Phu Quoc – paradiesische Zustände 1



22.01. – 29.01.2010 Sonne, Meer und weisser Strand

Die Luft ist vom ansteigenden Lärm der Propeller erfüllt. Immer heftiger beginnt die Maschine der Vietnam Airlines zu vibrieren, als wir pünktlich um 9:15 Uhr auf die uns zugewiesene Startbahn rollen. Vor den Fenstern marschieren die eng an den Saigoner Flughafen gebauten kleinen Hütten vorbei, bunte Würfel aus Wellblech und Holz, welche ungeordnet chaotisch und scheinbar planlos rund um die Start- und Landebahnen dicht an dicht den Menschen als Wohnstätte dienen. Manchmal nur durchbrochen von neueren höheren modernen Gebäudekomplexen aus Stahlbeton, die sich mit ihren Beton-Ellenbogen Platz geschaffen haben und nun wie Saigon Flughafen: Platz ist in und neben der kleinsten HütteFremdkörper zwischen den einstöckigen Hütten thronen.

Wir lassen Saigon nun endgültig hinter uns, unter uns. Immer schneller bewegen sich die Häuser an uns vorüber, um sich letztendlich in einer bunten verschwommenen Wand aufzulösen. In langen geschwungenen Serpentinen zeigt sich der Saigon River unter uns, ein glitzernder überdimensionaler Schlangenkörper, welcher sich begierig durch die dunstverhangenen Häuserschluchten frisst. Erst von hier oben lässt sich erahnen, welch riesenhaftes Konglomerat Saigon ist. Ein nicht enden wollender Lindwurm aus stählernen Schuppen zieht sich bis zum Horizont hin, während in westlicher Richtung langsam die ersten grünen und vom Braun des Wassers überfluteten Flächen der quadratischen Reisfelder auftauchen.

Sämtliche Bilder Copyright © 2010 Paul Bögle

Phu Quoc: Es führt ein Weg ins NirgendwoEin unsichtbarer Maler hat sich seine Zeit damit vertrieben, weisse Phantasiegestalten in Form von Elefanten, Pferden, Krebsen mit riesigen Scheren und sonstigen gar absonderlichen und wunderlichen Gestalten auf den Himmel zu zeichnen. Mit jeder Sekunde verändern sie sich, der weisse Krebs verliert langsam eine Schere, still löst er sich auf und mutiert stattdessen zu einem weissen Ritter mit Lanze, während sich der weisse Elefant plötzlich entschieden hat, doch lieber eine weisse Vase mit einer weissen Rose zu werden. Die Rose wird welk, die Vase bricht unter dem Gewicht der feinen Nebel, welche ihre Konturen nur für wenige Augenblicke zusammengehalten haben, zusammen, der Wind formt eine weisse Amöbe aus den verbliebenen Wolkenfetzen.

So gleiten wir über den vietnamesischen Himmel dahin, vibrierend und dröhnend stampft unser Flugzeug gen Westen, hinaus auf die weite Fläche des Südchinesischen Meeres. Doch nur kurz überfliegen wir das monoton herrliche Blau, bevor die ersten kleinen grünen Zungen der bewaldeten Hügel von Phu Phu Quoc: In lichten HöhenQuoc das flüssige Meeressalz in sich aufnehmen. Scharf zeichnet sich die helle Küstenlinie der kleinen Insel ab, hellbraun wellig schieben sich die vorgelagerten schmalen Sandbänke zwischen das Blau des Wassers und den rötlichen Sandstreifen, welcher unter uns in der prallen Sonne glüht.

In einem weiten Bogen nähern wir uns der Hauptstadt Duong Dong. Je tiefer wir sinken, desto dichter werden die Wälder des Eilandes, nur von einigen wenigen Strassen durchzogen und durchbrochen, welche sich als kleine staubige verästelte rötliche Bänder durch die Landschaft schlängeln.

Der Flughafen wirkt verschlafen, nur wenige Bedienstete, die trotz alledem jeden der Reisenden genau unter die kommunistische Lupe nehmen. Auf einem kleinen Förderband drehen sich die wenigen Koffer im Kreis, um von den paar Dutzend Touristen in Empfang genommen zu werden. Auch vor dem Flughafengebäude nur wenige Taxis, keine Spur von Hektik und geschäftigem Treiben, wie wir es von Saigon gewohnt waren. Selbst die Palmen lassen sich nur zu einem müden Winken herab, um sich sofort wieder dem vormittäglichen Sonnenbad zu widmen.Unser Taxi bringt uns aus der Stadt heraus, zumindest wird Duong Dong als solche bezeichnet, sogar als Phu Quoc: Wer wird denn Perlen vor die Säue werfen?Hauptstadt. Pfefferplantagen entlang des roten Staubbandes, immer wieder von einigen hundert Metern asphaltierter Strasse unterbrochen, um dann wieder nahtlos als staubiger trockener roter heisser Weg weiterzuführen. Abseits wenige Hütten, überall liegt träge lethargisch angenehme wohlig ansteckende Müdigkeit in der warmen Luft.

Nach 20 Minuten verlassen wir die Sandpiste, durch einen dichten Wald schaukelt unser Taxi über Wurzeln und Steine geradewegs ins Nirgendwo. Manches Mal im Schritttempo, dann wieder für ein paar Meter zwei Schritte schneller, gelangen wir zu unserem Ressort, dem Phu Quoc Resort Thang Loi. Irgendwo im Nirgendwo lässt sich wohl der erste Eindruck am besten beschreiben.

So stehen wir nun da. Eine Flugstunde von Saigon entfernt, einen Koffer und unseren unvermeidlichen Rucksack neben uns. Und sonst? Das Meer blickt uns lüstern hinter Laubbäumen und Palmen an. „Kommt zu mir!“ rauscht es uns verführerisch zu. Mir kommen jetzt noch die Tränen, wenn ich an diesen ersten Moment zurückdenke. Dieser erste Augenblick, fern jeglicher Zivilisation, wie sich der gemeinhin als modern bezeichnete Mensch eben seinen Traum vom Paradies vorstellt. Alle Sehnsüchte, alle wunschgewordenen Vorstellungen werden mit einem Male wahr. Wir stehen und schauen, wir schauen und stehen, einfach da und einfach still.

Unser Beach Front Bungalow ist noch nicht ganz fertig. Macht nichts, wir setzen uns auf die geräumige Terrasse des Restaurants, lassen uns von Marianne, der deutschen Chefin des Ressort bei einem frisch gepressten Fruchtsaft und einem Eiskaffee den Ablauf erklären, während ihr Mann Reinhard hinter der Theke die Getränke zubereitet.

An Thoi: Malerische Idylle am Hafen an der Südspitze der Insel Phu QuocIch möchte bereits vorab schon einige Dinge zum Thang Loi Resort loswerden. Ich habe mich natürlich wie vor jedem Urlaub umfassend über unsere Gastgeber informiert. Ich habe Bewertungen gelesen, Kundenmeinungen und Rezensionen zum Thang Loi Resort gefunden, Vergleiche mit anderen Hotels und Ressorts auf Phu Quoc angestellt. Ich habe nicht nur Positives über unsere Gastgeber gelesen, doch wie überall dachte ich mir, die Wahrheit wird wohl irgendwo in der Mitte angesiedelt sein. Ich las Kritikpunkte, dass die beiden ihre Pflichten als Gastgeber vernachlässigen, dass eventuelle Wünsche abgewiegelt werden und sich die beiden mehr in Urlaubssstimmung als in Arbeitsstimmung befinden.

Liebe Leser, wir, und hier spreche ich nicht nur für mich, sondern auch mit der Stimme meiner Frau, können all diesen Punkten weder zustimmen und schon gar nicht können wir dieses bejahen. Wir wurden herzlich aufgenommen, wir wurden zuvorkommend behandelt und uns fehlte es rein an gar nichts. Wir können das Thang Loi Resort vorbehaltlos empfehlen und dürfen im Nachhinein ohne Einschränkung sagen, dass wir eine herrliche Woche auf Phu Quoc verbracht haben.

Man sollte sich als Reisender bereits vor Antritt bzw. vor der Buchung über einige Punkte im Klaren sein: Was erwarte ich mir im Urlaub und welche Bedürfnisse möchte ich befriedigt sehen? Wer es für unabdingbar hält, fliessendes warmes Wasser am Abend zum Duschen zur Verfügung zu haben, ist hier sicherlich fehl am Platze. Wer es für notwenig erachtet, den ganzen Tag mit elektronischen Strom versorgt zu sein, wird hier enttäuscht werden. Wer davon ausgeht, auf Schritt und Tritt von clownesken Animateuren verfolgt zu werden, um sich seine Zeit zu vertreiben, dem empfehle ich den Ballermann 6 oder wie all diese unsäglichen „Urlaubsparadiese“ heißen. Wer der Meinung ist, dass ein Gecko nachts sein Unwesen im Bungalow nicht treiben darf, muss auf komfortablere Hotels ausweichen. Und wer sich nicht damit anfreunden kann, nachts unter einem Moskitonetz mit der Taschenlampe noch sein Buch zu lesen, auch der wird sich hier niemals wohlfühlen. Von den vielen ungewohnten Geräuschen der nachtaktiven Tiere und Vögel ganz zu schweigen, denn die wollen einfach lieber tagsüber schweigen.

Aber was erwartet den Urlaubsreisenden dann? Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Nichts! Überhaupt nichts! Rein gar nichts! Kein Lärm, kein Stress, An Thoi: Ein Job, der zum Himmel stinkt!keine Hektik, keine Diskothek, keine Motorboote, kein Animationsprogramm! Sie liegen am menschenleeren Strand, Sie liegen in der Hängematte, Sie baden im 27 Grad warmen Meer. Sie machen nichts, Sie tun nichts. Sie lesen, Sie lassen sich von den bezaubernden Masseusen für umgerechnet 4,– Euro eine ganze Stunde lang massieren, Sie faulenzen. Und wenn Sie vom Faulenzen genug haben, eine Runde schwimmen, das Meer anschauen, dem Plätschern zuhören, die Fischerboote weit draussen am Horizonz beobachten. Einen Eiskaffee trinken, eine Kokosnussmilch trinken, eine Kleinigkeit essen, wieder lesen, wieder faulenzen, wieder schwimmen, wieder in der Hängematte liegen, 24 Stunden lang einfach nur die Seele baumeln lassen. Praktisch Standgas, aber das mit Vollgas. 

Ja, so sah unsere Woche grösstenteils aus. Jeden Tag nichts tun, manches hören, wenig reden, viel sehen, noch mehr lesen. Wer möchte, kann aber auch im Ressort einen Tauchausflug in den Norden der Insel buchen, das Tauchboot hält direkt am Strand, sozusagen vor dem Haus. Ich habe mir jeden Tag aufs Neue vorgenommen: „Aber morgen gehst Du tauchen!“ Naja, aus jedem Tag wurde ein nächster Tag, aber sei´s drum, beim nächsten Mal gaaaaaaanz sicher!

So gingen die Tage ins Land, jeder Tag ein Abbild des vorhergehenden. Um Punkt 6:31 Uhr geht die Sonne im Osten der Insel auf und pünktlich um 18:01 Uhr verschwindet sie als riesengrosser roter Feuerball hinter dem Horizont (siehe Phu Quoc – Abendstimmung). Jeden Abend saßen wir auf der Terrasse unseres Strand-Bungalows, ließen RAn Thoi: Das typische vietnamesische “Rundboot”evue passieren, was eigentlich keiner Erwähnung bedarf und waren niemals enttäuscht. Langeweile fand nicht statt, weil kein Platz vorhanden war. Fadess wurde kurzerhand zum Unwort des Jahres ernannt, genauso wie die Worte lärmen, laut, arbeiten, sofort, gleich, jetzt und auf der Stelle.

Man kann es drehen und wenden, wie man will. Hier sagten sich weder Fuchs und Hase noch Robinson Crusoe und Freitag „Gute Nacht“. Hier sagte sich nicht einmal die gute Nacht selbst „Gute Nacht“, höchstens zwei glückliche und zufriedene Menschen auf der Suche nach Ruhe, Entspannung und einer Woche „Weit weg“ inklusive „Ganz weit weg“.

