Bio Natur - Der Weblog

3.2.2010

Phu Quoc - Abendstimmung

Abgelegt unter: Reisen — Paul Boegle @ 12:19


Phu Quoc - Das Inselparadies des Vietnam

Ich habe diesem schlummernden kleinen Eiland noch ein spezielles Kapitel unter dem Titel “Phu Quoc - paradiesische Zustände” gewidmet. Wer auf der Suche nach dem Klischee weißer Strand, blaues und kristallklares Meereswasser und Abgeschiedenheit noch nicht gefunden hat, sollte vielleicht nicht immer die Maledivien oder ähnliche hochpreisige Destinationen in Erwägung ziehen. Der Vietnam hat vielleicht eine der schönsten Inselparadiese, welche dieser schöne Planet zu bieten hat. Noch - denn der Tourismus rollt auch hier langsam in das ehemals kommunistische Denken hinein und wird sich wohl leider auch hier in den nächsten Jahren ausbreiten. Also nutzen Sie die noch verbleibende Zeit.

Bizarr geformte Lavasteine leuchten matt in der tief am Horizont stehenden Sonne. Schwer lastet ihr Jahrtausende altes Gewicht auf dem feinen Sand, der in kurzen Intervallen von den salzigen Zungen des Meeres umspült wird. Vietnam Insel Phu Quoc: Tote AugenImmer und immer wieder kehren kleine Wellen aus dem unendlich weiten, unendlich unergründlichen Blau zurück, um mit den weissen Zähnen ihrer Gischtkronen kleine Sandkörner mit sich zu reissen. Wieder und wieder nagen sie an den grauen Felsen, für einen kurzen Moment verharren ihre feuchten Zungen auf dem hellen, trockenen Sand. Ihr Nass färbt ihn dunkel, nur für einen kleinen Augenblick ruhen sie darauf, blicken sich mit ihren blauen Augen um, Vietnam Insel Phu Quoc: Wellenzähneum gleich darauf wieder ihren Rückzug anzutreten und neuen Wellen Platz zu machen, welche das vor langer Zeit begonnene Werk unermüdlich fortführen. Unzählige tote Steinaugen blicken aus grauen Höhlen, schauen dem zerstörerischen Tun der kleinen nassen Reisszähne hilflos zu, in manchen schimmern salzige Tränen.

Sämtliche Bilder Copyright © 2010 Paul Bögle

 Vietnam Insel Phu Quoc: Felsaugen

Vietnam Insel Phu Quoc: Meinungsverschiedenheiten in Schwarz-Weiss, Hell-Dunkel, Nass-TrockenAndere wässrige Salzzungen plätschern gegen das dunkle Lavagestein, leise zischend brechen sie sich links und rechts der von Vertiefungen und Rundungen durchzogenen Steine, glucksend kichernd hinterlassen sie glitzernd feuchte Stellen, während das Grau der Felsen zur Sonne hin immer heller, immer trockener wird. Tiefgrüner Seetang hat sich zu Füssen der Grautöne niedergelassen, schmiegt sich mit feuchten Fingern an die Grenzen von Blau und Grau, klammert sich an die wortlos im Sand liegenden Riesen, Vietnam Insel Phu Quoc: Grautönefüllt deren Rundungen und Vertiefungen mit grünlichen Farben. Einzelne Grasbüschel haben sich ihren Platz auf den Steinen erkämpft, mühsam trotzen sie der heissen Sonne, ducken sich in die schattigen, vom Wind verschonten Nischen.

 

Vietnam Insel Phu Quoc: Gegen den WindDer Himmel liegt in trägen, gleissenden Farben über dem dunkelblau gekräuselten Meer. Das lichte, leichte Blau über dem Festland verändert sich in die Ferne hin in ein helles, heisses Weiss, bleiern lastet die Stille über dem fernen Horizont. Das Spiegelbild der Sonne zerteilt den blauen Ozean, wie ein flüssiger, goldgelber Lavastrom brennen sich die Strahlen in Vietnam Insel Phu Quoc: Surrealismus oder Wirklichkeit?unregelmäßigen Bahnen in die Tiefen des Meeres, um letztendlich eins zu werden mit dem brennenden Weiss im Hintergrund. Wie mit einer Trennscheibe unterteilt liegt die Schnittlinie da, messerscharf liegt der Himmel auf dem in den Weiten verschwindenden dunkelblauen Wasser, schwer und doch scheinbar mühelos lastet sein Gewicht auf der blauen Ebene.Kleine Fischerboote pflügen sich mit schaukelnden Bewegungen durch das Wasser, regelmäßig pendelt der Bug vertikal gegen den Himmel, um sogleich wieder von den blauen Tiefen angezogen zu werden. Mit knatternden, stotternden Motoren hüpfen sie von Welle zu Welle. An der Trennlinie der beiden Elemente liegen weitere Boote und Schiffe als winzige Punkte, während der schmerzende Blick vom Glitzern der auf dem Meer gefangenen Sonnenstrahlen abgelenkt wird, welche hundertfach reflektiert, hundertfach zurückgeworfen werden.

