Goldener Windbeutel 2010



Verbraucher im Wunderland der Werbung

Der goldene Windbeutel 2010, and the winner is ….Nun, liebe Verbraucher, Konsumenten und Kritiker allzu frohlockender Werbebotschaften, das bestimmen Sie. Zum zweiten Mal nach 2009, fragwürdiger Sieger in Sachen Tarnen und Täuschen wurde damals Actimel-Hersteller Danone, wird auch 2010 von der Verbraucherrechtsorganisation foodwatch wieder jenes Unternehmen gekürt, welches sich in Sachen dreisteste, natürlich könnte man auch sagen gelungenste, Werbelüge am hervorragendsten hervorgetan und bewiesen hat.

Der goldene Windbeutel 2010 wird also jenem Hersteller der Lebensmittelindustrie verliehen, von welchem sich die Verbraucher am meisten in die Irre geführt fühlen, umgangssprachlich würden wir ver..scht dazu sagen. Machen auch Sie Ihrem Ärger Luft und stimmen Sie auf abgespeist.de noch bis zum 22.04.2010 online darüber ab, welches Unternehmen der Baron Münchhausen der Werbebotschaften 2010 wird.

Die Top 5, welche zur Auswahl stehen, sind:

  1. „Als Bio-Mixgetränk mit einem leichten Kohlensäuregehalt, besteht es aus rein natürlichen, biologisch angebauten Zutaten.“ So lautet zumindest die Werbebotschaft für die Bio-Limonade „Beo Heimat Apfel & Birne“ von Carlsberg: Schön und gut, wie überall im Leben kommt es selbstverständlich auch hier auf das Auge des Betrachters an. So auch hier: 5,5 Prozent Bio in der Limonade sind ja auch irgendwie Bio-Limonade. Und der Rest von 94,5 Prozent? Wir könnten es mit dem berühmten Schweigen im Walde titulieren, zumindest finden sich in jedem Wald, und sei er noch so von Borkenkäfern, saurem Regen oder anderen Dingen heimgesucht, mehr Äpfel und Birnen als im angeblichen „Beo Heimat Apfel & Birne“. Was sorgt denn dann für den hervorragenden Geschmack? Zucker, Gerstenmalzextrakt und natürlich, bitte nicht als natürlich im wortwörtlichen Sinne verstehen, jede Menge künstliche Aromastoffe. Für die Nominierung dieser biologischen Superwaffe zeichnet übrigens „Tatort“-Kommissar Andreas Hoppe verantwortlich.
  2. Ein weiterer ganz heißer Kandidat für den goldenen Windbeutel 2010 ist „Bertolli Gegrilltes Gemüse“ von Unilever. Tobias Schlegl, Mitglied der Windbeutel-Jury und TV-Moderator dazu: „Besser kann man Verbraucher nicht austricksen. Jeder Italiener wäre beschämt, wenn er eine solche Pastasauce serviert bekäme, und eine original italienische Mamma würde garantiert das Nudelholz schwingen – völlig zu Recht.“ Warum? „Bertolli Gegrilltes Gemüse“ wird dem Konsumenten mit dem Werbehinweis einer „verbesserten Rezeptur“ schmackhaft gemacht. Und was macht den phänomenalen Geschmack aus? Unilever hat Aroma, Hefeextrakt als Geschmacksverstärker sowie E330, gemeinhin als Citronensäure bekannt, hinzugefügt. Nun denn: Wohl bekomm´s! 
  3. Kennen Sie die kalorienarme, dafür an Provitamin A so reiche Physalis (Kap-Stachelbeere, Andenbeere). Nein? Dann fragen Sie doch einmal Pfanner, den Produzenten des Wundersaftes  „Der Gelbe Tee Zitrone-Physalis“. Auf der Wellness-Tee-Verpackung prangt sie groß, farbenprächtig und verführerisch drauf, unser Objekt der Begierde, dieses gesunde Früchtchen namens Physalis. Doch Pfanner kennt sie scheinbar auch nur vom Hören-Sagen. Und was ist wirklich drin? Spurenelemente von Physalis? Nein, nicht einmal diese! Für was auch, wenn Aromastoffe dieselben Dienste leisten, zumindest für den Umsatz des Herstellers. Aber wenigstens am Zucker hat Pfanner nicht gespart, umgerechnet 47 Stück Würfelzucker auf zwei Liter Wellness-Tee, das kann schon was! Und so beschreibt es die Fernsehjournalistin Astrid Frohloff, welche sich für die Nominierung entschieden hat, folgendermaßen: „Eine ‚süße Frucht der Verführung’ wird uns da versprochen – und wenn man genau hinschaut, sieht man von Physalis keine Spur, stattdessen nur Aromastoffe. So viel Chuzpe muss man erstmal haben.“
  4. Wenn Alfons Schuhbeck, unbestrittener Starkoch der Gegenwart, seinen guten Namen für die „Duett Champignon Creme-Suppe“ von Escoffier hergibt, muß doch etwas Wahres dran und insbesondere viel Gutes drin sein. So richtig lecker-schmecker Feinschmeckerware. Gut möglich, daß es in diesem Fall die Zusatzstoffe sind, welche für den guten schlechten Geschmack sorgen. Aber zur Ehrenrettung des Herrn Schuhbeck muß zumindest eines angeführt werden. Die Packerlsuppe, wie wir in Österreich sagen, in Deutschland dementsprechend Tütensuppe, wird immerhin in zwei Dosen verkauft. Doch Innovation und Einzigartigkeit hat auch ihren Preis, aber welcher Verbraucher zahlt nicht gerne mehr für solch ein High-Tech-Nahrungsprodukt aus Pulver und geschmacksverstärktem Wasser. „Spiegel“-Autor Ullrich Fichtner, welcher die Escoffier-Suppe nominiert hat, bringt es auf einen Nenner: „Sie tut so, als wäre sie Kochen, dabei ist sie auch nur Industrienahrung wie jede andere. Sie wird empfohlen von Alfons Schuhbeck, dem beliebten Spitzenkoch, der seinem Namen damit keine große Ehre macht.“
  5. Welches von Werbebotschaften infizierte Kind, wir Eltern selbstredend mit eingeschlossen, liebt sie nicht, jene gesunde Zwischenmahlzeit „Monte Drink“ von Zott. Zuckersüß kommen sie daher, die bewegten Bilder der „Monte Drink“-Werbung. Und genauso zückersüß, man könnte sogar zuckerbombastisch süߠsagen, präsentiert sich das Produkt selbst. Der Kabarettist Frank-Markus Barwasser, vielleicht besser bekannt unter Erwin Pelzig, begründet die Nominierung seines Titelkandidaten für den goldenen Windbeutel 2010 so: „Eine beliebte Zwischenmahlzeit, sagt Zott. Der ideale Begleiter für die Schule, sagt Zott. Enthält allerdings umgerechnet acht Stück Würfelzucker, mehr als die gleiche Menge Cola – eine zuckersüße Kalorienbombe im Schulranzen. Sagt Zott natürlich nicht. Aber deshalb ein heißer Kandidat für den Goldenen Windbeutel 2010, sagt foodwatch. Und das würde ich auch sagen.“

Ich habe bereits schon einmal über Codecheck auf meinem Blog berichtet, möchte Ihnen anhand von „Monte Drink“ von Zott noch einmal zeigen, welchen Nutzen dieses Projekt für Sie als Verbraucher hat. Ich habe dabei die Nährwert-Ampel von 100 Gramm des Titelaspiranten mit der vergleichbaren Menge Coca-Cola, gemeinhin als die Zuckerbombe schlechthin verschrien, verglichen. Und siehe da: 100 Gramm Coca-Cola enthalten 10,6 Gramm Zucker und, man mag es nicht glauben, in 100 Gramm jenes ach so gesunden Drinks Monte Zott verstecken sich sage und schreibe 12,7 Gramm Zucker.   

So, liebe Verbraucher, jetzt liegt es an Ihnen! Stimmen Sie darüber ab, wem der Goldene Windbeutel 2010 zukommen soll.



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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