Bio Natur - Der Weblog

16.12.2009

Riga - Metropole Lettlands

Abgelegt unter: Reisen — Paul Boegle @ 23:29

Stilles Baltikum abseits des Weihnachtstrubels

Was treibt zwei Menschen dazu, in diesem Falle meine Frau und mich, Mitte Dezember 2009 die lettische Hauptstadt Riga zu besuchen ? Diese Frage läßt sich nur sehr schWeihnachtsmarkt am Domplatz in Rigawer beantworten. Wer allerdings irgendwann einmal auf unseren Pfaden wandelt oder schon vor uns seine vergänglichen Spurenin im Kopfsteinpflaster von Riga hinterlassen hat,Beischlag vor dem rechten Haus der Drei Brüder wird spätestens dann verstehen bzw. schon verstanden haben, warum Riga ein Juwel im Baltikum ist und für Städtereisende schlichtweg ein Muß ist.

Was eigentlich für alle Städte zutrifft, hat für Riga seine besondere Gültigkeit: Erst zu Fuß lernt man eine Stadt, ihre Architektur, ihre verborgenen Winkel, ihre Schönheiten abseits der Massenströme erst richtig kennen. Wer eine Stadt bequem mit einem dieser oben offenen Doppeldeckerbusse erkunden möchte, viele Metropolen wie unser schönes Wien, das quirlige Rom oder das unüberschaubare London bieten diese Möglichkeit, ist in Riga mit Sicherheit fehl am Platze. Selbstverständlich werden auch diese Wünsche in Riga gestillt, aber die wirklichen SeJugendstil Rigahenswürdigkeiten sind zum Glück nur mit den eigenen Füßen in der von Autos weitgehend verschonten Altstadt (Vecriga) zu erforschen.

Die meisten Besucher werden so wie wir auf dem Luftweg in die lettische Hauptstadt gelangen. Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic bietet oftmals sehr günstige Flüge an, welche sich mit einem Hotelzimmer kombinieren lassen. Darüberhinaus stellt die lettische Fluglinie seit Oktober 2009 einen eigenen Taxiservice zur Verfügung, zu erkennen an den hellgrünen Fahrzeugen. Dies ist insofern notwendig geworden, da sich die Beschwerden über betrügJugendstil Rigaerische Taxiunternehmen bzw. nicht lizensierte Taxis häufen. Ein guter Tipp: Wer nicht mit dem Autobus Nr. 22, welcher direkt vor dem Flughafengebäude fährt und bis zum zentralen Autobusbahnhof in der Innenstadt fahren will, sondern seine Reise vom Flughafen in die Innenstadt sicher per Taxi fortsetzen möchte, sollte sich bereits im Flugzeug einen Voucher für die grünen Taxis kaufen. Im Dezember 2009, als wir Riga besuchten, kostete dieser Voucher neun Lats (1 Lat = ca. 1,40 Euro) und berechtigt zu einer Fahrt zu einem festgesetzten Fixpreis vom Flughafen zu einem selbst gewählten Ziel innerhalb der Stadtgrenzen. Da die Voucher in unserem Falle im Flugzeug nicht mehr erhältlich waren, wurden wir von der Stewardess an die Ausgabestelle im Flughafengebäude verwiesen. Eine junge Dame in perfektem Englisch hatte innerhalb kürzester Zeit ebenfalls die Rückreise vom Hotel zum Flughafen für uns geregelt, d.h am Abreisetag stand 20 Minuten vor der gewünschten Uhrzeit ebenfalls wieder eines dieser grünen Taxis vor dem Hotel. Selbstverständlich ist die Fahrt mit dem öffentlichen Bus um einiges billiger, wer aber nach einer anstrengenden Reise als OJugendstil Rigartsunkundiger in einer fremden Stadt schnell und zuverlässig zum gewünschten Reiseziel kommen möchte, sollte diese Alternative auf alle Fälle in Erwägung ziehen. Darüberhinaus darf man auch nicht vergessen, daß das bereits erwähnte Kopfsteinpflaster mit einem Koffer oder einer Reisetasche kein besonderes Vergnügen ist.

Wann Lettland nun wirklich den Euro einführen wird, kann, so habe zumindest ich das Gefühl, noch niemand wirklich vorhersagen. Wir haben uns auf unserer Reise nach Riga deshalb entschieden, Bargeld erst vor Ort nach Bedarf zu wechseln. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten, da die Wechselstuben wesentlich ungünstigere Kurse haben als der festgeschriebene Wechselkurs von 1 Euro = 0,7 Lat (Stand Dezember 2009) und leider gilt auch hier, was für viele Taxis gilt: Vor Betrug ist man nicht gefeiht. Geldautomaten gibt es aber bereits bei der Ankunft am Flughafen sowie im Kaufhaus “Stockmann” und im in der Innenstadt gelegenen “Galerijas Centrs”. Die gängigen Kreditkarten werden darüberhinaus in vielen Hotels ebenfalls akzeptiert.Jugendstil Riga

Das soll es aber nun mit den unerfreulichen Dingen gewesen sein, ganz abgesehen davon, daß jede Großstadt heutzutage mit diesem Problemen zu kämpfen hat, Riga ist hier weder Ausnahme noch Regel. Denn eines darf ich hier sagen: Meine Frau und ich haben uns zu jeder Zeit in dieser schönen Stadt vollkommen sicher gefühlt. Und da kommen wir auch schon zum Hauptgrund, warum Riga auf alle Fälle eine Reise wert ist. Wer schon einmal in Prag war und diese wunderbare Stadt mit all ihren verwinkelten Gassen mag, wird Riga ganz einfach lieben. Und für all jene, die sich dem Jugendstil verschrieben haben oder etwas über diese kurze Epoche der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert lernen und erfahren möchten, muß einfach Riga besuchen. Budapest ist für seine Jugendstilbauten bekannt, unser Wien hat den Jugendstil sozusagen erfunden und verinnerlicht, aber soviel geballte Architektur wie in Riga war sogar mir bis dato unbekannt. Wen schon die Innenstadt mit all ihren Jugendstilhäusern an vielen Ecken, Enden und Kreuzungen der kleinen Gassen begeistert, dem wird in der Elisabeths iela (Straße) die Luft wegbleiben und wer dann in die Alberts iela, benannt nach dem Gründer von Riga, kommt, der muß wahrscheinlich so wie ich vom Asphalt getragen werden.

Jugendstil RigaAllegorische Gestalten, goldene Ornamente des Neoklassizismus, Pflanzendekore, Maskaronen, hybride Formen, Reliefgestalten mit Skulpturen der altgriechischen Mythologie, Sonnen, Pfauen, Pflanzen, erstaunte Gesichter, Giebel mit wachehaltenden Hunden. Es ist unbeschreiblich, was es hier zu entdecken und zu bestaunen gibt. Hier gleich der nächste Tipp: Wer sich intensiv mit Riga selbst beschäftigen möchte, also der Altstadt und der angrenzenden Neustadt, in der sich die eben beschriebenen Jugendstilbauten befinden, ist auf keine öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Riga kann in gemütlichen Spaziergängen und ohne große Anstrengungen erkundet werden, aus meiner Sicht ist es sogar wenig hilfreich, sich innerhalb der Stadt mit Bus oder Straßenbahn fortzubewegen, da eben die meisten Sehenswürdigkeiten nur per pedes zugänglich sind.
Da wir Riga im Winter besucht haben, war eine Bootsfahrt auf dJugendstil Rigaer Daugava (Düna), jenem Strom, der durch Riga fließt, nicht möglich. Wir haben zwar im Touristikbüro, welches sich gleich neben dem Schwarzhäupterhaus am Rathausplatz (Rātslaukums) befindet, nachgefragt, aber scheinbar war der Dezember dann doch nicht der geeignete Zeitpunkt für eine Bootsfahrt auf der Daugava. Zumindest schwankten die Blicke, welche uns zugeworfen wurden, zwischen Mitleid und ungläubigem Staunen, aber nun gut, wir haben es zumindest probiert. Trotzdem ist das Touristikbüro eine gute Anlaufstelle, um sich über besondere Aktivitäten und Veranstaltungen in Riga zu erkundigen.
Wer in Riga verhungert und verdurstet, ist selbst schuld. Kaffeehäuser wechseln sich mit Restaurants ab, Schnellimbissketten mit weiteren Kaffeehäusern. Allerdings gilt auch hier, was für die meisten Konsumtempel gilt: Rauchen verboten. Wer trotzdem nicht auf Zentralmarkt Centrāltirgus Rigadie Zigarette zum Kaffee oder nach dem Essen verzichten möchte, geht ins ”Alus Seta” in die Tirgonu iela Nr.6 gleich hinter dem Rathaus. Es handelt sich zwar um ein Selbstbedienungsrestaurant, aber erstens sind die Preise sehr touristenfreundlich und zum zweiten erinnert das Ambiente bei weitem nicht an eine amerikanische Fast-food-Kette, die rustikalen Vollholzmöbel bieten eine gemütliche Atmosphäre gerade in den kalten Wintermonaten. Und wer es komplett rauchfrei haben und trotzdem seinen Kaffee oder Tee zu einem erschwinglichen Preis trinken möchte, von den Mehlspeisen, Kuchen und Torten fange ich jetzt lieber gar nicht an, der geht gleich rechts neben dem “Alus Seta” in die Bäckerei, deren Namen ich mir leider nicht aufgeschrieben habe. Und falls Sie sich einmal von der jungen wilden lettischen Küche überzeugen wollen, das ”Domini Canes” in der Skārņu iela Nr. 20 neben der St. Johanniskirche bietet internationale Küche auf hohem Niveau, aber zu wesentlich günstigeren Preisen als in unseren westlichen Metropolen. Die Gerichte sind überaus liebevoll dekoriert, das Gemüse auf den Punkt gegart und die Rippchen waren perfekt, genußvolles Essen in einer bezaubernden aus neun Tischchen begrenzten intimen Atmosphäre.
Wer sich lieber selbst versorgt oder ganz einfach dem Markttreiben hingeben möchte oder auf der Suche nach dem einen oder anderen Schnäppchen ist, muß auf den Centrāltirgus. Der Zentralmarkt Rigas mit seinen fünf Schwarzhäupterhaus Rathausplatz Rigariesigen Zeppelinhallen bietet wirklich alles, was der Lette tagtäglich braucht. Besonders die Fischspezialitäten in einer der Hallen hatten es uns angetan, aber auch außerhalb der Hallen findet man einfach alles in fast unüberschaubarer Auswahl und Menge, wovon der (westliche) Besucher träumt.

