Kreationismus – was bitte?


Wider den modernen Atheismus

Ich hatte gestern wieder einmal die Chance und vor allem auch die Zeit, eine sehr gute Dokumentation über die Entstehung der Erde im Fernsehen zu verfolgen. Nicht, daß dies mein erster Bericht über die Entstehungsgeschichte unseres Planeten Erde war. Aber es ist doch immer wieder spannend, wie unser Erdball sein Gesicht wieder und wieder veränderte. Vom glühend heißen Lavaball in seinen Anfängen vor 4,5 Milliarden Jahren bis zum eiskalten Schneeball, vom mit in Ozeanen lebenden Einzellern bevölkerten blauen Wasserball bis zum mit tropischen Pflanzen, hohen Bäumen, Farnen und endlos weiten Grünflächen malerischen Paradies, auf dem sich die größten Lebewesen der Erdgeschichte in riesigen Herden langsam äsend vorwärts bewegten.

Die eurasische und die afrikanische Kontinentalplatten kollidierten und ließen riesige Faltengebirge wie die Alpen entstehen, der Colorado fraß sich in Millionen von Jahren immer tiefer in die Schlucht des Grand Canyon und erschuf diese einmalig schöne Landschaft. Immer wieder entpuppten sich die Naturgewalten als kreative Schöpfer einer wandelbaren Erdoberfläche, Feuer und Eis trugen in Milliarden von Jahren ihre Kämpfe aus, Dürreperioden wechselten sich mit abgrundtiefen Ozeanen ab. Wasser, Feuer, Luft und Erde, jene vier Elemente, die schon von den griechischen Philosophen Thales von Milet, Anaximenes oder Empedokles erkannt und untersucht wurden. Unbändige Kräfte der Natur, die sich in einem für uns Menschen unvorstellbar langen Zeitraum von mehr als vier Milliarden Jahren unvereinbar gegenüberstanden, gegensätzlicher nicht sein konnten und können, unnatürlich natürliche Antipoden, aber doch erst durch ihr gekonntes Zusammenspiel jenen Planeten mit all seinen existierenden und erloschenen Lebewesen und Pflanzen formten, welchen wir heute unseren Heimatplaneten nennen.

Die Erde ist zwischen vier und fünf Milliarden Jahr alt? Habe ich dies gerade geschrieben? Dann kann ich auch gleich hinzufügen, daß ich kein Anhänger des sogenannten Kreationismus bin. Manche werden sich nun fragen, ob Kreationismus womöglich mit Kreativität in enger Wahlverwandtschaft steht. Oder hat Kreationismus gar etwas mit Kretin zu tun? Oder hat beim Kreationismus sogar ein  Modeschöpfer seine begnadeten Finger im Spiel und will uns die neueste Herbstkollektion schmackhaft machen. Mitnichten, der Kreationismus ist weder kreativ noch will ich die Verfechter einer kreationistischen Weltanschauung als Kretins bezeichnen und, vielleicht hängt der eine oder andere Modeschöpfer sogar dem Kreationismus an, mit Spitzen-Unterwäsche oder Samt- und Seidekreationen kommen wir hier auch nicht weiter.

Kein Platz für Darwin

Kreationismus bedeutet schlicht und einfach: Die Erde ist zwischen 6 000 und maximal 10 000 Jahre alt. Grundlage dieser Theorie ist, daß nicht die Evolution bei der Erschaffung der Arten ihre Hand im Spiel hatte, sondern federführend und letztendlich alleinverantwortlich war eine allmächtige und überdimensionale Hand einer allwissenden Macht. Zumindest wenn Sie, wie gesagt, ich halte es da eher mit Darwin und den meisten Anthropologen, Geologen, Paläontologen und anderen Geowissenschaftlern, den Theorien des aus dem amerikanischen Raum entstandenen Kreationismus oder auch Intelligent Design (siehe dazu z.B. Thomas Waschke Thesen zu Intelligent Design (ID) anhängen. Die Hardliner unter den Kreationisten, die Kurzzeit-Kreationisten (zur Unterscheidung der verschiedenen Ansätze kreationistischen Denkens siehe z.B. Die Skeptiker Kreationismus), vertreten unbeirrbar den Standpunkt, das Buch Genesis, welches die Erschaffung der Welt durch einen intelligenten Designer, eben Gott, beschreibt, reiche für sämtliche Erklärungsversuche aus und könne demnach auch nicht irren.

Kurzzeit-Kreationismus bedeutet die Leugnung sämtlicher wissenschaftlicher Erkenntnisse, manche sprechen sogar von vorsätzlicher Fälschung der naturwissenschaftlichen Befunde. Wo sich Paläontologen und andere Wissenschaftler einig sind, nämlich daߠdie Erde vor ca. 4,5 Milliarden Jahren entstanden ist, sprechen die Kreationisten von einem Alter von ca. 6 000 bis 10 000 Jahren. Ist die Entstehung unseres Planeten ein Produkt eines, mehrerer oder wahrscheinlich einer Abfolge vieler Zufälle, begründen dies die Kreationisten mit jenem einen Gott, welcher die Erde innerhalb von sieben Tagen erschaffen hat. Sahen Darwin und seine Nachfolger in der Entwicklung der Tiere, Pflanzen und schließlich des Menschen einen Prozess natürlicher Auslese, Selektion und vieler Mutationen, von denen sich nur die lebensfähigsten Arten durchsetzen konnten, erkennt der Kreationismus nur Gott als Schöpfer und Erschaffer allen Lebens an.

