Antichrist-Kind oder Anti-Christkind ? 1


Ich kann es einfach nicht lassen ! Wir schreiben den 28. Dezember 2009 und ich echauffiere mich immer noch über das bereits zu den Akten gelegte Weihnachtsfest. Sie werden berechtigerweise klagen:

„Lieber Herr Bögle, jetzt ist nicht mehr die Zeit, sich über Weihnachten aufzuregen ! Wir haben im Moment überhaupt keine Zeit und schon gar nicht den Kopf, um uns mit Ihnen über längst Vergangenes aufzuregen. Wir müssen noch vor Silvester alle Geschenke umtauschen. Grausam, mit was uns die Schwiegermutter heuer wieder beschenkt hat. Und dieses Hemd von der Oma ! Wenn etwas diesen schlechten Geschmack noch übertrifft, dann wohl nur noch die schlechte Qualität. Und außerdem war es ganz gut, dem lieben Bruder nur die Hälfte von den gekauften Gutscheinen zu geben. Ich hab doch gleich gewusst, daß er uns dieses Jahr viel weniger schenken wird als die vier Jahre vorher. Es ist schon ganz gut, daß wir die Weihnachts-Buchführung so penibel führen seit dem Reinfall damals, als wir nicht mehr wussten, ob wir vom Nachbarn eine oder drei Flaschen Wein geschenkt bekamen. Was waren wir naiv damals, aber so etwas darf und wird nie mehr passieren. So, Herr Bögle, jetzt habe ich mich aber wieder mit Ihnen verplaudert, wenn ich nicht vor 7.30 Uhr in der Tiefgarage bin, kriege ich keinen Parkplatz mehr.  Also tschüss mit ü !“

Nun gut, widme ich mich halt wieder meinen tiefgreifenden Studien, wenn sich keiner mit mir über Weihnachten aufregen will. Sie wissen sicherlich, ich bin ein Bewunderer der griechischen Philosophen, natürlich nicht nur der griechischen Philosophie, wie Sie spätestens seit Karl, der kühne Käfer wissen, diese Frühhumanisten der Frührenaissance verdienen selbstverständlich ebenfalls meine ganze Bewunderung. Und erst Nietzsche oder Sartre, also mit denen sympathisiere ich klammheimlich, seit mir mein Alter ego erzählt hat: „Gott ist tot ! Willkommen Homo superior!“ Aber über die griechische Antike lasse ich gar nichts kommen, da fährt die Eisenbahn drüber. Alleine schon die ganzen Tragödien, Sagen, Mythen und auch Komödien. Ja, es gab sie wirklich, die griechische Komödie, alle Welt redet immer nur von der griechischen Tragödie, aber keiner kennt Kratinos, welcher sich hauptsächlich auf Perikles eingeschossen hatte. Und dann den wohl noch berühmteren Aristophanes und sein wohl bekanntestes Stück „Die Wolken.“ Alleine der Satz „Geh, henk dich! So gewöhnst du dich ans Schweben.„, den Pheidippides in der dritten Szene dem aus der Türe tretenden Sokrates an den Kopf wirft, macht alleine schon die Komödie lesenswert.

Weniger bekannt ist auch der griechische Grammatiker Lykophron von Chalkis (320-250 v. Chr.), welcher zu Zeiten des ägyptischen Herrschers Ptolemaios II. (308-246 v. Chr.) in dessen Bibliothek in Alexandria für die Erfassung und Ordnung der Komödien zuständig war. Und da es nun einmal in der Natur der Sache, besser gesagt in der Natur des Menschen liegt, seinem Herrn und Gebieter zu schmeicheln, um dessen Gunst und womöglich auch Geld zu erlangen, wird auch Lykophron von solchen Gedanken beseelt gewesen sein. Sicherlich saß er eines schönen Nachmittages vor seinen Schriftrollen und machte sich so seine Gedanken, wie sich wohl die Zuwendung von Ptolemaios noch erhöhen ließe. „Ptolemaios, mh, was könnte ich daraus machen ?“, so dachte er vielleicht, während er die langsam schwebenden Staubteilchen in den Fensteröffnungen beobachtete, die von den Strahlen der hoch am Firmament stehenden Nachmittagssonne messerscharf durchschnitten wurden.