Es gäbe nun noch so vieles zu Riga zu sagen. Angefangen vom Schloss, welches nun den lettischen Präsidenten beherbergt und in welchem mehrere Museen untergebracht sind über das KatzenhauImpressionen aus Riga: Kerze und Kürbiss und die kleine und große Gilde am Livenplatz (Līvu laukums) bis zum Mariendom mit seiner weltberühmten Orgel und den verschiedenen Baustilen, einer Mischung aus romanischen Bauelemente mit gotischen, barocken (Turmspitze) und sogar dem Jugendstil. Pulverturm, Schwedentor, die drei Brüder, das schon erwähnte Schwarzhäupterhaus und immer wieder verwinkelte kleine Gassen mit immer wieder Neuem. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, daß die Beschreibungen Dritter niemals adäquater Ersatz für eigenes Erleben und Empfinden ist. Ich habe deshalb auch viele Dinge in diesem Kurzbericht über Riga, teils bewusst, teils aus Vergesslichkeit, außer Acht Katzenhaus am Livenplatz in Rigagelassen. Er soll deshalb auch nur dazu dienen, sich doch über Reiseziele zu informieren und animieren zu lassen, welche sich abseits von Hurghada und Rimini befinden.

 

Wir haben Riga heuer im Dezember besucht, es war eiskalt, es war teilweise außer kalt nur noch kalt und es war dann noch saukalt. Aber der Adventsmarkt am Domplatz hat uns für alles entschädigt, die Beschaulichkeit dieser 700 000 Einwohner zählenden Hauptstadt Lettlands lädt ein, abseitsImpressionen Riga: Christbaumkugel am Domplatz der lärmenden Großstädte einmal so richtig Adventsstimmung aufkommen zu lassen. Und daß ich mir bei unseren Exkursionen neun Finger beim Fotografieren fast abgefroren habe, der ZeigGeschnitzte Holzkanzel im Mariendom Rigaefinger meiner rechten Hand klebt jetzt noch am Auslöser meiner Kamera, naja, kann passieren. Aber meine Frau und ich wussten selbstverständlich, welche Temperaturen um diese Jahreszeit in Lettland herrschen. Und wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung !

 

10.12.2009

Riga und Raben(eltern)

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 23:33

So, meine lieben LeserInnen, es ist so weit ! Ich darf mich nun für die nächsten sechs Tage von Ihnen verabschieden, da ich mit der allerbesten Ehefrau, die meisten werden sie bereits als die mir angetraute und anvertraute Gabi und somit eine der bemitleidenswertesten Personen der gesamten Michstrasse kennen, die lettische Hauptstadt Riga ansteuern werde. Da die liebe Tochter, ja sie muß zuhause bleiben, nein wir sind keine Rabeneltern, meinen Blog allerdings nicht weiterführen wird, werden Sie dementsprechend die nächsten Tage nicht viel Neues erspähen.

Bevor ich es nun vergesse, noch einmal zurück zu den bereits angesprochenen Raben bzw. Rabeneltern. Wenn wir von Rabeneltern sprechen, assoziieren wir unweigerlich schlechte Eltern, die sich schlecht und vollkommen unzureichend um den eigenen Nachwuchs, sprich die eigenen Kinder, kümmern. So, jetzt muß endlich einmal Schluß mit diesem Blödsinn sein, eine ganze Vogelart kommt hier seit langer Zeit völlig zu Unrecht in Verruf und Mißkredit.

Raben zeichnen sich durch ein hervorragendes Sozialverhalten aus, die Jungtiere werden selbst Wochen nach Verlassen des Nestes noch von ihren Rabeneltern, dies jetzt bitte wortwörtlich, noch durchgefüttert und vor Feinden gewarnt. Aber eben diese gemachte Beobachtung war es, die uns Menschen zu dem Trugschluss verleitete, Raben seien schlechte Eltern. Obwohl oftmals noch nicht flügge, verlassen die Jungtiere bereits das eigene Nest, es ist wie bei den Menschenkindern, sie wissen einfach alles besser. Naja, und dann sitzen sie eben da, scheinbar einsam und verlassen auf dem Waldboden, fern der Nestheimat, aber doch immer unter den wachsamen Blicken der stets besorgten Rabeneltern. Der einzige, der wieder einmal glaubt, die kleinen Nesthocker wären vorzeitig aus dem heimatlichen Nest geworfen worden, ist der Mensch. (siehe auch Rabenmutter).

Eine weitere interessante These in Verbindung mit dem schönen Sprichwort “Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus”, d.h. woher dieses Sprichwort stammt, läßt sich womöglich auch mit dem schon angesprochenen Sozialverhalten der Raben erklären. Ausgeprägte soziale Kontakte im Tierreich äußern sich vielfach in der Vorliebe, sich gegenseitig zu reinigen und sich dadurch von Mitessern und quälenden Parasiten zu befreien. Dieses Verhalten ist gerade bei den Raben sehr gut zu beobachten, wobei sie sich mit ihren dolchähnlichen Schnäbeln gerade im Augenbereich gerne gegenseitig putzen. Und dies tun die Raben mit soviel Vorsicht, daß sie sich gegenseitig nicht verletzen, ” die Krähen hacken sich also niemals die Augen aus”.

Doch abgesehen von diesem Sozialverhalten stellen Wissenschaftler wie Louis Lefebvre von der McGill-Universität in Montreal den Raben und Krähen ein ganz besonderes Zeugnis aus: Die Geier grübeln schon, nein, nicht wo denn nun der nächste Kadaver liegt, sondern wie sich Frischfleisch zu solchen verarbeiten läßt. Wer bisher der Meinung war, nur Menschen und unsere nächsten Verwandten, die Primaten, können mit Werkzeug umgehen und sich sogar eigene Werkzeuge anfertigen, muß sich nun eines Besseren belehren lassen. Und die japanischen Rabenkrähen haben diese Fertigkeit gar zur Kunst erhoben, sie haben sich ihren eigenen Drive-in für Walnüsse geschaffen. Denn das Problem der Rabenkrähe ist folgendes: Sie haben Walnüsse zwar zum Fressen gern, aber ihr Schnabel ist nicht als Nussknacker geeignet. Was also tun ? 

Auf nahegelegenen Hausdächern oder anderen Plätzen warten sie die Rotphasen der Ampeln ab. Stehen die Autos dann, plaziert dieser Einstein unter den Vögeln die Walnüsse vor den Autoreifen der stehenden Autos, wartet ab, bis die Fussgänger die Zebrastreifen überquert haben und die Autos bei Grün über die Nüsse fahren und sie knacken. Misslingt der Versuch, nun dann heißt es eben warten bis zum nächsten Auto, aber auch auf Japans Strassen bedeutet dies kein langes Warten.

Und da Raben und andere intelligente Vögel auch noch andere Gelüste haben als sich nur der langweiligen Tätigkeit der Nahrungsaufnahme hinzugeben, brauchen auch diese Lebewesen ab und zu einen besonderen Kick. So wie wir Fallschirmspringen oder tauchen, holen sich manche dieser gefiederten Artgenossen ebenfalls ihren ganz speziellen Kick. Das folgende Bild, welches ich auf dem Birdwatcher Weblog gefunden habe, könnte durchaus als Vogel auf bzw. unter dem Drahtseil durchgehen, allerdings ohne Netz, doppelten Boden und vor allem ohne Stuntman. 

