Saigon – rund um Cholon


17.01.2010 Saigon und die Chinesen in CholonSaigon: Miniatur-Buddha in der Quan-Am Pagode

Machen wir also heute einmal einen Spaziergang durch das Chinesenviertel Saigons, wo die Moa, jene Nachfolgegenerationen der chinesisch-stämmigen Einwanderer aus dem 17. Jahrhundert leben.

 Sämtliche Bilder Copyright © 2010 Paul Bögle

Saigon: Weihrauchspiralen in der Phuoc An Hoi Quan PagodeCholon, das Chinesenviertel Saigons, auch ganz formlos und kurz District 5, da im fünften Bezirk (Quận 5) gelegen, genannt, (siehe dazu auch Cholon – die Chinesen im Ausland von Martin Kessler) besticht vor allem durch zweierlei Dinge. Zum einen durch den Binh Tay Markt, jenem Pendant zum Ben Thanh Markt im Zentrum der Stadt, und weiterhin durch eine Vielzahl von chinesischen Pagoden und Tempeln, und dies auf engstem Raum.

Um die geneigte Leserschaft schon einmal vorab neugierig auf die Pagoden und Tempel zu machen, welche in diesem kurzen Artikel nicht behandelt werden sollen, dies verlangt einer ausführlichen Betrachtung an anderer Stelle, sollen die folgenden Bilder sozusagen zum „Anfüttern“ dienen. Sprich, sie haben einzig und allein den verwerflichen Zweck, den Blog Bio Natur wieder zu besuchen. Schande über mich, dass ich Sie quasi Saigon: Dach der Nghia An Hoi Quan PagodeSaigon: Geschnitztes Relief in der Thien Hau Pagodeverhungern lasse. Nein, eigentlich ich sehe Sie sogar, bei näherer Betrachtung, als wechselwarme, andauernd im Wasser lebende Wirbeltiere. Ich würde es nun verstehen, wenn Sie mir nun die kalte Flosse zeigen, aber schauen Sie sich doch erst die Bilder an und schwimmen Sie doch in ein paar Tagen wieder bei mir vorbei, es gibt schliesslich noch viel über den Vietnam zu erzählen. Und erst die Fotos, Sie glauben ja gar nicht, was ich noch für Bilder im Ärmel habe, meine Güte, wenn Sie wüssten. Aber wir wollten eigentlich alle gemeinsam in den fünften District Saigons, nach Cholon. Wer also mit uns gemeinsam der Klaustrophobie frönen möchte, rein ins Taxi und ab ins Chinesenviertel. Jetzt hätte ich beinahe das Futtermittel vergessen, also hier die versprochenen Fotos, lauter kleine entzückende Details der verschiedenen Pagoden, ohne Zusammenhang, ohne Erklärung, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, bevor es richtig eng wird.

Saigon Chinesenviertel Cholon: Der Binh Tay Markt bietet Platz für alle und jeden und natürlich gemeinsam zur gleichen Zeit am selben Ort und überhaupt!

Wobei die Definition engster Raum eigentlich im wörtlichen Sinne geradezu für die Beschreibung des Binh Tay Marktes prädestiniert ist. Der Ben Thanh Markt im Zentrum der Stadt ist sicherlich schon räumlich sehr begrenzt, auf dem Binh Tay Markt jedoch haben die Dimensionen Länge, Breite und Höhe überhaupt keine Bedeutung. Wo sich Touristen auf dem Ben Thanh Markt noch relativ gefahrlos und einigermassen bequem durch die überquellenden Warenangebote bewegen können, herrschen auf dem Binh Tay Markt geradezu klaustrophobische Zustände. Als Ehemann einer zum Shoppen fest entschlossenen und mit keinen Mitteln abzuhaltenden Ehefrau heisst es da einfach Augen zu und durch, obwohl man eigentlich in den seltesten Fällen irgendwo durch kommt. Bleibt dementsprechend nur noch Alternative 2: Im Fahrwasser der zu allem entschlossenen Ehefrau bleiben. Also doch wieder Augen auf und einfach schauen, wo sich eine Europäerin gerade in harten Preisverhandlungen befindet, denn so wirklich viele Europäer findet man hier nicht. Und trotzdem muss man diese Atmosphäre einfach selbst mit erlebt haben, von Indiana Bögle könnte selbst Indiana Jones noch etwas in Punkto Überlebenstechnik im Dschungel lernen.Saigon Chinesenviertel Cholon: Binh Tay Markt

Während ich mit meinen Gedanken eigentlich weit weg bin, die Objekte meiner Begierde lauten chinesische Tempel und chinesische Pagoden, werde ich durch die vom Feilschen und zähen Verhandeln schon völlig heisere Stimme der besten Ehefrau wieder in die grausame Wirklichkeit katapultiert. Die heiligen Tempel verschwimmen vor meinem geistigen Auge und der Shopping-Tempel stellt sich mir in all seiner Schonungslosigkeit, mit all seinen darin befindlichen Menschen, wieder in den Weg. Hemden fliegen mir in Familienpackungen um die Ohren, Socken im Vier-Dutzend-Pack defilieren vor mir, echte oder vielleicht auch unechte Ledergürtel, soweit mein Auge reicht, Damenschuhe in Kompaniegrössen bauen sich bedrohlich vor mir auf, den Rest habe ich vergessen, da ich mich Schutz suchend hinter die beste Ehefrau der Welt warf.

