In memoriam Angelo Vassallo
Angelo Vassallo: Tod im Namen des Umweltschutzes
Der Bürgermeister des kleinen italienischen Städtchens Pollica nahe Neapel ist tot! Hingerichtet, erschossen, ermordet, exekutiert, massakriert. Angelo Vassallo stand vielen im Weg. Besonders jenen, welche ihre skrupellosen Wirtschaftsinteressen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Umweltschutz durchsetzen wollen und dies auch tun. Letztes Mittel waren nun neun Kugeln, abgefeuert auf den 57-jährigen Sindaco-Pescatore, den Fischer-Bürgermeister, wie er aufgrund seiner manchmal unpopulären Methoden zum Schutz der Umwelt und im Namen der Natur genannt wurde.
Neun Kugeln brachten Angelo Vassallo zum Schweigen, weil er die Schönheit des Nationalparks Cilento über die wirtschaftlichen Interessen stellte und sich gegen eine Bebauung stellte. Neun Kugeln zuviel für einen Menschen, welcher die Wasserqualität vor der Küste Pollicas deutlich verbessern konnte. Neun Kugeln brachten Angelo Vassallo und mit ihm wieder ein Stück Natur zum Schweigen. Neunmal heisser in Blei gegossener Tod für die erbarmungslose Kälte namens Geld. Ein neunfacher Rückschritt in einer um Fortschritt bemühten Welt.
Spiegel online: Eine hässliche Exekution im Stil der Camorra
Grazie Angelo
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Ich bin ihm oft in Acciaroli begegnet. Es ist tieftraurig und es macht mich wütend!
Kommentar von Baum — 12.9.2010 @ 18:23
Lieber Ludwig
Normalerweise beginne ich jeden an mich gerichteten Kommentar mit einem Dankeschön. Zumindest gebietet dies der Respekt und die Achtung vor dem jeweils anderen Individuum. Doch in diesem Falle sehe ich mich ausserstande, da ich ebenso erschüttert und in erster Linie zornig bin. Wir predigen jeden Tag Menschlichkeit, preisen die Errungenschaften unserer modernen zivilisierten Welt und loben die Fortschrittlichkeit der verschiedenen Gesellschaften.
Doch über all dem schwebt unsichtbar und mit eiserner Hand die Gier des heutigen Homo sapiens. Humanität lässt sich nur noch anhand wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit messen, soziales Verhalten beschränkt sich auf den Faktor Eigenkapital. Wir sind alle mittlerweile Gefangene unserer Dekadenz, unentrinnbar im Strudel der eigenen Selbstgefälligkeit ewig kreisend. Das Spiegelbild unseres Selbstmitleids und der Selbstbeweihräucherung wirft uns mit jedem Euro, welchen wir auf unseren Bankkonten anhäufen, einen weiteren wohlwollenden Blick zu, nickt zustimmend ob unserer Bereitschaft, uns wollüstig unter dem Joch materieller und immaterieller Wirtschaftsgüter zu beugen. Menschenleben haben in unserer Zeit keinen Platz mehr, gehören zu jenen Luxusgütern, welchen wir tagtäglich huldigen. Wölfe auf zwei Beinen, gekleidet in teure Kostüme und im feinen Nadelstreifenanzug, haben deren Platz eingenommen, still und heimlich haben sie die Menschlichkeit ausgehöhlt. Im Gegensatz zu jenem Wolf, einem fleischfressenden Wesen, welcher sich satt frisst und dann von seinem Opfer ablässt, haben sich diese zweibeinigen Raubtiere im Laufe der sogenannten Evolution den Status Quo unstillbarer Lust auf Mehr und immer Mehr angeeignet.
So möchte ich Dir, nun am Ende meines Kommentares angelangt, trotzdem für Deine Worte danken und schliesse mit jenen Worten, welche ich bereits zum Abschluss meines Nachrufes verwendet habe.
Grazie Angelo
Kommentar von Paul Boegle — 12.9.2010 @ 20:13