Ein Vogel am Drahtseil

       Quelle: Birdwatcher Weblog, gesehen unter http://www.surfbirds.com/blogs/asptec/archives/003217.html

So, da ich im Moment noch nicht viel über Riga zu berichten weiß, möchte ich zumindest abschließend all diejenigen grüßen, die irgendwann einmal zu Unrecht als Rabenmutter, Rabenvater oder als Rabeneltern tituliert wurden. Und sollte Ihnen diese Namensgebung zu einem späteren Zeitpunkt einmal widerfahren, bedanken Sie sich artig und höflich, nehmen Sie es als stillschweigendes Kompliment und verweisen Sie doch auf diese hochintelligenten, in ihrer Lebensweise sehr flexiblen und vollkommen unterschätzten, schwarzen und gefiederten Gesellen des Vogelreiches. Nicht umsonst bediente sich schon der einäugige Odin, der germanische Göttervater, auch als Rabengott bezeichnet, der beiden Raben Hugin (Der ”Gedanke”) und Munin (Die “Erinnerung”), die ihm all das zuflüsterten und zutrugen, was sie auf ihren Streifzügen durch die Welt erblickten und hörten.

Wer sich nun noch etwas mit dem Raben beschäftigen will, die folgenden Links zum Thema Rabe könnten ganz hilfreich sein. Und über Riga sprechen wir dann, wenn ich wieder zurück bin.

Tierisch intelligent: Krähen sind erfindungsreiche Werkzeugnutzer, Die Raven Homepage, Das Ei war sein Schicksal

Bis dahin grüßt Sie der Rabenvater Paul Bögle

       

Schweinegrippe - es gibt (oft) Schlimmeres

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 08:52

Eines vorab: Wer diesen Artikel mit der Erwartungshaltung durchliest, daß er im folgenden ernsthafte und hilfreiche Tipps und Tricks bekommt, wie dieses neue Phänomen Schweinegrippe oder auch H1N1, wie der (ein)gebildete Hypochonder wie ich sagt, bekämpft oder gelindert werden kann, den muß ich gleich einmal einbremsen. Der sich an dieses Statement anschließende Text beinhaltet nichts wirklich Sinnvolles zum Thema Schweinegrippe geschweige denn liefere ich probate und erprobte Mittel, dem H1N1-Virus seinen Schrecken zu nehmen. Aber da ich im Moment keine passenden Artikel auf Lager habe, muß ich auf das bewährte Mittel der nichtssagenden Unterhaltung zurückgreifen, denn letztendlich bin ich durch die Führung dieses Blogs verpflichet, Ihnen als virtueller Gladiator virtuelles Brot und virtuelle Spiele in einer virtuellen Welt zu liefern. Wer mich dementsprechend nachher virtuell zerfleischen möchte, nun gut, wie sie gleich sehen werden, gehöre ich sowieso schon zu den virtuell Todgeweihten und grüße Sie mit “Ave, Besucher, morituri te salutant“. 

So, ich habe beschlossen, meinen Teil beizutragen, die Massenhysterie mit dem wunderschönen Namen Schweinegrippe noch etwas zu schüren. Wer nun glaubt, ich sei ein böser, alter, verbitterter, vom Leben benachteiligter, dem Zynismus verfallener, missgünstiger, neidischer, ewig unzufriedener, unglücklicher, gewalttätiger, aggressiver, abscheulicher, arroganter, selbstmitleidiger antrophober Misanthrop, ja dem kann ich nur selbstgefällig zustimmen. Ich bin quasi ein Prachtexemplar der Gattung Mensch und deshalb bin ich ganz angetan vom H1N1-Virus. Wenn da nur nicht dieses klitzekleine Problem meiner Hypochondrie wäre.

Und das bringt mich ohne Umschweife auf die Schweinegrippe. Als gesunder Hypochonder und vom Schweinegrippe-Virus nicht Befallener bin ich im Moment tief traurig, zu tiefst betroffen, abgrundtief enttäuscht und tiefgreifend erschüttert. Sehen Sie, es ist so mit uns Hypochondern ! Wir haben einfach alles, aber eigentlich haben wir nichts. Und so etwas kann einen vollkommen fertig machen. Alleine die Tatsache, daß ich diese schöne Schweinegrippe nicht habe, hat mir zwar eine wunderschöne neue Depression gebracht, wenn ich richtig rechne, bereits die siebzehnte dieses Jahr, sozusagen ein Royal Flush mit einem Full House für Krankenkassen-Patienten, aber ich habe eben nicht das bekommen, was einige andere haben. Wir bemitleidenswerten Unkranken, sozusagen ein Vorstadium der Untoten, haben das Problem, daß wir am liebsten das wollen, was andere bereits haben, die dieses aber überhaupt nicht wollen.

Ich gehe jeden Tag (wir haben Dezember) freiwillig mit unserer Katze in kurzen Hosen und nur mit einem T-Shirt bekleidet Gassi, in Ermangelung eines Hundes muß eben die in Ehren ergraute Minou dran glauben. Ich als bisher überzeugter Glatzenträger lasse mir jetzt wieder die Haare wachsen, so eine richtig schöne Fönfrisur aus den 80ern, damit ich dann ausgiebig duschen kann, um mich anschließend mit nassen Haaren auf die Terrasse zu setzen und wolllüstig und voller Inbrunst zu den Erzengeln, insbesondere zum Heiligen Michael und zum noch heiligeren Raphael, den beiden Schutzpatronen der Kranken, zu beten: “Schmeißt Schüttelfrost vom Himmel !” Doch je nasser die Haare, desto nasser die Zündhütchen der beiden Patronen, sprich es tut sich nichts. Kein Schüttelfrost, kein Schüttelfrösteln, nicht einmal ein leises Zähneklappern will sich einstellen.

Ich weigere mich standhaft, mich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. Ich steige jeden Tag in das hinterste Abteil der Schnellbahn, schüttle jedem die Hand, bis ich im vordersten Abteil angekommen bin. Dann steige ich aus, warte auf den Gegenzug und fange mit dem ganzen Procedere wieder von vorne an. Wenn ich dusche, bin ich sorgsam darauf bedacht, daß die Hände nicht nass werden, damit ich die kleinen, aber feinen Bazillen nicht aus Versehen in die Kanalisation runterspüle. Ich habe mir, eine ideale Zeit vor Weihnachten, meinen gesamten Jahresurlaub genommen und besuche Tag für Tag unser größtes Shopping-Zentrum, falle dort den Security-Männern wortlos um den Hals und versuche, mich an ihnen ausgiebig zu reiben. Meine Frau und meine Tochter gehen seither übrigens immer in andere Konsumtempel. Wenn die Einkaufszentren schließen, küsse ich zum Abschluß sämtliche Reinigungsdamen, rieche voller Wonne an ihren Latex-Handschuhen, mit denen sie gerade die Toiletten gereinigt haben, küsse bedächtig all die Mistsackerln, aus denen mich verheissungsvoll Hunderte angerotzter Taschentücher anblicken und mir zurufen: “Nimm mich!”  

Vor vier Tagen kam mir eine weitere, eine geradezu grandiose Idee. Ich habe das gemeinsame Schlafzimmer verlassen, bin in unser Wohnzimmer übersiedelt, denn dort brauche ich nicht zu lüften, das kann ich beim besten Willen meinen körpereigenen Haustieren nicht zumuten. Ich habe gelesen, daß die Zahl der Viren in geschlossenen Räumen rapide ansteigen kann und seit gestern habe ich das Gefühl, das könnte stimmen, zumindest hat sich der Geruch im Wohnzimmer merklich verändert, und ich darf sagen, nicht zu unser aller Nachteil. Ich lebe glücklich und zufrieden in meiner neuen Wohngemeinschaft, gemeinsam und eng umschlungen schauen wir uns abends Doktor Schiwago an, wir fiebern, nein das tun wir leider nicht, mit Krankenstein und bewundern in George Orwell´s Farm der Tiere die Schweine als Namensgeber für die sehnlichst herbeigesehnte Grippe selben Namens.

Gestern, als ich wieder auf verzweifelter Suche nach lohnenden Bazillenherden war, stach mir eine große Gruppe kleiner Japaner in mein geübtes und getrübtes Hypochonder-Auge. Alle trugen sie diese entzückenden Gesichtsmasken, Sie wissen schon, so eine wie Michael Jackson sie trug, bevor die Trompeten von Jericho seine persönliche schwarz-weiß gemischte Stadtmauer zum Einsturz brachten. Also, ich setzte meine wichtigste Beamtenmiene auf, sozusagen eine gute Miene, bitte nicht mit Gutemine, der Frau von Majestix verwechseln, pirschte mich an die Fernost-Virenfront heran, zeigte kurz meinen Bibliotheksausweis und bat unmißverständlich um alle Masken.

