365 Tage des Jahres 2009 1


Es wurde alles gesagt, es wurde alles geschrieben, das Jahr 2009 liegt hinter uns, bevor 2010 noch begonnen hat. Doch morgen schon werden sich viele Menschen Gedanken darüber machen, was denn 2010 wohl so alles bringen wird.

Werden sich die vielen Neujahrs-Glückwünsche bewahrheiten, welche uns von Verwandten, Bekannten, Freunden und auch wildfremden Menschen ehrerbietig oder auch mehr oder weniger achtlos im berauschten und freudetrunkenen Zustand der Silvesternacht des Wechsels von 2009 zu 2010 an den Kopf geworfen wurden. Wird „Prosit Neujahr“ zu einem Jahr voller Kopfschmerzen oder macht es unseren Kopf frei ?

Wird der „gute Rutsch“ zu einer nicht endenwollenden Schlitterpartie im Jahr 2010 oder rutschen wir geradewegs ungebremst auf das Glück zu, welches uns mit weit ausgebreiteten und offenen Armen sein „Herzlich willkommen“-Schild entgegenhält. Wird das kleine Gummi-Hufeisen, welches wir für 3,50 Euro geschenkt bekamen, zum Bumerang oder erweist es sich als wirkliches Glückssymbol ? Läßt sich die kleine rosafarbene Glückssau so manipulieren, daß sie nicht zur wildgewordenen und verwünschenswerten Bestie wird ? Was hat es mit dem vierblätrigen Kleeblatt auf sich, welches wir nun tagein, tagaus mit uns herumtragen ? Ist es bereits verwelkt, noch bevor es seine Kräfte auf uns übertragen konnte oder wird es zu einer grünen Schlingpflanze, die uns 24 Stunden lang die nächsten 365 Tage des neuen Jahres 2010 mit seinen Glückshormonen förmlich erdrückt ? Müssen wir im nächsten Jahr schwarz sehen, wenn uns der Rauchfangkehrer wieder einmal die Vorfahrt nimmt oder soll dies bedeuten, daß wir uns nun selbst auf der Überholspur befinden ?    

Werden sich unsere hochgesteckten Ziele, die wir uns angesichts eines Neubeginns selbst auferlegt haben, erfüllen ? Werden sich unsere Erwartungshaltungen, die wir an uns selbst und an andere im Zuge eines immer wiederkehrenden Neuanfangs gestellt haben, auch im neuen Jahr von der Prophezeiung zur Erfüllung wandeln ? Was, wenn im Jahreshoroskop steht: „Sie werden 2010 gute Geldgeschäfte machen:“ Wie lange müssen wir wohl warten, bis sich unser Bankkonto endlich erholt hat ? Was, wenn uns die Wahrsagerin ums Eck, der Seher mit der Kristallkugel leise zuraunt: „Sie werden im Jahr 2010 die Traumfrau/den Traummann ihres Lebens kennenlernen.“ Wann wäre der Zeitpunkt richtig, die Hochzeitstafel zu bestellen und auf dem Standesamt einen Termin zu vereinbaren ?

Ist es also legitim, wenn wir von fremden Menschen gegebene Versprechen einfordern, wenn wir darauf pochen, daß sich an uns gerichtete Glückwünsche auch zu erfüllen haben ? Wieviele Tarotkarten sind notwendig, bis sich unser herbeigesehntes Schicksal zu unser aller Zufriedenheit erfüllt ? Wie hoch muß die Zahl an neuzeitlichen Nostradamusen sein, bevor wir uns endlich zufrieden grunzend mit unserem kleinen Glücksschwein im Arm zurücklehnen können, um uns wohlgefällig im Spiegel unserer eigenen Eitelkeiten betrachten zu können ? Oder ist jener Spiegel bereits zerbrochen, lange bevor er uns mit unserem eigenen Ebenbild zulächeln konnte ? Dürfen wir ihm dann die Schuld für weitere sieben, oder vielleicht gar 70 Jahre Pech, zuschieben ?

Fragen über Fragen ! Und wissen Sie was: Ich kann nicht eine einzige davon beantworten. Aber was ich rückblickend sagen kann ist die Tatsache, daߠ2009 ein glückliches und wundervolles Jahr war. Ich durfte ein weiteres Jahr mit meiner wunderbaren Familie auf dieser Erde verbringen. Wir hatten ein Dach über dem Kopf, wir hatten immer genug zu essen und wir wurden von Krankheiten und Todesfällen verschont.

Milliarden von Menschen in allen Erdteilen dieses Planeten werden 2010 dieselben Fragen stellen, die sie schon 2009 und viele weitere Jahre vor 2009 gestellt haben. „Wo bekomme ich ein Stück Brot für meine Familie und für mich her ?“ „Was, wenn der Brunnen 10 Kilometer von unserem Dorf entfernt kein Trinkwasser mehr hergibt ?“ „Wohin sollen wir flüchten, wenn der Bürgerkrieg seine Krallen nach uns ausstreckt ?“

Fragen über Fragen. Und wissen Sie was: Die Beantwortung fällt mir noch schwerer. In diesem Sinne wünsche ich weder Ihnen noch meiner Familie und mir ein glückliches, neues Jahr, denn wir alle sind vom Glück bereits mehr als verfolgt. Ich wünsche anderen ein kleines Glücksschwein, damit sie sich endlich einmal satt essen können. Ich wünsche anderen ein Glücks-Hufeisen, damit sie damit ihre Pferde beschlagen können, um ihre Felder zu bearbeiten. Ich wünsche anderen ein Glücks-Kleeblatt, damit sie damit Samen für die bearbeiteten Felder gewinnen können. Und ich wünsche anderen einen schwarzen oder weißen Rauchfangkehrer, der ihnen einen neuen Brunnen nahe bei ihrem Dorf schlägt.

      

        


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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