Vietnam Insel Phu Quoc: Reflektionen

Rechts, über den in vielen Grauschattierungen liegenden steinernen, zeitlosen Zeugen , erheben sich sanfte Hügel, deren Haut fast vollständig von dunklen Wäldern überzogen ist. Während sich die vorderen Hügel fast schwarz gegen den hellen Horizont abheben, verschwimmen die entfernteren bewaldeten, sanften Rundungen mehr und mehr mit den Farben des Himmels, um schließlich als undeutliche Konturen mit dem Licht des Spätnachmittags zu verschwimmen.Langsam fällt der Feuerball vom Himmel, mühsam schält er seine heissen Rundungen aus den Blautönen, immer tiefer, schneller und schneller sinkt sein goldenes Auge. Das brennende Gelb wird langsam von wärmeren Gelbtönen zerfressen, feurig züngeln erste Orange- und Rottöne das Weiss vom Himmel, während sich das goldgelbe Glitzern des Lavastroms auf dem Wasser immer mehr verengt, um die beiden blauen Hälften wieder zusammenzuführen. Orangene Flügel breiten sich in der Stille des Abends aus, mit immer größeren Schwingen beanspruchen sie ihren kurzlebigen Platz am Firmament, rücksichtslos verdrängen sie die hellen Blautöne. Immer tiefer sinkt die Sonne, immer begieriger fressen sich gelbe, orangene und tiefrote Konturen in das Blau, überrollen mit ihren heissen Fluten aus der Ferne kommend den Himmel.

Vietnam Insel Phu Quoc: Übergänge

Die weisse Leere macht pastellfarbenen Rosatönen Platz, während federleichte Wolkenschleier von der kleiner werdenden Sonne angestrahlt werden und wie einüberdimensionales Adergeflecht den zunehmend dunkleren Himmel überspannen und mit ihren blutroten Bahnen füllen. Langsam und leise beginnt der Himmel zu glühen, durchzogen von einem lose verwobenen, brennenden Wolkenband. Mit einem lange anhaltenden Seufzen löst sich die Sonne in der Ferne auf, zeigt sich noch für einen kurzen Augenblick hinter dem Flammenvorhang. Nur noch undeutlich sind die letzten Strahlen des Tages auszumachen, bevor sie sich endgültig Richtung  Westen aufmachen.Die kalten Farben des Abends übernehmen die Vorherrschaft, leuchtend rot liegen Wolkengebirge über der zweifarbigen Schneide. Die Grautöne der nahen Felsen verblassen, helles Grau wird zu dunklem Grau, dunkles Grau zu hellem Schwarz. Die Umrisse der fernen Hügel werden von der Schwärze der Nacht verschluckt, die schillernden Farben der ruhig auf den Wogen dahingleitenden Fischerboote lösen sich in schwarzen Silhouetten auf.

Immer noch leuchten die Adern am Himmel, zarte Orange- und Rosatöne zerteilen noch vielfach den Abendhimmel, schlängeln sich kaskadenartig durch die nachtblaue Schattenwelt, lange hallt das Echo des warmen Tages nach. Violette Nebel machen sich vom Rand der Erde auf, lautlose Reiter auf ihrem Siegeszug durch die Nacht. Die entferntesten Hügel werden bereits eins mit der ins Land ziehenden Dunkelheit, während die nahen Bergketten noch verzweifelt ihre schwarzen Umrisse gegen dieses andere Schwarz, jenes schwärzliche Schwarz stemmen. Erst zögerlich, dann immer entschlossener folgt Schatten auf Schatten. Der Tag hat seinen Frieden mit der Nacht geschlossen.

2.2.2010

Good morning, Vietnam

Abgelegt unter: Reisen — Paul Boegle @ 15:34

14.01.2010 10:00 Uhr Saigon (Ho Chi Minh Stadt)

Saigon: Herzlich willkommen in Ho Chi Minh CityWir haben unser erstes Etappenziel erreicht, Saigon oder Ho Chi Minh City (HCMC), wie die grösste Stadt Vietnams seit April 1975 heisst. Saigon, jene südliche Millionenmetropole Vietnams.