Ich entwaffnete sozusagen als Ein-Mann-Hypochoner-Armee ein komplettes Viren-Bataillon, ich darf mich von nun an mit Fug und Recht Bakterien-Rambo, Kleinstlebewesen-Rocky, Mikroorganismen-Terminator oder sogar Supernova des Pilzbefalls nennen. Wo ich huste, wächst keine Milbe. Wo ich liege, fällt jede Bettwanze. Wo ich stehe, kniet jede Filzlaus.

Aber ich bin noch lange nicht fertig. Meinen Hausarzt habe ich wegen grober Fahrlässigkeit angezeigt, eine Petition an unseren Bundeskanzler ist unterwegs, unser komplettes Gesundheitsministerium wegen Unfähigkeit des Amtes zu entheben, ich klage sämtliche Desinfektionsmittel-Hersteller auf Milliardenentschädigungen. Aber nicht daß Sie jetzt glauben, diese Summen behalte ich für mich. Nein, mein perfider und ins kleinste Detail ausgearbeitete Plan sieht vor, daß ich dieses Geld in eine von mir gegründete Forschungsgruppe stecke, welche sich auf die Verbreitung neuer Krankheiten spezialisiert. Ich werde sämtliche Gläser abschaffen, die Menschheit wird in Zukunft nur noch aus einem einzigen Glas trinken. Es wird nur noch zwei Alternativen geben: Entweder Sie niessen Ihrem Sitznachbarn direkt ins Gesicht oder, wenn Sie mit vorgehaltener Hand niessen, haben Sie diese unverzüglich mindesten zwei in unmittelbarer Reichweite befindlichen Personen zu geben.

Nun, und was ist die Moral dieser Geschichte ? Liebe Leser, es gibt genug Menschen, welche mit wesentlich größeren und beträchtlich härteren Schicksalsschlägen konfrontiert sind als es sich die meisten von uns vorstellen können. Ich habe diesen Artikel geschrieben, weil ich solch einen Menschen kenne, der sich mit seinem Schicksal bereits abgefunden hat, abfinden musste. Und ich wünsche deshalb ihm, stellvertretend für all diese anderen Menschen, welche den Tod im wahrsten Sinne schon vor Augen haben, friedliche Tage, Wochen oder vielleicht sogar Monate. Es war schön, daß ich Dich kennenlernen durfte. Mach´s gut !       


9.12.2009

Codex gigas - Teufelsbibel

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 03:40

Jetzt bin ich wirklich nahe dran, dem Teufel meine arme Seele zu verkaufen. Ich habe kürzlich einen Bericht gesehen, fragen Sie jetzt bitte nicht wo, auf alle Fälle im Fernsehen, aber mehr weiß ich schon nicht mehr, da dieses Instrument wollüstiger Verdummung und gemeinschaftlicher Verblödung in vielen Fällen mir nur dazu dient, mir das Gefühl zu geben, daß sich jemand mit mir unterhalten möchte. Ich benutze diesen Nachfolger der Braunschen Röhre, bei genauerer Betrachtung nutzen die heutigen Flachbildfernseher natürlich ganz andere Techniken als eben diese alten Röhrenfernseher, aber ich bin eben Nostalgiker, was soll´s !

Also ich nutze diese neuesten Als-die-Bilder-uns-das-Kaufen-lernten-High-Tech-Apparaturen sozusagen als Substitution für fehlende soziale Bindungen und Ausgleich kommunikativer Fehlfarben. Sie werden jetzt berechtigterweise den Einwand vorbringen: “Aber das tun doch alle Menschen, besonders am 24. und 25. Dezember, wenn alle im engsten Familienkreis und in trauter Zwietracht gemeinsam vor dem TV sitzen, selbstverständlich nach Darbietung der Sangeskunst der kompletten A bis Zett Familie, welche sich allerdings meist auf den berühmten Zweizeiler ”Stille Nacht, heilige Nacht”, weiter weiß ich selbst nicht, beschränkt. Aber es ist nun einmal wie es ist, meist sind diese Nächte weder heilig und schon gar nicht still und überhaupt sind nachts alle Katzen grau. Deshalb gilt, was schon damals, so etwa vor 2000 Jahren, in jenem ominösen Stall in Bethlehem galt: Je größer der Stall, desto mehr Rindviecher haben darin Platz. Übertragen auf unsere heutige Zeit, speziell die Weihnachtszeit: Je größer der LCD-Fernseher, um so mehr zerstrittene Familienmitglieder. Fragen Sie nun bitte nicht, woher ich all dies so genau weiß, ich weiß es ganz einfach. Wir haben übrigens einen wunderschönen LCD-Fernseher zuhause. Und was für eine große Bilddiagonale der hat, phänomenal, überhaupt so um den 24. Dezember.  

Apropos TV ! Was für ein Schwachsinnswort, welch Nonsens, das Wort alleine ist hier Programm, auch wieder so eine Doppeldeutigkeit, aber sehen Sie selbst, schon wieder solch eine Spitzfindigkeit. Zerlegen wir auf die Schnelle doch dieses Wort, welches uns allabendlich, viele Menschen auch alltäglich und man höre und staune, sogar allmorgendlich und allnächtlich, kurz gesagt rund um die Uhr, begleitet. Bitte sagen Sie jetzt nicht, ich urteile zu streng. Die Befürworter dieser Televisions-Maschinen, jetzt habe ich die Zerlegung von TV schon vorweggenommen, eigentlich sollte dies eine Überraschung werden, aber ich war schon immer für meine vorschnellen geistigen Ejakulationen bekannt, also die Pro-TV-Fraktion, eigentlich eher die Mehrheitsregierung mit Tendenzen zum Absolutismus mit dem Fernseher als Souverän, welcher mit sämtlichen Familiengeschäften betraut ist, wird mir entgegnen, Fernsehen ist nichts anderes als ein wunderschönes großes und friedliches Pfadfindertreffen. Alle versammeln sich vor einem wunderschönen großen und friedlichen Lagerfeuer namens LCD-Fernseher, halten ihre Würstchen, wir sprechen in diesem speziellen Fall vom Konsumentengehirn, in diese wunderschöne große und friedliche Flamme mit der Bezeichnung “Auswandern für Analphabeten”, “In 17 Tagen zu Körbchengröße 120 F”, “Hilfe, meine Hoden sind behaart, Frau Holle hilft beim Schütteln” und warten, bis alles schön gegrillt ist. Sie haben recht, das Fernsehen macht einen butterweich, vom Hirn bis zur Hirnanhangdrüse, Sie wissen schon, die Hypophyse, jenes lästige Anhängsel, welches mit dem Hirn oder dem, was in unserer Zivilisation als solches bezeichnet wird, durch den Hypophysenstiel mit demselben verbunden ist und von dem die Mediziner doch tatsächlich behaupten, daß es andere Körperdrüsen zur Hormonbildung anregen soll. Ich für meinen Teil muß allerdings gestehen, daß bei mir hauptsächlich die Tränendrüsen ob der meisten dieser Fernsehsendungen stimuliert werden, diese allerdings reichlich.

Aber was wollte ich eigentlich schreiben ? Genau, beim TV waren wir stehengeblieben. Also T für Tele und V für Vision. Ich habe lange, sehr lange, vielleicht sogar zu lange gerätselt, um eines der letzten Rätsel der Menschheitsgeschichte zu lösen. Woher kommt dieses schwammige Wort Television ? Tele kommt aus dem griechischen: fern oder weit und vision aus dem lateinischen visio, welches für eine Erscheinung, für das Sehen, den Anblick steht. Es ist jetzt weniger diese Zusammenführung von Tele und Vision zu Television, welche mich am Fernsehen zweifeln läßt, verzweifeln wäre auch keine unpassende Wortwahl, aber bitte erklären Sie mir dieses Kunstwort, diesen Neologismus zufriedenstellend. Wir werfen Griechen und Lateiner in einen großen Topf, rühren kräftig und fischen dann eine griechisch-lateinische Wortschöpfung aus dem dicken Brei, welche frei übersetzt als Fern-Sehen, aber genauso gut als Halluzination, die weit weg ist, übersetzt werden kann. Der alte Lateiner unter Ihnen und der mit dem Griechischen vertraute Leser wird sogleich in dieses babylonische Sprachgewirr mit einstimmen und wird Television als eine religiöse Erscheinung, welche sich in weiter Ferne befindet, übersetzen.

Fassen wir also zusammen: Der TV-Apparat ist eine Gemeinschaftsproduktion der Griechen und Lateiner, welche vor 2000 Jahren in einem Stall zu Bethlehem von lauter Rindviechern unter kräftiger Zuhilfenahme dreier Könige, den heutigen Fernseh-Intendanten zum Zwecke des alljährlichen Weihnachtsstreites, welcher von einer Horde Pfadfinder unter Vorsitz von Herrn Braun im Hause der Familie A bis Zett mit Hilfe der Hirnanhangdrüse ausgefochten wird, zum ersten Male gesendet wurde.

