Bio Natur - Der Weblog

29.9.2010

Mitsubishi: Ein Auto voll mit Sushi

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 22:40


Der Fisch fängt am Kopf zu stinken an!

Wer kennt sie nicht, die zuverlässigen Autos von Mitsubishi? Ganz “made in Japan”. Weniger bekannt dürfte da schon der Blauflossen-Thunfisch sein, zumindest in unseren westlichen Breitengraden. Doch in Japan steht eben dieser Knochenfisch ganz weit oben. Und zwar auf der Speisekarte, wo er eigentlich gar nicht hingehört. Damit teilt er zumindest das gleiche Schicksal wie der Schrecken der Meere, der Haifisch. Sie wissen schon, jene Bestie, welche es tagein, tagaus auf den Menschen abgesehen hat und der doch tatsächlich, statistisch gesehen, etwa vier bis sechs Menschen pro Jahr “erlegt”. So ganz nebenbei: In Deutschland sterben pro Jahr an die zehn Personen durch Bienen- und Wespenstiche, in den USA sollen es um die 50 jährlichen Todesfälle durch diese Insekten sein (Tod nach Bienenstich). Also, liebe MitbürgerInnen, der neue Feind wartet direkt in unserem Garten, auf ihn mit Gebrüll! Ach nein, vergessen Sie auch das, das mit den Bienen hat sich eigentlich auch schon durch das sogenannte Colony Collapse Disorder (CCD).

Nun gut, also kommen wir wieder zurück zum Blauflossen-Thunfisch. Oder noch besser, fahren wir mit einem neuen Mitsubishi gleich in die Fanggründe dieser Delikatesse. Wer Sushi und Sashimi, keine Ahnung, was das ist, aber es interessiert mich auch nicht, wer also diese Dinge der japanischen Küche liebt, kommt am Blauflossen-Thunfisch nicht vorbei. Wobei eigentlich der Blauflossen-Thunfisch an den Fangnetzen der Menschen nicht vorbeikommt. Aber bei Preisen von 120 000,– Euro für solch ein Prachtexemplar ist es doch nur allzu verständlich und legitim, dass der Mensch von Welt seine Gier obszön zur Schau stellt. Stellen Sie sich einmal vor, Ihnen gelingt solch ein Fang? Was könnten Sie sich nicht alles dafür kaufen. Zum Beispiel sechs Mitsubishi Colt 1.5 Turbo mit 5-Gang-Getriebe, zumindest im Jahr 2010. Ob Ihnen das 2011 auch noch gelingt, weiss ich natürlich nicht. Möglicherweise werden Sie dann schon im Trüben fischen oder besser gesagt im Leeren und dann bleibt die neue Grossraum-Garage leider leer, genauso leer wie unsere Weltmeere.

Ich habe heute einen Brief in meinem elektronischen Postfach gefunden. Geschrieben von Katja Wiese von Naturefund an Mitsubishi. Ich gebe nun den gesamten Inhalt im Wortlaut wieder, ohne ihn weiter zu kommentieren.

An der Vorstand von Mitsubishi Deutschland

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Geschäftsführerin der Naturschutzorganisation Naturefund, die in diesem Jahr Partnerin vom Atlantis Natur- und Umweltfilmfest der Stadt Wiesbaden ist. Der Eröffnungsfilm „The end of the line“ mit dem deutschen Titel „Die unbequeme Wahrheit über unsere Ozeane“ hat mich sehr betroffen gemacht. Wussten Sie, dass etwa 90 Prozent aller Großfische bereits weggefangen wurden?

Besonders betroffen war ich jedoch über die Nachricht, dass der internationale Konzern Mitsubishi nicht nur Autos und Elektrogeräte verkauft, sondern auch aktiv an der Überfischung beteiligt ist.

Ist es wahr, dass Mitsubishi aktuell 40 bis 60 Prozent vom weltweiten Fang des vom Aussterben bedrohten Blauflossen-Thunfisch aufkauft und einfriert? Sind Sie sich bewusst, dass Ihr Konzern damit direkt zur Ausrottung dieser mittlerweile sehr seltenen Fischart beiträgt?

Der Blauflossen-Thunfisch kommt im Atlantik und im Mittelmeer vor und gilt in Japan aufgrund seines schmackhaften Fleisches als Delikatesse. Er wird vor allem als Sushi verwendet und die Nachfrage nach Sushi steigt weltweit. Da diese Fischart immer seltener wird, steigen auch die Preise für das Fleisch.

Obwohl der Blauflossen-Thunfisch kurz vor der Ausrottung steht, hat Mitsubishi im Jahr 2008 seine Tiefkühl- und Transportkapazitäten ausgebaut und größere, modernere Fischerboote mit dem Fang des Blauflossen-Thunfisch beauftragt. Fischereiexperten und -Expertinnen vermuten, dass Mitsubishi gezielt Tiefkühlvorräte an Blauflossen-Thunfisch anlegt. Wenn es keinen Blauflossen-Thunfisch mehr gibt, können Sie für Ihre geschätzten 60.000 bis 70.000 Tonnen tiefgekühlten Thunfisch einen wesentlich höheren Preis fordern.

Ist es wahr, dass Mitsubishi absichtlich zur Ausrottung des Blauflossen-Thunfisch beiträgt, weil Ihr Konzern, wenn es keinen Blauflossen-Thunfisch mehr gibt, seine tiefgefrorenen Thunfischvorräte mit mehr Profit verkaufen kann? Will Mitsubishi wirklich mit der Ausrottung einer Fischart Geld verdienen?

