Schwarze Oliven – schwarze Schafe



Die industrielle Schwarzmalerei der Oliven

Ich liebe sie, jene kleine Steinfrucht mit dem Namen Olive. Es gibt sie mittlerweile in den verschiedensten Varationen, besonders die mit Knoblauch, Mandeln oder scharfen Piri-Piri gefüllten Oliven haben es mir dabei angetan. Aber die Königin der Oliven ist für mich immer noch die schwarze Olive. Und deshalb auch dieser Artikel.

Ich saß also beim Essen. Und wie so oft naschte ich dabei und nebenbei jene kleinen Früchte. So auch dieses Mal. Ein kleines Schüsselchen schwarze Oliven wurde weniger, die kleinen Steinchen daneben mehr. Und plötzlich begann ich nachzudenken. Weshalb gibt es eigentlich grüne und schwarze Oliven? Und vor allem: Wo liegt der Unterschied? Bevor ich es als Blogger vergesse: Ein herzliches Dankeschön dem Gourmet-Blog für die Inspiration durch den Artikel Vorsicht vor schwarzen Oliven.

Den Unterschied macht der Reifegrad. Während die grünen, oder besser gesagt die olivgrünen, Oliven eben die reifen Früchtchen des Olivenbaumes sind, sind die schwarzen Oliven dementsprechend schon einen Schritt weiter, sozusagen vollreif. Der einzige Unterschied zwischen grünen und schwarzen Oliven ist also der Reifeprozess. Kaufen Sie grüne Oliven, kaufen Sie reife Oliven. Kaufen Sie schwarze Oliven, kaufen sie überreife grüne Oliven. So einfach ist das. Zumindest dachte ich bis zu diesem Moment, dass es so einfach sein könnte.

Dieser Prozess des Farbwechsels von grün nach schwarz dauert natürlich seine Zeit. Aber da die Natur schliesslich nicht auf der Flucht ist, allerhöchstens vor dem Menschen, wäre dies auch nicht weiter tragisch. Seltsam wird es erst dann, wenn diejenigen, vor denen die Natur naturgemäß permanent flüchtet, also besagter Homo sapiens, in den Reifeprozess eingreifen. Warum tun sie dieses?

Nun, Zeit ist Geld. Und wenig Zeit bedeutet viel Geld. Ich weiss, diese reziproke oder umgekehrt proportionale Sichtweise der Wirtschaft ist immer wieder erstaunlich. Also muss die Menschin und der Mensch in ihrer/seiner Eigenschaft als Schwarze-Oliven-Hersteller in diesen Prozess eingreifen. Ich habe vor rund einem Jahr einen Artikel mit dem viel- und doch nichtssagenden Titel Beschleunigte Entschleunigung verfasst. Vergessen Sie´s einfach! Wer sich erfolgreich als Schwarze-Oliven-MassenproduzentIn behaupten will, braucht eigentlich nur grüne Oliven. Und dann natürlich noch entsprechende Eisensalze.

Stopp, stopp, stopp! Nicht einfach losrennen und die grosse Feile suchen. Die wirklich erfolgreichen Aus-grünen-Oliven-mach-schwarze-Oliven-Produzenten nehmen dafür Eisenlaktat oder Eisenglukonat, welches auf den Etiketten meist als Eisen-II-Lactat oder Eisen-II-Gluconat, E 579 und E 585 kürzt das Ganze dementsprechend ab, vermerkt ist. Hat eigentlich überhaupt nichts mit Eisen zu tun, sondern wird aus Milchsäure gewonnen, aber die Wirkung ist umso erstaunlicher. Und das Beste an der ganzen Schwarzbrennerei oder besser Schwarzseherei oder natürlich Schwarzfärberei der grünen Oliven ist: Es handelt sich dabei nicht einmal um Farbstoffe, sondern lediglich um die Zusatzstoffe E 579 und E 585.

Es wurden bisher noch keine Nebenwirkungen durch die beiden Zusatzstoffe E 579 und E 585 festgestellt. Ebenfalls soll hier nicht verschwiegen werden, dass E 579 sogar zur Eisenanreicherung in bestimmten Diätprodukten zugelassen ist. Doch ein Zuviel an Eisen im menschlichen Verdauungstrakt kann die Vermehrung von Krankheitserregern zur Folge haben.

Gegen E 585 oder Eisen-II-Lactat kann ich deshalb nicht einmal Bedenken haben. Bedenklich stimmt mich allerdings die Tatsache, dass E 579 oder Eisen-II-Gluconat bereits gentechnisch hergestellt werden kann.

Sie werden sich jetzt die berechtigte Frage stellen, weshalb, ausser selbstverständlich aus geldgierigen Gründen, wartet frau und man(n) nicht einfach darauf, dass die grünen Oliven von selbst schwarz werden. Da spielt Mutter Natur nicht mit. Wer schon einmal schwarze Oliven gegessen hat, wird den Unterschied in der Bissfestigkeit festgestellt haben. Schwarze Oliven sind, bedingt durch den längeren Reifeprozess, wesentlich weicher. Und da die Menschin und der Mensch nun zu den bequem bequemlichen Wesen gehören, wollen sie möglichst alles mundgerecht serviert bekommen. Dazu gehört unter anderem auch: Die Oliven sollten entkernt, oder sage ich in diesem Fall „entsteint“, sein. Maschinelle Oliven-Entkernungsmaschinen für die harten grünen Oliven, kein Problem! Maschinelle Oliven-Entkernungsmaschinen für die weichen schwarzen Oliven, schöne Sch..sse! Also bedienen wir uns lieber der Einfärberei.

Achten Sie dementsprechend bei Ihrem nächsten Kauf, sofern Sie schwarze Oliven überhaupt mögen, auf das Etikett. Steht E 579 oder E 585 drauf, wissen Sie, dass Sie zumindest kein reines Naturprodukt vor sich haben. Ich werde es mir in Zukunft zur Gewohnheit machen, schwarze Oliven nicht mehr entkernt zu kaufen. Dies ist sicherlich kein Garant für die Nicht-Verwendung von Zusatzstoffen, aber den Rest erledigen hoffentlich meine beiden Augen beim Lesen des Etiketts.

So, zum Abschluss ist mir noch ein Gedanke gekommen. Sollten Sie irgendwann den Plan hegen, Ihre Seele dem Teufel zu verkaufen und der Fürst der Finsternis bemängelt die fehlende Schwärze, dann wenden Sie sich an mich. Ich habe mittlerweile immer eine Familienpackung E 585 vorrätig, garantiert ohne Gentechnik veredelt, aber höchst wirksam.

Bis dahin grüsse ich Sie als schwarzbeseelter, schwarzsehender, schwarzmalender, schwarzbrennender und schwarze Olivenkerne spuckender grüner Fürst der Hölle namens Erde. 



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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