Gartenhotel Theresia: Design trifft Bio 1


[Trigami-Review]

…oder Gartenhotel Theresia, ein Hotel abseits der Norm

Es ist sicherlich eine Gratwanderung, wenn ein Hotel mit dem Slogan „modernes design – zeitlose tradition“ wirbt. Speziell dann, wenn sich, wie in diesem Fall, das Hotel mit dem schlichten Namen Gartenhotel Theresia im Salzburger Land befindet, also in einem nach leider immer noch herrschenden Massstäben kulturell unterbelichteten österreichischen Landstrich. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig, denn Saalbach-Hinterglemm und in weiterer Folge auch dem dort ansässigen Hotel Theresia lastet immer noch das Image des strahlend weissen Skiparadieses an, welches sich nach Schmelzen der weissen Pracht in den Sommermonaten zu einer unscheinbaren grauen Maus zum Überwintern oder besser Übersommern in die Tristesse eines unbewohnten Wüstenplaneten zurückzieht, um die warmen Jahreszeiten im Tiefschlaf zu überdauern.

„Ski in, Ski out!“ lautet für viele UrlauberInnen immer noch Regel Nummer 1 bei der Wahl des Urlaubsdomizils. Genau diesen Ansprüchen wird das Hotel Theresia gerecht, also direkt vom Hotel auf die Piste und vom Hang nonstop ins Hotel. Ohne Auto, Stau und Anfahrten in die herrlich weisse winterliche Pracht wünschen sich wohl die meisten SkiurlauberInnen und dieser Vorstellung kommt das Theresia ohne Wenn und Aber nach. Was aber machen AktivurlauberInnen, SportlerInnen, nach Ruhe und Erholung strebende Individuen im Sommer im Gartenhotel Theresia oder überhaupt im schönen Pinzgau?

Gartenhotel Theresia, eingebettet in die Pinzgauer GrasbergeBleibt nur der Blick auf abgefahrene, hässliche, vom Schnee befreite Hänge mit dem Charme einer Großbaustelle? Stehen Hotels wie das Theresia im Sommer unbewohnt und mit leeren toten Fensterhöhlen traurig apathisch schauend auf den kargen Hängen und warten sehnsüchtig darauf, mit den ersten Schneeflocken aus ihrem Monate andauernden Dornröschenschlaf erweckt zu werden? Offenbaren sich dem mutigen Besucher, welcher trotz aller Warnungen Saalbach-Hinterglemm auf eigene Faust erkundet, quietschende windschiefe Holztüren unter bröckelnden Häuserfassaden, welche im Rhythmus des Sommerwindes gegen die wurmstichigen Türrahmen schlagen, immer wieder ihr klagendes endlos monotones Lied des Vergessens und Vergessenseins gegen die kahlen Berge werfend, welche höhnisch das Echo tausendfach durch blinde gebrochene Fensterscheiben in die leeren Gästezimmer zurückschleudern?

 Gartenhotel Theresia: Hier ist jeder Gast willkommen

Gartenhotel Theresia: Gar manch seltsame Gestalt versteckt sich in den Pinzgauer Grasbergen

Als Wiener Großstadtmensch par excellence, welcher den Großteil seines urbanen Lebens zwischen immer mehr himmelwärts strebenden Betonstahlriesen, den neuzeitlichen Atlanten unserer Städte, und mehrspurigen Asphaltbändern verbringt, konnte auch ich mich, zugegebenermaßen, diesen Vorstellungen und Klischees nicht gänzlich versagen. Doch was mich wesentlich neugieriger auf das Hotel Theresia machte, war die folgende Überlegung.