Die Zerstörung einer Fischart aufgrund einer kurzfristigen Profitabsicht macht keinen Sinn, denn die Menschheit ist von intakten Ökosystemen in den Ozeanen abhängig. Unserer Ansicht nach lässt sich langfristig ohnehin mehr Geld mit stabilen Fischbeständen als mit ihrer Ausrottung verdienen. Zudem ist Mitsubishi ein multinationaler Konzern mit einer Vielzahl von Produkten. Sie sind damit auf ein positives Image und die Zustimmung Ihrer Kunden und Kundinnen angewiesen.

Um diese Frage zu klären, bitte ich Sie, uns innerhalb von zwei Wochen zu antworten. Vielleicht ist Mitsubishi derzeit dabei, seine Fischereipolitik zu überdenken und nachhaltig zu gestalten. Darüber würden wir uns sehr freuen und Ihnen anbieten, mit Naturefund zusammenzuarbeiten. Mit seinem großen Netzwerk kann Naturefund Mitsubishi dabei unterstützen, den seltenen Blauflossen-Thunfisch zu erhalten, ein positives Image zu erlangen und langfristig mit einer nachhaltigen Unternehmenspolitik Geld zu verdienen.

Unsere Anfrage an Sie haben wir mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen abgestimmt. Doch nicht nur Naturefund, sondern auch viele andere Menschen wollen wissen, inwieweit Mitsubishi den Blauflossen-Thunfisch ausrotten oder ihn bewahren will. Transparenz ist zur Klärung dieser Frage entscheidend. Daher verschicken wir diesen Brief bundesweit als Pressemitteilung und veröffentlichen ihn gleichzeitig im Internet. Wir werden Ihre Antwort ebenso offen diskutieren und parallel dazu auch in Englisch sowie Japanisch veröffentlichen.

Bitte haben Sie keine Angst vor einer transparenten Diskussion. Der Film „The end of the line“ ist bereits veröffentlicht und die darin genannten Informationen über Mitsubishi werden intensiv diskutiert. Transparenz und ein gemeinsamer Austausch kann für Ihren Konzern hilfreich sein, um tatsächlich nachhaltig zu arbeiten und die breite Zustimmung der Öffentlichkeit zu erlangen. Naturefund begleitet und unterstützt Sie gerne auf diesem Weg.

Mit freundlichen Grüßen
Katja Wiese

Geschäftsführerin

Naturefund e. V.
Sonnenberger Straße 20a
D-65193 Wiesbaden



24.9.2010

Bio oder Bio, wo liegt der Unterschied?

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 19:55

Leser bewerten Bio-Marken

Die Ratgeber-Communitiy gutefrage.net sucht in ihrer Leserumfrage gutefrage.net Auszeichnung - Die besten Biomarken jene Bio-Produkte, welche nach Meinung der VerbraucherInnen das beste Preis-Leistungsverhältnis bieten.

“Gut, aber teuer!” Eine vorgefertigte Meinung, welche gerade auf dem Sektor biologische Produkte immer noch Gültigkeit zu haben scheint. Doch gilt dies für alle Bio-Marken? Und wenn nein, welche Bio-Marken rechtfertigen einen höheren Preis bzw. sind teure Bio-Produkte überhaupt besser? Gibt es tatsächlich qualitative Unterschiede zwischen Bio-Marken renommierter Erzeuger und jenen mit dem Prädikat “Bio” versehenen Eigenmarken in den Abteilungen von Supermärkten und Discountern? Oder bestimmt letztendlich nur der Preis, was scheinbar als biologisch wertvoll oder ökologisch verachtenswert erscheint?

Leser schreiben für Leser. Und als kleiner Anreiz für eine detaillierte Bewertung der guten (oder schlechten) Bio-Marken gibt es noch ein Gewinnspiel. Wer also mitmachen möchte und seine positiven oder auch negativen Erfahrungen hinsichtlich der verschiedenen Bio-Marken einer breiten Öffentlichkeit mitteilen möchte, findet unter folgendem Bild die Weiterleitung. 

gutefrage.net Auszeichnung - Die besten Biomarken. Erfahrungsbericht schreiben und gewinnen. 



23.9.2010

Manche (Atom)Uhren ticken eben anders!

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 23:14

Dr. Wolfgang Schüssel, ein Ex-Kanzler packt ein!

Wir hatten hier in unserem beschaulichen kleinen Österreich einmal einen Bundeskanzler mit Namen Dr. Wolfgang Schüssel. Vielleicht erinnert sich noch die eine oder der andere WählerIn an die glorreiche Zeit, als Blau (FPÖ) und Schwarz (ÖVP) sich auf “ein Packerl gehaut oder geschmissen haben”, auf gut Wienerisch gesagt. Oder eben einen politischen Bündnispakt bildeten, natürlich zum Zwecke des demokratischen Wohlergehens unseres Staates, ganz im Sinne des machthungrigen Kanzlers, Verzeihung des Volkes natürlich.

Gemeinsam gegen Mochovce!

Gemeinsam gegen Mochovce!

Heute lag also ein Brief, ich weiss, ich schweife schon wieder ab, von unserer Umweltstadträtin Ulli Sima im Postkastl. Inhalt war die Bekanntgabe der Fortschritte über den letztes Jahr durchgeführten Einspruch gegen den Ausbau des Atomkraftwerks Mochovce in Form der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Nun gut, dachte ich mir, nicht schlecht, mehr als 200 000 Wienerinnen und Wiener haben unterschrieben, jetzt kommt endlich Bewegung in die Causa Mochovce. Und das Schöne daran ist, dass das Ganze sogar grenzüberschreitend funktioniert.