Sämtliche Bilder Copyright © 2010 Paul Bögle

Wir haben unsere Hausaufgaben gut gemacht, dachten wir. Wir haben uns nach bestem Wissen und Gewissen auf unser Abenteuer Vietnam vorbereitet, glaubten wir. Wir haben sämtliche Informationen aus Internet und Reiseführern gesammelt und verarbeitet, zumindest waren wir dieser Meinung. Nun gut, der Mensch kann irren und da wir zwei Menschen sind, irrten wir gewaltig.Die erste Hürde am Flughafen Saigon war schnell genommen. Noch in der Ankunftshalle kauften wir uns eine Prepaid-Karte für unser Handy. Das Handynetz in Vietnam ist mittlerweile hervorragend ausgebaut, nur abseits der Touristenströme kommt es teilweise zu Verbindungsabbrüchen, aber ansonsten lässt sich überall Kontakt zur Aussenwelt halten. Gleichzeitig bestellten wir uns ein Taxi zum Fixpreis von acht Dollar, für jeden Neuankömmling vielleicht der beste und einfachste Weg, mühsamen Preisverhandlungen bzw. der Suche nach dem Bus 152, welcher vom Flughafen in die Stadt fährt, nach einem langen und Saigon: Die Gesetze der Strasseanstrengenden Flug aus dem Weg zu gehen. Eine Hostess begleitet uns mit unserem Gepäck zu unserem Taxi, vorbei an unzähligen Vietnamesen, welche auf weisse Langnasen wie uns warten, um uns ihre Dienste anzubieten. (Anm.: Das Taxi vom Hotel zum Flughafen eine Woche später und um eine Woche reicher an Erfahrungen hat 120000 Dong (ca. 6,50 Dollar Stand 01/2010) gekostet, also nur unwesentlich mehr). Es sei hier noch eines hinzugefügt. Der Flughafen Tan Son Nhat liegt zwar nur wenige Kilometer ausserhalb der Stadt, aber fünf Kilometer sind eben nicht gleich fünf Kilometer, aber dazu später noch mehr.

Dann sitzen wir im Taxi. Heisse, dampfende, ungewohnt schwüle Luft beisst uns aus dem kalten Europa Kommende Saigon: Nichts Neues auf den Strassen!von allen Seiten. Die Minusgrade aus dem kalten Wien zerrinnen in unseren Köpfen. Sturzbäche von Schweiss färben unsere Kleidung binnen Sekunden dunkel.Wir sind müde, aber erleichtert, den Strapazen des Fluges entkommen zu sein. Dann wird es still im Taxi. Nicht, weil uns die Müdigkeit umfängt, sondern weil wir zum ersten Mal die Wucht Saigons zu spüren bekommen. Wir werden unvorbereitet in den Verkehr Saigons geworfen. Ein riesiger Schwarm metallener Hornissen umringt uns plötzlich von allen Seiten, bedrohlich umkreist uns von allen Seiten ein brummendes, knatterndes Inferno. Bedrohlich umkreisen sie uns, von vorne, hinten, links und rechts schiessen sie auf uns zu, teilen sich im letzten Moment. Ihr Brummen dringt aus allen Himmelsrichtungen in unsere kleine, heile Taxiwelt. Dutzende, nein hunderte von Vietnamesen sitzen einzeln, zu zweit auf ihren Mopeds und Rollern, sogar ganze Familien finden Platz auf den Zweirädern.

Die Welt um uns herum löst sich auf in lärmende und knatternde, brummende und summende Zweitaktmotoren. Dutzende, nein hunderte Halbschalenhelme blitzen, glänzen und leuchten in der benzingeschwängerten Luft. Ein Inferno nie gekannten Ausmasses nimmt seinen Lauf, wir schwimmen mit in einem Strom aus wildgewordenen, nicht zu zügelnder Zweiräder, von allen Seiten nehmen sie uns in die Zange, hupend überholen sie uns links, noch lauter tönen sie von rechts, während sich unser Taxifahrer in einer für uns Europäer stoischen, fast könnte man es apathisch nennen, Ruhe seinen Weg unbeirrbar durch die helmbewehrten Hornissen bahnt.

Die eine Hand an, oder besser gesagt auf der Hupe, die andere lässig auf dem Lenkrad liegend, spielt er mit im Konzert der dauerhupenden Verkehrsteilnehmer. Kein Fluchen, kein Schimpfen, keine obszönen Gesten, selbst im grössten Chaos behalten die Vietnamesen ihre Freundlichkeit und Contenance, so schwimmt er mit uns durch den Vormittagsverkehr Saigons, rudert mit uns von links nach rechts, um gleich darauf wieder die Spur zu wechseln, während die Seitengassen immer neue Massen an Rollern und Mopeds auf die Hauptstrassen ausspucken.Und wir beiden Langnasen? Wir sitzen, wir schweigen, wir schliessen die Augen und wir hoffen, dies alles sei nur ein böser Traum! Und dann öffnen wir die Augen! Und während wir noch glauben, das Schlimmste bereits gesehen und erlebt zu haben, kommt es noch schlimmer. Wir steuern auf den ersten Kreisverkehr in der Innenstadt von Saigon zu. Es lässt sich schwerlich, eigentlich überhaupt nicht in Worte fassen, was nun kommt. Saigon: Vietnamesischer Familienausflug

