3. Teil: Die Gerüchteküche brodelt 1



Nur brodelnde Gerüchte sind gute Gerüchte. Grundlage dieser These bilden jene beiden Gerüchte, welche ich unter den Schlagzeilen Extraterrestrisches Leben entdeckt und Außerirdisches Leben wird immer wahrscheinlicher in diese wunderschöne virtuelle Welt aus scheinbar untrennbar miteinander verbundenen Überlagerungen aus Sein und Schein gesetzt habe. Nun, wie bereits in meinem Artikel 1. Teil: Das Internet – wahr, gelogen oder wahrgelogen? ausgeführt, es handelt sich bei den Meldungen um reine Erfindungen. Gefakt, meiner Phantasie entsprungen, haltlos, grundlos, bodenlose Frechheiten ohne den geringsten Wahrheitsgehalt.

Der 2. Teil: Ohne Lüge keine Wahrheit, veröffentlicht auf meinem Blog Freie Zeit endete mit der von Jean-Noël Kapferer aufgestellten Behauptung, daß zwei Prämissen erfüllt sein müssen, um einem Gerücht Glauben zu schenken, nämlich glauben zu können und glauben zu wollen. Oder, um wieder mit dem französischen Soziologen zu sprechen: „Ein Gerücht ist das Auftauchen und die Verbreitung von Informationen im gesellschaftlichen Organismus, die entweder von offiziellen Quellen noch nicht öffentlich bestätigt sind oder von diesen dementiert werden.“ (siehe Marcus Knill: Gerüchte – eine effiziente Form der Kommunikation).

Aber genau hier greifen die Mechanismen des Mediums Internet in all ihrer trügerischen Sicherheit nach schneller Informationsbefriedigung, Abrufen von Informationen in Echtzeit und dem Anspruch, jede nur erdenkliche Information an jedem Punkt der vernetzten Erde zu jedem Tageszeitpunkt abrufen zu können. Ich füge die Puzzleteile zu einer semantisch und syntaktisch schlüssigen Meldung zusammen, welche den Regeln wissenschaftlicher fundierter Berichte entspricht, wie sie der auf dem entsprechenden Wissensgebiet gemeinhin als Laie bezeichnete Mensch ohne weiteres Hinterfragen akzepiert, sogar akzeptieren muss, da die Möglichkeiten der Widerlegung in den meisten Fällen einfach fehlen. Und genau diese Propaganda wird uns schließlich zum Verhängnis, das Internet wird nicht mehr als abgegrenzter Bereich zu unserem realen Leben betrachtet, sondern erfährt eine unmerkliche Vernetzung von Virtualität mit Realität.

Die Grenzen der virtuellen Welt mit unserer einst auf Zeitung, Fernsehen und Radio beschränkten Welt werden fließend, Teile unserer Persönlichkeit überlagern sich als virtuelle Avatare, selbst geschaffene Phantasiefiguren mit jenen Wertigkeiten, wie sie letztendlich von uns als wünschens- und erstrebenswert erachtet werden. Wer sich als virtueller und trotzdem anonymisierter Teil einer Gruppe in sozialen Netzwerken und sozialen Plattformen aufhält, wird danach trachten, sein selbstgewähltes idealisiertes Bild möglichst rasch und vor allem effektiv in der Internet-Gemeinde zu verbreiten, um so eventuelles Misstrauen von vornherein auszuschalten. Was mehrfach im Netz steht, muß zwangsläufig wahr sein und bedarf demnach keiner Überprüfung, hält geradezu jeder Überprüfung durch die gegebene Wiederholbarkeit der Information von verschiedenen, scheinbar unabhängigen Quellen stand. Indikator des Wahrheitsgehaltes einer Nachricht ist nicht mehr, ob ein entsprechender Soll-Ist-Vergleich einer möglichen Plausibilität standhält, sondern ob die Wiederholfrequenz gegeben ist.

Inhaltlich verlässlich wird ein Artikel, die Eigenschaften eines Avatars, ein wissenschaftlicher Bericht dann, wenn seine Wiederholbarkeit, im wörtlichen Sinne „wieder holbar“, gegeben ist. Und je öfter die zu bewertende Information von verschiedenen Quellen abrufbar ist, desto glaubwürdiger wird die Verlässlichkeit dieser transferierten Daten.Wir sind dementsprechend alle Teil dieses globalen Dorfes, virtuelle Einwohner in dieser von Marshall McLuhan geprägten neuen modernen Welt, in welcher wir uns auf den virtuellen Strassen elektronischer Netze bewegen, ohne aber unseren physischen Standort jemals wechseln zu müssen, um in Kontakt mit anderen virtuellen Bewohnern dieses Cyberspace-Planeten treten zu können. Die Menschheit hat bereits diesen Schritt in das neue, von allen herbeigesehnte elektronische Zeitalter vollzogen, unmerklich haben wir die alte Weltordnung, von McLuhan als Gutenberg-Galaxis (siehe z.B. Gutenberg im Medienzeitalter) bezeichnet, Castells spricht heutzutage von der McLuhan-Galaxis, zugunsten der sogenannten Turing-Galaxis vollzogen. Volker Grassmuck prägte diesen Begriff in Anlehnung an Alan Turing, welcher die Ablösung der Gutenberg-Galaxis von zwei Konzepten abhängig machte, einerseits durch eine vorhandene Universale Diskrete Maschine, eine primitive Maschine, die aus sich heraus jede andere Maschine emuliert, ihr Erscheinungsbild neu modelliert und anderereits durch den von ihm entwickelten Turing-Test, ein Gedankenexperiment, welches sich mit der Frage beschäftigt, ob eine Maschine die Fähigkeit haben kann, eigenständig zu denken.

Wobei es bis heute noch keinem Computerprogramm gelungen ist, Intelligenz im Sinne von menschlicher Intelligenz für sich beanspruchen zu können. Allenfall nur unter erheblichen Reduktionen und Restriktionen, so z.B. wenn sich die Fragestellungen auf Schach beschränken, kann Maschinen Intelligenz attestiert werden, mit ein Grund ist hierbei sicherlich, daß sich Kommunikation, wie sie sich im zwischenmenschlichen Bereich abspielt und demzufolge auch definiert wird, von wesentlich mehr Faktoren als dem bloßen Austausch von Worten abhängig ist, man denke etwa an Gefühlsregungen wie Liebe, Hass, Freundschaft usw. Aber ich schweife schon wieder ab. Da aber der gerade Weg, das direkte Ziel vor Augen, oftmals nicht wirklich zielführend ist, überlasse ich Sie für heute Ihren eigenen Gedanken und folge meinem selbstgewählten Zickzack-Kurs, welcher sich dahingehend äußert, daß Sie die Fortsetzung dieser kleinen Reihe über die Welt der Gerüchte mit dem Titel 4. Teil: Auch Gerüchte sind Information wieder auf meinem Blog Freie Zeit finden werden, sozusagen meiner eigenen virtuellen Miniatur-Parallelwelt im großen Universum namens Internet. Bis dahin verbleibe ich mit den gewohnt leichtfertig dahingeschriebenen Grüßen als ein anrüchiger lautlos reitender Gerüchte-Verbreiter. In diesem Sinne sage ich gute Nacht.

Ihr Paul Bögle 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen