5. Teil: Gerüchtefalle Internet



Desinformation bedeutet Information, ganz gleich ob wahr oder falsch, ein Mittel, welches totalitäre Staaten, aber wohl auch sämtliche Geheimdienste dieser Welt anwenden, um dem Gegner Lügen als vermeindliche Wahrheiten zu verkaufen. Von den “Bagatellen” in Form von Wahlkampfversprechen, Werbelügen oder Liebesbezeugungen will ich jetzt gar nicht sprechen, da sie mittlerweile so in unser soziales, politisches und gesellschaftliches Leben Eingang gefunden haben, daß sie vielfach schon nicht mehr als Desinformation bzw. bewußte Fehlinformation angesehen werden. Doch Desinformation bedeutet ebenfalls das Vorenthalten wichtiger bzw. relevanter Fakten und Details, welche, aus dem ursprünglichen Kontext gerissen und wissentlich verschwiegen, dem Verständnis und dem Verstehen eine vollkommen neue Wendung und Interpretationsfähigkeit geben. Desinformation aber wiederum bedeutet deshalb auch Informationsvorsprung, vorausgesetzt, der Gegner wendet nicht dieselben Mittel an. Man könnte jetzt diesen Gedanken weiterführen, um zu sehen, ob und wenn, in welchem Maße sich dann Lüge und Gegenlüge soweit eliminieren, daß als letzter Ausweg doch wiederum nur die Wahrheit bliebe, um den verlorenen Informationsvorsprung wieder zu erlangen. Ich werde diesen Gedanken sicherlich in Zukunft noch einmal aufgreifen, natürlich nur, wenn er der Wahrheitsfindung dient. Bis dahin möchte ich weiterhin Gerüchte verbreiten, allerdings nur solche, die sich auf solch unglaublichem glaubhaftem Niveau bewegen, daß sie der Wahrheit so nahe kommen, ohne allerdings mit ihr zu kollidieren. Oder sollte ich besser sagen, ich werde gelogene Wahrheiten und bewahrheitete Lügen verbreiten.

Nein, liebe Leser, ich werde mich auch in Zukunft weder Hirngespinsten hingeben noch habe ich die Absicht, Halbwahrheiten, Gerüchte oder Lügen zu verbreiten, zumindest nicht so schnell. Was war aber nun meine Intention? Bitte fragen Sie mich jetzt allerdings nicht, ob und vor allem wie lange Sie mich beim Wort nehmen können. Ich weiß es nicht und halte mir zumindest die Option offen, auch zukünftig als wahrheitsliebender Lügner und Schwindler vor Ihnen dazustehen, wobei dies per se fast unmöglich erscheint. 

Mögen Sie mich nun möglicherweise der Sensationsmache, der Effekthascherei, der Panikmache, der Besserwisserei verdächtigen, ich kann es Ihnen nicht verdenken. Bezichtigen Sie mich der Diabolie, stellen Sie mich an den Internet-Pranger, steinigen Sie mich mit virtuellen Wurfgeschossen. Doch gestatten Sie mir, folgendes zu meiner Rechtfertigung zu sagen, auch wenn ich eingangs dieses Artikels geschrieben habe, dieser Erklärungsversuch diene keiner Rechtfertigung.

Ich habe bewußt das Medium Internet benutzt, um ein vollkommen haltloses und förmlich aus der Luft gegriffenes Gerücht, welches ich mit den beiden Artikeln „Extraterrestrisches Leben entdeckt“ und „Außerirdisches Leben wird immer wahrscheinlicher“ in den virtuellen Weltraum gesetzt habe und mit Hilfe gutgläubiger User weiterverbreitet habe. Ich habe, da ich mich selbst tagtäglich durch die unergründlichen Weiten jener geweihten virtuellen Erde grabe, entschieden, jene mir mittlerweile wohlbekannten und dementsprechend effektiven Kanäle und Kräfte zu nutzen, um eine plausibel erscheinende Meldung, welcher allerdings bei entsprechender Nachprüfung durch kritische Internet-User zu keinem Zeitpunkt einer Verifizierung standgehalten hätte, so zu verbreiten, daß sie die vorab definierte Zielsetzung erreichen würde.