Hier sei besonders der italienische Kabarettist Beppe Grillo erwähnt, genau wie Angelo Vassallo Umweltaktivist und moralische Instanz. Beppe Grillo ist jedoch auch aus einem weiteren Grund für unseren Protest gegen Mochavce von enormer Bedeutung. Mochovce befindet sich mehrheitlich in italienischer Hand. Der Energieversorger ENEL (GLOBAL 2000: Italien muss Risikoprojekt AKW Mochovce stoppen!) investiert wider aller Vernunft weiterhin in die Energieform Atomstrom. Und das, obwohl sich Italien selbst seit 1987 nach einer Entscheidung per Volksabstimmung gegen die Kernenergie aussprach. Seltsamerweise erhält die Rückkehr in das Pro-Atomstrom-Lager in diesen Tagen aber gerade aus Kreisen Rückendeckung, deren Unterstützung bis dahin keiner erwarten konnte. Italiens populärster Krebsforscher und Gesundheitsminister (2000-2001) Umberto Veronesi dreht plötzlich seinen 84jährigen Hals in die Richtung, aus welcher der Atomstrom weht. Seine Aussage “Als Energiequelle ist die Kernenergie am wenigsten giftig für den Menschen: Die Risiken, die mit ihrer Nutzung verbunden sind, hängen alleine zusammen mit der Gefahr eines Unfalls in einem Kernkraftwerk, und dessen Wahrscheinlichkeit wird auf der Welt heute nahe Null gesehen”. wird von Insidern jedoch eindeutig als Lippenbekenntnis und Schachzug seines vehementen Interesses für den vakanten Posten des zukünftigen Präsidenten der italienischen Atomaufsichtsbehörde gedeutet (siehe FAZ.NET: Unterstützung für Atomstrom aus unerwarteter Richtung).    

Aber das wollte ich eigentlich gar nicht schreiben, obwohl es natürlich schreibenswert ist.

Ein Ex-Kanzler packt also ein! Keine schlimme Sache, sollten sich so manche PolitikerInnen ein Beispiel daran nehmen. Aber wie es der Zufall so will, steht am selben Tag, welcher mir Gemeinsam gegen Mochavce! ins Haus brachte, jener österreichische Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel als Aufsichtsratsmitglied beim deutschen Energieriesen RWE in den Schlagzeilen. Während Deutschland wegen der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke in der Schusslinie steht und Österreich massiv gegen Mochovce und in Zukunft hoffentlich auch Temelin an breiter Front mobil macht, packt Herr Dr. Wolfgang Schüssel kräftig ein. Wo früher Öl-Dollars flossen, rieseln heutzutage die Atomenergie-Euros in die bodenlosen Fässer sprich Taschen mancher PolitikerInnen. Nebenbei gesagt: Schusslinie hin, Kritik her, Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel zieht trotzdem ihr Ding durch, da rollen die Atomfässer drüber!

Was verdient denn so ein überzeugter Mit-dem-(Atom)Strom-Schwimmender? Im Falle von Wolfgang Schüssel findet sich unter Atom: Schüssel casht voll ab folgende Aufstellung: Als Aufsichtsratsmitglied beim Atomstrom-Lieferanten RWE bekommt er jährlich 40 000,– (Atomstrom)Euros. Und dazu kommen noch 77 000,– (Atomstrom)Euros an Prämien oder welchen Namen diese Kinder laut RWE-Verträgen auch sonst tragen. Macht also in Summe 117 000,– (Atomstrom)Euros jährlich, welche der österreichische Ex-Kanzler aus der Atom-Müll-Tonne fischt respektive einsackt. Aber nicht genug! Als Nationalratsabgeordnetem stehen Herrn Schüssel die obligaten 8160,– Euro monatlich zu, welche ihm für seine Leistungen zustehen. Irgendwie bekommt bei Herrn Schüssel das Wort “Kerngeschäft” eine völlig neue Bedeutung, sozusagen “Kernenergiegeschäft”.

Während also sein ÖVP-Parteigenosse und seines Zeichens Umweltminister Niki Berlakovich der geplanten Laufzeitverlängerung deutscher AKWs kritisch gegenübersteht, richtet Wolfgang Schüssel sein Fähnchen dorthin, wo es strahlend warm herkommt. Grünen-Chefin Eva Glawischnig fordert dementsprechend auch den sofortigen Rücktritt von Ex-Kanzler Schüssel als Nationalratsabgeordneter und spricht nicht nur von “schwerem Verrat am österreichischen Anti-Atomkonsens, sondern auch von glatter politischer Korruption.”

Naturgemäss sehen dies die Parteikollegen von Herrn Dr. Wolfgang Schüssel etwas anders, um nicht zu sagen völlig anders. Der stellvertretende ÖVP-Klubobmann Abg. Peter Haubner hat hierfür folgende Interpretation für die Aufsichtsratstätigkeit von Schüssel bei RWE parat: “Wenn Wolfgang Schüssel eine Aufsichtsratsfunktion bei RWE
wahrnimmt, dann ist das nur zum österreichischen Vorteil, denn mehr österreichisches Know How in Gremien wie RWE bedeutet mehr Ökologisierung und mehr erneuerbare Energiegewinnung. Vor allem kann es nur im österreichischen Interesse sein, wenn kompetente Persönlichkeiten aus unserem Land in Gremien sitzen, die auch in Österreich wirtschaftlich aktiv sind”
(Peter Haubner zu Schüssels Aufsichtsratsmandat bei RWE: SPÖ operiert mit falschen Zahlen).

Herr Dr. Schüssel und seine Tätigkeit als Aufsichtsratsmitglied bei RWE bieten dem Staate Österreich also einen Mehrwert? Inwiefern denn? Und vor allem: Verlangt dies der Steuerzahler überhaupt von einem vom Volke gewählten Volksvetreter, dessen primäre Pflichten die Wahrung unserer Interessen sein sollten? Fragen über Fragen. Aber auch diese werden sich von selbst beantworten. Spätestens dann, wenn Herr Dr. Schüssel im Aufsichtsrat eines Konzerns für erneuerbare Energien sitzt und dann über die Atompolitik der anderen Staaten wettert. Und dann wird es heissen: “Na als dann!” sprach der Ex-Kanzler.   

