BP Boykott


mit Boycott BP

Ich bin sicherlich nicht der große Befürworter sozialer Netzwerke. Vielleicht liegt dies nur daran, daß ich mich nicht daran gewöhnen kann, wildfremde Menschen zu „adden“, wie „hinzufügen“ heutzutage heißt. Ich bin natürlich unheimlich stolz, diesen Begriff von unserer Tochter übernommen zu haben und wende ihn dementsprechend in jeder noch so möglichen und vor allem unmöglichen Situation auch an, selbstverständlich fehlerfrei . Ich sehe schon, Sie können mit dem Begriff „adden“ nichts anfangen und manch LeserIn wendet sich jetzt schon wieder mit Entsetzen ab, weil Sie doch tatsächlich dachten, dass ich zum BP Boykott aufrufe. „Gemach, gemach“, kann ich hierauf nur antworten. Erst muß ich diesem Artikel noch einige bis viele belanglose Sätze „adden“, ich möchte schließlich nicht als semiotischer Sparefroh und verbaler Geizhals dastehen. Oder heißt es „hinzuadden“ oder möglicherweise „dazuadden“? Klingt irgendwie seltsam, ist es natürlich auch. Nun gut, ich würde sagen, wir einigen uns auf das unverfängliche „adden“, ist zwar auch seltsam, klingt aber zumindest nicht so. Aber auf was wollte ich überhaupt hinaus? Richtig, ich weiß schon wieder. Also, wie bereits erwähnt, ohne „adden“ geht bei mir gar nichts mehr. Ich will Ihnen ein paar Beispiele geben.

Ich habe unlängst in unserem kleinen Garten einen neuen Rosenstock gepflanzt. Zumindest glaubte ich bis dato, dass ich solcherlei Dinge tue, nicht wissend, dass jeder halbwegs vernünftige Bodybooker, Thumbbooker, Kneebooker und Facebooker und was weiß ich, mit welchen englischsprachigen Körperteilen sonst genetzwerkt wird, keinen Rosenstock pflanzt, sondern ihn natürlich in den Garten „addet“. Und da es ein ziemlich trockener und heißer Tag war, habe ich selbstverständlich gleich einmal einige Liter Wasser zum Rosenstock „geaddet“, auf dass er schön zum Licht hin wachse. Apropos Licht! Jetzt ist mir doch unlängst die letzte meiner verbliebenen konventionellen Glühbirnen durchgebrannt, sozusagen der letzte Glühbirnen-Mohikaner. Habe ich also diesen Stromfresser, welche nun in den ewigen Stromzähler-Jagdgründen seinem finsteren Werk nachgehen wird, aus der Fassung „herausgeaddet“ und eine Energiesparlampe in die Fassung „geaddet“. Ich kann gar nicht genug bekommen vom „adden“. Ich „adde“ mittlerweile, was mir in die Finger bzw. vor die Tastatur kommt. Wenn mein Antiviren-Programm lauthals aufheult, bitte nicht mit aufhOILen verwechseln, dass ich mir einen Virus eingefangen habe, schreie ich noch um eine Spur lauter zurück: „Ist mir sch…egal, ich „adde“ alles, was nichts kostet!“ Meiner Frau habe ich schlichtweg die Pistole vor die Brust gesetzt und als Groß-Addierer der Familie befohlen, sie möge sich bei sämtlichen Netzwerken anmelden, damit ich sie „adden“ kann. Danach wurde sie wiederum von 4856 anderen Usern, bitte „User“ und nicht „Nutzer“, „geaddet“ und die haben mich im Schlepptau meiner Frau gleich mit übernommen. Bitte fragen Sie mich jetzt nicht, wen ich innerhalb von zwei Sekunden an Freunden dazugewonnen habe, aber Freunde kann man einfach nicht genug haben, auch wenn sie einem vollkommen unbekannt und eigentlich aufgrund des Unbekanntheitsgrades auch völlig egal sind. Ja, liebe LeserInnen, diese „geaddete“ Freunderlwirtschaft ist schon eine gewaltige Schmierenkomödie.

Wobei wir beim heutigen Thema sind. Es wurde genug geschrieben über die BP-Schmierenkomödie namens Deepwater Horizon. Und es wird sicherlich auch noch sehr viel Öl die Bäche herunterlaufen, bis endlich alles Leben in den Weltmeeren ausgelöscht ist. Und deshalb habe sogar ich mich bei Facebook angemeldet. Nicht, weil ich unbedingt darauf erpicht bin, weitere 4856 mir vollkommen unbekannte Freunde zu finden, sondern weil ich mich der Facebook-Aktion „Boycott BP“ angeschlossen habe. BP mag in Europa nicht jenen Stellenwert und jene wirtschaftliche Dominanz wie in den USA besitzen, doch immerhin betreibt der BP-Konzern in Deutschland 2400 Tankstellen unter der Marke ARAL und das Motorenöl Castrol stammt ebenfalls von BP (siehe „US-Amerikaner tanken bei der Konkurrenz“ oder die zum Boykott gegen BP aufrufende englischsprachige (Facebook)-Seite Boycott BP ). Sollten Sie irgendwann einmal im Internet dem Webprojekt mit dem wunderschönen Namen „Deepwater Horizon Response“ begegnen, ist allerdings Vorsicht geboten. Was glauben Sie wohl, wer für die Seite verantwortlich zeichnet? Richtige Antwort: BP.

BP steht seit Deepwater Horizon in meinen Augen nicht mehr für British Petroleum, sondern lässt sich viel besser im folgenden Satz wiedergeben:

Begin Protesting against Bad People and their Big Pollution!  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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