Oi Oi OIL! 2



Die OIL!-KlimaCard, damit die Umwelt hOILt! 

Zugegebenermaßen kannte ich bis dato die Tankstellenkette mit dem wegweisenden Namen OIL! noch nicht. Dies mag möglicherweise daran liegen, daß ich selbst trotz Führerscheins nur sehr selten ein Auto von A nach B bewege. Wohlgemerkt, obwohl ich selbst Raucher bin und deshalb eigentlich dringend auf einen fahrbaren Untersatz angewiesen wäre, schließlich ist der nächste Zigarettenautomat gezählte 78 Schritte von meiner Wohnung weg und dementsprechend bräuchte ich dringend ein Auto für meine Glimmstengel. Aber ich bin wie ich bin und so lasse ich lieber meine Frau mit dem Auto die Zigaretten holen. Ich hoffe, Sie nehmen mir den kleinen Scherz nicht übel? Natürlich fährt bei uns keiner um die Zigaretten, schließlich gibt es heutzutage genügend Achtjährige, welche einem die begehrten Suchtbolzen frei Haus liefern und dafür gleich einmal ein Drittel des Päckchens zwischen Automat und Nachhauseweg konsumieren. Gut, schon wieder gelogen, also lassen wir das! Weiter im Text! 

Wie Sie wissen, zumindest hoffe ich inbrünstig, daß dem so ist, lasse ich mich als Wanderer zwischen den Welten im Allgemeinen und in den Internet-Welten im Speziellen gerne desöfteren dort nieder, wo ich frischen Nektar finde. In diesem Fall wählte ich den Bericht mit dem vielversprechenden Titel OIL!: Zusammen tanken wir die Umwelt weg des Projekts „Der Klima-Lügendetektor“ als Honeypot.

Da gibt es also eine Tankstellenkette mit dem übrigens ganz hervorragenden Werbeslogan OIL! frei&flott, welche zum Wohle der uns liebgewordenen und vor allem teuer gewordenen Umwelt eine sogenannte KlimaCard eingeführt hat. „Warum dieses?“ wird sich der kritische Autofahrer denken. „Warum dieses nicht?“ wird sich andererseits der unkritische Ölbaron denken, meist ebenfalls Autofahrer und damit wiederum kritisch. Mathematisch hebt sich nun kritisch und unkritisch auf, d.h. wir streichen am besten die beiden Wörter und machen den Ölbaron kritiklos. Obwohl eine dieser Pestbeulen im Moment ganz schön im Golf von Mexiko baden geht. Bitte keine Buhrufe, dies soll keine Beschimpfung sein, aber wenn wir schon mathematisch ableiten, dann auch richtig. Sie verstehen das jetzt nicht? Na gut, passen Sie auf. Also Pestbeule ist in diesem Zusammenhang beileibe nicht als Schimpfwort gedacht, wo denken Sie denn hin, liebe Drive-in-BePe-Gemeinschaft (dazu möchte ich Ihnen übrigens gerne meinen Artikel Der Homo sapiens kommt unter die Räder, geschrieben am 10. September 2009, an Ihr ölverschmiertes Herz legen).

Aber Ölbarone sind ja im Moment wirklich arme Menschen. Sie bohren Löcher in den Meeresboden, können diese Löcher nicht mehr stopfen und das ganze schöne schwarze schmierige Gold fließt an den eigenen Taschen vorbei ins Meer. Eine einzige Schmierenkomödie, könnte sich nun der labile Mensch denken. Doch wo Geld durch die Finger rinnt, muß das Denken hinten anstehen. Und dann haben wir den Salat. Anstatt das gute Öl zusammen mit etwas Essig auf denselben zu geben, müssen sich die Damen und Herren von BePe plötzlich mit einer kapitalen Ölpest herumschlagen. Wer nun denkt, kapital kommt in diesem Zusammenhang von Kapital, hat falsch gedacht. Denn die Ölpest im Golf von Mexiko ist eigentlich durch und durch sozialistisch. Sie ist für das ganze Volk da! Jede(r) darf sich so viel nehmen wie sie/er gerne möchte. Es ist genug für alle da. Reichlich vorhanden vom schwarzen Gold, selbst die eingefleischtesten Sozialisten können da gar nicht nein sagen zu so viel Überfluß. So, und jetzt kommen wir zur bereits angekündigten Ableitung, rein mathematisch gedacht, denn das Öl leitet sich selbst ab, da braucht es weder Menschen noch Braunpelikane, welche, oh welch Wunder, nun zu wunderschönen Schwarzpelikanen mutiert sind. Die Ölpest setzt sich so im Gefieder der Vögel fest, daß es förmlich an die großen Pestepidemien des finstersten Mittelalters erinnert. Eine Pestbeule nach der anderen reift heran, gärt und, schwuppdiwupp, zerplatzt wie die schönen Träume der schönen Damen und Herren in den schönen Kostümen und Anzügen von BePe. Lauter schöne Pestbeulen also, welche dort hantieren. Nein, natürlich nicht die schönen Damen und Herren, die schwimmen schließlich nicht im Meer. Die Pestbeulen sind immer die anderen, in diesem Falle die Braunpelikane, stellvertretend für all die anderen geschundenen Kreaturen.