Was dies nun mit der Teufelsbibel zu tun hat ? Rein gar nichts, aber schauen Sie doch einmal auf die Uhr, wann ich diesen Artikel geschrieben habe. Es ist bereits nach 2:30 Uhr, meine Frau schläft, die Tochter schläft, die Katze schläft nicht, weil sie Hunger hat. Und ich, ich sitze hier und langweile Sie doch tatsächlich mit irgendwelchen Büchern. Also, ich würde folgendes vorschlagen: Beenden wir doch nun gemeinsam diesen Artikel und schauen einmal, was es denn so im Nachtprogramm spielt. Und für diejenigen, die vor lauter Codex gigas jetzt nicht schlafen können, seien die beiden nachstehenden Links an´s Herz gelegt: Über die Teufelsbibel (Codex gigas) aus dem 13. Jahrhundert,  Seite 290: Der Namensgeber für die Teufelsbibel (Quelle: Königliche Bibliothek von Schweden), ich fand es höchst interessant. Den kleinen Film Der Codex Gigas - Des Teufels Bibel 1/5 habe ich auch irgendwie genossen, hat zwar mit dem Fernsehen zu tun, aber den kann man sich doch anschauen, ohne gleich zu verblöden. Bevor Sie jetzt weiterlesen, nehmen sie sich doch die zehn Minuten Zeit, um sich den Film anzuschauen. 

Aha, ich sehe, Sie sind zurück. Das kann natürlich zweierlei bedeuten. Entweder Sie wollen sich nun endgültig von mir verabschieden und mich dorthin schicken, wo eben jener Namensgeber der Teufelsbibel sein Refugium hat, kann ich gut verstehen. Oder Sie fragen sich oder besser gesagt mich: Na gut, und wie geht es weiter ? Wer sich noch die restlichen Teile anschauen möchte, der klicke die folgenden Links: Der Codex Gigas - Des Teufels Bibel 2/5, Der Codex Gigas - Des Teufels Bibel 3/5, Der Codex Gigas - Des Teufels Bibel 4/5 und schließlich Der Codex Gigas - Des Teufels Bibel 5/5

Wissen Sie was, ich lasse den Fernseher ausgeschaltet und schreibe lieber noch ein bisschen und wünsche Ihnen nun eine gute Nacht.

5.12.2009

Pack (bitte nicht) die Badehose ein

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 19:31

Heute habe ich für Sie einen absoluten Insider-Tipp parat. Der ist so geheim, daß ich gar nicht weiß, ob ich mein Wissen überhaupt mit Ihnen teilen soll. Natürlich erwarte ich mir von Ihnen auch eine kleine Gegenleistung, aber dazu später. Jetzt will ich erst einmal meinen Köder auslegen, wenn Sie weiterlesen, können Sie sowieso nicht mehr “Nein!” sagen. Also, ich lasse Sie noch ein paar Sekunden schmoren.

Tatam tatam tatam tatam tam tam tatatattam. Und weil´s so schön war, gleich noch einmal: Tatam tatam tatam tatam tam tam tatatattam. 

So, jetzt habe ich Sie lange genug zappeln lassen, ich glaube, ich habe Sie weichgekocht mit meinem Tatam tatam tatam tatam tam tam tatatattam. Wie schon gesagt, ich habe den Urlaubstipp für Sie, sozusagen brandheiß, brandaktuell und brandgefährlich. Hat alles mit Hitze zu tun ? Soll es auch, schließlich passt es zum folgenden Thema.

Haben Sie vielleicht irgendwann in Erwägung gezogen, eine Kreuzfahrt zu machen? So richtig schön 14 Tage oder wenn Sie wollen, natürlich auch länger relaxen, sich von vorne bis hinten, also vom Bug bis zum Heck verwöhnen lassen, faulenzen von Lee bis Luv, von achtern bis ganz nach vorne braun werden. Dann sind Sie bei mir richtig, denn wenn Ihnen einer mit sensationellen Reiseinformationen dienen kann, bin ich Ihr Mann (siehe als Beweis meiner Kompetenz den Meine-beliebtesten-Reiseziele-Artikel Das Atom vom Strom). Ich habe in Ihnen nun Begehrlichkeiten geweckt? Sie waren bisher der vollkommen falschen Meinung, daß Sommer, Sonne, Sand und Meer in Kombination mit einer Schiffreise nur auf den Malediven, den traumhaften Seychellen, auf Mittelmeer-Kreuzfahrten oder in Form einer Nilkreuzfahrt möglich ist? Weit gefehlt, meine Damen im neckischen Bikini, überhaupt nicht wahr, meine Herren in Bermuda-Shorts!

Wenn Sie so richtig Sonne tanken wollen, wenn Ihnen der Sinn nach knuspriger, brauner und kerngesunder Sonnenbräune steht, wenn Sie für kurze Zeit dem Alltagsstress entfliehen wollen, wenn Sie Kraft tanken wollen für die zukünftige Aufgaben, welche das Leben an Sie stellt, dann bereisen Sie doch die Antarktis. Nur so am Rande: Kerngesund hat genauso wenig mit Atomkern zu tun wie Kraft tanken mit Atomkraft, aber dies wirklich nur am Rande.

Ich habe mich wieder einmal bei den Kollegen vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) umgeschaut, was es denn so Neues auf unserem Planeten gibt. Dies sind natürlich nicht meine richtigen Kollegen, man sagt dies eben so wie man sagt: “Frohe Weihnachten!”, obwohl man das Christkind am liebsten am Baum aufhängen würde, selbst wenn gar keiner im Wohnzimmer steht, aber dies ist eine andere (Weihnachts)Geschichte.

Meine richtigen Kollegen in meinem richtigen Leben, also fernab der Antarktis und mehr in Wien und Umgebung zuhause heißen z.B. Franz, übrigens liebe Grüße und danke für Deine Kommentare und Deine Treue beim Lesen meiner Artikel, muß auch mal gesagt werden, sonst habe ich meinen letzten Leser verloren und für wen schreibe ich dann überhaupt noch. Also, zurück zum AWI.

Der Leitartikel vom 30. November 2009 lautet: Erster umfassender Bericht über den Klimawandel und die Umwelt in der Antarktis. Nun gut, denke ich mir im kalten Wien, mal schauen, wie es denn so um die Antarktis steht, kälter als hier in Wien kann es dort sicherlich nicht sein. Aber ich sollte (noch nicht) recht behalten ! Der Bericht, welcher vom Wissenschaftlichen Ausschuss für Antarktisforschung (Scientific Committee on Antarctic Research - SCAR) erstellt wurde, beinhaltet zehn Punkte. Eine Kernaussage dabei ist etwas auf den ersten Blick völlig Unverständliches und ich habe mir wirklich lange überlegt, ob ich dies auf meinem Blog überhaupt veröffentlichen soll, weil dies wieder Nahrung all jenen gibt, welche den Klimawandel als für zu überzogen dargestellt und zu pessimistisch bewertet halten.

Der erste Punkt der Zusammenfassung der Hauptergebnisse lautet und ich gebe dieses jetzt im deutschen Wortlaut wieder, also ich zitiere aus der deutschen Übersetzung des Berichtes des AWI:

1. Das Ozonloch hat den Großteil der Antarktis in den letzten 30 Jahren vor der globalen Erwärmung geschützt.

Sie haben richtig gelesen. Das durch Verschulden der Menschen entstandene Ozonloch hat einen positiven Effekt auf die Erderwärmung ! Das Ozonloch kühlt den Südpol, paradox, aber wahr. Halt, bevor nun einige glauben, sie könnten dort weitermachen, wo sie noch nicht einmal aufgehört haben, stellen sich leider ein paar unbedeutende Probleme in den Weg. Zum einen wird dieser erfreuliche Tatbestand nicht von allzu langer Dauer sein, da die Antarktis die ganzen Auswirkungen des Klimawandels erst in den nächsten Jahrzehnten zu spüren bekommen wird.

Um aber noch einmal auf dieses Paradoxon zurückzukommen. Als Hauptgrund nennen die Wissenschaftler den Rückgang des stratosphärischen Ozons, welches wiederum den sogenannten antarktischen Polarwirbel verstärkt hat und damit unmittelbar zu einer Veränderung der Wetterverhältnisse beiträgt. Für alle Hobby-Meterologen und Wissbegierigen unter uns bietet die Seite Das Ozonloch über der Antarktis wächst derzeit, trotz Abnahme der FCKWs. Sind die FCKWs doch nicht alleine verantwortlich? perfekte und vor allem auch weiterführende Informationen und Links, besonders im mittleren Teil wird anschaulich und vor allem verständlich erklärt, wie diese Polarwirbel entstehen und funktionieren. Großes Lob und vielen Dank für die vielen hilfreichen Informationen dafür.

