Bio Natur - Der Weblog

26.4.2010

Wider den Voyeurismus

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 01:58

Grün raubt einem die Sicht

auf die wirklich interessanten Dinge des Lebens. Es ist leider so! Kaum kommt der Frühling, das Frühjahr oder poetisch ausgedrückt, kaum ist der Lenz da, habe ich keine Freude mehr am Leben. Sie werden mich jetzt zurecht für einen Misanthropen halten, einen verbitterten alten unzufriedenen immer grantelnden ewig nörgelnden Menschen, dessen Freude am und im Leben nur darin besteht, den anderen jauchzenden Mitmenschen mit seinem Pessimismus, seiner tiefsten Schwarzseherei, seiner noch schwärzeren Schwarzmalerei und was weiß ich mit welch sonstigen dem seelischen Okkultismus vertrauten Dingen gehörig auf die Nerven zu gehen.

Recht haben Sie! Ich bin genau so, wie ich mich gerade beschrieben habe. Und was fast noch schlimmer ist: Ich bin auch noch stolz darauf! Und da ich ein freizügiger Mensch bin, lasse ich Sie sogleich an meinem Seelenleben teilhaben und werde Ihnen dezidiert erklären, warum der Frühling die allerschlimmste Jahreszeit überhaupt ist. Ich öffne Ihnen mein Herz, denn mit dieser Mördergrube kann und will ich nicht alleine leben. Ergo mache ich Sie zu Mitwissern und ich garantiere Ihnen, in spätestens zwei Minuten werde Sie sich nichts sehnlicher herbeiwünschen als einen ordentlichen Herbststurm, welcher sich gewaschen hat. Und für die ganz labilen Mitbürger sei jetzt angemerkt: Sollten Sie über die folgenden Zeilen hinauslesen, ziehen Sie sich warm an, denn Sie werden sich stante pede, also stehenden Fusses, selbst wenn Sie im Moment sitzen, den tiefsten Winter zurückwünschen. Ich werde Ihnen jetzt so einheizen, daß Sie unweigerlich Ihre Heizung auf die allerhöchste Stufe stellen, selbst wenn Ihnen der Schweiß in Sturzbächen vom lenzumnebelten Hirn rinnt.

Also, holen Sie sich Ihre Thermounterwäsche, vergessen Sie nicht drei Paar handgestrickte Socken, die Wollhaube legen Sie ebenfalls griffbereit neben Ihren Computer oder noch besser, ziehen Sie alles am besten sofort an! So, Sie sind soweit? Dann los!

Sie wollen wissen, warum der Frühling für jeden halbwegs vernünftigen Menschen das größte Übel ist? Dazu muß ich eines voranschicken: Ich bin ein leidenschaftlicher Voyeur. Ja, ich bin von solch voyeuristischer Natur, daß ich mich sogar selbst beobachte, wenn gerade niemand anderer zur Hand ist, welcher sich von mir beobachten ließe. Möglicherweise kennt die eine Leserin oder der andere Leser die wunderbare Geschichte Narziß und Goldmund von einem meiner Lieblinge schriftstellerischen Schaffens, dem großen Hermann Hesse. Wobei ich nun nicht meine Lebensgeschichte mit der jenes Protagonisten vergleichen möchte, nichts liegt mir ferner außer möglicherweise die Tatsache, daß ich mich ebenfalls auf solch gottlosen Wanderspfaden befinde. Aber sei´s drum, das ist wieder ein anderes Kapitel und bedarf deswegen auch einer Erörterung an anderer Stelle. Weiterhin darf ich anmerken, daß ich auch mit Goldmund, jenem frommen Klosterjüngling, in etwa so viel gemein habe wie ein Radrennfahrer ohne Doping. Aber bitte nicht alles auf die Goldwaage legen, es gibt auch ehrliche Menschen, schauen Sie mein Spiegelbild an!

Alleine diese Verbindung von Voyeurismus und Narziß läßt mich frohlocken. Wie dieses, wird sich der Skeptiker unter Ihnen fragen? Es ist respektive war doch so, damals in der wunderbaren Zeit griechisch grauer perfider Vorzeit. Zugetragen hat sich die Geschichte in der Stadt Thespiai, idyllisch gelegen am Fuße des Berges Helikon, besser bekannt und berühmt als Wohnstätte der griechischen Musen. Und in besagte Stadt mit dem komplizierten Namen Thespiai lebte der noch kompliziertere Flußgott Kephisos, lüstern wie so viele Götter der griechischen Mythologie. Und wie es sich nun einmal für einen mächtigen Flußgott geziemt, war er mit allerlei mächtigen Werkzeugen bestückt, nicht was Ihnen nun schon wieder in den Sinn kommt, wobei das Ihnen gerade gedanklich nach vorne Drängende für alles weitere noch eine wesentliche Rolle spielt. Kephisos hatte, wie es vieler großer Flüsse Sitte ist, eine Unzahl an Mäandern, also Schlingen, Windungen und Wendungen, manch LeserIn wird dies wohl, zugegebenermaßen berechtigterweise, auch meinen Artikeln anlasten. Und infolge seiner unstillbaren potenzierten Gier oder andersherum gierigen Potenz stand ihm der wässrige Sinn nach Fleischlichem. Er vergewaltigte die Wassernymphe Leiriope oder auch Liriope und aus dieser Untat wurde Narkissos, andere sprechen von Narcissus, geboren.