Es würde jetzt nicht viel Sinn machen, sieben Berichte lang unser Faulenzen auf Phu Quoc zu beschreiben, wobei man sagen darf und sogar sagen muss, dass selbst der Müßiggang eine Kunst ist, welche zu erlernen nicht die einfachste ist. Gerade die Tatsache, dass dieses Nichtstun und die ungewohnte ständige Nähe schon viele Partnerschaften auseinandergebracht hat, ist bei Urlaubsreisenden ein vielfach beobachtetes Phänomen und in weiterer Folge ein gravierendes Problem, welches nicht zu unterschätzen ist (siehe dazu z.B. Urlaub beendet, Ehe kaputt). Deshalb gilt auch hier: Faulenzen will gelernt sein!

Welche Aktivitäten bietet Phu Quoc aber für diejenigen, welche nicht nur den ganzen Tag mit einem Buch in der Hand auf der faulen Haut liegen möchten? Wie bereits An Thoi-Inseln: Essen auf Flossenerwähnt, Tauchen im Norden oder im Süden der Insel (z.B. mit der in Duong Dong stationierten Tauchbasis Rainbow Divers) ist sicherlich eine gute Möglichkeit, die Unterwasserwelt des Südchinesischen Meeres, andere sprechen vom Golf von Siam, kennenzulernen.

An Thoi-Inseln: StrandläuferWer es nicht ganz so tief mag, auch Schnorchelausflüge in den Süden der Insel werden tagtäglich angeboten. Gerade die vorgelagerten Inseln von An Thoi bieten schöne Korallenriffe, sollten aber keinesfalls mit dem Tauchparadies Rotes Meer verglichen werden. Eine Tagestour um etwa 20,– bis 25,– Euro beinhaltet den Besuch einer Perlenfarm südlich des Strandes Bai Truong, Schnorchel und Flossen bei den beiden danach angefahrenen Spots werden ebenfalls zur Verfügung gestellt.


Ein BBQ auf dem Schiff ist ebenfalls inkludiert, allerdings möchte ich doch darauf hinweisen, dass die zum Verzehr angebotenen Seeigel doch in natura wesentlich schöner An Thoi-Inseln: Hier wohnt nicht einmal Robinson Crusoesind als im Verdauungstrakt irgendeines Touristen. Wer auf potenzfördernde Mittel angewiesen ist, auch den Seeigeln wird diese Wirkung angedichtet, sollte sich vielleicht den Schnorchel in die Badehose stecken, schaut auch enorm männlich aus und hat möglicherweise dieselbe Wirkung. Wer schon einmal eine Kolonie Seeigel unter Wasser betrachtet hat, wird verstehen, daß dieses diamantene Glitzern dieser wirbellosen Tiere alleine schon vom Anschauen potenzfördernd wirkt, also rein bildlich gesprochen, versteht sich. Der Kauapparat der Seeigel, beweglich miteinander verbundene Skelettplatten, ähnelt einer Laterne und wurde vom Meister höchstpersönlich zum ersten Mal beschrieben, dem von mir so hoch geschätzten Aristoteles. Deshalb wird er heute noch die Laterne des Aristoteles genannt. Es ist immer wieder erhebend, wenn sich Natur und Philosophie auf einen Nenner bringen lassen, man könnte in diesem speziellen Falle doch wirklich von Naturphilosophie sprechen. Auch wenn ich beim folgenden Bild den An Thoi-Inseln: Gelandet, gestrandet, versandet!gerade propagierten Artenschutz ad absurdum führe, aber es erinnert doch stark an unsere westliche Erfindung „Essen auf Rädern“, nur eben „Essen auf Flossen“, man möge es mir verzeihen.


