Manche (Atom)Uhren ticken eben anders!


Dr. Wolfgang Schüssel, ein Ex-Kanzler packt ein!

Wir hatten hier in unserem beschaulichen kleinen Österreich einmal einen Bundeskanzler mit Namen Dr. Wolfgang Schüssel. Vielleicht erinnert sich noch die eine oder der andere WählerIn an die glorreiche Zeit, als Blau (FPÖ) und Schwarz (ÖVP) sich auf „ein Packerl gehaut oder geschmissen haben“, auf gut Wienerisch gesagt. Oder eben einen politischen Bündnispakt bildeten, natürlich zum Zwecke des demokratischen Wohlergehens unseres Staates, ganz im Sinne des machthungrigen Kanzlers, Verzeihung des Volkes natürlich.

Gemeinsam gegen Mochovce!

Gemeinsam gegen Mochovce!

Heute lag also ein Brief, ich weiss, ich schweife schon wieder ab, von unserer Umweltstadträtin Ulli Sima im Postkastl. Inhalt war die Bekanntgabe der Fortschritte über den letztes Jahr durchgeführten Einspruch gegen den Ausbau des Atomkraftwerks Mochovce in Form der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Nun gut, dachte ich mir, nicht schlecht, mehr als 200 000 Wienerinnen und Wiener haben unterschrieben, jetzt kommt endlich Bewegung in die Causa Mochovce. Und das Schöne daran ist, dass das Ganze sogar grenzüberschreitend funktioniert.

Hier sei besonders der italienische Kabarettist Beppe Grillo erwähnt, genau wie Angelo Vassallo Umweltaktivist und moralische Instanz. Beppe Grillo ist jedoch auch aus einem weiteren Grund für unseren Protest gegen Mochavce von enormer Bedeutung. Mochovce befindet sich mehrheitlich in italienischer Hand. Der Energieversorger ENEL (GLOBAL 2000: Italien muss Risikoprojekt AKW Mochovce stoppen!) investiert wider aller Vernunft weiterhin in die Energieform Atomstrom. Und das, obwohl sich Italien selbst seit 1987 nach einer Entscheidung per Volksabstimmung gegen die Kernenergie aussprach. Seltsamerweise erhält die Rückkehr in das Pro-Atomstrom-Lager in diesen Tagen aber gerade aus Kreisen Rückendeckung, deren Unterstützung bis dahin keiner erwarten konnte. Italiens populärster Krebsforscher und Gesundheitsminister (2000-2001) Umberto Veronesi dreht plötzlich seinen 84jährigen Hals in die Richtung, aus welcher der Atomstrom weht. Seine Aussage „Als Energiequelle ist die Kernenergie am wenigsten giftig für den Menschen: Die Risiken, die mit ihrer Nutzung verbunden sind, hängen alleine zusammen mit der Gefahr eines Unfalls in einem Kernkraftwerk, und dessen Wahrscheinlichkeit wird auf der Welt heute nahe Null gesehen“. wird von Insidern jedoch eindeutig als Lippenbekenntnis und Schachzug seines vehementen Interesses für den vakanten Posten des zukünftigen Präsidenten der italienischen Atomaufsichtsbehörde gedeutet (siehe FAZ.NET: Unterstützung für Atomstrom aus unerwarteter Richtung).    

Aber das wollte ich eigentlich gar nicht schreiben, obwohl es natürlich schreibenswert ist.

Ein Ex-Kanzler packt also ein! Keine schlimme Sache, sollten sich so manche PolitikerInnen ein Beispiel daran nehmen. Aber wie es der Zufall so will, steht am selben Tag, welcher mir Gemeinsam gegen Mochovce! ins Haus brachte, jener österreichische Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel als Aufsichtsratsmitglied beim deutschen Energieriesen RWE in den Schlagzeilen. Während Deutschland wegen der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke in der Schusslinie steht und Österreich massiv gegen Mochovce und in Zukunft hoffentlich auch Temelin an breiter Front mobil macht, packt Herr Dr. Wolfgang Schüssel kräftig ein. Wo früher Öl-Dollars flossen, rieseln heutzutage die Atomenergie-Euros in die bodenlosen Fässer sprich Taschen mancher PolitikerInnen. Nebenbei gesagt: Schusslinie hin, Kritik her, Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel zieht trotzdem ihr Ding durch, da rollen die Atomfässer drüber!

Was verdient denn so ein überzeugter Mit-dem-(Atom)Strom-Schwimmender? Im Falle von Wolfgang Schüssel findet sich unter Atom: Schüssel casht voll ab folgende Aufstellung: Als Aufsichtsratsmitglied beim Atomstrom-Lieferanten RWE bekommt er jährlich 40 000,– (Atomstrom)Euros. Und dazu kommen noch 77 000,– (Atomstrom)Euros an Prämien oder welchen Namen diese Kinder laut RWE-Verträgen auch sonst tragen. Macht also in Summe 117 000,– (Atomstrom)Euros jährlich, welche der österreichische Ex-Kanzler aus der Atom-Müll-Tonne fischt respektive einsackt. Aber nicht genug! Als Nationalratsabgeordnetem stehen Herrn Schüssel die obligaten 8160,– Euro monatlich zu, welche ihm für seine Leistungen zustehen. Irgendwie bekommt bei Herrn Schüssel das Wort „Kerngeschäft“ eine völlig neue Bedeutung, sozusagen „Kernenergiegeschäft“.

Während also sein ÖVP-Parteigenosse und seines Zeichens Umweltminister Niki Berlakovich der geplanten Laufzeitverlängerung deutscher AKWs kritisch gegenübersteht, richtet Wolfgang Schüssel sein Fähnchen dorthin, wo es strahlend warm herkommt. Grünen-Chefin Eva Glawischnig fordert dementsprechend auch den sofortigen Rücktritt von Ex-Kanzler Schüssel als Nationalratsabgeordneter und spricht nicht nur von „schwerem Verrat am österreichischen Anti-Atomkonsens, sondern auch von glatter politischer Korruption.“

Naturgemäss sehen dies die Parteikollegen von Herrn Dr. Wolfgang Schüssel etwas anders, um nicht zu sagen völlig anders. Der stellvertretende ÖVP-Klubobmann Abg. Peter Haubner hat hierfür folgende Interpretation für die Aufsichtsratstätigkeit von Schüssel bei RWE parat: „Wenn Wolfgang Schüssel eine Aufsichtsratsfunktion bei RWE
wahrnimmt, dann ist das nur zum österreichischen Vorteil, denn mehr österreichisches Know How in Gremien wie RWE bedeutet mehr Ökologisierung und mehr erneuerbare Energiegewinnung. Vor allem kann es nur im österreichischen Interesse sein, wenn kompetente Persönlichkeiten aus unserem Land in Gremien sitzen, die auch in Österreich wirtschaftlich aktiv sind“
(Peter Haubner zu Schüssels Aufsichtsratsmandat bei RWE: SPÖ operiert mit falschen Zahlen).

Herr Dr. Schüssel und seine Tätigkeit als Aufsichtsratsmitglied bei RWE bieten dem Staate Österreich also einen Mehrwert? Inwiefern denn? Und vor allem: Verlangt dies der Steuerzahler überhaupt von einem vom Volke gewählten Volksvetreter, dessen primäre Pflichten die Wahrung unserer Interessen sein sollten? Fragen über Fragen. Aber auch diese werden sich von selbst beantworten. Spätestens dann, wenn Herr Dr. Schüssel im Aufsichtsrat eines Konzerns für erneuerbare Energien sitzt und dann über die Atompolitik der anderen Staaten wettert. Und dann wird es heissen: „Na als dann!“ sprach der Ex-Kanzler.   

„Bella gerant alii, tu felix Austria nube!“ kann ich dazu nur resignierend feststellen. Ich werde meinen Krieg gegen die Atomlobby weiterführen, nicht mit Waffengewalt, aber mit Worten und Taten. Und Wolfgang Schüssel muss ich schließlich nicht heiraten. Ich habe die allerbeste Ehefrau der Welt schon gefunden, zwar nicht aus dem Hause Habsburg, aber aus „Felix Austria!“    

Ja, die (Atom)Uhren ticken manches Mal eben anders. Nicht überall, nicht bei jedem Politiker, nicht nur in Österreich. Der mündige Bürger soll sich gegen die Atomenergie aussprechen. Aber fällt dies nicht schwer angesichts mancher Menschen, welche den Mund scheinbar nicht voll genug bekommen können?    


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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