Wie es weitergeht, wissen wohl die meisten. In den Metarmophosen von Ovid geht die Geschichte folgendermaßen weiter, Abwandlungen seien hierbei außer Betracht gelassen und werden explizit vernachlässigt, wobei hier vor allem auf die beiden Narziß-Deutungen von Pausanias sowie der Epitome von Photios verwiesen sei (siehe dazu z.B. Wurzeln und Entwicklung des Mythos des Narziß). Narziss war ein selbstverliebter junger Mann, zumindest wird diese Interpretation auch in unserer Gegenwart der tragischen Gestalt des Narziss oftmals vertreten. Doch war Narziss dies wirklich oder müssen wir tiefer graben? Nein, liebe LeserInnen, dies möchte ich Ihnen für heute ersparen, aber zumindest muß ich mir diesen Langweiler gleich einmal für spätere Zeiten notieren, denn nur wer schreibt, der bleibt. Machen wir es also kurz und geben wir die Worte seiner Mutter Leiriope wieder, welche sie an den Seher Teiresias (Tiresias) richtete, um zu erfahren, ob ihrem Sohn ein langes Leben vorausbestimmt sei.

Teiresias bejahte diese Frage, allerdings mit der im weiteren Verlauf fatalen Einschränkung: “…, si se non noverit” (“Wird sich selbst er nicht schauen!”). Also Narziss sei nur unter der Voraussetzung ein langes Leben bestimmt, solange er sich selbst fremd bleibt. Diese auf den ersten Blick enigmatische Erklärung des Teiresias gewinnt allerdings bald an Schärfe. Die Liebe sowohl der Bergnymphe Echo als auch seines Verehrers Ameinios zurückweisend straft ihn Nemesis mit nicht zu zähmender Selbstverliebheit, Narziss verliebt sich in sich selbst, in sein eigenes Spiegelbild, welches ihm aus dem Wasser entgegenblickt. Diese Unmöglichkeit einer unerfüllbaren Liebe erkennend bringt sich Narziss um, das Blut des Narziss wiederum bringt eine Narzisse an dieser Stelle zum Blühen.

So, ich sehe schon, die ersten meiner LeserInnen sind wieder einmal sanft entschlafen. Es scheint, ich habe wie so oft die Kurve wieder nicht gekriegt! Aber selbst ich muß nun erst nach oben scrollen, um den Ausgangspunkt meiner Erzählung wieder zu finden und muß ernsthaft überlegen, diesen nun in einen sinnvollen Kontext zu bekommen. Dann rollen wir, nachdem wir das Scrollen erfolgreich beendet haben, natürlich meine ich dabei in erster Linie mich selbst, schließlich habe ich in meiner Selbstverliebtheit, um nicht sogar von Selbstvergessenheit zu sprechen, den Stein ins Rollen gebracht. Wussten Sie eigentlich, wenn wir uns schon einmal mitten in der griechischen Sagenwelt befinden, daß Sisyphos dieses Problem mit dem rollenden Stein jeden Tag hatte? Nein, vergessen Sie es, auch meine Verschlagenheit hat ihre Grenzen, ganz im Gegensatz zu jener des schon erwähnten Sisyphos.

Nun, also die Verbindung, ja diese Verbindung von Narziss und meinem Voyeurismus, wie soll ich jetzt sagen, wo soll ich denn beginnen? Also, irgendwie fehlt mir im Moment der rote Faden. Apropos roter Faden, wer weiß eigentlich, woher dieser sprichwörtliche rote Faden zum ersten Male Verwendung fand? Ein kleiner Tipp von meinem selbstverliebten Alter Ego, jenem unverzichtbaren Bestandteil meines zwei-, drei- und vielfach gespaltenen Charakters, es hat etwas mit, ob Sie es nun glauben oder nicht, der griechischen Mythologie zu tun. Und zwar hatte sich Theseus so im Labyrinth von Knossos verirrt, die näheren Umstände lassen wir außen vor, daß er vor lauter Verzweiflung schon den Minotaurus um Rat fragen wollte. Dieser jedoch war dem Theseus, auch hier beleuchten wir nicht die näheren Umstände, so feindlich gesinnt, daß er ihn umbringen wollte. Nun gut, kurze Rede, langer Sinn: Theseus tötete den Minotaurus und mit Hilfe eines Garnknäuels, dem roten Faden, welchen ich anscheinend  verloren habe, übrigens ein Geschenk von Ariadne, deshalb auch als Ariadnefaden bezeichnet, nicht an mich, sondern an Theseus, fand er den Ausgang aus dem Labyrinth, im Gegensatz zu mir.

Also fange ich jetzt noch einmal von vorne an. Ausgangspunkt meiner Irrfahrt war, soweit ich mich erinnern kann, aber berichtigen Sie mich bitte, mein Voyeurismus und warum der Frühling dem entgegenwirkt. Apropos Irrfahrt, wussten Sie eigentlich, daß es für dieses Wort auch das Synonym Odyssee gibt. Ja, und Sie werden es nicht für möglich halten, geprägt hat diesen Begriff wahrscheinlich der Dichter Homer. Und jetzt halten Sie sich bitte fest, denn unglaublicherweise kommt dieser aus Griechenland und es wird, besonderes Augenmerk sei hierbei auf die Gesänge neun bis zwölf dieses Epos gerichtet, die Geschichte des in der griechischen Mythologie so wohl bekannten Helden Odysseus erzählt, die bereits erwähnten Gesänge berichten hierbei insbesondere von seinen Irrfahrten und Abenteuern, welche er nach Ende des Trojanischen Krieges bestehen musste. Wer nun langsam am Verzweifeln ist, wann meine Irrfahrt eine Ende findet, der irrt, wenn er glaubt, dieser Zeitpunkt sei nun erreicht.