Und so kommen wir wieder zurück auf unser eigentliches Thema. Was geht uns der Golf von Mexiko denn an? Der ist weit weg. Also, da gibt es diese tolle KlimaCard von dieser, ich glaube, ich habe es schon erwähnt, freien und flotten Tankstellenkette OIL!. Und jetzt raten Sie einmal, nein, lassen Sie´s bleiben, dies würde zu lange dauern, mit welch phänomenalen Slogan diese KlimaCard umschmeichelt wird. „Zusammen tanken wir die Umwelt auf“. Ich könnte brüllen vor Lachen. Leider bleibt einem jedoch bei so viel Dreistigkeit das Lachen im Halse stecken. Ein ehemals einigermaßen intaktes ökologisches System versinkt in der Katastrophe, der Mensch muß tatenlos und vor allem hilflos zusehen, wie die Natur hingerichtet wird und OIL! will jetzt auch noch den Rest der Umwelt auftanken. Da sage ich: „Tanke schön!“

Das ganze System funktioniert übrigens so. Kunden, welche mit der KlimaCard ausgerüstet sind, zahlen im Moment pro Liter feinsten Sprit 1,25 Cent extra. Das Unternehmen selbst hat sich aus feinstem Stoff maßgeschneiderte Spendierhosen anfertigen lassen und gibt dieselbe Summe noch dazu. So wandern, wir befinden uns in den Abgründen der Mathematik, 2,50 Cent an eine eilig ins Leben gerufene Organisation mit dem hochtrabenden Namen „Initiative Pro Klima“ (siehe dazu die Internetseite Initiative Pro Klima). Wer sich jetzt die Mühe macht, ins Impressum dieser Initiative zu schauen, wird dort als Firmensitz die Adresse Admiralitätstr. 55, 20459 Hamburg finden. Und jetzt raten Sie einmal, ja, nun dürfen Sie, denn das geht sicherlich recht schnell, unter welcher Adresse unsere freie und flotte Tankstelle zu finden ist? Richtig: Admiralitätstr. 55, 20459 Hamburg. Zufälle gibt´s im Leben, man glaubt es ja nicht.

Wie auch auf meiner heutigen Fundgrube oder besser gesagt meinem eingangs erwähnten Honeypot zu lesen ist: Welchen Zwecken das Geld zufließt, steht explizit nirgends geschrieben. Und, mit Verlaub gesagt, die Seite ist weder ein guter noch ein schlechter Witz. Wer genauer schaut, wird sehen, daß dieses Webprojekt bereits 2008 ins Netz gestellt wurde. Und wer sich durch die Unterseiten klickt, wird mit Informationen förmlich überschwemmt. Gehen wir gemeinsam doch auf die Unterseite mit dem schönen Namen Forschungsprojekte. Was finden wir dort?

