Genetische Verschmutzung



oder die grüne Gentechnologie außer Kontrolle
Symbolbild Gen-Mais-Fratzen Aufgenommen am: 23.08.2002 Copyright: © Martin Langer / Greenpeace

Das von Martin Langer (Copyright: © Martin Langer/Greenpeace) am 23.08.2002 aufgenommene „Symbolbild Gen-Mais-Fratzen“ sagt mehr als 1000 Worte.

„EU genehmigt sechs Gentechnikmais-Sorten.“ mit dem Folgesatz „Nur angebaut dürfen sie im EU-Raum nicht werden“ mag auf den ersten Blick beruhigend wirken. Was jedoch zunächst wie eine alltägliche Meldung aussieht, birgt weit größere Gefahren als wir uns möglicherweise vorstellen können.
Diese sogenannten gentechnisch veränderten Maislinien (und vor allem die sich dahinter verbergenden Konzerne) oder auch kurz und gut gv-Maislinien genannt, wesentlich seltsamer klingt aber Mais-Event, hatten wieder einmal das unbeschreibliche Glück, dass sich der Ständige Ausschuss und der EU-Ministerrat nicht einigen konnten und letztendlich die EU-Kommission nach geltendem EU-Recht zugunsten der Firmen Pioneer, Syngenta und Monsanto entscheiden musste.

Sicherheit steht an erster Stelle! Selbstverständlich oder gerade im Bereich gentechnikveränderter Pflanzen. Und so musste sich eben die EU-Kommission den wissenschaftlichen Sicherheitsbewertungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beugen, welche zu dem glorreichen Ergebnis kam, dass die zu bewertenden gv-Maislinien und die daraus gewonnenen Lebens- und vor allem Futtermittel genauso sicher und gesetzeskonform seien wie vergleichbare herkömmliche Produkte (siehe z.B. EU-Kommission: Importzulassung für sechs gentechnisch veränderte Maislinien).

Da hört der Natur-Freund und staunt der Bio-Bauer. Und warum werden diese Wundermittel, zumeist handelt es sich um in Kanada, Südamerika und in den USA angebaute Kreuzungen aus verschiedenen anderen gentechnisch veränderten Maislinien, nicht für den Anbau im EU-Raum zugelassen, wenn sie ach so unbedenklich sind? Respektive was macht diese Genehmigung dann überhaupt für einen Sinn? Nun ja, angebaut dürfen diese Mais-Events, erinnert mich irgendwie an ein Musikkonzert oder ein Beachvolleyball-Turnier, nicht werden, aber von Import und Verwendung als Lebens- und Futtermittel dieser gv-Maislinien ist keine Rede. Und sollten andere eingeführte Agrarprodukte „zufällige, technisch unvermeidbare Beimengungen“ dieser gv-Maislinien enthalten, spricht auch nichts dagegen, zumindest nicht das geltende EU-Recht. Wenn also konventionell angebauter und in den EU-Raum importierter Mais mit weniger als einem Prozent GVO-Beimischungen kontaminiert ist, müssen wir ihn klaglos hinunterwürgen.

Doch damit nicht genug, will die EU-Kommission bezüglich ihrer zukünftigen Leitlinien über die Anwendung und Handhabung dieser Agrogentechnik einen, mehrere oder sogar unendlich viele Schritte weitergehen. Sollten die EU-Mitgliedsstaaten in Zukunft den Zulassungsprozess für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) beschleunigen, wird ihnen im Gegenzug die Souveränität in Sachen Zulassung nationaler Anbauverbote für gentechnisch veränderte Pflanzen zugesprochen. Ein schöner Deal, jedoch mit einem winzigen Schönheitsfehler. Durch die Gesetzeslage wäre es den Gentechnik-Konzernen und Pro-Gentechnik-Bauern ein Leichtes, diese nationalen Verbote in kürzester Zeit auszuhebeln. Scheinbar hat es sich die EU-Kommission in ihre gentechnik-vernebelten Medusa-Häupter gesetzt, über die Köpfe der Befürworter gentechnikfreier Lebens- und Futtermittel hinweg zugunsten der mächtigen Gentechnik-Lobby zu entscheiden. Die Gentechnik-Expertin Heike Moldenhauer vom BUND spricht offen aus, was viele Verbraucher denken: Die von der EU-Kommission in Brüssel vorgelegten Leitlinien zur Handhabung der Agrogentechnik sind „gefährliches Blendwerk„.            

Ich habe in meinem vor kurzer Zeit veröffentlichten Artikel Toscanella – Tomaten aus der Toscana ? und den dahinter stehenden Agrochemiekonzern Syngenta berichtet, einem, neben den US-Riesen Monsanto und DuPont, weltweit führenden Hersteller z.B. gentechnikverändertem Saatgutes. Natürlich würde kein Anbieter dieses hässliche Wort in der Öffentlichkeit in den Mund nehmen, deshalb wird es ganz unverfänglich auch als kommerzielles Saatgut bezeichnet, aber andere Länder, andere Gentechnik-Sitten.

„Monsanto?“ Richtig, da war doch etwas. Der Konzern stand bereits 2007 in der Schusslinie, als es um das Verbot der Aussaat gentechnisch modifizierter Luzerne ging, welches von Biobauern beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten (US-Supreme-Court) durchgesetzt wurde. Aber dieses Thema wird mich und hoffentlich auch Sie in einem meiner nächsten Artikel beschäftigen. Zum Einlesen möge Ihnen vielleicht Monsanto: Schlacht um GMO-Saatgut vor Supreme Court weiterhelfen.



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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