Wissen Sie was? Ich lasse es jetzt bleiben. Ich komme einfach auf keinen grünen Zweig. Denn genau diese sind es, welche mir jedes Jahr pünktlich dann, wenn alles sprießt, mein voyeuristisches Leben so unendlich schwer machen. Stellen Sie sich doch bitte folgende Situation vor. Ich warte also wie so oft auf die Schnellbahn, welche meinen von der kommenden Arbeit bereits im Vorhinein schon ausgemergelten und vollkommen geschwächten Körper in die vorgegebene Richtung bringen soll. Der Puls jetzt schon schwach, die auf mich zukommenden Aufgaben drücken schwer wie das Himmelszelt auf die Schultern des Titanen Atlas, übrigens kommt Atlas in der griechischen Mythologie vor, aber dies sei nur am Rande erwähnt, so harre ich der Dinge, die da kommen. Ich sitze also auf einer kleinen Bank, die im Gegenlicht der frühlingshaften Sonne verführerisch glitzernden Gleise der Bahn unsichtbar ins Nirgendwo führend, und warte.

Gegenüber, vielleicht 100, mögen es 150 Meter sein, befindet sich ein angrenzender Sportplatz. Und auf dem wird dem runden Leder nachgejagt, besonders am Wochenende kämpfen dort 44 Beine mit unbändigem Siegeswillen um Ruhm, Ehre und möglicherweise auch ein paar Euro Siegesprämie. Und da ich weiß, daß solch ein Zuschauen meist die unangenehmen Folgen eines Eintrittgeldes nach sich zieht, freue ich mich jedes Mal, ob meines hervorragenden Sitzplatzes sozusagen schwarz zu schauen. Ich freue mich also immer schon diebisch, gratis, kostenlos und völlig umsonst am Spiele zweier Mannschaften teilzuhaben, von denen ich allerdings nicht einmal weiß, wer sich hier mit sportlichen Mitteln misst. Aber dies stellt für mich kein Problem dar, alleine die Gewissheit, um das Eintrittgeld herumzukommen, beflügelt mich, mich schon Stunden vorher auf meinem angestammten Platz niederzulassen, perfiderweise die allerbeste Ehefrau im Glauben lassend, ich sei unabkömmlich in meinem Arbeitsbereich.

So sitze ich also bereits am frühen Morgen an der Schnellbahn, Züge rauschen im Minutentakt an mir vorüber, Schulkinder begrüßen mich und geben mir ihr Pausenbrot, selbstverständlich gegen Bares, alte Frauen beschimpfen mich als sittenlosen Lüstling, die zwanglos vorbeischauenden Polizisten schauen sich meinen Personalausweis nur noch gelangweilt an, die Welt ist vollkommen im Lot, sie dreht sich, sie dreht sich um mich. Doch mit jedem Tag wird es schwieriger, mit jedem Tag lassen die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne Blatt für Blatt an den vom Winter so entzückend kahlen Ästen sprießen. Die Natur sabotiert mich, wo es geht. Anfangs lassen noch ausreichend große Löcher die Sicht auf den Fußballplatz zu, doch das Drama nimmt seinen Lauf. Was bitte ist die griechische Tragödie gegen die erbarmungslose Bestie Natur? Nichts, rein gar nichts!

Gestern war es dann soweit. Ich wusste, die Zeit drängt. So verließ ich bereits um 4:39 Uhr mein trautes Heim, Dienstbeginn ist üblicherweise um 18:00 Uhr, meiner Frau erzählte ich etwas von dringend, besonders eilig und von unglücklichem Unglück und katastrophaler Katastrophe, quasi die Welt ist ohne mich verloren und ich bin unabkömmlich und so weiter. Schuldbewußt nahm ich meine Habseligkeiten, senkte meinen Blick und schlich aus dem Haus. Einzig die allerbeste Tochter war sich der Tragweite meiner Verantwortung bewußt, denn sie sagte im Vorbeigehen: “Das Leben ist kein Spiel!” ”Weise Worte”, dachte ich bei mir und tastete mich durch die finstere Nacht.

So saß ich auf meiner Bank, der erste Frühzug im fortgeschrittenen Frühling spuckte verschlafene Gestalten aus, mürrisch und mißmutig, keine Spur von spielerischer Leichtigkeit. Ich saß und saß, die Sonne tauchte den Morgen in ein zartes Licht, die Silhouetten der Bäume erwuchsen aus dem Dunkel, Blatt für Blatt zeichnete sich gegen den pastellfarbenen Himmel ab. Und dann sah ich: Nichts! Die letzte Bastion war gefallen, hinter einem dichten grünen Blätterwald, einem undurchdringlichen Vorhang aus grausamen ekelhaft grünen Blättern. Mein heiß geliebter Sportplatz war nun endgültig meinen Blicken entschwunden, kein noch so kleiner Grashalm lustwandelte vor meinem sportbegeisterten Auge, die weißen Kreidemarkierungen der heiligen Strafräume ließen sich nur noch erahnen, die formvollendeten Elfmeterpunkte schimmerten verschwommen im Nirwana aus grüner Bestialität, nicht einmal mehr die tapfer gegen den Frühling ankämpfenden Torstangen boten mir ihren täglichen Gruß. Alles war weg, verschwunden hinter diesem ekelhaften frischen Frühlingsgrün, praktisch zubetoniert von Mutter Natur. Ich kramte in sämtlichen Taschen, von Kleingeld, ganz zu schweigen von Großgeld, keine Spur, alles verflüchtigt im Tausch gegen Vollkornbrot mit Nutella. 

