Lissabon: Viel Neues im Westen 1



Lisboa – Portugals Perle am Atlantik

Lissabon: Ein typisches Heimspiel von Benfica Lissabon

Wer Lissabon hört, denkt wohl unweigerlich an grosse und berühmte Seefahrer wie Vasco da Gama, Heinrich der Entdecker (Heinrich der Seefahrer) oder Bartholomeu Dias. Heinrich der Entdecker und Bartholomeu Dias waren weit vor Christoph Kolumbus bereits in afrikanischen Gewässern auf Entdeckungsfahrt, erkundeten die afrikanische Westküste und segelten um den südlichsten Punkt Afrikas, das Kap der guten Hoffnung.

Lissabon Strassen sind leergefegt. Der Grund: Benfica Lissabon oder Sporting Lissabon spielen Fussball.

Wer Lissabon hört, denkt an das grosse Erdbeben 1755, welches mehrere 10 000 Menschenleben forderte und die Stadt mit einem Schlag unter Wassermassen und Feuerbrünsten begrub. Lissabon steht für die ehemalige Kolonialmacht Portugal, Reichtum durch den Seehandel, aber auch Unterdrückung durch den Diktator Salazar bis zur berühmten Nelkenrevolution 1974, welche am 25. April kurz nach Mitternacht mit dem Lied „Grândola, Vila Morena“ („Grândola, braungebrannte Stadt“) ihren Anfang nahm.

Und heute? 2007 wurden die Verträge von Lissabon unterzeichnet, ein weiteres Zeichen für den Zusammenschluss Europas. Aber Lissabon als Synonym für Portugal bedeutet auch Armut innerhalb Europas, hohe Arbeitslosigkeit und Portugal geriet aufgrund der Wirtschaftskrise neben Griechenland und Spanien als schwarzes Schaf in die Negativschlagzeilen.

Aber lassen wir Politik und mystifizierte Vergangenheit ruhen und wenden wir uns dem heutigen Lissabon zu, sozusagen aus und mit den Augen des unbedarften und reisehungrigen Touristen. Manche von Ihnen habe ich bereits hinlänglich mit meinen Reiseberichten gelangweilt und so möchte ich dies bezüglich Lissabon auch beibehalten. Hatte ich meine Erfahrungen über Riga in einem Artikel niedergeschrieben und dazu konträr den Süden Vietnams ausufernd und überbordend abgehandelt, versuche ich, im Falle Lissabon den goldenen Mittelweg zu finden. Also setzen Sie die Segel und folgen Sie mir die nächste Zeit in den äussersten Westen der iberischen Halbinsel, gleichbedeutend mit einem der westlichsten „Zipfel“ des europäischen Festlandes, in die Stadt am Tejo, in die portugiesische Metropole Lissabon.

Terreiro do Paço oder Praça do Comércio

Lissabon: Terreiro do Paço oder Praça do Comércio

Blick vom Tejo über den Terreiro do Paço/Praça do Comércio

Der weitläufige Platz am Tejo-Ufer, offiziell zwar als Praça do Comércio, Platz des Handels, geführt, wird von den Einwohnern Lisboas, den Lisboetas immer noch als Terreiro do Paço, als Palastplatz bezeichnet. Natürlich ist es für mich geradezu verlockend, Ihnen die Geschichte des, neben dem Praça da Figueira und dem Rossio, wichtigsten Platz von Lissabon näherzubringen, aber für heute bewegen wir uns „nur“ als gewöhnliche Touristen in Portugals Hauptstadt und begnügen uns mit ersten Impressionen, schließlich haben wir einen doch für innereuropäische Verhältnisse relativ langen Flug hinter uns.

Manchmal dringt der unangenehme abgestandene Geruch des hier acht Kilometer breiten Tejo in die feinen Touristennasen, kriecht unsichtbar die breite Marmortreppe vom Flussufer herauf und sammelt sich an der Kaimauer. Unaufhörlich fährt die gelbe Eléctrico 28 von links und rechts kommend, taucht unvermittelt aus den engen Häuserschluchten laut bimmelnd auf. Wagen um Wagen spuckt neue Touristenströme aus den kleinen Abteilen aus und nimmt im Gegenzug neue Besucher auf.

