Guerilla Gardening – grüne Piraterie


Auf Kaperfahrt für die Umwelt

Guerilla Gardening oder auf gut deutsch Guerillagärtnerei bzw. Guerillagärtnern ist eigentlich eine schöne Sache. Guerilla Gardening ist streng genommen nicht so ganz legal, aber insgeheim doch aufgrund unseres sensibleren Umweltbewußtseins ein geduldetes Vergehen, nun gut zumindest bei mir, aber auch viele Städte betrachten die Guerillagärtner in unserer heutigen Zeit mit einem wohlwollenden Auge. Obwohl, bei genauerer Betrachtung ist es sogar sehr gerne gesehen, Sie wissen schon, bei mir, also bitte ich auch Sie, beide Augen zuzdrücken, wenn Sie GuerillakämpferInnen im Namen der Natur kämpfen sehen. Nein, besser noch, machen Sie zumindest bitte ein Auge auf, vielleicht gefällt Ihnen möglicherweise, was sich diese grünen PartisanInnen auf ihre grünen Piratenflagge geheftet haben. Begonnen hat eigentlich alles so richtig im Jahre 2000, ob es nun der 1. Mai war, sei dahingestellt, schließlich gab es schon davor Menschen, welche sich mit dem Guerilla Gardening beschäftigten.

Fest steht jedoch: Was einst als subtiler und wohlgemerkt unblutiger Kampf gegen grauen Beton und urbane Kahlstellen begann, hat sich mittlerweile zu einer regelrechten urbanen Gärtnerei und städtischen Form der Landwirtschaft entwickelt. Entstanden ist das Guerilla Gardening einerseits als Form des Protestes von Umweltaktivisten, aber ebenfalls aus Ausdrucksform von Großstadtmenschen, welche sich gegen die zunehmende Verbauung ehemaliger Grünflächen, die sich zu hässlichen Betonwüsten entwickelten, zur Wehr setzen wollten. Dienten ursprünglich sogenannte „Samenbomben (seedbombs)“ als Waffen des friedlichen Protestes, hierbei von biologischen Waffen zu sprechen ist doch eigentlich eine schöne und gleichzeitig die einzig authentische und in meinen Augen legitime Art des „bewaffneten“ Widerstandes und dementsprechend auch die einzige ethisch und moralisch zu vertretende B-Waffe, wird heutzutage durch dieses wilde Gärtnern die Verschönerung brach liegender Flächen oder sogar die Ernte landwirtschaftlicher Produkte angestrebt.

Arbeiteten die Urmütter und Urväter des Guerilla Gardenings noch mit jenen Samenbomben, einem Gemisch aus Erde, Ton und eben der eigentlichen Munition, den Samen, welche zu Kugeln geformt unauffällig und vor allem schnell von Fahrrädern oder aus der Hüfte heraus geschossen auf die zu erobernden Flächen geworfen wurden, bedient sich die heutige Generation der grünen Guerilleras und Guerilleros wesentlich ausgefeilterer Methoden. Egal ob die österreichischen Erdäpfel und Paradeiser (zu deutsch Kartoffeln und Tomaten) zwischen alten Autoreifen, kleine Feuchtbiotope neben Hochhäusern oder bunt gemischte und gemeinschaftlich genutzte Kleingärten auf Dächern, das Guerilla Gardening hat sich zu einer neuen Art der Selbstversorgung und der kreativen Gestaltung des eintönigen Großstadtdschungels entwickelt.

Was benötigen moderne Guerilla GärtnerInnen?

1. Grundvoraussetzung ist natürlich zuerst einmal der Wunsch, zur Verschönerung einer verwahrlosten Fläche beitragen zu wollen. Verspüren Sie diesen Drang, aus Grau Grün machen zu wollen, folgt alles andere im Normalfall von selbst.