Desweiteren darf man sich beim Hochsee-Fischen versuchen, allerdings auf recht puristische Art und Weise mit blosser Angelschnur und lebenden kleinen Köderfischen. Wer sich mit dieser Art Freizeitbeschäftigung nicht anfreunden kann, der bleibt einfach oben am Sonnendeck und schaut den kleinen Nachwuchs-Hemingways zu, wie groß der gefangene Walhai wohl sein wird, welcher sich doch irgendwann einmal im Wal-Walhalla einfinden muss.Phu Quoc: Frühstück bei Tiffany? Nein, aber mindestens so schön!Am späten Nachmittag steht dann noch eine Weiterfahrt zum wohl schönsten Strand auf Phu Quoc, dem sogenannten Bai Sao, auf dem Programm. Nun, zumindest wird der Strand als solcher vielerorts angepriesen. Keine Frage, der weisse pulverförmige Sand ist wohl nirgends sonst auf der Insel in dieser Art zu finden, doch eben das macht ihn zu einem begehrten Ausflugsziel. Wer, so wie wir, die Einsamkeit des Bai Ong Lang gewohnt war, wird sich mit dem touristisch angehauchten Strandabschnitt vielleicht nicht anfreunden können. Jet-Ski und andere stinkende lärmende Wassersport-Aktivitäten halten hier bereits Einzug, um dem Bedürfnis nach feriengerechter Unterhaltung nachzukommen, die entlang der Ufer-Promenade in Reih und Glied stehenden Bars tun ihr übriges.

Wer sich allerdings weniger dem nassen Element verpflichtet fühlt, mietet sich auf Phu Quoc für wenige Euro pro Tag ein Moped und erkundet die Insel staubschluckender Weise auf zwei Rädern. Insbesondere der bewaldete Norden der Insel mit seinem Nationalpark, welcher ca. 70% der Fläche der Insel ausmacht oder der Besuch Duong Dong: Sung Hung Pagodeeiner Schwarzpfeffer-Plantage auf halbem Wege zwischen Duong Dong und dem Nationalpark, in Khu Tuong, lohnen allemal der Mühe, abends vollkommen mit rotem Staub bedeckt und verdreckt ein wohliges Bad im Meer zu nehmen. Für die Enthusiasten der kultigen vietnamesischen Fischsoße Nuoc Mam lässt sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, warum nicht der Besuch mit Führung in einem jener Produktionsbetriebe in der Hauptstadt Duong Dong, welche diese zu fast allen Speisen gereichte Fischsoße herstellen. Als Zutaten für die Nuoc Mam werden ausschliesslich fermentierte Ca Com-Sardinen verwendet, so erfährt der wissbegierige Tourist. Aber Vorsicht: Meines Wissens ist die Ausfuhr der Nuoc Mam sehr strengen Ausfuhrbeschränkungen unterworfen.

Duong Dong: Fleischeslust und Fleischbeschau auf dem FischmarktAber die kleine beschauliche Hauptstadt Duong Dong bietet nicht nur die Fischsoßenfabrik als lohnenswertes und interessantes Ausflugsziel. Zu Fuß lässt sich ein kleiner Leuchtturm erklimmen, der Blick über den malerischen Hafen in einem besonders bei der Dorfjugend beliebten Cafe kann schon einmal eine Stunde dauern. Weiters sollte man der Sung Hung Pagode einen kurzen Besuch abstatten, bunt bemalte Drachen, vergoldete Fabelwesen und die in hellen Rosa- und Blautönen gehaltene Fassade, wie wir dies schon vom Cao Dai Tempel kennen, laden den Besucher ein, im Innenhof für einen kleinen Moment zu verweilen. Und besonders zu empfehlen ist selbstverständlich der Markt von Duong Dong. Was naheliegend Fischmarkt heißt, bietet allerdings mehr als nur Fisch und Fleisch, welches gänzlich ohne Kühlung auszukommen scheint. Wir haben uns dort mit Melonen, Lemonen, Orangen und Bananen eingedeckt, wohlwissend, dass das nächste Frühstück auf der Terrasse unseres Bungalows mit Sicherheit kommt.Duong Dong: Die Hauptstadt und die Hauptstrasse


Doch wie fast jedes Paradies hat auch Phu Quoc eine dunkle geschichtliche Vergangenheit. War die Insel zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch ein riesiges Gefangenenlager der französischen Kolonialherren, unter deren Herrschaft die Strafgefangenen riesige Schneisen in die Urwälder schlagen mussten, um diese urbar gemachten Flächen in Pfefferplantagen, Kokospalmen-Haine und Obstanbauflächen zu verwandeln, besann sich die südvietnamesische Regierung dieser grausamen Funktion wieder in den Jahren 1967 bis 1972. Zehntausende Regimegegner wurden im berühmt-berüchtigten Kokosnuss-Gefängnis gefangengehalten und der Folter ausgesetzt. Zeugen dieser Vergangenheit stehen noch bis heute in Gestalt der Ruinen des Gefängnisses in der Nähe von An Thoi, der zweitgrössten Stadt an der Südspitze der Insel.Unser Urlaub neigt sich dem Ende zu. Viel zu schnell sind die Tage ins schöne Land gezogen, Sonnenaufgang folgte Sonnenuntergang, Meersalz trocknete ebenso schnell auf unserer Haut wie die Zeit durch die riesige Sanduhr namens Leben rann.Duong Dong: Blick auf den malerischen Fischerhafen

Was bleibt? Ein Traum wurde war, wenngleich auch nur für für ein paar Stunden, einige wenige Tage, eine einzige Woche. Aber es war ein wunderbarer Traum, denn wir Phu Quoc: Surrealismus trifft Realismusdurften diesen Traum gemeinsam leben, an der Seite meiner wundervollen Ehefrau. Wir haben geträumt, wir haben gelacht, wir haben erlebt und wir haben gelebt. Wir sind an unvorstellbar endlos langen einsamen weissen Stränden spazieren gegangen, Seite an Seite, miteinander. Wir sind im Schatten der Kokospalmen gelegen, Seite an Seite, miteinander. Wir haben Muscheln gesammelt, Seite an Seite, miteinander. Wir waren im Meer schwimmen, Seite an Seite, miteinander.

So, Ihr lieben Mitreisenden meiner Fiktion, liebe Leserschaft, wir sind am Ende unserer Reise durch einen kleinen Teil Vietnams angelangt. Noch einmal geht es zurück nach Saigon, den Ausgangspunkt unseres Südostasien-Trips. Doch hier werden sich nun unsere Wege trennen. Ich habe bereits so viele Dinge über Saigon geschrieben, belassen wir es nun dabei. Ich habe jedoch auch vieles hier nicht niedergeschrieben, teils aus Vergesslichkeit, teils weil ich es einer besonderen Erwähnung als für nicht erachtenswert hielt. Es gäbe selbstverständlich noch immer vieles, was ich nun, im Nachhinein, vielleicht hätte einfügen sollen. Ich habe meinen Berichten eine Menge Fotos beigefügt, der grössere Teil lagert natürlich noch in den dunklen Verliesen meines Computers, um womöglich irgendwann einmal das Licht des Internets zu erblicken. Phu Quoc Thang Loi Resort: Das Ende einer (Dienst)Reise

Wie jeder Autor habe auch ich am Schluss bestimmten Personen Dank zu sagen, ohne die solch eine Reise nicht möglich gewesen wäre. In meinem Fall handelt es sich um eine schlichte und ausgesprochen kurze Dankesrede. Ein besonderes Dankeschön gilt unserer liebsten Oma, ohne die vieles nicht möglich wäre. Darüberhinaus möchte ich unseren beiden allerbesten Kindern Sabrina und Alexander danken, welche mir jeden Tag Freude bereiten (na gut, nicht jeden Tag) und uns erst dadurch mancherlei ermöglichen, wovon andere Eltern nur träumen können. Nun, und wem ich am meisten zu danken habe, werden Sie wohl schon erraten haben. Ich spreche natürlich von der allerbesten Ehefrau dieser wunderbaren Welt, meinem grössten Schatz dieser Erde, ach was sag ich, des gesamten Sonnensystems.

So bleibt mir zum Schluss nur noch eines: Fortsetzung folgt nun keine mehr! Herzlichen Dank und bleiben Sie mir gewogen. Es grüsst Sie

Paul, der von Sonnenaufgang zu Sonnenuntergang Reisende.   


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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Ein Gedanke zu “Phu Quoc – paradiesische Zustände

  • Irene und Wolfgang

    Lieber Paul,
    mit großem Vergnügen und steigender Vorfreude haben wir deinen Reisebericht gelesen. Wir dürfen uns auf eine bevorstehende Reise ab 20.02. freuen und sind beim „rumstöbern“ auf deine Blogs gestoßen. Uns Zwei wird die Route von Bangkok aus über Kambodscha nach Saigon führen. Deine Berichte und Fotos haben unsere Vorfreude noch weiter gesteigert.
    Vielen Dank und herzliche Grüße
    aus Ebersberg (Bayern)
    Irene und Wolfgang