Interessant wird es mit Sicherheit dann, wenn das Ehepaar Marianne und Harald Brettermeier-Egger in ihrer Eigenschaft als Gastgeber einen Blogger wie mich in ihr Hotel einlädt, welcher den Schwerpunkten Bio und Natur einen beträchtlichen Teil seiner Freizeit widmet und welcher sich dementsprechend auch nicht scheut, jene roten Äpfel namens „Öko-Tourismus“ oder „Nachhaltig reisen“ hinsichtlich ihrer Wurmstichigkeit zu prüfen. Und, um dem Ganzen noch die sprichwörtliche Krone aufzusetzen, bin ich sowohl aus privater als auch beruflicher Natur tagtäglich von Kunst umgeben und an Kunst interessiert. (Mein Dienstgeber ist ein renommiertes Wiener Museum, für die Neugierigen unter Ihnen, ich bin im MAK Wien beschäftigt).

Gartenhotel Theresia: Xenia Hausner “Wilde Herzen”Das Bio-Hotel Theresia, durchaus vorstellbar. Das Design-Hotel Theresia, keine abwegige Vorstellung. Aber ein Bio-Hotel, welches auf den Pfaden eines Design-Hotels wandelt, ohne die Blickrichtung zu verlieren, ohne sich in der Detailhaftigkeit der einen Komponente zu verästeln und trotzdem gleichzeitig der anderen Tugend den notwendigen Tribut zu zollen? Eine spannende Sache also, wenn ich mir die Theresia-Webseite näher betrachte. Öko-Hotel Theresia und Bio-Hotel Theresia auf der einen Seite und andererseits die eigene Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst, welche dem Gast zugänglich gemacht wird, sozusagen das Kunst-Hotel Theresia.

 Gartenhotel Theresia: Kunst und Bio unter einem Dach

Das Hotel Theresia vereint Kunst und Bio unter einem Dach, ohne eine der beiden Komponenten zu vernachlässigen.

Kann diese scheinbare Unvereinbarkeit von ökologisch bewusstem neuzeitlichem Denken und der Zurschaustellung zeitgenösssicher künstlerischer Werke, oftmals immer noch mit dem Vorurteil des Unästhetischen und Obszönen behaftet und belastet, auf engstem Raum funktionieren, ohne den Erholungssuchenden und aktiven Menschen in seinem Drang nach Bewegung und Erholung einzugrenzen? Wie gelingt es dem Ehepaar Marianne und Harald Brettermeier-Egger, diese auf den ersten Blick herrschende Diskrepanz von Familienhotel Theresia und frei zugängliche Galerie moderner Kunst in ländlicher Idylle auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen?

Meine Stammleser werden bereits jetzt ahnen, dass mein Bericht über das Gartenhotel Theresia wieder einmal etwas, möglicherweise sogar etwas mehr als sonst, umfangreicher ausfallen wird. Aber Ehre, wem Ehre gebührt! Deshalb biete ich Ihnen einen Kompromiss an. Für alle Kurzentschlossenen und an Tatsachen interessierten reiselustigen Menschen habe ich das folgende Video über das Hotel Theresia bereitgestellt, da auch ich weiss, dass visuelle und akustische Informationen oftmals aussagekräftiger und vor allem unterhaltender sind als das geschriebene Wort. Deshalb möchte ich mich nun von all jenen Menschen verabschieden und mich für Ihre Aufmerksamkeit bedanken, welche bis hierher durchgehalten haben. Deshalb finden Sie das zu Anfang dieses Artikels bereitgestellte Video jetzt noch einmal, quasi um Ihnen das Scrollen zu ersparen.

Wer natürlich noch ein paar Minuten bei mir bleiben möchte (keine Angst, Sie können später noch ein Zimmer im Gartenhotel oder selbstverständlich auch im familienfreundlichen mit Ferienwohnungen ausgestatteten Aparthotel Theresia gleich nebenan buchen), wird sicherlich nicht enttäuscht werden. Allerdings darf ich anmerken, dass ich die folgenden Punkte in sehr komprimierter Form wiedergeben muss, da es den Rahmen dieses Artikels sonst über Saalbach-Hinterglemm hinaus sprengen würde, möglicherweise sogar über unsere österreichischen Landesgrenzen hinweg bis in unsere Nachbarländer Deutschland, Schweiz, Italien, Liechtenstein, Slowenien, Slowakei, Tschechien und natürlich Ungarn. Bitte glauben Sie jetzt nicht, ich hätte aus dem Stegreif alle acht Nachbarstaaten heruntergerasselt, auch ich musste nachschauen.