Nachdem ich oben den ersten Punkt aus der Forschungsarbeit wiedergegeben habe, soll nicht alles weitere wortwörtlich wiedergegeben werden, sondern für all jene, welche sich selbst tiefer in die Materie einlesen wollen, bietet die folgende PDF-Datei Ein Bericht des Wissenschaftlichen Ausschusses für Antarktisforschung (Scientific Committe on Antarctic Research – SCAR) alle wesentlichen Punkten in einer Zusammenfassung.

So, wir sind wieder einmal aKaiserpinguine (Quelle: http://www.awi.de/fileadmin/user_upload/News/Press_Releases/2009/4._Quartal/0000_Kaiserpinguine01_AWI_w.jpg)m Ende eines Artikels angelangt und ich bitte Sie um Verständnis, daß ich den Klimawandel nur kurz ansprechen kann. Aber da ich noch sehr viele Probleme auf meinem Blog ansprechen und veröffentlichen muß und jeder dieser Berichte umfassende Recherchen erfordert, kann ich einfach nur auf die Probleme aufmerksam machen und darf Sie um ein vielleicht nur kleines Maß an Eigeninitiative beim Stillen des eigenen Wissensdurstes bitten.

Und damit kommen wir zu dem Wunsch bzw. der Bitte, um deren Erfüllung oder zumindest Beachtung ich zu Anfang gebeten hatte. Eines jener Lebewesen, welches (noch) die antarktischen Regionen bevölkert, ist der Kaiserpinguin, ein soziales Lebewesen, welches bisher noch nicht zu den gefährdeten oder bedrohten Vogelarten auf unserem Planeten gehört. Doch je mehr dieses sensible Ökosystem Antarktis gestört wird, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, daß auch der Kaiserpinguin in absehbarer Zeit zu den gefährdeten Arten gehört und auf der Roten Liste der UICN geführt werden muß. Vielleicht haben Sie ja wirklich in absehbarer Zeit vor, eine Reise in die Antarktis zu unternehmen und vielleicht wollen Sie sich auch an der dortigen Tierwelt, welche sich über einen langen Zeitraum an die dortigen unwirtlichen und lebensfeindlichen Bedingungen in geradezu unglaublicher Weise angepasst hat, noch erfreuen.

Dann bitte ich Sie: Nehmen Sie sich viel warme Kleidung mit, am besten nach dem Zwiebelprinzip an- und bei Bedarf auch wieder auskleiden. Bikini und Badehose sind in der Antarktis fehl am Platz, denn die Antarktis muß das bleiben, was sie ist. Eine eiskalte, aber unbeschreiblich schöne Landschaft und Teil dieses wunderbaren Planeten Erde.     

4.12.2009

Übermorgen ist vorgestern

Abgelegt unter: Reisen — Paul Boegle @ 03:44

Die beiden mussten vorsichtig sein. Es war nicht auszuschließen, daß irgendwo ein hungriger Wolf oder ein Rudel Kojoten lauerte. Sie befanden sich seit etwa 40 Minuten in recht unübersichtlichem Gelände, überall türmten sich alte, vom Zahn der Zeit angenagte Betonblöcke, sahen aus wie achtlos weggeworfenes Riesenspielzeug einer ihnen unbekannten Art. Links von ihnen bildeten diese künstlichen Gesteinsbrocken eine lange Reihe, die sich nach oben hin immer mehr verjüngte und in regelmäßigen Abständen von Löchern unterbrochen war, welche wie unregelmäßig gezackte Fenster aussahen. Durch diese Löcher hindurch konnten die beiden auf eine kleine Ebene blicken, die von kleineren Betonbrocken übersät war. Immer wieder ragten teils gerade, aber meist in alle möglichen Richtungen verbogene Eisenstangen aus den Trümmern, braun und teilweise schon schwärzlich verfärbt vom Rost, der sich unbarmherzig und unerbittlich langsam in die schlanken Körper aus Stahl fraß. Wie braungebrannte Tentakel hoben sie sich gegen die bleichen Körper aus Beton ab, bestrebt, ihrem jahrelangen Gefängnis zu entkommen, wanden sie sich in in alle Richtungen, ohne jedoch ihrem Ziel näher zu kommen.

Im Hintergrund der kleinen Ebene erhoben sich große Bäume, chinesische Götterbäume umschlossen mit ihren mächtigen Wurzeln viele dieser kleineren Steine, lagen wie hölzerne Finger auf ihrer Beute, bereit, sie gegen andere Eindringlinge zu verteidigen. Vereinzelt standen mächtige Eichen, umgegeben von einer Vielzahl anderer Baumarten wie Buchen und Birken, aber auch Nadelhölzer wie Fichten, Tannen und Lärchen wiegten ihre schlanken, rauhen und manchmal harzigen Körper in der klaren Luft.

Rechterhand erhoben sich ebenfalls große Betonblöcke, ebenfalls von Wind und Wetter zu zackigen Gebilden geformt. Am oberen, rechten Rand eines größeren Blocks, welcher nur noch zusammenhangslos eine Einheit mit seinen beiden Nachbarn bildete, sahen sie eine lange Reihe vertikal in den Himmel ragender Eisenstangen, nicht vollkommen vom Rost zerfressen wie die in den Beton gearbeiteten Eisenstangen. Auf einigen hingen an unsichtbaren Fäden Lampenschirme, durch die sich das Licht seinen Weg bahnte und auf dem darunterliegenden Beton helle Tupfer auf die graue Oberfläche zeichnete. Kleine und größere, runde und vieleckige, helle und dunklere Formen brannten sich mit kalten Farben in die an der Oberfläche zerrissenen Strukturen. Aus einigen der Schirme hoben sich noch die Reste der von Stürmen und Unwettern zerschlagenen Glühbirnen ab, scharfkantig und fleckig hoben sie sich gegen den blauen Himmel ab, der vereinzelt von träge dahinziehenden Wolken durchzogen war.

Als die beiden eine Zeitlang lautlos dastanden und sich nach allen Seiten vorsichtig umsahen, erhoben sich auf einem der Baumwipfel plötzlich vier oder fünf im Geäst versteckte Rotkehlchen. Mit hektischen Flügelbewegungen raschelte die Luft leise, als die Vögel aufgeregt in einem engen Halbkreis in ihre Richtung flogen. Wie aus dem Nichts tauchte ein großer Schatten aus der Sonne aus, lautlos stürzte ein Falke mit eng am Körper anliegenden Flügeln auf die kleine Gruppe zu, die sich der drohenden Gefahr erst bewusst wurde, als der Falke einen der Singvögel mitten im Flug mit seinen Klauen packte und fast ebenso schnell wieder verschwunden war.

Während die beiden dem Greifvogel nachblickten, wie er mit kräftigen Schlägen immer kleiner und kleiner wurde, um schließlich in der Ferne zu verschwinden, wurden sie mißtrauisch von einer Katze beäugt, die sich in einer kleinen, noch vom nächtlichen Regen feuchten Senke vor ihren neugierigen Blicken duckte. Rund um das Versteck war die Erde schwarz, verbrannt von einem Blitz, welcher sich seinen Weg vom Himmel bahnte, um seine elektrische Ladung explosionartig zu deponieren. Ohne Hast, aber vorsichtig und ohne den Blick von den beiden Eindringlingen zu wenden, streckte die Katze die beiden Pfoten Millimeter für Millimeter, um sich noch kleiner zu machen und so den Blicken zu entkommen.

Die beiden sahen vor sich auf den Weg, der sich in fast schnurgerader Linie in der Ferne verlor. Ein leichtes Flimmern am Horzont ließ erkennen, daß ein weiterer heißer Tag bevorstand und die lindernde Kühlung des Unwetters der Nacht nur noch von kurzer Dauer sein würde. Das breite Asphaltband war von vielen großen und noch weit mehr kleineren Rissen durchzogen, welche sich ohne jede Systematik in den Asphalt gefressen hatten. Manche liefen einfach nur nebeneinander her, wieder andere kreuzten sich, um dann an unterschiedlichen Punkten zu enden. Viele dieser Schnitt- und Risswunden waren bereits so breit, daß Unkraut aus ihnen wucherte und das dunkle Band mit unregelmäßigen hellen und dunklen Grüntönen sprenkelte. Auf beiden Seiten der Strasse hatten sich bereits größere Asphaltbrocken herausgelöst, deren Fehlen nun die darunterliegenden Schichten aus Schotter, Erde und Sand preisgab. An manchen Stellen schlängelten sich riesige Luftwurzeln über die gesamte Strassenbreite, verschwanden unter den Erde, um dann an anderen Stellen wieder aus dem Untergrund hervorzubrechen, verzweigten sich zu kleineren Ausläufern, die sich wiederum selbst irgendwann wieder teilten und ihr begonnenes Zerstörungswerk in einer stillen, aber kontinuierlichen Wut fortführten.

