Formel 1: Mit Vollgas zur Formel Grün …


… oder die Umwelt dreht sich im Kreis

Es vergeht kaum ein Tag, welcher nicht mein Entzücken über das neue Umweltbewusstsein und löbliche ethische und moralische Anschauungen unserer Gesellschaft findet. Habe ich gestern noch über die, zugegebenermaßen zu meinen etwas konträren Standpunkten, Besorgnis gewisser deutscher und internationaler Großbanken und anderer Konsortien berichtet, aus lauter Angst vor den gierigen Aktionären mithilfe von Streubomben und Streumunition die marodierenden Massen im Zaum zu halten, bewege ich mich in dieser schnelllebigen Zeit heute schon wieder in ganz anderen Kreisen. Moment, ich muß mich berichtigen: Ich bewege mich nur innerhalb eines Kreises, also sozusagen nur im Kreis!

Übrigens, also „by the way“, wie der gebildete Engländer sagen würde, sozusagen im Vorübergehen, besser natürlich in diesem Falle im Vorüberfahren, das mit den Streubomben sollte bei Ihnen beileibe keine Panikattacken auslösen, schließlich haben besagte Banken usw. keinen Krieg angezettelt oder wollen eventuelle Unbeteiligte oder womöglich sogar Unschuldige meucheln und morden. Würde auch keinen Sinn machen, wer würde sonst sein Erspartes und Erschlichenes zur Verfügung stellen? Also, keine Angst, liebe LeserInnen, es wird Ihnen nichts passieren, außer Sie gehen zur Bank und reichen einem jener Nadel-Streifen-Hörnchen Ihren kleinen Finger. Aber selbst dann bewahrt die Frau von Welt und der Mann hinter der Frau von Welt die Contenance. Bitte Contenance nicht mit Kontinenz verwechseln, dies hat schon desöfteren zu absonderlichen Irrtümern geführt, insbesondere in der Welt der Hochfinanz.

Stellen Sie sich einmal vor, ein Mensch weiblicher oder männlicher Machart der Deutschen Bank, ups, jetzt habe ich „Deutsche Bank“ groß geschrieben, muß ich sofort in deutsche Bank ausbessern, würde seinen verbalen Schließmuskel nicht permanent unter Kontrolle haben? Die ganzen schönen Wort-Fäkalien würden in einem fortlaufenden breiigen Strom aus seinem Innersten quellen, fänden ihren Weg zwischen den Zähnen hindurch in die Freiheit und würden sich über Sie als Bankkunde ergießen und langsam, aber sicher einen Finanzhaufen, möglicherweise bei Ihrem Erstgespräch nur ein Finanzhäuflein, aus Ihnen machen. Ja, um alles in der Welt: „Is this desirable?“, wie der immer noch höchst gebildete Engländer sagen würde.

Zu Engländer fällt mir doch zufälligerweise gleich folgendes ein. Ein Herr mit dem untadeligen Namen Martin Whitmarsh lieߠdiesen Satz aus seinem berufenen Munde quellen: „This is a very exciting time for Formula One, and I am delighted that our sport has been able to take a global environmental lead in this way.”

Zu deutsch: „Ich bin entzückt, dass unser Sport eine weltweite Führerschaft in Sachen Umwelt einnimmt.“ Hören Sie jetzt bitte auf, so gelangweilt auf den Bildschirm zu starren! Und gegähnt wird auch nicht! Es geht hier nicht um irgendeinen Sport wie Rasenschach oder Gartenzwerge-Weitwurf. Grund seiner zum Ausdruck gebrachten Freude ist die Tatsache, dass es sich um den Echte-Männer-Sport Nummer 1 handelt. Richtig, wir sprechen von der Formel 1!