1. Öko-Hotel und Bio-Hotel Theresia

Wussten Sie, dass das Salzburger Land und in diesem wunderschönen Teil Österreichs liegt Saalbach-Hinterglemm, eingebettet in die saftig-grünen Pinzgauer Grasberge, jenen westlichen Ausläufern der Salzburger Schieferalpen, in Sachen ökologischer Landbau und in weiterer Folge daraus resultierend den grössten Anteil von Bio-Bauern stellt, welche ihre Nutzflächen streng ökologisch bewirtschaften? Mehr als 15% der österreichischen Agrarflächen werden bereits von Öko-Landwirten bewirtschaftet, einmalig im EU-Raum (siehe z.B. Europäische Biolandwirtschaft wächst).

Das Hotel Theresia versteht sich deshalb als Botschafter dieser neuen kulinarischen Qualität. Sie lieben Chesseburger und diese anderen Dinge jener amerikanischen Fastfood-Kette (Sie wissen schon, wen ich meine)? Dann sind Sie im Gartenhotel Theresia leider falsch! Denn hier hat sich die Küchenbrigade bedingungslos darauf eingeschworen, die Verleihung der grünen Haube Tag für Tag auf´s Neue zu rechtfertigen.

Die grüne Haube für das Gartenhotel Theresia, Bio-Hotel Theresia, Öko-Hotel Theresia

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich´s gänzlich ungeniert!“ Sie kennen wahrscheinlich diese Floskel? Nun, wenn der über alle Grenzen hinweg bekannte Restaurantführer Gault Millau das Gartenhotel Theresia und dessen Küche zu den zehn besten Gourmetküchen der an Wellness-Hotels sicherlich nicht armen österreichischen Landschaft kürt und über das Hotel Theresia schreibt: „… Die erstklassige Hotelküche, die sich, wäre sie auch der Laufkundschaft zugänglich, wohl als Kandidat für eine Haube empfehlen würde.“ lässt es sich wohl leicht mit diesem Ruf leben.

Es sei deshalb, um diesen ersten Punkt zu beenden, eines angemerkt: Dem Gartenhotel Theresia wurde das Zertifikat AUSTRIA BIO GARANTIE Hotel Theresia, Zerifikat Nr. BV-0611-2009 verliehen, welches nur an Betriebe vergeben wird, welche sich ohne Vorankündigung auf die in der Küche verwendeten Bio-Lebensmittel und die Herkunft der Lebensmittel von ebenfalls zertifizierten Bio-Bauern uneingeschränkt kontrollieren lassen.

2. Wellness-Hotel Theresia

Was wäre ein Erholungsurlaub, Aktivurlaub, Wanderurlaub oder eben Skiurlaub ohne eine entsprechende Wasserwelt? Nun gut, nicht jederfrau und jedermann hat das Bedürfnis nach Finnischer Sauna, Sole-Dampfbad, Aromagrotte, Gegenstromanlage, Outdoor-Erlebnispool oder Aussen-Whirlpool. Die allerbeste Ehefrau, sprich meine Gattin, allerdings schon. Und ich schließe mich dieser Meinung natürlich uneingeschränkt an.