Gerade, als sich die beiden wieder in Bewegung setzen wollten, um ihre unterbrochene Erkundung fortzusetzen, hörten sie, wie links, aus Richtung des Waldes, ein Rothirsch mit tiefem Röhren sein Revier gegen einen Kontrahenten zu verteidigen suchte, in langgezogenen Intervallen zerrissen die tiefen Töne die Stille, welch rings herum herrschte. Während der eine gerade damit beschäftigt war, die Töne des Rothirsches mittels eines seltsamen Gerätes aufzuzeichnen, spürte sein Gefährte plötzlich die Anwesenheit eines fremden Wesens. Mit einem leisen Zischen wirbelte er ruckartig, aber doch mit geschmeidigen und fliessenden Bewegungen herum und sah, wie ein junger Kojote neugierig von einem der Betonblöcke auf sie herabblickte. Mit bernsteinfarbenen Augen, den buschigen Schwanz tief am Boden, stand er etwa 20 Meter entfernt und schaute die beiden Eindringlinge seit wahrscheinlich geraumer Zeit an, ohne daß dies jenen bewusst geworden wäre. Und während der eine immer noch in seine Messungen vertieft war, drehte sich der Wildhund um, sprang geschmeidig durch eines der Löcher und entschwand den Blicken.

Nachdem er mit seinen Aufzeichnungen fertig war, ging er wortlos weiter auf der zerfurchten in die Ferne führenden Strasse. Der andere folgte ihm widerstrebend, nicht ohne sich noch einmal umzudrehen und argwöhnisch auf das Loch zu schauen, durch welches der Kojote unbemerkt für den anderen verschwand. Leise und möglichst ohne Geräusche zu verursachen, bewegten sich die beiden vorwärts. Sand und kleine Steine knirschten unter ihrem Gewicht, die Baumwurzeln streckten verlangend ihre langen hölzernen Finger nach ihnen, während sie sich immer weiter auf das Ende der zerfallenen Betonkonstruktion zur Linken zu bewegten. Die rechte Seite hatte mittlerweile die Sicht freigegeben, parallel zur Strasse verliefen Eisenbahnschienen, welche sich ebenfalls am Horizont verloren und deren Holzschwellen größtenteils bereits von Käfern und Würmern zerfressen waren. Viele von ihnen hatten große Löcher, die sie mit toten Augen anblickten. Das helle Holz der Ränder hob sich deutlich vom tiefbraunen und vom Wetter gegerbten dunklen Holz der langen querliegenden Schwellen ab. Überall wucherten Pflanzen, Insekten schwirrten träge in der warmen Sonne umher.

Hinter den Schienen öffnete sich ein weiter Platz, manchmal sahen die beiden noch weiße auf dem Boden eingezeichnete Linien, die aber fast überall schon abgeblättert waren und diese nur noch erahnen ließen. Auch hier wurde der Beton schon von vielen Rissen durchpflügt, aus denen Pflanzen und vereinzelt schon Bäune wuchsen. Lange Flechten lagen wie Haare auf dem Boden, kamen aus versteckten Ecken und vereinten sich zu einem fast kniehohen Dickicht.

Wieder blieben die beiden stehen, um sich neuerlich umzusehen. Vier riesige Türme standen in streng geometrischer Anordnung auf dem Platz, alle aus schwerem Beton und mit einer breiten Basis, welche sich zur Mitte hin verjüngte, um dann nach oben hin wieder auseinanderzustreben. Sie schienen in sehr stabilem Zustand zu sein, Hitze und Kälte konnten ihnen bis zum jetzigen Zeitpunkt scheinbar nichts anhaben. Daneben stand ein weiteres Betongebäude, welches aber bereits erste Zerfallserscheinungen zeigte, die ehemals runde Kuppel hatte bereits zwei riesige Löcher, welche an die eingeschlagene Schädeldecke irgendeines überdimensionierten Wesens erinnerte. Aus vielen Öffnungen blickte der Betonriese die beiden Eindringlinge mit leeren und seelenlosen Augen an. Eine schwere Eisentüre, überzogen von rostbrauen Flecken, welche an eine seltsame und hochgradig ansteckende Krankheit erinnerten, stemmte sich mit aller Macht gegen aus dem Inneren des Gebäudes drängende riesige Wurzeln, die an einen Oktopus von Jules Verne erinnerten. 

Seeungeheuer - Illustration in einer Kirche

Seeungeheuer - Illustration in einer Kirche 
in St. Malo in der französischen Bretagne.

Unterhalb des linken Kühlturmes hatte sich die Erde geöffnet, eingefallene Schächte gaben den Blick frei auf ein Gewirr unzähliger Glasfaserkabeln, welche den Boden zu strangulieren schienen und sich ihren Weg in die Tiefen der Erde bahnten. Wie tote blutleere Adern ragten sie aus dem aufgerissenen Bauch heraus und vereinten sich nach wenigen Metern mit der klaffenden, aber längst getrockneten Wunde.

Nachdem die beiden weitere Aufzeichnungen gemacht hatten, dieses Mal hatte derjenige, welcher den Kojoten erblickte, den Hauptteil der Arbeit, wandten sie sich wieder der Strasse zu und setzten ihren Weg fort.Sie wussten scheinbar ganz genau, was sie zu suchen bzw. welchen Auftrag sie zu erledigen hatten. Schweigend, aber immer nach allen Seiten sichernd, bewegten sie sich nun zügiger vorwärts, da sie nun freie Sicht auf beide Seiten des Geländes hatten.

Aus einem kleinen See, dessen braunes, abgestandenes Wasser ein leises Glucksen von sich gab und aus dessen Tiefen langsam winzige Luftbläschen emporstiegen, ragten mehrere Schilfbüschel, deren Knistern vom mißmutigen Quaken der im Schilf versteckten Frösche übertönt wurde. Libellen mit pastellfarbenen, gläsernen Flügeln und überproportional großen blauen Facettenaugen schwirrten dicht an der Wasseroberfläche auf der Suche nach kleinen Insekten, eine silbergraue und mit dunkelgrauen Dreiecken an der Oberseite gezeichnete Kreuzotter lag träge auf einem von der Sonne erwärmten Stein.

Nachdem die beiden weitere Aufzeichnungen gemacht hatten, führte sie ihr Weg an den Überresten einer Steinmauer entlang zu ihrem eigentlichen Ziel. Mehrere dicke Leitungsrohre aus Kunststoff versperrten ihnen den Weg, so daß sie gezwungen waren, sich an umgestürzten Bäumen vorbei zu zwängen, wobei der sumpfige Boden bei jedem Schritt schmatzende Geräusche von sich gab. Der eine der beiden verfing sich in einem unter dichtem Gras liegenden Zaun, die Drähte bohrten sich wie kleine Nadeln in seinen Körper. Mit einem leisen Zischen befreite er sich aus der Falle, während ihn der andere mit einem ebenso leisen Zischen zur Ruhe aufforderte. Braunbären waren in dieser Gegend keine Seltenheit.

Endlich hatten sie ihr Ziel erreicht, auf einer Karte vergewisserten sie sich noch, ob die darauf eingezeichneten Koordinaten mit jenen des Gebietes übereinstimmten. Sofort begannen sie mit ihren Untersuchungen. Frühere Besuche an dieser Kultstätte hatten bereits ergeben, daß es sich um eine höherentwickelte Spezies handeln musste, welche hier durch bisher noch unbekannte Zeremonien ihre Artgenossen verehrte. Ob dieses Ritual allerdings nur den höhergestellten Primaten zuteil wurde oder ob sämtliche Wesen dieser Lebensform mit diesen Ehrungen bedacht wurden, konnten die Forscher bis heute noch nicht sagen. Was aber außer Frage stand, war die Tatsache, daß viele dieser Gräber noch Grabbbeigaben enthielten, was auf eine gewisse fortschrittliche Kultur schließen ließ. Weiterhin waren sich die Gelehrten dahingehend einig, daß diese Spezies wahrscheinlich durch ein Massensterben vernichtet wurde. Inwieweit dieser Untergang aber mit diesen großen Kühltürmen, denn diese Funktion stand mittlerweile ebenfalls außer Frage, zusammenhing, konnte bisher noch nicht bewiesen werden.