Ich hasse den Frühling! Wie liebe ich den Winter! Da habe ich freie Sicht auf meinen heißgeliebten Sportplatz. Jetzt müsste ich nur noch die ganzen Fußballspieler dazu bringen, daß sie im Winter Fußball spielen. Wer braucht schon eine Winterpause? Die sollen lieber eine ordentliche Frühlingspause einführen. Dann wäre allen gedient, besonders mir. Ich könnte mich wieder einmal ordentlich ausschlafen. Gerade im Frühjahr überkommt mich immer so eine Müdigkeit, geradezu eine Frühjahrsmüdigkeit. Ich habe es bis dato noch nicht durchschaut, dieses Phänomen Frühjahrsmüdigkeit, phänomenal, dieses Phänomen. Pünktlich am 01.01. beginnt diese Frühjahrmüdigkeit, begleitet mich wie ein roter Faden, Sie wissen schon, Ariadne läßt grüßen, und punktgenau am 31.12. beendet sie ihren Dienst, um aber sogleich am 01.01. wieder ihr Stelldichein zu geben. Es ist zum Verzweifeln, zum Heulen, leider bin ich dazu zu müde.   

So sitze ich also wieder auf unserer Terrasse, vereint mit Frau und Kind. Und wissen Sie was? Ich sehe nicht einmal mehr in Nachbar´s Garten vor lauter Blumen und Büschen. Aber nächstes Jahr wird alles anders, da pflanze ich überhaupt nichts mehr in unserem Garten, nun gut, möglicherweise ein paar Blumen, vielleicht noch den einen oder anderen Strauch, abgesehen von den Kletterrosen, aber die wollte ich sowieso schon lange. Ach ja, und eine weitere Clematis würde sich beim wilden Wein ganz gut machen, allerdings nur mit dem Geißblatt, welches ich bereits vor zwei Jahren gesetzt habe. Schade, daß die Forsythie ihre gelben Blätter schon verliert, aber dafür werden die Pfingsrosen heuer besonders schön, ganz abgesehen von den türkischen Lilien, die scheinen ziemlich üppig werden, ich muß aufpassen, daß ich den Überblick nicht verliere. Das mit dem Duftrasen war übrigens auch eine gute Idee, wer kann schon römische Laufkamille sein eigen nennen?

So hat sich also wieder ein neuer Frühling in unser Land geschlichen, hat sich unmerklich breit gemacht und schwingt mit leisen grünen herrlich duftenden summenden bunten flatternden schwingenden wohlig warmen Lebensgeistern über uns. Und unter uns, so nebenbei bemerkt. Winston Churchill hat wahrscheinlich niemals sein legendäres “No Sports!” gesagt, aber sollte er es gesagt haben, kann ich ihn nur dazu beglückwünschen. Bin ich vollkommen einer Meinung. Und sollten diesen kryptischen Spruch bereits die alten Griechen geprägt haben, ja dann liebe ich die griechische Mythologie noch ein kleines bißchen mehr als ich es ohnehin schon tue. Aber das wissen Sie bereits.         

24.4.2010

Goldener Windbeutel 2010 vergeben…

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 07:23

…aber hoffentlich nicht vergessen

Der Goldene Windbeutel 2010 hat seinen Abnehmer gefunden, der Verbraucher, genauer gesagt mehr als 80 000 kritische Konsumenten haben abgestimmt.

Goldener Windbeutel 2010: Monte Zott

Monte Zott darf sich (un)glücklich schätzen, diese zweifelhafte Auszeichnung für die dreisteste Werbelüge 2010 entgegenzunehmen. Doch bei der Preisverleihung am 23. April 2010 hat Zott anlässlich der Verleihung des Awards auch bekanntgegeben, den Goldenen Windbeutel zum Anlass zu nehmen, sowohl Rezeptur als auch Aufmachung ändern zu wollen. Damit dies aber nicht nur leere Versprechen bleiben, schicken Sie doch gleich Ihre Glückwünsche über abgespeist.de an Zott, um so unserer Forderung nach transparenter Werbung Nachdruck zu verleihen.



22.4.2010

Auf ein freies Wort

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 03:51

Ich nehme mir die Freiheit…

… und gestatte mir selbst, sozusagen erteile ich mir mein eigenes Wort, meine verehrte Leserschaft auf den jüngsten Sproß meiner Internet-Familie aufmerksam zu machen. Freie Zeit ist online lautet die Botschaft, kurz und knapp, aber doch um Ihre Gunst und Aufmerksamkeit heischend.

Freie Zeit steht natürlich für Freizeit! Natürlich? Nein, weit gefehlt! Der Blog Freie Zeit dient mir vielmehr als experimentelle Spielwiese, auf der Themen und Bereiche ihren Platz finden, welches sich nun beim besten Willen, auch nach noch so gründlichem und abgründigem Nachdenken, nicht mehr in den Kontext dieses Blogs einbinden lassen. Was bleibt mir dementsprechend, um Herr meiner überschäumenden Gedanken zu werden?