Ich bin mir selbstverständlich dessen bewusst, dass die frische Alpenluft und ein gesundes Maß Bewegung an derselben zu unser beider Wohlbefinden beitragen, aber wir Gartenhotel Theresia: Alle Wege führen zu Sonne und Abgeschiedenheitsympathisieren doch sehr mit Winston Churchill´s Leitmotiv „No sports!“, wobei ich endlich einmal die Gelegenheit nutzen möchte, dass dieses „Sport ist Mord!“ Zitat wohl kaum aus dem Munde dieses grossen englischen Staatsmannes stammen dürfte, aber dies nur so nebenbei. Ganz im Gegenteil! Würde Churchill noch unter uns weilen, bei den im Hotel Theresia angetroffenen liebenswerten englischen Wanderurlaubern keine Abwegigkeit, würde er sicherlich das kostenlose Aktiv-, Fitness- und Entspannungsprogramm zur Genüge nutzen. Aber wie bereits gesagt: Meine Frau und ich ziehen die Ruhe und Abgeschiedenheit vor.

 

Gartenhotel Theresia: Zeit der Stille, stille Zeit

Gartenhotel Theresia: Natürliche Oase der StilleUnd hier hat sich das Gartenhotel Theresia etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Es gibt einen abgegrenztenGartenhotel Theresia: Die Räder stehen still Bereich für Erwachsene, die sogenannte Ruhepyramide. Nicht böse sein, liebe Kinder, aber wenn Ihr selbst einmal unser Alter erreicht habt, werdet Ihr Euch nach Ruhe sehnen, denkt an meine geschriebenen Worte! Diese Ruhepyramide ist der perfekte Ort, um abzuschalten, zu entspannen, zu lesen oder einfach nur für ein paar Minuten, Sie wissen, mit „ein paar“ nehme ich es nicht so genau, die Augen zu schliessen und nachzudenken. Unter Nachdenken verstehe ich dabei, leise schnarchend meine Motoren zum Stillstand zu bringen und die Akkus aufzuladen. Natürlich steht es Ihnen auch frei, aus mehr als 100 kostenlosen Musik-CD´s das richtige Urlaubsfeeling aufkommen zu lassen. Lassen Sie sich durch den lichtdurchfluteten Wintergarten der Ruhepyramide treiben, hängen Sie Ihren Gedanken in einer oftmals von Gedankenlosigkeit überfüllten Welt nach oder relaxen Sie in der Erwachsenen-Saunawelt, welche sinnigerweise ebenfalls von der fröhlich-lärmenden Familien-Aromagrotte abgetrennt ist.

Ich befürchte, ich muss schön langsam zum Ende von Punkt zwei kommen, sonst sitzen Sie immer noch vor diesem Artikel, während andere schon eines der 52 Zimmer im Hotel Theresia gebucht haben. Es sei deshalb zum Abschluss noch eines vermerkt. Um erfolgreich den schmalen Grat der Symbiose von Wellness-Hotel und Öko-Hotel zu beschreiten, genügt es nicht, eine entsprechende Infrastruktur bereitzustellen, ohne die dafür unabdingbaren Umweltaspekte außer Acht zu lassen. Deshalb werden die Schwimmbäder des Hotel Theresia mithilfe der recycelten Abwärme in Form eines komplizierten Wärmerückgewinnungssystems beheizt. Und Wasser ist selbstverständlich nicht gleich Wasser! Natürlich energetisiertes Granderwasser und das Mindestmaß an der für Österreich vorgeschriebenen Menge an Chlor, welche aufgrund der strengen Hygienestandards einzuhalten sind, sorgen für lachende, aber keine roten Augen.

Gartenhotel Theresia: Kosmetiksalon und Schönheitspflege Gartenhotel Theresia: Der Aussen-Whirlpool Gartenhotel Theresia: Die Ruhepyramide

Gartenhotel Theresia: Sichtweisen, Lebensweisen

3. Design-Hotel Theresia, Lichtgestalt Hotel Theresia

Ich muss vorab eine Warnung aussprechen. Licht, Raum, Lichtgestaltung, Raumgestaltung gehört zu meinen absoluten Lieblingsthemen. Und dementsprechend fällt dieser finale Punkt über das Gartenhotel Theresia auch ein paar Sätze länger aus. Dass ich die leichtfertig dahingeschrieben Floskel „ein paar“ nicht so genau nehme, vielleicht in manchen Augen meiner treuen LeserInnen sogar manches Mal über Gebühr strapaziere, hatte ich schon erwähnt? Wenn nicht, sei diese Pflicht hiermit nachgeholt. Deshalb ist an diesem Punkt für Sie die unwiderruflich letzte Chance, auszusteigen und sich endlich mein Video über das Gartenhotel Theresia anzuschauen.