Gedankenverloren nahm er eine Gänsefeder, welche nachträglich mit Quarzsand gehärtet wurde, und schrieb „Ptolemaios“, dann schrieb er „Maios ptole“, „melio aptos“, er drehte und wendete die in „Ptolemaios“ enthaltenen Buchstaben, immer wieder schrieb er neue Kombinationen auf, bis er schließlich auf „apo melitos“ kam. „Apo melitos“ las er. „Das ist es, apo melitos (deutsch für „wie Honig„), das ist in Ptolemaios enthalten. Ptolemaios apo melitos, mein Herrscher Ptolemaios ist wie Honig. Was bin ich doch für ein Schelm“, so lobte sich Lykophron ob dieser lyrischen Heldentat vielleicht insgeheim. Mag sein, daß er sogar „Heureka“ ausgerufen hat, so wie damals Archimedes, als dieser splitterfasernackt durch die Strassen von Syrakus gerannt ist, nachdem er in der Badewanne das nach ihm benannte Archimedische Prinzip entdeckt hatte.

Heureka. Ich hab´s (gefunden). Was hatte denn Lykophron gefunden ? Das erste Anagramm natürlich, zumindest verwendete er es zum ersten Mal in seinen Schriften, wenn gleich Anagramme wohl schon in religiösen Geheimschriften des alten Orients ihre Verwendung fanden.

Nehmen Sie die drei Buchstaben A, S und U. Würfeln Sie alle Buchstaben durcheinander, bilden Sie neue Kombinationen, neue Wörter. Aus A, S und U lassen sich die Permutationen SAU – ASU – UAS – USA – AUS – SUA bilden. Streichen wir nun die sinnlosen Kombinationen weg, bleiben immer noch USA, AUS und SAU, also drei sinnvolle, neue Wortkombinationen, die sogenannte Neologismen.

Ich sehe schon, die ersten meiner Leser sind bereits wieder einmal eingeschlafen. Na gut, lassen wir das mit den Neologismen, Permutationen, Kombinationen, der griechischen Komödie und nackten Männern, die laut schreiend durch eine an der heutigen Ostküste Siziliens gelegene Stadt rennen. Wie schon desöfteren, wenn ich über viele Umwege langsam zum Ende eines Artikels komme, fragen Sie sich, ich mich übrigens auch, was hat dies alles mit der gewählten Überschrift zu tun ?

Moment, jetzt muß ich selbst erst einmal nach oben scrollen, ich weiß schon gar nicht mehr, wie die Überschrift lautete. Aha, da haben wir es ja: Antichrist-Kind oder Anti-Christkind ? Da fällt mir so im ersten Moment erst mal gar nichts dazu ein. Was könnte ich wohl daraus machen, um nicht völlig mein Gesicht vor Ihnen zu verlieren ? O.k., wissen Sie was. Da ich zuletzt über die Anagramme geschrieben habe, mache ich aus der Not eine Tugend.

Sie kennen doch das amerikanische Pendant zum in unseren Breitengraden vorherrschenden beliebten und ach so lieblichen Christkind, den jenseits des großen (Erdöl)Teichs noch viel beliebteren Santa Claus. Santa Claus, der heilige Nikolaus, Schutzpatron aller Einkaufszentren, Shoppingmeilen, Fußgängerzonen, Duty-free-Läden und ich glaube sogar Geldautomaten und Kreditkartenbesitzer. Nehmen wir also das Wort SANTA und fangen an, Permutationen zu bilden. Rein rechnerisch wäre es uns möglich, insgesamt 1 x 2 x 3 x 4 x 5 = 120 mehr oder weniger sinnvolle Wörter zu bilden. Aber um das Ganze abzukürzen, beschränken wir uns auf einen einzigen Neologismus, aus SANTA machen wir SATAN. Endlich, dank meiner gütigen Mithilfe fällt es Ihnen wie Schuppen von den Augen, erkennen Sie nun endlich die wahre Bedeutung dieses übergewichtigen, unrasierten und andauernd in einem roten Mantel steckenden Ausbrechers aus dem gegenüberliegenden Pensionistenheim. SANTA Claus ist in Wahrheit der Leibhaftige, SANTA heißt in Wahrheit SATAN, der Teufel steckt hier quasi im Detail. Selbst ich muß zugeben, zwar im detailgetreuen roten Kostüm, aber ich bin ihm auf die Schliche gekommen. Und wer gut schleicht, kommt bestens vorwärts.