“Bella gerant alii, tu felix Austria nube!” kann ich dazu nur resignierend feststellen. Ich werde meinen Krieg gegen die Atomlobby weiterführen, nicht mit Waffengewalt, aber mit Worten und Taten. Und Wolfgang Schüssel muss ich schließlich nicht heiraten. Ich habe die allerbeste Ehefrau der Welt schon gefunden, zwar nicht aus dem Hause Habsburg, aber aus “Felix Austria!”    

Ja, die (Atom)Uhren ticken manches Mal eben anders. Nicht überall, nicht bei jedem Politiker, nicht nur in Österreich. Der mündige Bürger soll sich gegen die Atomenergie aussprechen. Aber fällt dies nicht schwer angesichts mancher Menschen, welche den Mund scheinbar nicht voll genug bekommen können?    

22.9.2010

Lissabon: Viel Neues im Westen

Abgelegt unter: Reisen — Paul Boegle @ 23:24


Lisboa - Portugals Perle am Atlantik

Lissabon: Ein typisches Heimspiel von Benfica Lissabon

Lissabon Strassen sind leergefegt. Der Grund: Benfica Lissabon oder Sporting Lissabon spielen Fussball.

Wer Lissabon hört, denkt wohl unweigerlich an grosse und berühmte Seefahrer wie Vasco da Gama, Heinrich der Entdecker (Heinrich der Seefahrer) oder Bartholomeu Dias. Heinrich der Entdecker und Bartholomeu Dias waren weit vor Christoph Kolumbus bereits in afrikanischen Gewässern auf Entdeckungsfahrt, erkundeten die afrikanische Westküste und segelten um den südlichsten Punkt Afrikas, das Kap der guten Hoffnung.

Wer Lissabon hört, denkt an das grosse Erdbeben 1755, welches mehrere 10 000 Menschenleben forderte und die Stadt mit einem Schlag unter Wassermassen und Feuerbrünsten begrub. Lissabon steht für die ehemalige Kolonialmacht Portugal, Reichtum durch den Seehandel, aber auch Unterdrückung durch den Diktator Salazar bis zur berühmten Nelkenrevolution 1974, welche am 25. April kurz nach Mitternacht mit dem Lied “Grândola, Vila Morena” (”Grândola, braungebrannte Stadt”) ihren Anfang nahm.

Und heute? 2007 wurden die Verträge von Lissabon unterzeichnet, ein weiteres Zeichen für den Zusammenschluss Europas. Aber Lissabon als Synonym für Portugal bedeutet auch Armut innerhalb Europas, hohe Arbeitslosigkeit und Portugal geriet aufgrund der Wirtschaftskrise neben Griechenland und Spanien als schwarzes Schaf in die Negativschlagzeilen.

Aber lassen wir Politik und mystifizierte Vergangenheit ruhen und wenden wir uns dem heutigen Lissabon zu, sozusagen aus und mit den Augen des unbedarften und reisehungrigen Touristen. Manche von Ihnen habe ich bereits hinlänglich mit meinen Reiseberichten gelangweilt und so möchte ich dies bezüglich Lissabon auch beibehalten. Hatte ich meine Erfahrungen über Riga in einem Artikel niedergeschrieben und dazu konträr den Süden Vietnams ausufernd und überbordend abgehandelt, versuche ich, im Falle Lissabon den goldenen Mittelweg zu finden. Also setzen Sie die Segel und folgen Sie mir die nächste Zeit in den äussersten Westen der iberischen Halbinsel, gleichbedeutend mit einem der westlichsten “Zipfel” des europäischen Festlandes, in die Stadt am Tejo, in die portugiesische Metropole Lissabon.

Terreiro do Paço oder Praça do Comércio

Lissabon: Terreiro do Paço oder Praça do Comércio

Blick vom Tejo über den Terreiro do Paço/Praça do Comércio

Der weitläufige Platz am Tejo-Ufer, offiziell zwar als Praça do Comércio, Platz des Handels, geführt, wird von den Einwohnern Lisboas, den Lisboetas immer noch als Terreiro do Paço, als Palastplatz bezeichnet. Natürlich ist es für mich geradezu verlockend, Ihnen die Geschichte des, neben dem Praça da Figueira und dem Rossio, wichtigsten Platz von Lissabon näherzubringen, aber für heute bewegen wir uns “nur” als gewöhnliche Touristen in Portugals Hauptstadt und begnügen uns mit ersten Impressionen, schließlich haben wir einen doch für innereuropäische Verhältnisse relativ langen Flug hinter uns.

Manchmal dringt der unangenehme abgestandene Geruch des hier acht Kilometer breiten Tejo in die feinen Touristennasen, kriecht unsichtbar die breite Marmortreppe vom Flussufer herauf und sammelt sich an der Kaimauer. Unaufhörlich fährt die gelbe Eléctrico 28 von links und rechts kommend, taucht unvermittelt aus den engen Häuserschluchten laut bimmelnd auf. Wagen um Wagen spuckt neue Touristenströme aus den kleinen Abteilen aus und nimmt im Gegenzug neue Besucher auf.

König José I. blickt unverwandt von seinem hohen bronzenen Ross über den Fluss, schaut durch den heissen Septembernachmittag bis hinüber in die südlichen Aussenbezirke, immer den überdimensionalen Drahtseiltänzer Cristo Rei (nicht Christo Rei) fest im Blick. Unbewegt und unentwegt schaut das steinerne 28 Meter hohe Monument vom jenseitigen Ufer auf die Stadt, beide Arme waagrecht ausgebreitet. Schutz aus Beton, welcher auf einem 82 Meter hohen Betonsockel thront. Ein Denkmal für Jesus, Danksagung der portugiesischen Bischöfe für die Verschonung Portugals vor dem II. Weltkrieg.