„Aha, ich sehe, Sie wollen einfach nicht! Nun gut, dann schlägt meine Warnung also ins Leere! Also begleiten Sie mich auf meinen Weg durch das Theresia als Plattform für Kunst“

Die Cow-Bar des Gartenhotel Theresia: Detail aus Andy Warhol´s Werk “Cow”Andy Warhol erhebt die Pinzgauer Kuh zur Stilikone!“ Dies war meine erste Assoziation, als ich die schummrige gemütliche kleine Cowbar des Theresia Gartenhotels betrat. Sozusagen Zug um Zug (die Cowbar ist die letzte Bastion für die Raucher im ansonsten vollkommen rauchfreien Hotel Theresia) versenkte ich meinen Blick in das Werk des bekannten Künstlers, ließ mich argwöhnisch beäugen und blickte heiter und gelassen zurück, kurz gesagt: „Auf Du und Du mit der Kuh!“ Doch es ist nicht dieser Druck von Andy Warhol, welcher für das wirkliche Spannungselement im kleinen Raum sorgt, förmlich als knisternder braun-weiss gefleckter Spannungsbogen in der Intimität der Cowbar lastet. Es sind die fünf Barhocker, bezogen mit einemGartenhotel Theresia: Die Kuh-Lasterhaftigkeit der Cow-Bar braun-weiss gemusterten Stoff, welcher nur einen einzigen Schluss zulässt: Hier stand die Musterung der Pinzgauer Kuh Pate. Wer sich bei einem Glas Wein, in meinem Fall war es ein Cappuccino, näher mit dieser (gewollten oder unbewussten, ich weiss es nicht) Situation auseinandersetzt, wird die darin zugrundeliegende Ironie unweigerlich bemerken. Das rechte Auge der an der Wand hängenden Kuh blickt, sozusagen über den toten Artgenossen abgehoben schwebend, misstrauisch auf die Neufunktion der leblosen Überbleibsel der Kühe, nämlich als Sitzgelegenheit für den Menschen. Funktionalität trifft auf künstlerische Freiheit, aber erst das Ende der Freiheit der Das Gartenhotel Theresia und die Cow-Bar: Andy Warhol und die Pinzgauer KüheKühe erzeugt wiederum dieses Bewusstsein für diesen Schöpfungsprozess. Letzten Endes stelle ich mir die Frage: „Wer führt hier wen wohin? Die Kunst zur Notwendigkeit des Vergänglichen oder das Vergangene zur überlebenden und überdauernden Künstlichkeit?“

 

Das Gartenhotel Theresia und seine Cowbar: Kuh-Lastigkeit oder Kuh-Lasterhaftigkeit

Doch das Gartenhotel Theresia besteht aus weitaus mehr als der Cowbar. Licht so einzusetzen, dass es weder störend noch überladen wirkt, gehört wohl zu den schwierigsten und anspruchsvollsten Aufgaben der Raumgestaltung. Licht muss Spannung schaffen, ohne verletzend zu wirken. Lichtquellen sollen Akzente schaffen, ohne die Sinne und Reize zu überfluten. Licht soll eingrenzen, ohne aus- und abgrenzend zu wirken.

Die Planer und letztendlich Marianne und Harald Brettermeier haben dieses Konzept speziell in drei Bereichen des Hotels umgesetzt, ohne sich jedoch einer zwanghaften Bedingungslosigkeit zu unterwerfen.