2. Segeln Sie unter grüner Flagge, sollten Sie zumindest wissen, wohin Sie der Fahrtwind treiben soll, schließlich soll das Kapern für Sie als FreibeuterIn auch von Erfolg gekrönt sein. Sprich, halten Sie Ausschau nach einem kleinen Stückchen Land, welches es zu bepflanzen gilt.

3. Umsichtige Guerilla Gardener planen nachhaltig und langfristig. Wer sich an seinem Eroberungsfeldzug auf lange Sicht gesehen erfreuen will und wer möchte dies nicht, prüft die Bodenbeschaffenheit und sonstige Gegebenheiten, z.B. wird Regenwasser durch eine Überdachung abgehalten oder wie ist die Sonneneinstrahlung beschaffen. Eine Funkie ist zwar ein wunderschönes Gewächs aus der Familie der Agaven, aber steht der zu bepflanzende Brachraum in der prallen Sonne, dann wäre es doch besser, sich für einen herrlich duftenden Lavendel zu entscheiden. Und wer damit spekuliert, sein selbst gezogenes Gemüse an einer vielbefahrenen Strasse aufzuziehen, wird zwar sicherlich die Aufmerksamkeit der Autofahrer auf sich und seine Vitaminkost lenken, alleine er wird auch die Auspuffabgase jener Autos auf Basilikum, Zucchini und Petersilie dorthin lenken. Da wäre es vielleicht zu überdenken, bei Nacht und Nebel ein paar schöne Tulpenzwiebeln im Erdreich zu versenken, aus welchen sich wunderschöne violette Tulpen entwickeln (so gesehen gleich bei mir ums Eck, wobei ich mich natürlich frage, wer dafür verantwortlich zeichnete).

4. In Gemeinschaft pflanzen macht besonders Spaß. Dazu gehört nicht nur, Gleichgesinnte zu finden, welche sich an der Pflanzaktion beteiligen, sondern auch das Gespräch mit Anwohnern suchen. Machen Sie die Nachbarn zu Verbündeten und Mitwissern, oftmals werfen diese dann auch einen hilfreichen Blick auf das Gepflanzte und helfen mit, Zerstörung vorzubeugen.

5. Guerilla Gardening in Höchstvollendung, sozusagen 5-Sterne-Guerilla Gardening liegt dann vor, wenn Sie sich entscheiden, neue Nahrungsquellen für unsere kleinen Stadtbewohner namens Bienen, Schmetterlinge, Hummeln etc. zu schaffen. Nektarreiche Pflanzenkost wie Salbei, Astern oder Schafgarbe sehen nicht nur gut aus und duften herrlich, sondern dienen auch als wichtige Nahrungsquellen für unsere brummenden, summenden und flatternden Nachbarn.

6. Bei all der Freude und den guten Vorsätzen aber bitte eines nicht vergessen: Der vorgefundene Platz soll nachher schöner sein als vorher! Also Mist und Müll wieder wegräumen, aber das nur der Vollständigkeit halber.

So, ich sehe schon, ich habe Sie auf die dunkel(grüne) Seite der Macht gezogen. Das freut mich natürlich, schließlich ist Guerilla Gardening kein Verbrechen, sondern macht irrsinnig viel Freude. Und um Ihnen den Einstieg zu erleichtern, hier noch ein paar ganz nützliche Quellen für Ihre erfolgreiche Laufbahn als Untergrund-Gärtner. Da wären zum einen für alle Österreicher die Guerilla Gärtner ganz interessant, für Deutschland stehen mit Rat und Tat die Garten Piraten auf Grüne Welle zur Verfügung und wer es englischsprachig liebt, sollte sich auf dem Blog guerillagardening.org von Richard Reynolds einfach einmal umschauen.

In diesem Sinne kann ich Ihnen nur noch viel Erfolg wünschen beim Umgraben eines tristen Stückchens Erde für eine grünere Welt. Bleiben Sie mir gewogen.

Ihr grüner Guerillero oder, wie die allerbeste Ehefrau der Welt zu sagen pflegt, der grüne Gorilla Paul Bögle      


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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