König José I. blickt unverwandt von seinem hohen bronzenen Ross über den Fluss, schaut durch den heissen Septembernachmittag bis hinüber in die südlichen Aussenbezirke, immer den überdimensionalen Drahtseiltänzer Cristo Rei (nicht Christo Rei) fest im Blick. Unbewegt und unentwegt schaut das steinerne 28 Meter hohe Monument vom jenseitigen Ufer auf die Stadt, beide Arme waagrecht ausgebreitet. Schutz aus Beton, welcher auf einem 82 Meter hohen Betonsockel thront. Ein Denkmal für Jesus, Danksagung der portugiesischen Bischöfe für die Verschonung Portugals vor dem II. Weltkrieg.

Verliebte PaareLissabon: Möwen am Ufer des Tejo sitzen umschlungen auf der breiten Marmortreppe, leise glucksend schlagen die Wellen des Tejo gegen die untersten Stufen. Möwen fliegen kreischend in dichten flatternden Wolken über den träge dahinfliessenden Strom, liefern sich laute Schreiduelle um die besten Futterplätze. Andere sitzen schaukelnd im Wasser und blicken mit unnatürlich grossen Augen auf die glitzernde Fläche oder sitzen auf den von der feuchtsalzigen Luft des Atlantiks angefressenen Geländern.

Fliegend und fahrend durch Lissabon

Wieder fährt ein leuchtend gelber 28er unter dem grossen Arco Triunfal vorbei, jenem Triumphbogen am nördlichen Ende des Platzes, dessen Skulpturen Pombal und Vasco da Gama auf der rechten Seite und links die beiden Kriegsherren Viriato und der heilige Nuno die Häuserzeilen überragen. Die beiden Allegorien auf den Voluten verkörpern die beiden grossen Flüsse Tejo und Douro. Dann wandert der Lissabon: Mit dem Eléctrico 28 durch die engen GassenBlick langsam hinauf zum Torbogen, verweilt an der alles überragenden Figurengruppe von Anatole Camels. Der Bildhauer hat hier die Geschichte Portugals, jene Zeit der ruhmreichen Kolonialmacht Portugal, mit dem römischen Imperium verwoben. Unweigerlich fühlt man sich bei der zentralen Figur an den römischen Kaiser Augustus erinnert, Lorbeerkranz und Toga als Sinnbild uneingeschränkter Macht. Er bekränzt die vor ihm zu seinen Füssen Sitzenden. Links die eine auf einem Löwen sitzende Frau, mit Helm und Schwert bewaffnet, welche Mut und Kraft verkörpert, während der eine Lyra in Händen haltende Jüngling, zu seinen Füssen eine Farbpalette, für die schönen Künste Musik und Malerei steht.

Lissabon: Figurengruppe am Torbogen des Arco Triunfal

Lissabon: Der Arco Triunfal

Durch den Torbogen hindurch wandert der Blick die breite Rua Augusta hinauf, bildet zugleich Eingangstor zur geschäftigen Baixa als auch Abgrenzung zum Neubeginn nach dem verheerenden Erdbeben von 1755. Am Ende der Einkaufsstrasse lässt sich der Rossio erahnen, jener zweite zentrale Platz der Innenstadt Lissabons.

Rechts am ehemaligen Königspalast vorbei, welcher heutzutage Ministerien beherbergt, thront die alte Lissabon: Arco TriunfalFestungsanlage Castelo de São Jorge über den Dächern des östlichen Altstadtviertels Alfama. Nur schwerlich lässt sich erahnen, wo der Weg zwischen den engen Häusern hindurch und die verwinkelten Gassen hinauf auf den 126 Meter hohen Burgberg führt. Das dichte Grün der am Gipfel stehenden Bäume breitet sich wie ein riesiger schattenspendender Baldachin über den zinnenbewehrten Mauern aus, verdeckt die Sicht auf das Castelo de São Jorge selbst.

Lissabon: Der Burgberg vom Terreiro do Paço oder Praça do Comércio aus gesehen

Ein erster Schritt ist getan, ein erster Blick gemacht, ein erster Eindruck entstanden. Kehren wir also König José I. für heute den Rücken und setzen uns für einen kurzen oder auch längeren Moment in eines jener unzähligen Strassencafes und genießen einen ersten Galão, hierzulande auch als Milchkaffee bekannt. Bleiben Sie mir also gewogen, wenn uns unser erster ganztägiger Erkundungsgang durch Lissabon auf das Castelo de São Jorge und weitere Sehenswürdigkeiten, aber auch unbekanntere Plätze abseits der Touristenströme führt.           


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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