Der erste Bereich ist die bereits angesprochene Ruhepyramide. Sie folgt der Natürlichkeit der verschiedenen Tageslichtsituationen. Grosse Glasfronten zwingen förmlich, sich den verschiedenen Stimmungen und Wetterbedingungen des Tages hinzugeben, ohne jedoch zwanghaft zu wirken. Den besonderen Reiz macht dabei die über den Köpfen der Ruhenden integrierte Glaspyramide aus, welcher der Stille des Raumes zusätzliche Tiefe, oder besser gesagt lichte Höhe, verleiht. Die gleissende Mittagssonne taucht den Raum in lebhaftes Licht, gibt ihm Fröhlichkeit und Wärme, ohne allerdings übersteigert und überhitzt zu sein. Die Wasseroberfläche der Aussenpools reflektiert launenhaft unregelmäßige Lichtsequenzen auf den hellen Wänden, füllt das Innere der Pyramide spielerisch mit strahlenden zarten Lichtfühlern, welche die Ecken und Winkel mit ihrer Lautlosigkeit zu ertasten versuchen, ohne die Meditierenden oder Lesenden in ihrer Ruhe zu stören.

Regen andererseits pocht mit regelmäßigen nassen kleinen Fingern gegen die abgeschrägten Wände der Glaspyramide, lockert die Stille auf, ohne allerdings unangenehm oder womöglich fordernd zu wirken. Immer wieder folgt der Blick den über einem sich schlängelnden Tropfen, welche sich langsam zu Miniaturbächen sammeln und, dem Gesetz der Schwerkraft folgend, langsam perlend dem schläfrigen Blick des Betrachtenden entschwinden.

Ganz anders dazu der Eingangsbereich des Hotel Theresia, sozusagen ein Licht-Antipode zur Ruhepyramide. Besucher fühlen sich beim Eintritt sogleich an ein überdimensionales Wohnzimmer erinnert. Der riesige schieferummantelte Kamin teilt den Empfangsbereich in verschiedene kleinere Einheiten, welche den Gästen die gewünschte Intimität geben, ohne jedoch Grenzen zu den Nachbarn zu ziehen. Lichtquellen verleiten zum Lesen, führen den Blick zu den verschiedenen Kunstwerken hin, fordern zur Entdeckungsreise durch die Lobby auf.

Der Eingangsbereich des Gartenhotels Theresia, ein riesiges, gemütliches Wohnzimmer Die Vergangenheit des Gartenhotel Theresia Gartenhotel Theresia: Werk von Antonio Saura “La infanta” 1996

Das Gartenhotel Theresia vereint Neuzeit und Vergangenheit, ohne kompromittierend zu wirken.

„Wer sehen will, der sieht!“ Zwei Übermalungen aus der Totenmaskenserie von Arnulf Rainer, Xenia Hausner, Katharina Grosse oder Franz Xaver Fuhr hängen in stiller Eintracht an den Wänden, laden zum weiteren Erkunden des Hauses ein. Über das Stiegenhaus folge ich den weiteren Spuren der Sammelleidenschaft des Hausherrn, treffe auf Penelope Davis und Hubert Scheibl, bevor ich, vollkommen außer Atem, Sie wissen schon, ich fröhne dem Laster des Rauchens, in der Abgeschiedenheit des vierten Stockwerkes auf ein grosses Acrylbild von Jan Muche stosse.

Sie möchten mehr über die Sammlung des Hotels Theresia wissen? Ein kleiner Tipp: Machen Sie es wie ich! Treten Sie an den Hausherrn Harald Brettermeier heran und bitten Sie ihn mit flehentlichen Augen, einen kleinen Blick auf seine kleine, aber feine private Kunstsammlung von Bildern, Drucken und Photographien werfen zu dürfen. Ich bin sicher, er wird es Ihnen genauso wenig verweigern wie er mich mit Freuden in sein buntes Reich geführt hat. Sie möchten einen echten Van Gogh sehen? Dann empfehle ich Ihnen, nach Amsterdam zu fahren.