Verliebte Paare sitzen umschlungen auf der breiten Marmortreppe, leise glucksend schlagen die Wellen des Tejo gegen die untersten Stufen. Möwen fliegen kreischend in dichten flatternden Wolken über den träge dahinfliessenden Strom, liefern sich laute Schreiduelle um die besten Futterplätze. Andere sitzen schaukelnd im Wasser und blicken mit unnatürlich grossen Augen auf die glitzernde Fläche oder sitzen auf den von der feuchtsalzigen Luft des Atlantiks angefressenen Geländern.

Lissabon: Möwen am Ufer des Tejo Lissabon: Mit dem Eléctrico 28 durch die engen Gassen

Fliegend und fahrend durch Lissabon

Wieder fährt ein leuchtend gelber 28er unter dem grossen Arco Triunfal vorbei, jenem Triumphbogen am nördlichen Ende des Platzes, dessen Skulpturen Pombal und Vasco da Gama auf der rechten Seite und links die beiden Kriegsherren Viriato und der heilige Nuno die Häuserzeilen überragen. Die beiden Allegorien auf den Voluten verkörpern die beiden grossen Flüsse Tejo und Douro. Dann wandert der Blick langsam hinauf zum Torbogen, verweilt an der alles überragenden Figurengruppe von Anatole Camels. Der Bildhauer hat hier die Geschichte Portugals, jene Zeit der ruhmreichen Kolonialmacht Portugal, mit dem römischen Imperium verwoben. Unweigerlich fühlt man sich bei der zentralen Figur an den römischen Kaiser Augustus erinnert, Lorbeerkranz und Toga als Sinnbild uneingeschränkter Macht. Er bekränzt die vor ihm zu seinen Füssen Sitzenden. Links die eine auf einem Löwen sitzende Frau, mit Helm und Schwert bewaffnet, welche Mut und Kraft verkörpert, während der eine Lyra in Händen haltende Jüngling, zu seinen Füssen eine Farbpalette, für die schönen Künste Musik und Malerei steht.

Lissabon: Arco Triunfal Lissabon: Figurengruppe am Torbogen des Arco Triunfal

Lissabon: Der Arco Triunfal

Durch den Torbogen hindurch wandert der Blick die breite Rua Augusta hinauf, bildet zugleich Eingangstor zur geschäftigen Baixa als auch Abgrenzung zum Neubeginn nach dem verheerenden Erdbeben von 1755. Am Ende der Einkaufsstrasse lässt sich der Rossio erahnen, jener zweite zentrale Platz der Innenstadt Lissabons.

Rechts am ehemaligen Königspalast vorbei, welcher heutzutage Ministerien beherbergt, thront die alte Festungsanlage Castelo de São Jorge über den Dächern des östlichen Altstadtviertels Alfama. Nur schwerlich lässt sich erahnen, wo der Weg zwischen den engen Häusern hindurch und die verwinkelten Gassen hinauf auf den 126 Meter hohen Burgberg führt. Das dichte Grün der am Gipfel stehenden Bäume breitet sich wie ein riesiger schattenspendender Baldachin über den zinnenbewehrten Mauern aus, verdeckt die Sicht auf das Castelo de São Jorge selbst.

Lissabon: Der Burgberg vom Terreiro do Paço oder Praça do Comércio aus gesehen

Ein erster Schritt ist getan, ein erster Blick gemacht, ein erster Eindruck entstanden. Kehren wir also König José I. für heute den Rücken und setzen uns für einen kurzen oder auch längeren Moment in eines jener unzähligen Strassencafes und genießen einen ersten Galão, hierzulande auch als Milchkaffee bekannt. Bleiben Sie mir also gewogen, wenn uns unser erster ganztägiger Erkundungsgang durch Lissabon auf das Castelo de São Jorge und weitere Sehenswürdigkeiten, aber auch unbekanntere Plätze abseits der Touristenströme führt.                   



13.9.2010

Lasst wohlbeleibte Pflanzen um mich sein!

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 19:04


Shakespeare für eine grüne Arbeitswelt

Keine Angst, ich werde mich heute nicht dem grossen Shakespeare ergeben. Also packen Sie Ihren ergebenen Kapitulationsblick wieder hinter die Netzhaut (aber diesen Artikel trotz alledem bis zum (bitter)süssen Ende durchlesen, denn dann gibt es noch ein paar wertvolle Tipps). Obwohl, bei näherer Betrachtung hätte ich schon grosse Lust, in die Rolle von Julius Cäsar hineinzuschlüpfen und der intriganten (Arbeits)Welt lauthals entgegenschleudern:

“Lasst wohlbeleibte Männer um mich sein, mit glatten Köpfen und die nachts gut schlafen.”

Ich vertrete zwar die Meinung, dass fliegende und pollensammelnde Bienen, welche tagsüber fleissig ihren Dienst verrichten, fetten glatzköpfigen faulen Männern vorzuziehen sind, aber auch Julius Cäsar war nicht unfehlbar.

Eine Biene bei der Arbeit. Eine Rose als Arbeitgeber

Paul Bögle und seine fleissigen Mitbewohner

Was wäre unsere planungssichere Welt ohne diese lethargischen trägen Menschen, welche sich im Status Quo ihrer Genügsamkeit und Selbstgefälligkeit nicht suhlen können und dürfen und genügsam gleich Lemmingen von den Klippen der Unveränderbarkeit in die Abgründe des Unabänderlichen springen? Nichts natürlich, schließlich kann diese Welt nicht nur aus dem Typus Gaius Cassius bestehen, jenem hohläugigen Menschen, welcher zuviel denkt und demzufolge gefährlich ist.

