Happy Meal von McDonald´s – Essen ohne Ende


Happy Meal – härter wie Stahl und unkaputtbar

Wissen Sie, was ein Happy Meal Menü von McDonald`s und Plutonium-239 gemeinsam haben? Nein, können Sie natürlich nicht wissen. Und ehrlich gesagt kann ich es natürlich auch nicht so genau wissen, da es solch einen Vergleich nicht gibt und auch meine Zeit wohl kaum ausreichen dürfte, um den letzten Beweis für meine kühne These anzutreten. Aber reden wir in ein paar Jahrtausenden weiter. Es ist auf alle Fälle die Halbwertszeit, welche ich im Visier habe.

Happy Meal Project von Sally Davies: Happy Meal Menü von McDonald´s. Foto Tag 1 am 01.04.2010Wie Sie unter Majak – das Tschernobyl vor Tschernobyl vielleicht bereits gelesen haben, beträgt diese Messkomponente für den radioaktiven Zerfall bei Plutonium-239 mehr als 24 000 Jahre. Und die New Yorker Künstlerin Sally Davies hat nun mit ihrem Happy Meal Project Fastfood-Geschichte geschrieben oder besser gesagt fotografisch dokumentiert.

Sally Davies ging nun eines schönen Tages, genauer gesagt am 10. April 2010 zu McDonald´s und bestellte sich ein Happy Meal Menü. Nun tat Sally Davies aber nicht das, was jeder normale Mensch mit solch einem handelsüblichen Exemplar machen würde, nämlich essen. Nein, Sally Davies nahm das ganze Fresspaket mit nach Hause, legte es auf einen Teller und fotografierte die Fritten und den Burger. Diesen Vorgang wiederholte sie am 02. April 2010, natürlich folgte ein fotografischer Beweis des Zerfallprozesses am 03. April 2010 und so weiter und so fort. Ein halbes Jahr später war Sally Davies immer noch am fotografieren. Immer den gleichen Burger und dieselben Pommes frittes, jenes Happy Meal Menü vom 10. April 2010.

Die beiden Fotos, aufgenommen von Sally Davies, zeigen die erste Aufnahme vom 10. April 2010 und ein wahllos gewähltes Happy Meal Menü Foto vom 28. September 2010, also 171 Tage später. Was hat sich grossartig geändert?

Happy Meal Project von Sally Davies: Happy Meal Menü von McDonald´s. Foto Tag 171 am 28.09.2010

Falls Sie sich die komplette Diashow des Langzeit-Experiments ansehen möchten, unter folgendem Link können Sie sich über die Fortschritte auf dem Laufenden halten. Ich kann Ihnen aber versichern, dass sich auch bei genauerem Hinsehen nur minimale Veränderungen erkennen lassen. Die Künstlerin beschreibt die Fortschritte ihres Happy Meal Projects damit, dass sich der Geruch nach Stunden verflüchtigte und damit wohl mit ein Hauptgrund war, dass ihre Hunde jegliches Interesse an der Fastfood-Delikatesse verloren. Die Pommes frittes wurden zwar hart, aber ansonsten war Sally Davies ganz begeistert von der Farbechtheit der McDonald`s Kartoffelprodukte. Und Sie schwärmte darüberhinaus vom hübschen Glanz der beiden Brötchenhälften, welcher sich über die Wochen bildete.

Manche meiner LeserInnen werden mich als einen durch und durch gottlosen und atheistischen Menschen in Erinnerung haben. Aber angesichts der Langlebigkeit der McDonald´s Produkte komme selbst ich in Versuchung, ob ich in Zukunft nicht einen Bic Mac auf einem kleinen Hausschrein trapieren sollte und diesen aufgrund seines ewigen Lebens anbeten soll. Und als Opfergabe lege ich jeden Tag ein paar Pommes frittes dazu, natürlich die ewiges Leben spendenden von McDonald´s.

Ich glaube, dass sogar Friedrich Nietzsche, wenn er denn noch leben würde, sein finales „Gott ist tot!“ zugunsten der Erweiterung „… aber es lebe der Bic Mac“ überdenken würde. Und wenn wir schon bei Nietzsche sind. Wir kennen alle sein berühmtes Werk „Also sprach Zarathustra„. Sie wissen schon: Das Tier, auf der anderen Seite ein Übermensch, dazwischen ein Seil namens Mensch, den Abgrund dürfen wir dabei natürlich auch nicht ausser acht lassen und so weiter und so fort. Dieses ganze Dilemma hat, wie sollte es anders sein, auch die Musik aufgegriffen, in unserem Falles der grosse Richard Strauss mit seiner sinfonischen Dichtung mit dem gleichen Titel „Also sprach Zarathustra„. Kommt Ihnen sicherlich bekannt vor, auch wenn Sie es im Moment nicht hören können.         

Die Melodie kommt Ihnen irgendwie trotzdem bekannt vor? Keine Frage, diente sie doch Stanley Kubrick in seinem Meilenstein „2001: Odyssee im Weltraum“ als Titelmelodie. Wir haben nun eine Kette, angefangen mit einem literarischen Werk, welches musikalisch interpretiert und schlussendlich anhand eines cineastischen Meisterwerkes verfilmt wird. Sie fragen sich zurecht: „Und was hat das Ganze jetzt mit Sally Davies, dem Happy Meal Project und vor allem mit McDonald´s zu tun?“

Die Frage ist vollkommen berechtigt. Und die Antwort meinerseits darauf möglicherweise noch viel obskurer, aber nicht minder plausibel. Stellen Sie sich doch vor, wir wollen den Weltraum wirklich erobern. Nicht so ein bisschen wie bisher, einmal zum Mond und wieder zurück. Houston, wir haben ein Problem und diesen Schwachsinn gibt es dann wirklich nur noch im Film. Nein, der Homo sapiens ist zu Höherem berufen, denken Sie doch nur an das neue Zeitalter Anthropozän. Angefangen vom Mars bis hin zu Galaxien, deren Namen wir im Moment noch nicht einmal kennen, wir wollen uns überall breit machen. Heldinnen und Heroen fliegen monate-, jahre-, möglicherweise jahrzehntelang durch die Weiten des Alls, immer auf der Suche nach neuen zukünftigen Mülldeponien. Und was brauchen diese Menschen wohl am dringendsten? Richtig, etwas zu essen! Wir auf Mutter Erde haben es da gut. An jeder Ecke ein „Drive in“, soweit die Autoreifen fahren. Und unsere EntdeckerInnen ferner Welten da oben? Kein „Fly in“ weit und breit, vom „Drive in“ ganz zu schweigen.

Also brauchen unsere Eroberer der Planeten Proviant. Proviant, welcher auf Dauer sein Aussehen, seine Form und seine Farbe behält. Schliesslich isst das AstronautInnen-Auge mit, Geschmack und Nährwert vernachlässigen wir der Einfachheit halber. Und was würde sich da wohl anbieten? Sie sagen es: Es kann nur ein kräftiges Happy Meal Menü von McDonald´s sein. Ein Burger erobert die Milchstrasse. Ronald McDonald bekämpft ein schwarzes Loch mit seinen unzerstörbaren Pommes. Der Chesseburger sei mit Dir! Die Zukunft bietet uns allen endlich wieder Perspektiven. Unverrottbare, keimfreie, antibakterielle Hochglanz-Fastfood-Generation, ich schenke Dir einen neuen Gott.

Da bleibt mir letztendlich nur noch eines zu sagen, obwohl man mit vollem Mund nicht sprechen soll: „Scotty, bic mac me up!“  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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