Ich zähle die Sekunden, jede Handtasche steht für eine Sekunde, nach wenigen Augenblicken bin ich, also rein rechnerisch gesehen, am Ende meines Jahresurlaubes Saigon Chinesenviertel Cholon: Binh Tay Markt Innenhofangelangt, leider nur fiktiv. Denn Fakt ist: Ich stehe immer noch im Hades der Konsumverweigerer. Ich, Indiana Bögle, der Hüter der heiligen Kreditkarte. Ich, der Tempelritter im heiligen Tempel nachgemachter Gucci-Sonnenbrillen, gefakter Armani-Handtaschen und falscher Dolce&Gabbana-Gürtel. Und um mich herum die Reiter der Einkaufs-Apokalypse, Heerscharen von (meist) weiblichen Todesboten der vollen Geldbörsen, mit eisernem Griff klammern sich meine Finger um die Geldscheine, mit stahlharter Faust klammert sich der eiserne Griff der allerbesten Ehefrau um meinen eisernen Griff (einmal dürfen Sie raten, welcher Griff eiserner war, kleiner Tipp am Rande: Meiner war es nicht). Tapfer stehe ich wie ein Fels in der Konsum-Brandung, ein Kapitän Ahab im Kampf mit Moby Shopping. Und dann, nach endlosen engen und engsten Gassen, sehe Saigon: Innenhof Binh Tay Markt Cholonich die Sonne. Ich stehe im Innenhof des Binh Tay Marktes, Länge gewinnt wieder an Bedeutung, Breite wird wieder zu einer erträglichen Vorstellung, Höhe lässt sich wieder mit vernünftigen Massstäben messen. Ich gönne mir ein kleines Päuschen, während sich die allerbeste Ehefrau sofort auf der anderen Seite des Innenhofes wieder ins Schlachtgetümmel wirft, ihr eisener Griff locker um die Geldscheine, welche einst von meinem eisernen Griff umklammert waren.

So sitze ich da, schaue mir den wunderschönen Brunnen mit den Drachen an, erfreue mich an den unzähligen Porzellan-Buddhas, lasse mich von den farbigen Blumen inspirieren und denke bei all den Räucherstäbchen an die meinem eisernen Griff entzogenen Geldscheine, welche sich wohl gerade ebenso in Rauch auflösen, natürlich rein symbolisch, schließlich bekommen wir, also meine Frau im Pluralis majestatis, jede Menge Opfergaben für die monetären Geldwölkchen. Aber ich schweife schon wieder ab.

Saigon: Der Shopping-Gott bei der ArbeitDer Binh Tay Markt in Cholon ist auf alle Fälle ein Muss-man-gesehen-haben. Einerseits aus dem eben Geschilderten, andererseits aber auch zu seiner Nähe zu einigen der schönsten Tempel und Pagoden Saigons. Wo sonst ließe sich so einfach Konsum, Kitsch, Kunst und Kultur unter einen Hut bringen. Und um nun noch die letzten Zweifel auszuräumen, ob es den Himmel gibt. Ja, liebe Leser, es gibt den Himmel und er befindet sich direkt über Saigon oder besser gesagt, überall in Saigon. Aber hinein werden Saigon: Handtaschenhimmelnur die wirklich Gläubigen kommen. Aber denen wirkt ein Ort der Glückseligkeit. Ein Ort, an dem nicht Buddha von den Menschen angebetet wird, sondern wo Buddha die Schuhe anbetet. Ein Schlaraffenland, wo nicht Milch und Honig fliessen, sondern wo es Handtaschen vom Himmel regnet. Ja,ja, liebe Leser und besonders liebe Leserinnen, ich habe ihn gesehen, denn ich war mitten drin.

 

Bevor wir uns aber nun den Pagoden ganz in der Nähe zuwenden, muss ich mich erst einmal etwas ausruhen.

Bis dahin sagt Paul Bögle, der in die Enge Getriebene „Hẹn gặp lại!“, was soviel wie „Auf Wiedersehen!“ bedeutet und, Sie wissen schon: Fortsetzung folgt!                 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen