Toscanella – Tomaten aus der Toscana?


Auch wenn es der Namensgeber, die Schweizer Firma Syngenta, vielleicht darauf angelegt hat, beim Konsumenten dementsprechende Assoziationen zu wecken, muss ich Sie, wie bereits so viele Male, auch heute wieder enttäuschen. Der Basler Agrochemiekonzern Syngenta hat sich dem löblichen Ziel Pflanzenschutz verschrieben. „Sehr gut“ werden Sie nun denken. „Sehr schlecht!“ kann ich Ihnen darauf nur antworten.

Neben den US-amerikanischen Konzernen Monsanto und DuPont, welche sich bedingungslos der Gewinnmaximierung durch genveränderte Feldfrüchte, Herbizide und sogenanntem kommerziellen Saatgut, kurzum der Biotechnologie, widmen, hat sich Syngenta ebenfalls darauf spezialisiert, den Verbraucher in Form der Syngenta Seeds GmbH mit hervorragenden Produkten auf diesem Sektor zu beglücken. Alleine die Produktnamen machen Lust auf mehr: Ein Grünkohl mit dem vielversprechenden Namen „Winnetou F1“, der Kopfsalat „Tizian“, Zwiebelsorten mit den Zungenschnalzern „Vision F1“, „Mission F1“ und „Solution F1“ oder Porree (Lauch), für den der griechische Gott Dionysos Pate steht. Genmanipuliertes Herz, was willst Du mehr!

Ich sehe schon, Ihnen wird ganz warm um das eben angesprochene lebenswichtigste Organ. Diesen ganzen neuen Züchtungen, nicht nur Syngenta hat hier seine genveränderten Finger im Spiel, auch Firmen wie Seminis, Rijk Zwaan oder Sakata sollte auf dieselben kritisch geschaut werden, liegt ein Verfahren mit dem unaussprechlichen Namen Protoplastenfusion zugrunde. Für den Laien wie mich bedeutet dies in einem Satz die Verschmelzung zweier Zellen durch die Auflösung der Enzyme und Zellwände z.B. mit elektronischem Strom. Wer es genauer wissen möchte, die Uni Hamburg bietet unter Protoplasten weiterführende Informationen und Lektüre. Natürlich soll es noch Menschen geben, und zu diesen zähle ich alle Leser meines Bio und Natur Weblogs, welche dankend auf kommerzielles Saatgut verzichten möchten und sich dem guten, alten konventionellen Saatgut hingezogen fühlen. Die Seite Ökoring bietet eine gute Zusammenfassung für all jene, welche Alternativen zu CMS-Sorten oder eben Sorten aus Protoplastenfusion suchen und sich dementsprechend den gentechnischen Züchtungsmethoden verweigern möchten.

Was hat aber nun die in der Überschrift angeführte Tomate mit dem südländischen Namen Toscanella mit uns zu tun? Sie wurde 2002 im Auftrag der Kunden erschaffen, kreiert, förmlich aus dem Genmanipulations-Hut gezaubert. Zumindest wird dies dem geschmacksorientierten und auf lange Haltbarkeit konditionierten Verbraucher in der Geschichte über die Entstehung der Toscanella suggeriert. Die Geschichte ist einfach zu köstlich, in all ihrer Doppeldeutigkeit selbstverständlich, als dass ich Sie Ihnen vorenthalten möchte. Wobei dies jetzt nicht der eigentliche Tomaten-Stein des Anstosses ist.

Aber anstössig ist die Firmenpolitik des weltweit führenden Pestizidherstellers Syngenta. Ob nun jede siebte Tomate weltweit von Syngenta stammt oder nicht, sei hierbei nur von untergeordneter Bedeutung, da wir uns sowieso in permanenten Abhängigkeitsverhältnissen gegenüber Großkonzernen befinden. Aber Syngenta produziert und vertreibt das Unkrautvertilgungsmittel Paraquat, oftmals auch unter dem Markennamen Gramoxone bekannt. In der Schweiz ist dieses Herbizid bereits seit Jahrzehnten verboten, in Deutschland ist seit dem 11.07.2007 durch Entscheidung der ersten Instanz der Europäischen Gemeinschaften ein Inverkehrbringen und die Anwendung des Präparates „Gramoxone Extra“ mit sofortiger Wirkung untersagt (siehe z.B. Zulassung für das Herbizid „Gramoxone Extra“ annulliert ).

Wohin also mit dem hochtoxischen Mittelchen, wenn Europa „Nein!“ sagt? Einfach die Hemmschwelle herabsetzen und hemmungslos ab damit in Schwellen- und Entwicklungsländer. Die können alles brauchen, angefangen vom Atommüll bis hin zum Elektroschrott, warum also nicht auch das lebensgefährliche Paraquat? Lungenschäden und Atembeschwerden, Nasenbluten und Kopfschmerzen, möglicherweise sogar eine Kausalität zwischen Paraquat und der Parkinsonschen Krankheit, wen stört´s. Hauptsache, die Bauern wenden es an. Hunderte Todesfälle und tausende Vergiftungsfälle inkludiert. Ich zitiere im folgenden einen auf der Internetseite ignoranz.ch unter dem Artikel Syngenta: Giftkonzern ohne Skrupel? gefundenen Kommentar eines Menschen namens Rico, welcher zeigt, wie wir, die westliche Welt, diesen Problemen oftmals gegenüberstehen.

„Ich kann nicht erkennen, warum hier Syngenta schuldig sein soll. Effektiv ist es doch der Anwender, der sich nicht an die Gebrauchsanweisung hält. – Im Übrigen haben es Gifte halt so an sich, giftig zu sein. Darum gibt es ja Anwendungsbestimmungen, an die man sich halten muss.

Man schaut doch auch nicht mit dem brennenden Feuerzeug nach, wieviel Benzin noch im Tank ist. Oder ist dann auch ESSO schuld..?“

Es freut mich immer wieder, wie sich ein des Schreibens und Lesens fähiger Mensch derart stupide gegenüber Menschen verhält, welche in Ländern leben, in denen Analphabetismus und das tägliche Leben vom Kampf gegen Hunger und Krankheiten 24 Stunden lang bestimmt ist. Denn genau diese Ricos dieser Welt sind es, welche sich anmaßen, weit über jenen zu stehen, abgehoben über ihnen und vor allem sehr weit weg von deren Problemen.

Lassen wir also unserem Freund Rico seine Freude an den Toscanella-Tomaten, möge er sie ohne Nasenbluten, Kopfschmerzen, Beschwerden seiner Atemwege und einer voll funktionsfähigen Lunge genießen. Wir anderen könnten uns vielleicht darauf verständigen, Toscanella-Tomaten nicht zu genießen, schließlich gibt es noch andere Hersteller von Paradiesäpfeln, welche in ihrer Verantwortlichkeit gegenüber Menschen etwas andere Zielsetzungen haben und sich in der Firmenpolitik von Syngenta nicht grundlegend, aber zumindest ein bisschen unterscheiden. Die EvB (Erklärung von Bern) fordert deshalb den sofortigen Produktionsstopp und das generelle Verbot von Paraquat. Erkären Sie sich solidarisch mit Stop Paraquat und lassen Sie dem Imperativ „Hände weg von Toscanella-Tomaten“ Taten folgen.             


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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