Aber, um bei der Wahrheit zu bleiben, und in diesem Falle muss ich dies leider, kam mir die Idee zu diesem Artikel aufgrund eines Kommentares von Julia zu meinem Artikel Stimmungsaufheller Natur und meiner darauf gegebenen Antwort. Sie werden sich jetzt stirnrunzelnd fragen, warum dieses “leider bei der Wahrheit bleiben.” Nun ja, schauen Sie doch auf die Uhr. Es ist bereits spät am Abend und ich habe mein gesamtes Lügenkontingent von ca. 150 bis 200 Lügen, glaubt man statistischen Erhebungen und ich bin ein Mensch, welcher so ziemlich alles glaubt, für den heutigen Tag bereits aufgebraucht. Auf eine Lüge mehr oder weniger soll es mir dabei nicht ankommen, keine Frage, aber als angepasster Durchschnittsmensch inmitten einer angepassten Durchschnittsgesellschaft möchte ich mich schon der Mehrheit unserer Gesellschafts-Herdentiere anpassen, sozusagen im gemeinsamen Strom von Lug und Trug mitschwimmen.

Wo wollte ich eigentlich hin, bevor ich Sie schamlos angelogen habe bzw. eben nicht, weil ich mich entschlossen hatte, Sie ausnahmsweise nach einem harten hundertfach verlogenen Arbeitstag mit der Wahrheit zu konfrontieren. Übrigens, es gibt ein schönes kaukasisches Sprichwort: “Wer die Wahrheit sagt, sollte sein Pferd gesattelt lassen!” Sie wissen, welch wunderbaren geistvollen Gehalt dieses Sprichwort beinhaltet? Menschen, welche einen lasziven Hang zur Wahrheit haben und diesen auch gegenüber den Nächsten in allen passenden oder unpassenden Augenblicken und Situationen wollüstig ausleben, stossen dementsprechend öfter auf eine Mauer der Ablehnung und des Widerstandes. Ein schöner Artikel von Uli Kulke findet sich übrigens unter Hundertfünfzig Lügen pro Tag, nicht nur lesenswert für alle notorischen Lügner und Notlügen-Lügner.  

Ich sehe schon, ich habe die Zügel wieder einmal schleifen lassen und bin im Dickicht meines eigenen Lügengeflechts verloren gegangen. Also zurück auf den Weg der Wahrheit. Was also tun, wenn, wie in meinem oben erwähnten Artikel, der nächste Park durch die abgasgeschwängerte Luft eines 378 Meter breiten Betongrabens getrennt wird und ich mich partout den Freudensinnen natürlichen Grüns hingeben möchte. Nun, die wohlverdiente Mittagspause ist nur von kurzer Dauer und so verhallt der Ruf “Hinaus in die Natur!” ungehört in den hohlen Gemäuern des Bürogebäudes. Also bleibe ich gleich im Büro und erfreue mich an meiner selbstgezogenen Natur innerhalb der vier Wände.

Welche Pflanzen kommen aber überhaupt in Frage, um mich in meiner Arbeitsplatzumgebung etwas heimisch zu fühlen. Antworten auf diese Frage gibt etwa die Seite Plants for People. Lassen Sie sich nicht vom englischen Titel abschrecken, denn Pflanzen für Menschen ist in schönstem Deutsch gehalten. Die Plattform gibt viele Informationen und hilfreiche Tipps, wie sich die positive Wirkung von Pflanzen auf die Arbeitsumgebung übertragen lässt. Auch Heidi Fülle bietet mit ihrem Artikel “Die besten Pflanzen fürs Büro” Anregungen für die Arbeitstiere unter uns, wie sich der Hektik des Arbeitstages erträglich begegnen lässt. Und auf Lebende Luftreiniger - Pflanzen im Büro finden sich unter dem Artikel (es ist immer von Vorteil, wenn man etwas zu Ende liest) bestimmte typische Problemstellungen der Arbeitswelt (Formaldehyd, Elektrosmog, Lacke und Reinigunsmittel) und die dafür geeigneten grünen natürlichen Helferlein. Oder wussten Sie, dass in einer Welt voller Computer, Telefone und sonstiger Elektrosmog verbreitender Geräte der Säulenkaktus in nächster Umgebung wahre Wunder wirkt? (Siehe dazu z.B. Der DHA Garten-Tipp: SOS für Büropflanzen)

Auch Katzen haben ihre grünen Seiten, natürlich in freier Natur.

Paul Bögle: “Lasst dicke faule Katzen um mich sein!”

In diesem Sinne grüsst Paulus Gaius Cassius die arbeitende Bevölkerung innerhalb einer begrünten Arbeitswelt. Grüner Daumen hoch!    

10.9.2010

Rosa rosiges Fleisch - die grau(sig)e Realität

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 23:42


Sauerstoff, unser wichtigstes Lebenselixier

Nein, nicht für uns Menschen, sondern für Industrie und Handel natürlich, was dachten Sie denn? Wobei in diesem Falle die Behandlung von Fleisch mithilfe von hochkonzentriertem Sauerstoff gemeint ist. Im Fachjargon heisst dieses Verfahren dann auch Schutzatmosphäre-Verpackung, Schutzgasverpackung oder Aromaschutzverpackung. Und wer es englisch liebt, spricht vom sogenannten Modified Atmosphere Packaging oder kurz und bündig von der MAP-Verpackung.

Vier unterschiedliche Begriffe mit ein und demselben Resultat: Während des Abpackprozesses der Lebensmittel wird die in der Verpackung enthaltene Umgebungsluft abgesaugt und durch ein Schutzgas oder meist Schutzgas-Gemisch ersetzt. Ziel dieser “lebenserhaltenden” Massnahme ist die Aufrechterhaltung der Qualität sowie die Verlängerung der Haltbarkeit der Lebensmittel.