Entweder all meine Morbiditäten im kleinen kranken Hirn des Paul Bögle vermodern lassen, solange warten, bis sich all meine Monströsitäten, Obszönitäten, Eventualitäten wieder verflüchtigt haben, um andererseits Platz für neue …täten zu schaffen. Soll ich nach dem Grundsatz “Gedanken raus, Luft rein!” verfahren, soll ich all das stillschweigend als Niemals-Gesagtes, Nie-Geschriebenes und Nicht-Gedachtes in den Tiefen meiner Seele begraben, ohne Sie daran teilhaben zu lassen? Nein, dafür bin ich ein viel zu boshafter Mensch. So bleibt dementsprechend nur die Oder-Variante.

Ein neuer Blog muß her. Und hier ist er, mein neuestes virtuelles Kind mit dem vielsagenden nichtssagenden Namen Freie Zeit. Hier ist oberstes Gebot: Keine freie Zeit in meiner Freizeit. Geschrieben wird auf Teufel komm raus, satanisch, diabolisch, höllisch, geradezu unchristlich und vor allem zu unchristlichen Zeiten. Freiheit, Freiraum, freies Denken, freie Geister, freies Handeln, alles wird hier seinen Platz finden, muß seinen Platz finden, denn mein Gehirn platzt bereits aus allen Nähten, will sich über Sie ergiessen, will Sie mit Wortschwällen förmlich ertränken.

So bleibt mir nur noch eines. Begleiten Sie mich beim Bewerten, Umwerten, Neubewerten. Lassen Sie uns gemeinsam fragen, nachfragen, erfragen, neue Fragen stellen und mehr Fragen auf alte Fragen finden. Nicht die Antworten sollen unser Ziel sein, denn diese glauben wir bereits zu wissen. Und nun folgen Sie mir zu den ersten Artikeln Tote Zeit, Meinungsfreiheit - freie Meinung? sowie Barbara Rosenkranz wählt Blau-Pause!  

18.4.2010

Eyjafjalla - wenn die Natur hustet…

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 09:34


…steht der Mensch still.

Ja, liebe Menschenkinder, so ist es nun einmal. Kaum erhebt die Natur, in diesem Falle in Form des isländischen Vulkans Eyjafjalla, ihre Stimme, herrscht Stillschweigen unter den Menschen. Womit rühmen wir uns nicht tagtäglich? Wir haben das Rad erfunden, welches uns Tag für Tag von Stau zu Stau führt, wir bauen mit Stahlbeton Wolkenkratzer, welche mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes in die Wolken ragen, wir imitieren die Vögel mit unseren donnernden dem Schall davonfliegenden Jets, alleine wenn die Natur ein einziges Mal ihre immer leiser werdende Stimme erhebt, haben auch wir unseren Mund zu halten.

Wo sind sie nun hingekommen, unsere Antworten auf sämtliche Fragen? Wer gibt uns nun Lösungen für ein doch so scheinbar kleines Problem namens Eyjafjalla, einen bis dato namenlosen Vulkan auf einer winzig kleinen Insel namens Island? Wer macht sich jetzt auf, die Natur beherrschen zu wollen mit seinen schier unbegrenzten technischen Errungenschaften und Hilfsmitteln?

Der Mensch? Nein, der Mensch steht da, hilflos orientierungslos machtlos. So großartig bezeichnen wir uns als Krone der Schöpfung, als Beherrscher der Naturgewalten, als Domteure dieser Welt. Wir bauen und bauen, wir fahren und fahren, wir fliegen und fliegen, wir forschen und forschen. Erdbebensicher, unfallsicher, lebenssicher, selbstsicher.

Und nun? Die Natur hat ihre Stimme erhoben, Eyjafjalla hat leise gewispert, ein fast unhörbares Raunen geht durch die Eingeweide dieser unserer Welt, aber ohrenbetäubend für den Menschen, die friedliche Stille unserer Hightech-Welt zerfetzend, ein furchterregendes Brüllen für uns alles beherrschende Dompteure.

Und nun? “Quo vadis, Domine Homo sapiens?” “Wohin gehst Du, Herr Mensch?” Herr Mensch, wohin nun des Weges. Wo sind unsere Notfallpläne, um die Natur in den Griff zu bekommen? Wo sind die eilig ins Leben gerufenen Kommissionen, welche jetzt diesem boshaften Vulkan Eyjafjalla sein vorlautes Maul stopfen? Wo sind die Piloten, welche sich aufmachen, um auszuschwärmen und die Asche meiner Mutter, unserer Mutter Erde, wieder einzusammeln? Sie sind am Boden geblieben, auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt, Bruchpiloten mit geknickten stählernen Flügeln, nicht flügge, sondern flügellahm, nicht bahnbrechend, sondern marodierend, nicht beherrschend, sondern ohnmächtig beherrscht.     

Eyjafjalla hat uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht, hat unsere Bilanzen gefälscht, hat unsere Flugschreiber manipuliert. Oder sind es womöglich wir selbst, die den Rotstift führen, Bilanzen schönen und Flugschreiber auswerten? Wer führt wen an der Nase herum, die Natur uns oder wir die Natur?

16.4.2010

Gewinnspiel “Echte Männer”

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 03:01

Gewinnspiel: Echte Männer duschen nicht! Zumindest nicht warm!

