Bio Natur - Der Weblog

3.2.2010

Phu Quoc - Abendstimmung

Abgelegt unter: Reisen — Paul Boegle @ 12:19

Bizarr geformte Lavasteine leuchten matt in der tief am Horizont stehenden Sonne. Schwer lastet ihr Jahrtausende altes Gewicht auf dem feinen Sand, der in kurzen Intervallen von den salzigen Zungen des Meeres umspült wird. Immer und immer wieder kehren kleine Wellen aus dem unendlich weiten, unendlich unergründlichen Blau zurück, um mit den weissen Zähnen ihrer Gischtkronen kleine Sandkörner mit sich zu reissen. Wieder und wieder nagen sie an den grauen Felsen, für einen kurzen Moment verharren ihre feuchten Zungen auf dem hellen, trockenen Sand. Ihr Nass färbt ihn dunkel, nur für einen kleinen Augenblick ruhen sie darauf, blicken sich mit ihren blauen Augen um, um gleich darauf wieder ihren Rückzug anzutreten und neuen Wellen Platz zu machen, welche das vor langer Zeit begonnene Werk unermüdlich fortführen. Unzählige tote Steinaugen blicken aus grauen Höhlen, schauen dem zerstörerischen Tun der kleinen nassen Reisszähne hilflos zu, in manchen schimmern salzige Tränen.

Vietnam Insel Phu Quoc: Wellenzähne Vietnam Insel Phu Quoc: Tote Augen Vietnam Insel Phu Quoc: Grautöne

Sämtliche Bilder Copyright © 2010 Paul Bögle

Andere wässrige Salzzungen plätschern gegen das dunkle Lavagestein, leise zischend brechen sie sich links und rechts der von Vertiefungen und Rundungen durchzogenen Steine, glucksend kichernd hinterlassen sie glitzernd feuchte Stellen, während das Grau der Felsen zur Sonne hin immer heller, immer trockener wird. Tiefgrüner Seetang hat sich zu Füssen der Grautöne niedergelassen, schmiegt sich mit feuchten Fingern an die Grenzen von Blau und Grau, klammert sich an die wortlos im Sand liegenden Riesen, füllt deren Rundungen und Vertiefungen mit grünlichen Farben. Einzelne Grasbüschel haben sich ihren Platz auf den Steinen erkämpft, mühsam trotzen sie der heissen Sonne, ducken sich in die schattigen, vom Wind verschonten Nischen.

Vietnam Insel Phu Quoc: Meinungsverschiedenheiten in Schwarz-Weiss, Hell-Dunkel, Nass-Trocken Vietnam Insel Phu Quoc: Surrealismus oder Wirklichkeit? Vietnam Insel Phu Quoc: Felsaugen Vietnam Insel Phu Quoc: Gegen den Wind

Sämtliche Bilder Copyright © 2010 Paul Bögle

Der Himmel liegt in trägen, gleissenden Farben über dem dunkelblau gekräuselten Meer. Das lichte, leichte Blau über dem Festland verändert sich in die Ferne hin in ein helles, heisses Weiss, bleiern lastet die Stille über dem fernen Horizont. Das Spiegelbild der Sonne zerteilt den blauen Ozean, wie ein flüssiger, goldgelber Lavastrom brennen sich die Strahlen in unregelmäßigen Bahnen in die Tiefen des Meeres, um letztendlich eins zu werden mit dem brennenden Weiss im Hintergrund. Wie mit einer Trennscheibe unterteilt liegt die Schnittlinie da, messerscharf liegt der Himmel auf dem in den Weiten verschwindenden dunkelblauen Wasser, schwer und doch scheinbar mühelos lastet sein Gewicht auf der blauen Ebene.Kleine Fischerboote pflügen sich mit schaukelnden Bewegungen durch das Wasser, regelmäßig pendelt der Bug vertikal gegen den Himmel, um sogleich wieder von den blauen Tiefen angezogen zu werden. Mit knatternden, stotternden Motoren hüpfen sie von Welle zu Welle. An der Trennlinie der beiden Elemente liegen weitere Boote und Schiffe als winzige Punkte, während der schmerzende Blick vom Glitzern der auf dem Meer gefangenen Sonnenstrahlen abgelenkt wird, welche hundertfach reflektiert, hundertfach zurückgeworfen werden.

