Bio Natur - Der Weihnachtsblog
Bio Natur - Der Weblog wird kurzfristig zum Weihnachtsblog. Liebe Leser, nicht weil ich das Bedürfnis habe, Ihnen frohe Weihnachten, ein besinnliches und gesegnetes Weihnachtsfest und all die sonstigen achtlos hingeworfenen und dahergesagten Weihnachtsgrüße zu überbringen, von denen werden Sie mittlerweile schon ganze Schubladen voll zuhause herumliegen haben, natürlich rein metaphorisch geschrieben und gedacht. Obwohl, so ganz quergedacht vielleicht auch wieder nicht, da ich selbst jedes Jahr Unmengen dieser vorgefertigten Liebe-Weihnachtsgrüße-Allgemeinplätze im Briefkasten vorfinde. Unmengen an bedrucktem Papier, Massen von Glückwunschkarten, alle hauptsächlich gefertigt aus Zellulosefasern, sprich aus Bäumen.
Sagen Sie jetzt bitte nicht: “Ja, aber das ist doch alles recyceltes Papier!” Gut, soll so sein, aber was könnte man mit all diesem recycelten Papier anfangen anstatt es für Schubladen voller Frohe-Weihnachten-Allgemeinplätze zu verwenden ? Millionen von Kindern dies- und jenseits der Sahelzone, in Südamerika, Indien und überall dort, wo der 24. Dezember ein Tag wie jeder andere ist, würden sich über jedes Stück Papier freuen. Nicht, um darauf einen hellerleuchteten Weihnachtsbaum zu sehen, nicht um sich mit staunenden Kinderaugen bunte Christbaumkugeln auf all diesen lieblichen und wunderschönen Karten anzuschauen, nicht um sich zu fragen, was wohl in all den schönen Geschenken verpackt ist, welche so verlockend auf all diesen herrlichen Wir-wünschen-ein-besinnliches-Weihnachtsfest-Allgemeinplätzen abgebildet sind.
Ich denke, all jene in diesen Regionen lebenden Kinder, in denen der 24. Dezember ein Tag wie jeder andere ist, würden sich über ein leeres Stück Papier viel lieber freuen. Ein weißes oder von mir aus auch recyceltes Stück Papier, auf denen sie all ihre eigenen Wünsche selbst hinschreiben, selbst aufzeichnen und selbst hinmalen könnten. Wahrscheinlich würden all diese Kinder das Wort Playstation nicht schreiben können. Sicherlich würden all diese Kinder nicht wissen, wie man einen Gameboy zeichnet. Und aller Voraussicht nach würden all diese Kinder in all diesen Regionen, in denen der 24. Dezember ein Tag wie jeder andere ist, nicht einmal wissen, wie man ein iPhone malt.
Ich denke, all diese Kinder würden vor ihrem weißen oder meinetwegen auch recycelten Stück Papier sitzen. Sie würden gemeinsam überlegen, wie man “Brot” schreibt, sie würden miteinander diskutieren, ob alle gebrauchten Schuhe braun sind oder ob es auch andere Farben gibt und sie würden sich fragen, ob es auch Kleidung ohne Löcher gibt. Ein größeres Kind würde mit ungelenkiger Schrift vielleicht sogar “Weihnachten” schreiben und dann würde eines der kleineren Kinder kommen und fragen, was da geschrieben steht. Das größere Kind würde mit gewichtiger Miene dem kleineren Kind erklären, daß das da “Weihnachten” heißt. Und dann würde das kleinere Kind fragen, was denn “Weihnachten” heißt. Das größere Kind würde dann sagen: “Naja, so genau weiß ich das auch nicht. Das ist eben der 24. Dezember. Da bekommen alle Kinder Geschenke und dann sind sie für eine Stunde glücklich.” Das kleinere der beiden Kinder würde das größere mit erstaunten Augen anschauen und fragen: “Was sind Geschenke ?” Darauf würde das größere Kind entgegnen: “Das weiß ich auch nicht. Aber auf alle Fälle machen Geschenke die anderen Kinder für eine Stunde glücklich.” Da würde dann das kleinere Kind ein Weile nachdenken, um schließlich zu fragen: “Was ist glücklich ?”
Das kleinere der beiden Kinder wartet bis heute noch auf eine Antwort.