So weit, so gut! Keine schlechte Idee. Es stellt sich immer nur die Frage: Was macht Industrie und Handel daraus? Und hier sind unsere Produzenten und Lieferanten sehr kreativ, erfinderisch und vor allem sehr verschwiegen. Überhaupt dann, wenn es um die Aufklärung der Verbraucher geht.

Sie marschieren also durch die endlos langen Reihen und Regale voller Konsumbeglückung und Verbraucherbefriedigung, gemeinhin als Supermarkt, Lebensmittelkette oder Discounter betitelt. Ihnen steht der Sinn nach einem saftigen Stück Fleisch. Also steuern Sie die Kühlregale an, schließlich ist abgepacktes Fleisch billiger und sieht genauso appetitlich rosarot wie beim Fleischer Ihres Vertrauens aus. Richtig, sieht so aus!

Wenn Sie allerdings auf jenem begehrlichen saftig rosigen Stückchen Fleisch, welches Sie in Ihr verbrauchergläubiges Auge gefasst haben, den Hinweis “Unter Schutzgasatmosphäre verpackt” lesen, sollte Ihnen die Umgebungsluft zumindest für einen kurzen Augenblick wegbleiben. Denn dann haben Sie es mit Fleisch (gilt aber auch für andere Lebensmittel) zu tun, welches z.B. im Sinne des für Deutschland gültigen § 9 Abs. 7, Satz 1 und 2 der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung (ZZulV) verpackt wurde. Die Kennzeichnung, welches Gas bzw. welches Gasgemisch dabei in welcher Menge zum Einsatz kommt, ist jedoch für die Hersteller nicht verpflichtend (weiterführend dazu Lebensmittelindustrie Sonderdruck: Die Lebensmittelindustrie gibt Gas, Seite 3 Schutzgase im Einsatz).

Warum aber all diese Mühen und Kosten für ein Stückchen rosafarbenes Fleisch? Foodwatch bringt es auf den einfachen Nenner: Frische-Illusion mit Nebenwirkungen. Nicht das Wohlbefinden des Konsumenten steht im Vordergrund, sondern die Gesundheit der Bilanzen, Bankkonten und Portokassen von Industrie und Handel. Durch die Schutzgas-Verpackung sollen chemische Reaktionen (Oxidation, Verfärbung des Fleisches) verlangsamt sowie der mikrobielle und enzymatische Verderb eingeschränkt werden. Oder etwas weniger wissenschaftlich ausgedrückt: Die attraktive rote, hellrote oder rosige Farbe des Fleisches bleibt über einen längeren Zeitraum erhalten. Und da bekanntermaßen das Verbraucher-Auge mitisst, wird dem Konsumenten-Gehirn durch Beigabe eines erhöhten Sauerstoffgehaltes frisches Fleisch vorgegaukelt. So einfach ist das!

Bliebe dies nun der einzige Nachteil von schutzgas-verpacktem Fleisch, könnten wir dies noch als weitere von unzähligen Verbraucherlügen und Konsumentenverhöhnung durchgehen lassen. Aber dem ist nicht so. Sogenannte Cholesteroloxidationsprodukte (COP) bilden sich, wenn Sauerstoff mit Cholesterol (Cholesterin) in Kontakt kommt und in weiterer Folge reagiert. Die Menge der dabei gebildeten COP hängt dabei von verschiedenen Faktoren wie etwa Länge der Lagerzeit und Höhe der Lagertemperatur, Reifezeit des Fleisches in der Umgebungstemperatur oder auch vom Grad des Fettsäuregehaltes ab.

Ich habe bei meinen Recherchen eine “schöne” Pressemeldung auf der InterMopro-Webseite mit dem Titel “Keine Gefährdung durch unter Sauerstoff-Schutzgas verpacktes Frischfleisch” gefunden. Nun gut, die InterMopro bezeichnet sich selbst als Messe für internationale Einkäufer sowie Marketing- und Vertriebsprofis und steht demzufolge möglicherweise etwas abseits der Konsumentenbedürfnisse und Verbraucherinteressen. In der Mitteilung heisst es dabei unter anderem: “… Das Bundes-institut für Risikobewertung … kommt zum Schluss, dass Verbraucherinnen und Verbraucher über derartige Produkte nach dem gegenwärtigen Stand der Erkenntnis mit hoher Wahrscheinlichkeit nur geringe Mengen an Cholesteroloxidationsprodukten zusätzlich aufnehmen. Von unter Schutzatmosphäre ver-packtem Fleisch geht daher kein erkennbares Gesundheitsrisiko aus.” Weiterführend dazu die bereits angeführte Quelle Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit dem veröffentlichten Fragenkatalog “Ausgewählte Fragen und Antworten zu Fleisch, welches unter Schutzatmosphäre mit erhöhtem Sauerstoffgehalt verpackt wurde“.

Weshalb das Verbraucherministerium jetzt trotz dieser scheinbaren Nichtgefährdung in aller Eile einen runden Tisch zur Lösung des Sauerstoff-Fleisches in den an allen Ecken und Enden stinkenden Raum stellen möchte (BfR bestätigt: Sauerstoff macht Fleisch ranzig und zäh), demnach also doch ein Erklärungs- und Handlungsbedarf besteht, sei dahingestellt. In ein weiteren Stellungnahme des BfR vom 05.08.2010 (Keine Gefährdung des Verbrauchers durch COP aus verpacktem Fleisch) steht nun plötzlich zu lesen: “… Gleichzeitig sorgt der erhöhte Sauerstoffanteil aber offenbar dafür, dass die Fleischqualität beeinflusst wird, da es schneller reift und damit auch schneller verderben kann, weil das Fett oxidiert und damit ranzig wird. Ein ranziger Geruch und Geschmack kann also früher eintreten als bei herkömmlich gelagertem Fleisch….” Also doch nicht alles Friede, Freude, Fleisch?