„Sport ist Mord!“ ist in der Formel 1 keine leichtfertig dahergesagte Floskel. Nein, hier wird dieser Slogan wenigstens noch gelebt. „Wir drehen uns alle nur im Kreis!“ ist in der Formel 1 keine leere Phrase. Hier wird solange mit dem Gaspedal auf die Phrase eingedroschen, bis der Satz Wirklichkeit wird. Eigentlich sind in meinen Augen alle die Formel 1 anbetenden Menschen Heilige, Abkömmlinge von Kirchenvater Augustinus, welcher bereits so um das Jahr 400 von der Erde als „moles globosa“ sprach. „Die Erde ist eine Kugel und steht im Zentrum des Weltalls und gehört schnellstmöglich umrundet“, sprach er schon damals weise und setzte sich hinter das Steuer seines Streitwagens, um dem Folge zu leisten. Nun ja, das mit dem „schnellstmöglich umrundet“ entstammt möglicherweise meiner Feder, aber den Rest hat er wirklich sinngemäß gesagt. Aber nichtsdestotrotz, Ehre, wem Ehre gebührt.

Mister Whitmarsh, unser ehrwürdiger Vorsitzender der Formel 1 Teamvereinigung FOTA (musste ich nachlesen) ist also mit dem hehren Ziel unterwegs, sozusagen mit Vollgas und auf der Überholspur, aus der Formel 1 eine neue Formel Grün zu basteln. Motorenzylinder aus Bambussprossen, Kolben aus Lampenputzer, einer schönen Sumpfpflanze, und die Karosserie aus recycelbarem Kunststoff, welcher bei einem eventuellen Totalschaden des Gefährts in Sticker mit der Aufschrift „Ich war live dabei!“ zerlegt und mit grüner Naturfarbe aus Matetee und Brennnessel bedruckt wird.

Das geht Ihnen dann doch einen Schritt zu weit? Herrn Whitmarsh geht es ebenso. Also bleibt er schön am Betonteppich. Aber er hat Großes vor. Das sogenannte „ground-breaking carbon emissions reduction programme„, wie es so herrlich auf der FOTA-Webseite heißt, soll bis zum Jahr 2012 den Kohlendioxid-Ausstoß um sage und schreibe 12,4 Prozent senken. Hört sich sicherlich nicht schlecht an. Wenn man allerdings bedenkt, dass einer Studie zufolge (siehe FOTA Environmental Programme Baseline Report 2010), welche die Londoner Firma Trucost im Auftrag der Benzinbrüder erstellte, die direkten Emissionen der Formel 1, also jene Emissionen, welche in direktem Zusammenhang mit dem Formel 1-Zirkus stehen, für das Jahr 2009 bei einer Größenordnung von 215 588 Tonnen Kohlendioxid lagen, bedeutet dies ein Einsparpotential von 26 733 Tonnen Kohlendioxid.

Blieben also immer noch rund 190 000 Tonnen Kohlendioxid für die Zukunft übrig. Um Ihnen nun ein Gefühl dafür zu geben, was dies, umgerechnet auf unser Alltagsleben, bedeutet, machen wir ein einfaches Rechenbeispiel, welches allerdings nur als Näherungswert zu betrachten ist. Ich habe mich nach verschiedenen Recherchen und der Nutzung eines C02-Rechners dafür entschieden, einen durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausstoß von 12 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr zugrundezulegen. Umgerechnet auf die Formel 1 und ihre 190 000 Tonnen, wohlgemerkt ohne Einrechnung der CO2-Emissionen durch die Anreise der Millionen Zuschauer, würde dies bedeuten, fast 16 000 Menschen könnten ein ganzes Jahr lang ihre Emissionen ungesühnt in die Luft lassen, um mit der Formel 1 gleichzuziehen.

Wir sprechen hier von den Emissionen einer gesamten Kleinstadt, welche durch 19 Rennen einer Saison, welche in etwa 90 Minuten dauern, kompensiert werden. 19 Rennen à 90 Minuten macht aufgerundet 29 Stunden unbegrenzten Fahrspaß. Und die restlichen 363 Tage und 19 Stunden des Jahres? Vielleicht sollten wir dazu Herrn Whitmarsh befragen? Aber, denken Sie daran, immer die Contenance bewahren. Auch wenn es nicht leicht fällt!

In diesem Sinne wünscht Ihnen der grüne Bruchpilot Paul Bögle einen autofreien Sommerabend.  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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