Die beiden hatten eines der wenigen noch erhaltenen Gräber geöffnet. Doch das wenige, was sie vorfanden, entlockte den beiden nur ein enttäuschtes Zischen. Außer mehr als 200 Einzelteilen fand sich nichts in der Kultstätte. Die Untersuchung ergab, daß es sich bei der Zusammensetzung der Funde hauptsächlich um anorganische Materialien wie Kalzium, Magnesium und Phosphor handelte, wobei weiterhin kleinere Spuren von Eisen und Kalium entdeckt wurden. Ähnliche Funde in anderen Gräbern hatten zwar zu denselben Ergebnissen geführt, doch den Grund für das Massensterben kannte die Forschungsgruppe immer noch nicht. Aber da sich wohl nach mehreren hundert Jahren keine eindeutigen Ergebnisse mehr feststellen ließen und die Zeit drängte, beschlossen die beiden, dem Planeten den Rücken zu kehren. Es gab weit Wichtigeres zu erforschen als den Untergang einer primitiven Art, welche sich aufgrund gefundener Unterlagen selbst als Homo sapiens bezeichnete. Und da dieser Planet zu den lebensfeindlichsten zählte, welchen die beiden bisher betreten mussten, war es wohl besser, ihn diesen Bestien zu überlassen, welche den wenigen Aufzeichnungen nach als Wölfe, Kojoten oder Bären bezeichnet wurden.

Das einzige, was die beiden auf ihrer Rückkehr noch beschäftigte, war die Frage, ob diese primitive Art namens Homo sapiens wohl die Technik der Kernspaltung beherrschte. Denn nach allem, was auf ihrem eigenen, weit entfernten Planeten durch solch lebensgefährliche Experimente schon passiert war, ließen sie seit langer Zeit die Finger von solchen Dingen. Aber so primitiv wird diese ausgestorbene Lebensform ja doch nicht gewesen sein !              

               


3.12.2009

2010

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 00:24

Wie Sie ja bereits wissen, habe ich am 04. Oktober 2009 in 2009 - Ein Rückblick spontan beschlossen, dieses Jahr, welches wir mit 2009 bezeichnen, ad acta zu legen. Nicht, weil ich von 2009 die Nase voll habe, da müsste ich von vielen anderen Dingen (Taxi - Motor an, Motor aus, Es werde Licht, Das Atom vom Strom oder Second-Hand-Spielzeug) schon lange mein Riechorgan zum Jahre 2009, sprich ad acta, legen. Aber, wir haben es in der Schule und selbstverständlich auch anderswo gelernt, nach 2009 kommt wieder etwas und dieses Etwas heißt 2010. Was Ihnen, mir, uns das Jahr 2010 bringen wird, weiß ich natürlich nicht, aber zumindest soll 2010 für einige Arten aus Fauna und Flora ein ganz besonderes Jahr werden.

Ich spreche von der Wahl der Pflanzen und Tiere des Jahres 2010. Wissen Sie eigentlich, wann zum ersten Mal ein Tier des Jahres gewählt wurde ? Die Lösung steht am Ende dieses Artikels, so zwinge ich Sie, weiterzulesen. Und wehe, Sie scrollen jetzt durch den Text und schauen nach, bevor Sie zu Ende gelesen haben ! Eines kann ich Ihnen jedoch leider schon jetzt verraten: Den meisten bedrohten Arten des jeweiligen Jahres hat dieses Zuteilwerden besonderer Aufmerksamkeit nicht wirklich viel genützt (siehe Dem Wendehals hat s nichts gebracht), aber als unverbesserlicher Optimist mache ich trotzdem weiter und Sie auf die Pflanzen und Tiere des Jahres 2010 aufmerksam. Und wenn ich schon dabei bin, dieses Vorstellen der jeweiligen Pflanzen und Tiere geht 2011 weiter, und 2012 ebenso und dann natürlich 2013. Ach nein, 2013 ist ja bereits die Welt untergegangen, zumindest wenn es nach diesem amerikanischen Katastrophenfilm von Roland Emmerich geht. Da aber jedes Jahr zig Katastrophenfilme in Hollywood produziert werden und dies meine ich jetzt nicht unbedingt nur auf die Handlung bezogen, bin ich der festen Überzeugung, daß ich auch 2013 über die Pflanzen und Tiere des Jahres 2013 schreiben werde. Aber bis dahin haben wir und wohl auch Roland Emmerich noch etwas Zeit, uns neue Horrorszenarien auszumalen, kommen wir also in unser Jetzt und Heute zurück, wir leben schließlich mit genügend Katastrophen, da mag Hollywood noch das geringste Übel sein.

Also, ich habe Ihnen bereits die Wegwarte als Blume des Jahres 2009 vorgestellt, wer aber tritt in ihre Fußstapfen ? Die Blume des Jahres 2010 hat im wahrsten Sinne blaues Blut, zumindest wenn man Blut von Blüte ableitet. Die Blume des Jahres 2010 heißt Sibirische Schwertlilie und auch wenn ihr Name mehr an die kalte Tundra des asiatischen Teils von Russlands erinnert, so ist die Sibirische Schwertlilie auch in unseren Breitengraden beheimatet. Zumindest steht sie noch in vielen Gärten als beliebte Zierpflanze mit ihren im Mai und Juni violett-blauen Blüten, da viele Lilien-Arten in Europa bereits seit mehreren Jahrhunderten kultiviert und gezüchtet werden. Doch wie viele Pflanzen ihrer Art, welche feuchte Wiesen, Niedermoore und die Ränder von Wasserläufen als natürlichen Lebensraum benötigen, machen eben diese Trockenlegungen vielerorts die Sibirische Schwertlilie zu einer Rarität unter den wildlebenden Blumen. Auch wenn Ihnen diese Lilienart bekannt vorkommen mag, handelt es sich in den meisten Fällen nur um gezüchtete Arten, welche sozusagen aus den heimischen Gärten geflüchtet sind. Mehr zur Blume des Jahres 2010, der Sibirischen Schwertlilie unter Edler Blaublü(h)tler.

Sie wollen mehr zur Natur des Jahres 2010 wissen ? Sie sind der Meinung, Ameisenlöwen brüllen und fressen Fleisch. Naja, beim Brüllen muß das Insekt des Jahres 2010 noch etwas üben, aber das mit dem Fleisch klappt schon ganz ordentlich. Und da bereits Billy the Kid und die Daltons als gefährlich eingestuft wurden und oft in der Versenkung verschwinden mussten, die Larven der Ameisenjungfern, eben die Ameisenlöwen, machen dies allerdings freiwillig, soll es auch im Falle des Insekts des Jahres 2010 am Steckbrief Ameisenlöwe nicht scheitern.

Und wenn wir schon dabei sind, über die finsteren Gesellen des Tierreichs zu sprechen, ja dann darf das Tier des Jahres 2010 nicht fehlen. Mit seinen schwarzen Streifen über den Augen schaut der nachtaktive Allesfresser aus wie ein tierischer Bankräuber, aber der knapp ein Meter lange Räuber macht es sich lieber in ewig langen Tunneln unter der Erde im Schoße seiner Familie gemütlich als sich vom Menschen jagen zu lassen. Sie wissen nicht, von welcher Marderart ich spreche und folgedessen wer das Tier des Jahres 2010 ist. Nun, dem kann abgeholfen werden: Das Tier des Jahres 2010 ist der Grimbart ! Immer noch keine Idee, wer denn nun mit diesem im wahrsten Sinne fabulösen Namen Grimbart gemeint sein kann ?

Ich könnte Sie jetzt wieder einmal mit Johann Wolfgang von Goethe martern, in unserem Falle suchen wir schließlich einen Marder. Wer vielleicht die Muse hat, das Epos Reineke Fuchs, welches in 12 Gesänge unterteilt ist, zu lesen, den will ich beileibe nicht daran hindern. Denn dort werden Sie bereits im ersten Gesang am Ende der ersten Strophe erfahren, wessen einziger Fürsprecher auf Seiten des Fuchses steht und wem der Titel Tier des Jahres 2010 gebührt. Aber all jene, denen die Zeit davonläuft, möchte ich nun doch nicht über Gebühr strapazieren und verweise auf den Link Schwarz maskierter Regenwurm-Jäger.

Es gäbe noch viel zu erzählen über die Natur des Jahres 2010, einen Unmenge könnte ich Ihnen mitteilen zur Heilpflanze des Jahres 2010, der Gewürznelke. Ich könnte Ihnen wahre Geschichten über kleine Drachen erzählen. Wenn Sie wüssten, daß die Schleiereule gar nicht fliegen kann, sondern der Pilz des Jahres 2010 ist. Ja, es wäre noch so vieles berichtenswert, aber auch meine Zeit vergeht wie im Fluge und deshalb verweise ich Sie jetzt auf die Jahreswesen des Jahres 2010. Halt, ein Versprechen muß ich zum Schluß einlösen, schließlich haben Sie bis zum Ende diesen Artikels durchgehalten.           

Auflösung der Frage: Zum ersten Mal wurde vom NABU der Wanderfalke als Vogel des Jahres 1971 gekürt. Im Laufe der Jahre schlossen sich immer mehr Naturschutzorganisationen dieser Wahl der Natur des Jahres an. So wurde 1980 der Lungen-Enzian zur Blume des Jahres 1980 ernannt, die erste Nutztierrasse war 1984 das Kärnter Brillenschaf und im selben Jahr wurde die Bachschmerle als Fisch des Jahres gewürdigt.

  

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