparenz und Einfachheit selbst ad absurdum führen würde. Ich möchte damit lediglich auf die Problematik aufmerksam machen, welche sich immer wieder beim Erstellen solcher Rankings stellen und betone, dass ich damit nur zum Nachdenken und möglichen Verbessern zukünftiger Listen beitragen will.  

Was bleibt zu guter Letzt? Der Grüne Elektronik-Ratgeber von Greenpeace ist sicherlich eine gute Entscheidungshilfe und Informationsgrundlage für den Kauf zukünftiger Fernseher, Drucker, Computer, Spielekonsolen usw. Aber es bleibt sicherlich noch einiges im Verborgenen der einzelnen Elektronik-Anbieter und dies wohl aus gutem Grunde. Wenn Sie dem Link Firmenranking „Grüne Elektronik“ folgen,  finden Sie die Übersicht zu den einzelnen Versionen des Grüne Elektronik-Ratgebers, denn interessant ist er für uns VerbraucherInnen auf jeden Fall.

    



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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