Als erreichtes Ziel wurde definiert, die Meldung solange zu “promoten” und zu forcieren, bis sie sich in den großen Suchmaschinen mit dem Suchbegriff “außerirdisches Leben entdeckt” bzw. “extraterrestrisches Leben” festgesetzt hatte. Andere Wortkombinationen kursieren mittlerweile ebenfalls unter den ersten 20 Suchbegriffen, so daß ich heute, am 25.06.2010 sagen kann, mein vorab umrissenes Ziel erreicht zu haben. Über meine dafür benötigten finanziellen Mittel, welche ich für diese Zielsetzung dafür einsetzen musste, möchte ich mich an dieser Stelle nicht äußern. Ich kann Ihnen jedoch versichern, daß sie im Vergleich zum angerichteten Schaden, wenn man in diesem Zusammenhang von Schaden reden möchte, verschwindend gering sind und bei entsprechender Wiederholung dieses Experiments durch den “Learn by doing”-Effekt sicherlich weiter zu optimieren wären.

Sie werden nun fragen, weshalb sich ein Lebewesen der Gattung Homo sapiens die Mühe macht, erst etwas Zweifelhaftes in die Welt zu setzen, wobei hierbei dem Begriff „zweifelhaft“ in seiner Ursprünglichkeit eine besondere Bedeutung zukommt, um dann, nach erfolgreicher Gerüchteverbreitung den Rückwärtsgang einzulegen und lauthals zu schreien: „Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa!“

Wir haben im Verlauf unserer Menschheitsgeschichte schon viele selbsternannte und von willfährigen Mitläufern inthronisierte Herrscher weltlicher und kirchlicher Couleur in die Geschichtsbücher eingetragen. Doch wirklich ausschlaggebend für mein Experiment, wenn Sie mir diesen hochtrabenden Begriff gestatten, war ein alltägliches Erlebnis meines Privatbereiches.

Es hing eines schönen Morgens eine Liste vor unserer Eingangstüre, welche von einer der ansässigen Mietparteien initiiert wurde und zu einer Unterschriftenaktion aufrief, deren Inhalt ich nun nicht näher beschreiben möchte. Es unterschrieben daraufhin von insgesamt zwölf Parteien sage und schreibe zehn, ohne sich überhaupt im Klaren darüber zu sein, was und vor allem, weshalb sie ihre Unterschrift unter dieses Pamphlet setzten. Im nachhinein stellte sich dann heraus, dass gerade jene Partei, welche sich für die Aktion stark machte, im Endeffekt genau dieselbe Schuld traf wie einige der anderen, unter anderem natürlich auch mich. Doch genau jene, welche sich an erster Stelle eintrugen bzw. welche für die Unterschriftenliste verantwortlich zeichneten, waren die Hauptschuldigen. Meine Neugierde war deshalb also geweckt. Lassen sich Menschen für die eigenen Zwecke einspannen, ohne sich jedoch ihrer Mitwisserschaft oder, noch schärfer ausgedrückt, ihrer Mittäterschaft bewusst zu werden? Die Frage beantwortete sich in meinem speziellen Fall von selbst mit „Ja!“, deshalb fing ich an, mir darüber Gedanken zu machen, wie diese Mechanismen auf das Medium Internet übertragbar sind.

Ich kann und werde sicherlich niemals müde, immer und immer wieder darauf hinzuweisen, dass die Meinungsfreiheit des Menschen eine unserer wichtigsten Errungenschaften modernen und vor allem friedlichen Miteinanders ist und demzufolge mit (fast) allen Mitteln zu verteidigen gilt. Denn dort, wo Propaganda als subtiles Mittel genutzt wird, die demokratischen Grundprinzipien zu unterwandern, Menschen zu ächten und politische Rechtsstaatlichkeit sowie gesellschaftliche Strukturen aufzulösen, hört der Mensch auf, Mensch zu sein.

Einen letzten Ausblick und eine kurze Zusammenfassung mit dem Titel 6. Teil: Homo cyberspace – die Gefahr Internet macht deutlich, dass bereits die Macht der Gerüchte lange vor unserer modernen und vom allmächtigen Internet geprägten und vielfach dominierten Zeit erkannt und vor allem auch genutzt wurde. Bis dahin wünsche ich der sportbegeisterten Welt, ich gehöre (leider) nicht dazu, dass diejenige Nation Fussballweltmeister wird, welche gerüchteweise als Titelkandidat bereits im Vorfeld gehandelt wurde. Doch ich wage einmal die Behauptung, dass auch hier die Gerüchteküche vor Beginn der WM in Südafrika mehr brodelte und der Sieger aus einem ganz anderen Kreis hervorkommt als es die Propheten weissagten. Und sollten sich die Gerüchte dann doch bewahrheiten, kann ich zumindest sagen, dass an Gerüchten immer etwas Wahres dran ist. Sie sehen, ich lasse mir wieder einmal sämtliche Optionen offen und grüße Sie aus dem Fussball-Entwicklungsland Österreich als das

Fussballweltmeisterschafts-Orakel Paul Bögle


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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