Was macht die Sammlung aber dann so sympathisch? Bei Herrn Brettermeier spüre ich sofort: Er sammelt aus Leidenschaft! Hier stehen keine Wertindizes oder wirtschaftliche Interessen im Vordergrund, sondern es regiert einzig und allein die Prämisse: Es muss gefallen! Das Bauchgefühl führt das strenge Regiment. Und genau das macht meinen Gastgeber so sympathisch. Die Ästhetik steht unverkennbar im Vordergrund, nicht das unbedingte Verstehen-wollen und Interpretieren-müssen, sondern die Freude an den künstlerischen Arbeiten. Und diese persönliche Leidenschaft überträgt sich unmerklich auf das gesamte Gartenhotel Theresia, zieht sich wie ein unsichtbarer roter Faden durch den Eingangsbereich, spinnt seinen Faden weiter hinein in die Speisesäle, flattert von dort weiter das Stiegenhaus hinauf und gipfelt schließlich im vierten Stock in der „Bar de la Poste“ von Jan Muche.

Weiterer Blickfang des Eingangsbereichs des Theresia ist eine originelle Lichtinstallation im Rezeptionsbereich. Familie Brettermeier-Egger vollführt auch hier wieder eine gewagte Gratwanderung zwischen modernem Lichtkonzept und klischeehafter Motivwahl von schemenhaften Hirschen und Tannenwald, ohne sich aber in dieser Vorurteilshaftigkeit des Ländlichen zu verlieren. Apropos „verlieren“. Ich glaube, jetzt habe ich mich wirklich im Geflecht meiner Schachtelsätze und im Dickicht unzähliger Satzkonstruktionen verloren. Denn ich sehe, die ersten LeserInnen fangen schon an, die Koffer zu packen. Deshalb eine allerletzte Bitte an Sie. Wenn Sie jetzt ins Gartenhotel Theresia nach Saalbach-Hinterglemm reisen, lassen Sie einfach für ein paar Tage, Sie ahnen schon, dass dieses ominöse „ein paar“ durchaus keiner zeitlichen Begrenzung unterliegt, der Leichtigkeit und Unbeschwertheit Ihres Daseins den Vorrang. Es lohnt sich!

Das Gartenhotel Theresia und die Rezeption: Kunst oder Kitsch? Licht oder Ländlichkeit? Abgang Stiegenhalle Gartenhotel Theresia: Werk von Penelope Davis “Catalogue” 2009 Lambda Color Print Nr. 7/100 Gartenhotel Theresia: Das Herren-WC ins rechte Licht gerückt.

Es gibt viel zu entdecken im Gartenhotel Theresia

Kommen wir nun zu guter Letzt zu den unvermeidlichen Kritikpunkten, welche ich über das Gartenhotel Theresia loswerden muss. Es gibt einen, aber wirklich nur einen einzigen höchst unangenehmen Punkt, welchen ich hier in den vollendeten Raum aus Öko-Hotel, Bio-Hotel, Wellness-Hotel, Familien-Hotel und Design-Hotel namens Gartenhotel Theresia werfen muss, ungeachtet der Gefühle der Familie Brettermeier-Egger, schonungslos offen, knallhart bedingungslos, um nicht sogar von Respektlosigkeit zu sprechen:

Theresia Hotel Saalbach-Hinterglemm: Modernes Design, zeitlose Tradition


Der Aufenthalt war zu kurz! Deshalb hier meine öffentlich gemachte Drohung an Marianne und Harald Brettermeier-Egger:
„Wir kommen wieder!“ Und dann heisst es getreu dem Motto unserer steirischen Eiche Arnold Schwarzenegger: „I´ll be back (in Saalbach-Hinterglemm)!“ Für all jene unter Ihnen, welche sich nicht dieser martialischen Geduldsprobe hingeben möchten, kann ich nur den gut gemeinten Ratschlag, neben meinem sensationellen (so zumindest die Meinung eines gewissen Herrn Paul B. aus Wien) Video über das Gartenhotel Theresia, bereitstellen: Jetzt zum Hotel


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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