Hierbei sei am Rande noch bemerkt, daß der vielfach zitierte und oft gebräuchliche Begriff des „Survival of the Fittest“, also jene Lebewesen werden überleben, welche am besten an ihre Umweltbedingungen angepasst sind, nicht von Darwin geprägt wurde, sondern vom Sozialphilosophen Herbert Spencer. Spencer bezog sich dabei auf den Wettbewerb zwischen Individuen innerhalb einer Gesellschschaft, d.h jene Menschen werden zu den Gewinnern zählen, welche sich am besten an die Gegebenheiten ihrer gesellschaftlichen Umwelt anpassen können und auch dementsprechend auf Veränderungen reagieren können (hierzu z.B. Michael Beetz Herbert Spencer und der Evolutionsdiskurs).

Während also die verschiedenen Forschungsbereiche Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche, Meteoriteneinschläge, den Kontinentaldrift als mitverantwortliche Ursache für früheren Klimawandel und damit begründete Eiszeiten und viele weitere Faktoren dafür verantwortlich machen, daß sich das Leben auf der Erde immer wieder neu anpassen musste, sagen die Kreationisten schlicht und einfach, die Sintflut hat alles Leben ausgelöscht und einzig und allein der liebe gute Noah von Gottes Gnaden mit seiner lieben Frau und seinen drei Söhnen, welche alle ebenfalls gnädig vom Master of Desaster verschont blieben, und seine Arche hat uns vor dem Desaster des Aussterbens bewahrt.

6000 Jahre Erdgeschichte sind genug

Da jedoch auch die kreationistischen Anhänger die Zeichen der Zeit erkannt haben, und mögen diese auch nur 6 000 Jahre alt sein, bedienen sie sich des Internets, um ihre Thesen einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Was für den Informationssuchenden Wikipedia, ist für den Kreationisten Conservapedia und CreationWiki. Wenn Sie etwa der irrigen Meinung sind, ich muߠallerdings gestehen, ich bin und bleibe es, daß Dinosaurier vor zig Millionen Jahren die Erde bevölkerten, lassen Sie sich auf CreationWiki Dinosaur eines Besseren belehren. Kreationisten berufen sich dabei auf das bereits erwähnte Buch Genesis 1 und liefern die passende Erklärung gleich nach. Dinosaurier lebten in trauter Eintracht mit uns Menschen und vielleicht leben sie ja immer noch irgendwo gut versteckt auf irgend einer unbekannten oder noch nicht erforschten Insel, wahrscheinlich gut behütet von King Kong und Godzilla. Aber Fakt ist, zumindest wenn es nach den Kreationisten geht, die Dinosaurier lebten zeitgleich mit Adam und Eva und erst die Sintflut machte ihrem paradiesischen Leben einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Warum? Dinosaurier waren einfach zu groß, als daß sie Platz auf der Arche Noah gehabt hätten. Aber Funde von Dinosaurierknochen, welche noch nicht versteinert sind, können diese These eindeutig beweisen. Und wer jetzt noch gewillt ist, zu erfahren, woher die Kängurus kommen und was eigentlich wichtiger ist, von wem die hüpfenden australischen Beuteltiere denn abstammen, dem empfehle ich den Spiegel Online Artikel Das Lexikon des Herrn.

Doch nicht genug damit. Kreationismus scheint doch etwas mit der anfangs in Frage gestellten Kreativität zu tun haben. Den Siegeszug der Kreationisten unterstützend begleiten soll ein Museum mit dem wohklingenden Namen Creation Museum. Was gibt es dort zu entdecken? Natürlich Adam und Eva! Als elektronische Puppen natürlich. Aber wer tiefgreifende und fundierte Erkenntnisse über 6 000 Jahre Erd- und vor allem bibeltreue Menschheitsgeschichte erlangen möchte, für den sind die 21,95 Dollar für Erwachsene und 11,95 Dollar für Kinder bis zwölf Jahre (Stand 01/2010) sicherlich eine lohnende Investition. Zumindest in dieser Beziehung haben die Kreationisten den Grundsatz „Survival of the Fittest“ bestens verstanden und vor allem auch beherzigt.

Eine mehr als amüsante Geschichte zum Thema Kreationismus habe ich unter dem Titel „Die Schöpfungsgeschichte als Grundpfeiler unseres Glaubens  von Prof. Dr. PC. FC. Karel Juschegin“ (alleine der wissenschaftliche Titel!) gefunden.

Update 06.01.2013: Der Link zur Originalquelle besteht nicht mehr: Deshalb bitte: „Die Schöpfungsgeschichte als Grundpfeiler unseres Glaubens„.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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