FoxP2 und der Klimagipfel 2009


Es war eigentlich nicht verwunderlich, daß der Klimagipfel 2009 in Kopenhagen so kurz vor Weihnachten stattfand. Denn all die Protagonisten des Klimagipfels haben mich doch seltsamerweise an die vielen Menschen erinnert, die sich oftmals in dieser besinnlich unbesinnlichen Zeit vor den bunten, hellerleuchteten und vorweihnachtlich festlich dekorierten Schaufenstern und Auslagen der Schmuckgeschäfte ihre vom Punsch geröteten Nasen plattdrücken. Nicht, daß sich all die Beteiligten des Klimagipfels dem Alkohol hingegeben hätten. Nein, ganz im Gegenteil, so nüchtern habe ich selten Politiker und Experten gesehen, zumindest unter dem Gesichtspunkt, wie all diese Damen und Herren an den Klimawandel herangegangen sind, oder sollte man besser sagen, sie haben ihn geflissentlich umgangen.

Also irgendwie hatte ich das trügerische Gefühl, daß sich all jene Klimaschutz-Beauftragten vor dem riesengroßen Schaufenster mit dem schönen Titel „Klimagipfel 2009 in Kopenhagen“ versammelten, sich gemeinsam all die schönen ausgestellten Schmuckstücke wie etwa CO2, globale Erwärmung, Verringerung der Emissionen, 2-Grad-Erwärmung, Treibhausgas und den Hochkaräter Klimaschutz anschauten, lachend mit ihren Fingern auf die Preislisten deuteten, um dann auf amerikanisch und chinesisch zur gemeinsamen Einsicht zu kommen, die Weihnachtseinkäufe 2009 entfallen mittels finanzieller Mittel sowie sprachlicher Barrieren.

Wobei ich jetzt gleich darauf zu sprechen komme, was denn eigentlich FoxP2 und der Klimagipfel 2009 miteinander zu tun haben. Nun, FoxP2 (Abkürzung für Forkhead-Box P2) ist ein Gen, welches für die Entwicklung der menschlichen Sprache von Wissenschaftlern als nicht unwesentlich angesehen wird. Kommunikation wird als eine der herausragenden Fähigkeiten des modernen Menschen angesehen, welche den kleinen, aber vielleicht feinen Unterschied zu anderen Lebewesen ausmacht. Die Wissenschaft erhebt nun nicht gleich jedes Lebewesen, welches rein hypothetisch mit diesem FoxP2-Gen gesegnet (oder verflucht ?) wäre, in den Himmel zukünftiger Sprachgenies (siehe Was uns Mäuse über die Evolution von Sprache verraten). Aber ein Fund, genauer gesagt ein Zungenbein, welches 1983 in der Kebara-Höhle in Israel gefunden wurde, gibt den Anthropologen, Paläoanthropologen und Evolutionsbiologen neue Rätsel auf. War man bisher davon ausgegangen, daß der Kehlkopf des Neandertalers zum Sprechen ungeeignet war, der Kehlkopf lag im Vergleich zum heutigen Menschen z.B. viel zu hoch, half eine DNS-Analyse eines Neandertaler-Skeletts aus einem Fund in der Höhle von El Sidrón in Nordspanien, die These vom sprechenden Neandertaler (Die Sprache des Neandertalers – Sprachgen FOXP2 beim Neandertaler gefunden) zu untermauern.

Es ist bei weitem noch nicht entschieden, sollte dies jemals überhaupt möglich sein, ob der Homo neanderthalensis die Fähigkeit hatte, sich mit seinesgleichen zu unterhalten. Es ist reine Spekulation, ob das gefundene FoxP2-Gen in kausalem Zusammenhang mit der Sprachfähigkeit des Homo sapiens steht. Es bietet aber zumindest Raum für interessante Spekulationen und „Was-wäre-wenn Szenarien“. Stellt sich natürlich nun noch die Frage: Was hat der Klimagipfel und jenes ominöse FoxP2-Gen miteinander zu tun ? Ehrlich gesagt, kann ich diese Frage nicht beantworten. All jene Teilnehmer am Klimagipfel 2009 in Kopenhagen haben von der Evolution ein Zungenbein am richtigen Platz und in der richtigen Höhe mitbekommen (zumindest denke ich dies), allen wurde das FoxP2-Gen mit auf den Weg gegeben (zumindest glaube ich dies), alle werden der Kategorie Homo sapiens zugeordnet (zumindest hoffe ich dies), aber keiner war fähig, sein angeborenes Sprachtalent zu nutzen geschweige denn auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Wir sind stolz darauf, daß wir uns in den letzten 100 000 und mehr Jahren weiterentwickelt haben. Wir haben gelernt, mit dem Feuer umzugehen, was die Neandertaler aber ebenfalls schon beherrschten. Vielleicht wäre es aber trotz all dieser Fähigkeiten entschieden besser gewesen, einen Neandertaler an den Tisch in Kopenhagen zu setzen, möglicherweise hätte dieser mit seinem Zungenbein und  seinem FoxP2-Gen ein anderes Feuer entfacht, anstatt nur damit zu spielen, wie es all diese Damen und Herren kurz vor Weihnachten 2009 getan haben. Die Neandertaler sind bereits seit langer Zeit von diesem Planeten verschwunden, haben sich im Nebel der langen und trotzdem so kurzen Geschichte der Menschheit aufgelöst, sind nur ein winzig kleiner Teil einer spannenden Geschichte.          

Der Klimagipfel 2009 ist ebenfalls Geschichte, eine unrühmliche Geschichte. Und das Thema, um welches es eigentlich bei all diesen endlos langen und unendlich belanglosen Debatten ging ? Sie wissen schon, Thema war unsere Erde, unser Planet, unsere Welt. Die ist praktisch auch Geschichte, sozusagen Weltgeschichte. Vielleicht sollten wir nun, da keine Neandertaler mehr mit dem Feuer spielen, darüber nachdenken, die Eisbären zum Abschuß freizugeben, der Zeitpunkt wäre günstig. Denn mit solch einem dicken Fell an so einem schönen warmen Nordpol, so ganz ohne Nahrung, so völlig ohne Lebensraum. Wollen wir das als bekennende Tierschützer überhaupt ? Können wir diese Tierquälerei überhaupt verantworten ? Schaffen wir doch lieber neuen Lebensraum, so ein kleiner Sandstrand mit Poolbar und Sonnenschirmen rund um den nördlichsten Punkt der Erde, das hätte schon seinen Reiz. Und ohne Eisbären wäre das Ganze touristisch auch wesentlich sicherer, die Eisbärfelle könnten wir ja auf die Sonnenliegen legen, um unsere fetten, CO2-ausstossenden Hinterteile darauf zu reiben. Und wenn wir mit der Arktis fertig sind, laden wir die Kaiserpinguine vom Südpol auf einen Longdrink ein.

Wie heißt es so schön: „Man soll das Fell des Bären nicht teilen, bevor man ihn erlegt hat !“ Der Neandertaler ist seinen Weg gegangen, aber wir folgen ihm unaufhaltsam.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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