Einen Kreisverkehr in Saigon zu beschreiben, ist schlichtweg unmöglich, da es dafür noch nicht die richtigen Worte gibt. Man muss es ganz einfach selbst erlebt haben. Hier gelten weder die Gesetze der Strassenverkehrsordnung, es scheint, als seien hier sämtliche Gesetze der Schwerkraft, Fliehkraft, Zentrifugalkraft oder der sonstigen physikalischen Gesetzmässigkeiten aufgehoben worden.Um in Saigon den Kreisverkehr auf einen gemeinsamen, und zwar wirklichen gemeinsamen Nenner zu bringen, genügt die oft strapazierte Floskel: Es regiert das Recht des Stärkeren. Und da alle Verkehrsteilnehmer überzeugt sind, im Recht zu sein, gleichzeitig, und natürlich am stärksten, regiert im Kreisverkehr einfach jeder, welcher sich darin befindet. Für uns scheinbar chaotisch, ohne Plan, ohne Sinn und ohne Chance, sich jemals darin zurechtzufinden, reiht sich jeder ganz einfach dort ein, wo gerade Platz ist. Und da aber nirgends Platz ist, reiht sich eben jeder dort ein, wo gerade kein Platz ist. Und hier kommt wieder die Hupe als das Instrument zum Einsatz, um sich dort Platz zu schaffen, wo eben kein Platz vorhanden ist, der aber reichlich. Liebe Leser, wenn es einen Vorhof zur (Verkehrs)Hölle geben sollte, in jedem x-beliebigen Kreisverkehr auf Saigons Strassen kann er nicht sein, denn hier ist das Zentrum des Verkehrsinfarktes. Ausländischen Besuchern ist es übrigens untersagt, selbst ein Auto zu fahren. Doch glauben Sie mir eines: Es ist zu Ihrem eigenen Schutz!

Vietnam Mekong-Delta: Gedanken

Und doch muss der alte griechische Philosoph Heraklit Saigon vor mehreren Jahrtausenden erahnt haben, denn wie anders wäre ansonsten sein “Panta rhei!”, sein “Alles fliesst!” zu deuten. Wie schon gesagt, die Ruhe, Gelassenheit und Freundlichkeit der vietnamesischen Bevölkerung spiegelt sich auch im Strassenverkehr wieder, ausser der Vietnam Mekong-Delta: Leben auf dem Strom, Leben mit dem Strom, Leben gegen den StromSaigon: Die vietnamesische BlechtrommelHupe wird hier keiner laut. Der Verkehr steht nie still, Tausende von Mopeds, Rollern, Fahrrädern und wenigen Autos bewegen sich stetig fort. Trotz, oder gerade wegen des für unsere westlichen Augen herrschenden Chaos drehen sich die Felgen, knattern die Motoren und hupen sich die Menschen in einer andauernden Vorwärtsbewegung ihren Weg frei. Saigons Strassen sind Spiegelbild der gesamten Stadt, einer Stadt im permanenten Wandel, Saigon erfindet sich jeden Tag auf´s Neue, Saigon befindet sich 24 Stunden lang im Umbruch und im Aufbruch. Saigon ist geprägt von Rastlosigkeit, einer betriebsamen Hektik, einer stetigen Geschäftigkeit, einer andauernden Veränderung.

Doch trotz all dieser für fremde Augen scheinbaren Unruhe, dieses Lärms und der Rastlosigkeit haben meine Frau und ich Saigon lieben gelernt. Wir haben diese,Vietnam: Besänftigung viele Einwohner sprechen bereits von mehr als zehn Millionen Einwohner mit dem gesamten Einzugsgebiet, Stadt aus vielen Perspektiven kennengelernt, wir haben viele entlegene Winkel durchstreift, welche sich abseits der ausgetretenen Touristenpfade befinden, wir haben viel Neues und vor allem viel Unbekanntes entdeckt und wir haben sehr viele Menschen des südlichen Vietnams kennengelernt, welche uns ausnahmslos freundlich, ja sogar herzlich aufgenommen haben. Wir möchten deshalb auf diesem Wege noch einmal alle Vietnamesen grüßen und sagen

Cảm ơn (danke).

 Vietnam: Licht-GestaltenDies soll es für´s erste einmal gewesen sein. Der Reisebericht über den Süden Vietnams wird sich in den nächsten Wochen stetig füllen.

Vietnam: Unergründlich


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