Inspiriert durch einen Kommentar von Petra, welchen sie zu meinem Artikel Warmduscher hinterließ, fühle ich mich heute einmal bemüßigt, meinen uneingeschränkten Respekt der Gattung “Echte Männer” zu zollen. Ich höre jetzt schon die ersten Stimmen im Hintergrund, tiefe heisere sonore wohltönende Bass-Bariton und Bassbariton-Stimmen, welche im tiefsten Tenor, und das ganze im Chor, also sozusagen im Tenor-Chor zu mir sprechen: “Du einziger Warmduscher aus Wien, wie kann Er es wagen, so zu Uns zu sprechen?” Darauf kann ich natürlich nur mit schuldbewusster Miene und treuherzig treudoofem Blick entgegen: “Aber Ihr allerechtesten Männer Eurer allerechtesten Männerwelt, ich habe doch noch gar nichts gesprochen! Wohlan, so laßt die Spiele beginnen! Möge der beste Warmduscher, Verzeihung, möge der männlichste Mann mit dem größten, mit dem größten, ja mit dem größten, ja mit was denn bitteschön, natürlich mit dem größten Komplex, jetzt weiß ich es wieder, gewinnen!”

Und damit Ihnen das ganze Spiel nicht am A….

 Damit Ihnen das Ganze nicht am A…. vorbeigeht, gibt es das “Echte Männer”-Gewinnspiel!

vorbeigeht, gibt es ein kleines Gewinnspiel.

Und damit dieses Spielchen halbwegs interessant wird, lasse ich für den größten Komplexler sogar einen kleinen Preis springen. Ganz im Vertrauen, ich mache das selbstverständlich auch aus einem gewissen Eigennutzen heraus, mir steht förmlich die Gier in mein vom warmen Duschen vollkommen erregtes Gesicht geschrieben. Ich will Sie, liebe Leser, ganz unverfänglich auf meine RINGANA Partnerseite locken, damit Sie mich dort reich machen. Nein, lassen Sie das bleiben, aber schauen dürfen Sie natürlich schon.

Also, wie soll denn nun unser Spiel der Komplexe funktionieren? Vorab eines: Gewinnen können leider nur Männer. Dies hat aber auch einen einfachen Grund. Jede Frau wäre vollkommen benachteiligt, da selbst der geringste Komplex eines teilnehmenden Mannes immer noch den größten Komplex einer teilnehmenden Frau um Längen schlagen würde. Also, liebe Vertreterinnen der Spezies Mensch, geben Sie sich als faire Verliererinnen und lassen Sie ein einziges Mal im Leben den Männern den Vortritt. Aber, und nun kommen doch wieder Sie ins Spiel: Stimmen Sie ab, wem der Preis des zweitgrößten Warmduschers, der größte bin und bleibe selbstverständlich konkurrenzlos und damit auch außer Konkurrenz ich, gebührt. Begründen Sie, weshalb Sie gerade Ihren Favoriten zum zweitgrößten Warmduscher auf dieser vom Klimawandel erwärmten Welt machen wollen. Für die beste Begründung, welche aber einzig und allein von mir, quasi von Warmduschers Gnaden, getroffen wird, lobe ich auch einen Preis aus.

Die beiden Gewinner können sich auf der schon erwähnten RINGANA-Seite ein Produkt im Wert von 25,– Euro aussuchen, auf einen Euro mehr oder weniger soll es dabei nicht ankommen! Die Versandkosten trage selbstverständlich ich. Bewerben Sie also Ihre männlichen Komplexe bzw. stimmen sie als Frau über die Komplexe Ihrer männlichen Artverwandten bis zum 31.05.2010 0:00 Uhr ab.    

10.4.2010

Außerirdisches Leben wird immer wahrscheinlicher

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 16:17

Gliese 581 Antistat - die ersten Messdaten

Was sich bereits unter “Extraterrestrisches Leben entdeckt” abgezeichnet hat, wird nun immer wahrscheinlicher: Die Existenz außerirdischen Lebens! Die Wissenschaftler stellen dementsprechend nun erste Messdaten zur Verfügung, um die Brisanz dieser Entdeckung zu untermauern.

Außerirdisches Leben auf Gliese 581 entdeckt

(Quelle: dk3wn)

Das Diagramm veranschaulicht deutlich die Funktionsweise der Mikro-Alpha-Transzendenz-Wellen, welche notwendig sind, um die permanente Überlagerung der Sternenstrahlung, wie sie tote Materie in ähnlichen Frequenzbereichen aussenden, von jener lebender Organismen herauszufiltern. Mehrere Spektralkanäle messen dabei die reflektierte Energie und unterscheiden diese wiederum in Energie im sichtbaren Bereich und die für die Forscher interessante Energie im near-IR-Bereich.

Einer dieser Scans des in ständiger Rotation befindlichen elliptischen Spiegels führte die Gruppe nun auf die richtige Spur. Eine thermische Kallibrierung, welche notwendigerweise dazu dient, die gewonnenen Daten in Temperaturen umzurechnen, führte nun zu ersten sehr aufschlussreichen Ergebnissen hinsichtlich der Existenz außerirdischer Lebensformen.

Zwei der ausgewählten Kanäle (insgesamt stehen sechs zur Verfügung), welche als Video A und Video B gesendet werden, sind dabei immer Grundlage zur Bildung einer sogenannten API-Zeile. Weitere Daten, welche der Kalibration bzw. der Telemetrie der eingesetzten Sensoren dienen, vervollständigen diesen APT-Rahmen.