Und was bietet sich da besser an als eine kleine Erpressung. Wer so wie ich mit Anagrammen umgehen kann und den letzten Geheimnissen der Menschheit auf die Spur gekommen ist, sollte auch entsprechend dafür belohnt werden. Ich erpresse seit schöner Regelmäßigkeit den lieben SANTA SATAN. Jeder Jahr, wie es der Zufall will, so um die Weihnachtszeit, besuche ich ein Kaufhaus nach dem anderen, stelle mich breitbeinig vor die Hilfsteufel in Rot hin, links und rechts je zwei freundliche Herren mit schwarzen Sonnenbrillen und richtig coolen Gesichtsausdrücken, die sich gerade mit neuen Baseball-Schlägern gemeinsam und vor allem gegenseitig beschenkt haben und was soll ich Ihnen sagen. Weihnachten ist das Fest der Liebe. Geschenke, wohin ich schaue und vor allem alle für mich, abzüglich der 60 Prozent Provision für die freundlichen Herren mit den schwarzen Sonnenbrillen in ihren mittlerweile extra-coolen Gesichtern mit diesen wunderbaren Baseball-Schlägern, alle „Made in Über dem großen (Erdöl)Teich.“

SATAN Claus, ich liebe Dich ! Du bist der wahre Held meiner Weihnachtsgeschichte, Du bist herabgestiegen vom Geschenke-Olymp, von jenem riesigen Geschenkeberg, welcher jedes Jahr pünktlich und mit Brachialgewalt über uns zusammenbricht. SATAN Claus, Du bist wie jedes Jahr kurz nach Ostern (was sein muß, muß sein) heraufgestiegen aus der ewigen Verdammnis der brennend heißen Höllenfeuer Kaufrausch und Konsumwahn. SATAN Claus, millionenfach erschallt Dein Lied „Oh süßer die Kasse muß klingeln.“

Liebe Kinder, das wahre Geheimnis um den Weihnachtsmann ist gelüftet. Es tut mir leid, Euch alle zukünftigen Weihnachtsfeste zu versauen, aber wie schon gesagt: Was sein muß, muß sein ! Das wirkliche Antichrist-Kind, sagen Sie ruhig auch Anti-Christkind, je nachdem wie Ihnen beliebt, es spielt jetzt schon keine Rolle mehr, schon lange nicht mehr, ist weder das Christkind oder SANTA Claus, sondern einzig und allein SATAN Claus, der ungekrönte Herrscher über jedes Weihnachtsfest.

So, liebe Kinder, der 28. Dezember 2009 neigt sich langsam dem Ende zu. Und damit schließe ich auch für heuer endgültig meine Tiraden auf Weihnachten ab. Aber eines kann ich Euch jetzt schon versprechen. 2010 wird kommen, und auch 2010 wird ab Mitte November wieder vom Weihnachtgeschäft bestimmt sein. Und dann warten wir schon alle sehnsüchtig auf SATAN Claus, jenen Wer-schenkt-wem-was-Teufel in uns allen. Und ich warte besonders sehnsüchtig auf ihn und all seine lieben Helfer.

Und bis dahin beschäftige ich mich ganz unverbindlich und unverfänglich mit dem OSTERHASEN. Mal sehen, was für Permutationen entstehen, wenn ich das Konsum-Karnickel so richtig aufmische. Die vier Buchstaben HASS stechen mir geradezu ins Auge und aus dem Rest OTEREN werde ich auch noch was zaubern.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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