Noch kritischer Stellung zum Einsatz von Schutzgas bei Lebensmitteln bezieht Prof. Dr. Gerhard Rechkemmer, seines Zeichens Präsident des Max-Rubner-Instituts (MRI). In seinem Brief an foodwatch vom 24.02.2010 zeigt Professor Rechkemmer unmissverständlich die Nachteile und Gesundheitsrisiken von Schutzgas-Verpackungen auf und führt eine Reihe von Untersuchungsergebnissen an, welche seine Aussage bestätigen.

In dieselbe Kerbe schlägt der Lebensmittelhygieniker und Vizepräsident des Deutschen Verbandes Unabhängiger Prüflaboratorien Dr. Gero Beckmann: “Besonders dann, wenn die notwendigen Kühltemperaturen nicht gehalten werden, kommt es teilweise auch schon vor dem Erreichen des ausgewiesenen Verbrauchsdatums nachweislich zu gefährlichen Erhöhungen der Keimzahl.” (VUP.de: Frischfleisch in “Schutzgas-Verpackungen”)

Denken Sie also bei Ihrem nächsten Einkauf daran: “Unter Schutzgasatmosphäre verpackt” bedeutet nicht, dass Sie als Verbraucher und Konsument Frischfleisch in Händen halten, selbst wenn es verführerisch rosa und rosig durch die Schutzgas-Verpackung grinst. Und wenn Sie Hersteller und Händler in Zukunft sagen hören: “Sauerstoff ist für uns lebenswichtig!“, dann verstehen Sie womöglich den tieferen Sinn dieser Aussage.

In diesem Sinne grüsst Sie der um Atem ringende Fleischtiger Paul Bögle.



6.9.2010

In memoriam Angelo Vassallo

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 19:11

Angelo Vassallo: Tod im Namen des Umweltschutzes

Der Bürgermeister des kleinen italienischen Städtchens Pollica nahe Neapel ist tot! Hingerichtet, erschossen, ermordet, exekutiert, massakriert. Angelo Vassallo stand vielen im Weg. Besonders jenen, welche ihre skrupellosen Wirtschaftsinteressen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Umweltschutz durchsetzen wollen und dies auch tun. Letztes Mittel waren nun neun Kugeln, abgefeuert auf den 57-jährigen Sindaco-Pescatore, den Fischer-Bürgermeister, wie er aufgrund seiner manchmal unpopulären Methoden zum Schutz der Umwelt und im Namen der Natur genannt wurde.

Neun Kugeln brachten Angelo Vassallo zum Schweigen, weil er die Schönheit des Nationalparks Cilento über die wirtschaftlichen Interessen stellte und sich gegen eine Bebauung stellte. Neun Kugeln zuviel für einen Menschen, welcher die Wasserqualität vor der Küste Pollicas deutlich verbessern konnte. Neun Kugeln brachten Angelo Vassallo und mit ihm wieder ein Stück Natur zum Schweigen. Neunmal heisser in Blei gegossener Tod für die erbarmungslose Kälte namens Geld. Ein neunfacher Rückschritt in einer um Fortschritt bemühten Welt.

Spiegel online: Eine hässliche Exekution im Stil der Camorra

Grazie Angelo   


4.9.2010

Ökoportal - Webverzeichnis der Ökobranche

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 21:09

Ökologische Angebote, ökologische News auf Ökoportal

Dieser Artikel ist hauptsächlich an Blogger und Betreiber von Webseiten gerichtet, welche sich innerhalb der Öko-Branche bewegen und allen Interessierten ihre Webprojekte und Weblogs vorstellen möchten. Im selben (grünen) Atemzug stellt das Oekoportal aber genau diese Informationen jenen Suchenden zur Verfügung, welche sich Informationen und Tipps über Händler, Anbieter oder aktuelle Neuigkeiten zu den Themenbereichen Nachhaltigkeit, Ökologie, Bio und Natur einholen möchten.

Jede(r) BetreiberIn eines Öko-Projektes, jede(r) Anbieter ökologischer und biologisch Produkte und Dienstleistungen, sei es nun WebmasterIn oder BloggerIn, wird bestrebt sein, die eigene virtuelle Plattform im weltweiten Web bekannt machen zu wollen. Einerseits aus wirtschaftlichen Gründen, andererseits aus dem Bestreben, die eigenen Recherchen, Sichtweisen und die eigene Meinung anderen Menschen zugänglich zu machen und ein möglichst grosses und breit gestreutes Publikum anzusprechen.

Daneben gefällt mir besonders gut, dass Ökoportal eine Rubrik mit dem vielsagenden Titel Öko-Uni-Jobs anbietet. Weltweite Jobangebote von Hochschulen und Universitäten führen Studenten oder Fachpersonal auf Arbeitssuche direkt zu den ausgeschriebenen Stellen. Ein vielschichtiger und umfangreicher Veranstaltungskalender zu aktuellen Öko-Events bietet einerseits die Möglichkeit, sich abseits ausgetretener Pfade, sozusagen wirklich im grünen Bereich ein paar vergnügliche oder auch nachdenkliche Stunden zu machen, soll aber vielleicht auch LehrerInnen dazu animieren, dem hoffnungsvollen und lernbegierigen Nachwuchs die Welt jenseits von Mc Donald´s oder Playstation näher zu bringen. Und, nicht last, but least für den Moment, was wäre eine grüne ökologische Plattform wie Ökoportal ohne den zugehörigen Blog. Wer also seine Zeit weder dem Linkbuilding opfern möchte oder bereits in einem gesicherten und vor allem befriedigenden Arbeitsverhältnis steht, aber auf der Suche nach Diskussions- bzw. Lesestoff zu Klimawandel, Umweltschutz und neuen Dingen zu Öko, Bio und Natur ist, sollte doch einmal auf Oekoblog.de, dem Weblog rund um alle ökologischen Belange vorbeischauen.

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