Ohne jetzt in Euphorie verfallen zu wollen, doch für die Wissenschaftler steht aufgrund dieser gewonnenen Datenströme fest, daß die unter dem Namen Gliese 581 Antistat so bezeichnete außerirdische oder extraterrestrische Lebensform schnell zur Gewissheit werden könnte.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht!


8.4.2010

Extraterrestrisches Leben entdeckt

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 02:49

E.T. heißt in Wirklichkeit Gliese 581 Antistat

Ich bin auf eine wirklich interessante Meldung im Internet gestossen, welche vielleicht unser bisheriges Weltbild völlig auf den Kopf stellt und uns vor die alles entscheidende Frage stellt: Müssen wir demnächst unsere Existenz im Universum neu überdenken?

Auszugweise steht dort in einer Presseaussendung, welche sich auf eine der Emmy-Noether-Forschungsgruppe vom Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin nahestehenden ausländischen Forschergruppe beruft: “Mit Hilfe eines Radioteleskops, welches elektromagnetische Wellen im sogenannten Mikro-Alpha-Transzendenz-Wellenbereich sendet, ist es nun erstmals gelungen, tatsächlich interstellares Leben auf einem der drei Trabanten des Systems Gliese 581 nachzuweisen. Wie der Leiter der Forschergruppe in einer ersten Stellungnahme mitteilte, sei es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gelungen, durch die Nutzung bipolarer Energiefelder kommunikationsähnliche Verbindungsmuster mit der auf dem Trabanten lebenden höheren Lebensform herzustellen. Ersten Berichten zufolge reihen sich die empfangenen Signale so aneinander, daß die Vermutung naheliegt, mit intelligentem Leben zu kommunizieren. […] Die stellvertretende Leiterin betont allerdings, daß es noch weiterer Tests bedarf, um die Existenz extraterrestrischen Lebens als gesichert betrachten zu können. Jedoch stünden die Chancen in Anbetracht der empfangenen Signale der von den Wissenschaftlern unter dem Arbeitstitel Gliese 581 Antistat getauften Lebensform, daß es sich um eine höhere Intelligenz handele, sehr hoch. Das erstmals eingesetzte Verfahren der Mikro-Alpha-Transzendenz-Wellen biete wesentlich weniger Interpretationsspielraum als herkömmliche Methoden und schaffe dementsprechend günstige Voraussetzungen für eine fundierte Auswertung der Messergebnisse. Weiterhin entfalle dadurch die bisher immer als methodische Rückkopplung bezeichnete Fehlertoleranz, was insofern wichtig sei, daß sich dadurch ein Soll-Ist-Vergleich wesentlich besser herstellen lasse, um die Sternenstrahlung toter Materie von lebenden Organismen zu unterscheiden.”

Nun, liebe Leser, es scheint, wir haben es endlich geschafft. Mal sehen, wie sich wirklich intelligentes Leben auf uns Menschen einstellt.

7.4.2010

Goldener Windbeutel 2010

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 20:37


Verbraucher im Wunderland der Werbung

Der goldene Windbeutel 2010, and the winner is ….Nun, liebe Verbraucher, Konsumenten und Kritiker allzu frohlockender Werbebotschaften, das bestimmen Sie. Zum zweiten Mal nach 2009, fragwürdiger Sieger in Sachen Tarnen und Täuschen wurde damals Actimel-Hersteller Danone, wird auch 2010 von der Verbraucherrechtsorganisation foodwatch wieder jenes Unternehmen gekürt, welches sich in Sachen dreisteste, natürlich könnte man auch sagen gelungenste, Werbelüge am hervorragendsten hervorgetan und bewiesen hat.

Der goldene Windbeutel 2010 wird also jenem Hersteller der Lebensmittelindustrie verliehen, von welchem sich die Verbraucher am meisten in die Irre geführt fühlen, umgangssprachlich würden wir ver..scht dazu sagen. Machen auch Sie Ihrem Ärger Luft und stimmen Sie auf abgespeist.de noch bis zum 22.04.2010 online darüber ab, welches Unternehmen der Baron Münchhausen der Werbebotschaften 2010 wird.

Die Top 5, welche zur Auswahl stehen, sind:

  1. “Als Bio-Mixgetränk mit einem leichten Kohlensäuregehalt, besteht es aus rein natürlichen, biologisch angebauten Zutaten.” So lautet zumindest die Werbebotschaft für die Bio-Limonade “Beo Heimat Apfel & Birne” von Carlsberg: Schön und gut, wie überall im Leben kommt es selbstverständlich auch hier auf das Auge des Betrachters an. So auch hier: 5,5 Prozent Bio in der Limonade sind ja auch irgendwie Bio-Limonade. Und der Rest von 94,5 Prozent? Wir könnten es mit dem berühmten Schweigen im Walde titulieren, zumindest finden sich in jedem Wald, und sei er noch so von Borkenkäfern, saurem Regen oder anderen Dingen heimgesucht, mehr Äpfel und Birnen als im angeblichen “Beo Heimat Apfel & Birne”. Was sorgt denn dann für den hervorragenden Geschmack? Zucker, Gerstenmalzextrakt und natürlich, bitte nicht als natürlich im wortwörtlichen Sinne verstehen, jede Menge künstliche Aromastoffe. Für die Nominierung dieser biologischen Superwaffe zeichnet übrigens ”Tatort”-Kommissar Andreas Hoppe verantwortlich.
  2. Ein weiterer ganz heißer Kandidat für den goldenen Windbeutel 2010 ist “Bertolli Gegrilltes Gemüse” von Unilever. Tobias Schlegl, Mitglied der Windbeutel-Jury und TV-Moderator dazu: “Besser kann man Verbraucher nicht austricksen. Jeder Italiener wäre beschämt, wenn er eine solche Pastasauce serviert bekäme, und eine original italienische Mamma würde garantiert das Nudelholz schwingen – völlig zu Recht.” Warum? “Bertolli Gegrilltes Gemüse” wird dem Konsumenten mit dem Werbehinweis einer “verbesserten Rezeptur” schmackhaft gemacht. Und was macht den phänomenalen Geschmack aus? Unilever hat Aroma, Hefeextrakt als Geschmacksverstärker sowie E330, gemeinhin als Citronensäure bekannt, hinzugefügt. Nun denn: Wohl bekomm´s! 
  3. Kennen Sie die kalorienarme, dafür an Provitamin A so reiche Physalis (Kap-Stachelbeere, Andenbeere). Nein? Dann fragen Sie doch einmal Pfanner, den Produzenten des Wundersaftes  ”Der Gelbe Tee Zitrone-Physalis”. Auf der Wellness-Tee-Verpackung prangt sie groß, farbenprächtig und verführerisch drauf, unser Objekt der Begierde, dieses gesunde Früchtchen namens Physalis. Doch Pfanner kennt sie scheinbar auch nur vom Hören-Sagen. Und was ist wirklich drin? Spurenelemente von Physalis? Nein, nicht einmal diese! Für was auch, wenn Aromastoffe dieselben Dienste leisten, zumindest für den Umsatz des Herstellers. Aber wenigstens am Zucker hat Pfanner nicht gespart, umgerechnet 47 Stück Würfelzucker auf zwei Liter Wellness-Tee, das kann schon was! Und so beschreibt es die Fernsehjournalistin Astrid Frohloff, welche sich für die Nominierung entschieden hat, folgendermaßen: “Eine ‚süße Frucht der Verführung’ wird uns da versprochen – und wenn man genau hinschaut, sieht man von Physalis keine Spur, stattdessen nur Aromastoffe. So viel Chuzpe muss man erstmal haben.”
  4. Wenn Alfons Schuhbeck, unbestrittener Starkoch der Gegenwart, seinen guten Namen für die ”Duett Champignon Creme-Suppe” von Escoffier hergibt, muß doch etwas Wahres dran und insbesondere viel Gutes drin sein. So richtig lecker-schmecker Feinschmeckerware. Gut möglich, daß es in diesem Fall die Zusatzstoffe sind, welche für den guten schlechten Geschmack sorgen. Aber zur Ehrenrettung des Herrn Schuhbeck muß zumindest eines angeführt werden. Die Packerlsuppe, wie wir in Österreich sagen, in Deutschland dementsprechend Tütensuppe, wird immerhin in zwei Dosen verkauft. Doch Innovation und Einzigartigkeit hat auch ihren Preis, aber welcher Verbraucher zahlt nicht gerne mehr für solch ein High-Tech-Nahrungsprodukt aus Pulver und geschmacksverstärktem Wasser. “Spiegel”-Autor Ullrich Fichtner, welcher die Escoffier-Suppe nominiert hat, bringt es auf einen Nenner: “Sie tut so, als wäre sie Kochen, dabei ist sie auch nur Industrienahrung wie jede andere. Sie wird empfohlen von Alfons Schuhbeck, dem beliebten Spitzenkoch, der seinem Namen damit keine große Ehre macht.”
  5. Welches von Werbebotschaften infizierte Kind, wir Eltern selbstredend mit eingeschlossen, liebt sie nicht, jene gesunde Zwischenmahlzeit “Monte Drink” von Zott. Zuckersüß kommen sie daher, die bewegten Bilder der “Monte Drink”-Werbung. Und genauso zückersüß, man könnte sogar zuckerbombastisch süß sagen, präsentiert sich das Produkt selbst. Der Kabarettist Frank-Markus Barwasser, vielleicht besser bekannt unter Erwin Pelzig, begründet die Nominierung seines Titelkandidaten für den goldenen Windbeutel 2010 so: “Eine beliebte Zwischenmahlzeit, sagt Zott. Der ideale Begleiter für die Schule, sagt Zott. Enthält allerdings umgerechnet acht Stück Würfelzucker, mehr als die gleiche Menge Cola – eine zuckersüße Kalorienbombe im Schulranzen. Sagt Zott natürlich nicht. Aber deshalb ein heißer Kandidat für den Goldenen Windbeutel 2010, sagt foodwatch. Und das würde ich auch sagen.”

Ich habe bereits schon einmal über Codecheck auf meinem Blog berichtet, möchte Ihnen anhand von “Monte Drink” von Zott noch einmal zeigen, welchen Nutzen dieses Projekt für Sie als Verbraucher hat. Ich habe dabei die Nährwert-Ampel von 100 Gramm des Titelaspiranten mit der vergleichbaren Menge Coca-Cola, gemeinhin als die Zuckerbombe schlechthin verschrien, verglichen. Und siehe da: 100 Gramm Coca-Cola enthalten 10,6 Gramm Zucker und, man mag es nicht glauben, in 100 Gramm jenes ach so gesunden Drinks Monte Zott verstecken sich sage und schreibe 12,7 Gramm Zucker.   

So, liebe Verbraucher, jetzt liegt es an Ihnen! Stimmen Sie darüber ab, wem der Goldene Windbeutel 2010 zukommen soll.


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