Steht dort doch tatsächlich im Eingangssatz, daß das Leben auf unserer Erde maßgeblich durch das Klima geprägt wird. Schau an, schau an, welch neue Erkenntnis. Doch es kommt noch besser. Satz zwei klärt uns darüber auf, daß sich der Mensch nur in einer bestimmten Bandbreite von Temperaturen wohl fühlt. Hört, hört! Der Mensch benötigt Niederschläge, doch nicht zuviel davon. Staun, staun! Und auch der Wind ist uns von Nutzen, aber im Übermaß wirkt er zerstörerisch. Also, hier geht es wirklich mit geblähten Segeln zur Sache. Nun, lassen wir die Seite einfach links, rechts und wenn Sie wollen, auch in der Mitte liegen und schauen uns an, was uns sonst noch alles von der „Initiative Pro Klima“ erwartet. Der Punkt Projektnews hört sich mächtig interessant an, da platze ich jetzt schon vor Neugierde und der Inhalt der Seite dementsprechend sicherlich aus allen Nähten. Ich will Ihnen jedoch keine leeren Versprechungen machen, sehen Sie also selbst, was Sie auf der Seite erwartet. Da bin selbst ich mit meinen leeren Versprechungen noch ein Meister des Nichtssagenden. Und das Allerbeste: Blicken Sie einmal zum Ende der Seite, keine Angst, Sie brauchen dazu  nicht scrollen. Das Projekt „Initiative Pro Klima“ wurde 2008 ins Netz gestellt und heute haben wir den 18.06.2010. Nicht eine einzige Neuigkeit! Nur mal angenommen, die Seite wurde zu Silvester online gestellt (wir wollen höflich und nachsichtig bleiben), würde dies bedeuten, daߠseit 1 1/2 Jahren nicht eine einzige Projektnews zustande kam. Aber schreiben ist nicht jederfraus und jedermanns Sache.

Aber ich bin ein gutgläubiger und vor allem geduldiger Mensch. So denke ich mir, daß Öffentlichkeitarbeit das A und O jedes Unternehmens ist. Aha, was haben wir denn da. Der Punkt Pressemeldungen. Wenn das nichts ist für Mamas Sohnemann. Und siehe da, wir bekommen ja wirklich etwas zu lesen. Nur noch einmal zur Erinnerung. Wir schreiben heute den 18.06.2010! Die „aktuellste“ Meldung stammt vom 03.12.09. Davor gab es eine zwei gezählte Meldungen für das Jahr 2009 und wiederum zwei für das Jahr 2008. Wissen Sie was, jetzt reicht es sogar mir!

Frei und flott? In meinen Augen eher OI OI OIL! So, jetzt brauche ich zur Beruhigung eine Zigarette. Verd..mt, schon wieder leer. „Allerbeste Ehefrau der Welt, wo sind die Autoschlüssel?“          


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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2 Gedanken zu “Oi Oi OIL!

  • Martha

    Da sieht man es mal wieder. Genauer hinschauen lohnt sich. Falls es dieses Projekt wirklich geben sollte (und es keine Scheinsache ist), dann ist es einfach nur traurig für das Unternehmen. So etwas ist Imageschädigend und sorgt letztlich auch für geringen Umsatz. Wenn dies aber wirklich ein Pseudoprojekt ist und das Geld in die eigene Tasche gescheffelt wird, dann sollte man schleunigst handeln, genauer gesagt: Die Justiz. Der Fall muss unbedingt bekannt gemacht werden, damit sich jemand rechtlich darum kümmern kann. Also alles mobilisieren! Es würde mich nicht wundern, wenn OIL zu BP gehört… Wirklich zum hOILen!

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Liebe Martha, ich zweifle nicht einmal an der Existenz dieses Projektes. Möglicherweise ist es sogar ganz sinnvoll, aus betriebwirtschaftlichen Gründen unter einem Dach zu arbeiten, wer mag dies schon als Außenstehender beurteilen. Doch wie Sie richtig schreiben, es ist traurig, sich ein grünes Deckmäntelchen umzuhängen und damit als ökologisch besorgtes Rumpelstilzchen durch die Welt zu defilieren. Was mich wirklich ärgert ist die Tatsache, daß hierbei mit der Gutgläubigkeit der Verbraucher gespielt wird. Ich hoffe, Sie haben sich die Webseite dieses hochtrabenden Projekts so angesehen wie ich es tat und ärgern sich dementsprechend ebenfalls über die Oberflächlichkeit, mit welcher hier vorgegangen wird. Was mich allerdings erstaunt: Wie kann man sich so in der Öffentlichkeit präsentieren und der Meinung sein, den Konsumenten auf immer und ewig hinter´s Licht zu führen. Aber Tarnen und Täuschen scheint immer noch effektiver zu sein als wirklich sinnvolle Maßnahmen zum Schutz der Umwelt.