Vietnam Insel Phu Quoc: Reflektionen 

Sämtliche Bilder Copyright © 2010 Paul Bögle

Rechts, über den in vielen Grauschattierungen liegenden steinernen, zeitlosen Zeugen , erheben sich sanfte Hügel, deren Haut fast vollständig von dunklen Wäldern überzogen ist. Während sich die vorderen Hügel fast schwarz gegen den hellen Horizont abheben, verschwimmen die entfernteren bewaldeten, sanften Rundungen mehr und mehr mit den Farben des Himmels, um schließlich als undeutliche Konturen mit dem Licht des Spätnachmittags zu verschwimmen.Langsam fällt der Feuerball vom Himmel, mühsam schält er seine heissen Rundungen aus den Blautönen, immer tiefer, schneller und schneller sinkt sein goldenes Auge. Das brennende Gelb wird langsam von wärmeren Gelbtönen zerfressen, feurig züngeln erste Orange- und Rottöne das Weiss vom Himmel, während sich das goldgelbe Glitzern des Lavastroms auf dem Wasser immer mehr verengt, um die beiden blauen Hälften wieder zusammenzuführen. Orangene Flügel breiten sich in der Stille des Abends aus, mit immer größeren Schwingen beanspruchen sie ihren kurzlebigen Platz am Firmament, rücksichtslos verdrängen sie die hellen Blautöne. Immer tiefer sinkt die Sonne, immer begieriger fressen sich gelbe, orangene und tiefrote Konturen in das Blau, überrollen mit ihren heissen Fluten aus der Ferne kommend den Himmel.
Die weisse Leere macht pastellfarbenen Rosatönen Platz, während federleichte Wolkenschleier von der kleiner werdenden Sonne angestrahlt werden und wie ein überdimensionales Adergeflecht den zunehmend dunkleren Himmel überspannen und mit ihren blutroten Bahnen füllen. Langsam und leise beginnt der Himmel zu glühen, durchzogen von einem lose verwobenen, brennenden Wolkenband. Mit einem lange anhaltenden Seufzen löst sich die Sonne in der Ferne auf, zeigt sich noch für einen kurzen Augenblick hinter dem Flammenvorhang. Nur noch undeutlich sind die letzten Strahlen des Tages auszumachen, bevor sie sich endgültig Richtung  Westen aufmachen.Die kalten Farben des Abends übernehmen die Vorherrschaft, leuchtend rot liegen Wolkengebirge über der zweifarbigen Schneide. Die Grautöne der nahen Felsen verblassen, helles Grau wird zu dunklem Grau, dunkles Grau zu hellem Schwarz. Die Umrisse der fernen Hügel werden von der Schwärze der Nacht verschluckt, die schillernden Farben der ruhig auf den Wogen dahingleitenden Fischerboote lösen sich in schwarzen Silhouetten auf.Immer noch leuchten die Adern am Himmel, zarte Orange- und Rosatöne zerteilen noch vielfach den Abendhimmel, schlängeln sich kaskadenartig durch die nachtblaue Schattenwelt, lange hallt das Echo des warmen Tages nach. Violette Nebel machen sich vom Rand der Erde auf, lautlose Reiter auf ihrem Siegeszug durch die Nacht. Die entferntesten Hügel werden bereits eins mit der ins Land ziehenden Dunkelheit, während die nahen Bergketten noch verzweifelt ihre schwarzen Umrisse gegen dieses andere Schwarz, jenes schwärzliche Schwarz stemmen. Erst zögerlich, dann immer entschlossener folgt Schatten auf Schatten. Der Tag hat seinen Frieden mit der Nacht geschlossen.

Vietnam Insel Phu Quoc: Übergänge 

Sämtliche Bilder Copyright © 2010 Paul Bögle

                

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