Riga – Metropole Lettlands


Stilles Baltikum abseits des Weihnachtstrubels

Was treibt zwei Menschen dazu, in diesem Falle meine Frau und mich, Mitte Dezember 2009 die lettische Hauptstadt Riga zu besuchen ? Diese Frage läßt sich nur sehr schWeihnachtsmarkt am Domplatz in Rigawer beantworten. Wer allerdings irgendwann einmal auf unseren Pfaden wandelt oder schon vor uns seine vergänglichen Spurenin im Kopfsteinpflaster von Riga hinterlassen hat,Beischlag vor dem rechten Haus der Drei Brüder wird spätestens dann verstehen bzw. schon verstanden haben, warum Riga ein Juwel im Baltikum ist und für Städtereisende schlichtweg ein Muß ist.

Was eigentlich für alle Städte zutrifft, hat für Riga seine besondere Gültigkeit: Erst zu Fuß lernt man eine Stadt, ihre Architektur, ihre verborgenen Winkel, ihre Schönheiten abseits der Massenströme erst richtig kennen. Wer eine Stadt bequem mit einem dieser oben offenen Doppeldeckerbusse erkunden möchte, viele Metropolen wie unser schönes Wien, das quirlige Rom oder das unüberschaubare London bieten diese Möglichkeit, ist in Riga mit Sicherheit fehl am Platze. Selbstverständlich werden auch diese Wünsche in Riga gestillt, aber die wirklichen SeJugendstil Rigahenswürdigkeiten sind zum Glück nur mit den eigenen Füßen in der von Autos weitgehend verschonten Altstadt (Vecriga) zu erforschen.

Die meisten Besucher werden so wie wir auf dem Luftweg in die lettische Hauptstadt gelangen. Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic bietet oftmals sehr günstige Flüge an, welche sich mit einem Hotelzimmer kombinieren lassen. Darüberhinaus stellt die lettische Fluglinie seit Oktober 2009 einen eigenen Taxiservice zur Verfügung, zu erkennen an den hellgrünen Fahrzeugen. Dies ist insofern notwendig geworden, da sich die Beschwerden über betrügJugendstil Rigaerische Taxiunternehmen bzw. nicht lizensierte Taxis häufen. Ein guter Tipp: Wer nicht mit dem Autobus Nr. 22, welcher direkt vor dem Flughafengebäude fährt und bis zum zentralen Autobusbahnhof in der Innenstadt fahren will, sondern seine Reise vom Flughafen in die Innenstadt sicher per Taxi fortsetzen möchte, sollte sich bereits im Flugzeug einen Voucher für die grünen Taxis kaufen. Im Dezember 2009, als wir Riga besuchten, kostete dieser Voucher neun Lats (1 Lat = ca. 1,40 Euro) und berechtigt zu einer Fahrt zu einem festgesetzten Fixpreis vom Flughafen zu einem selbst gewählten Ziel innerhalb der Stadtgrenzen. Da die Voucher in unserem Falle im Flugzeug nicht mehr erhältlich waren, wurden wir von der Stewardess an die Ausgabestelle im Flughafengebäude verwiesen. Eine junge Dame in perfektem Englisch hatte innerhalb kürzester Zeit ebenfalls die Rückreise vom Hotel zum Flughafen für uns geregelt, d.h am Abreisetag stand 20 Minuten vor der gewünschten Uhrzeit ebenfalls wieder eines dieser grünen Taxis vor dem Hotel. Selbstverständlich ist die Fahrt mit dem öffentlichen Bus um einiges billiger, wer aber nach einer anstrengenden Reise als OJugendstil Rigartsunkundiger in einer fremden Stadt schnell und zuverlässig zum gewünschten Reiseziel kommen möchte, sollte diese Alternative auf alle Fälle in Erwägung ziehen. Darüberhinaus darf man auch nicht vergessen, daß das bereits erwähnte Kopfsteinpflaster mit einem Koffer oder einer Reisetasche kein besonderes Vergnügen ist.

Wann Lettland nun wirklich den Euro einführen wird, kann, so habe zumindest ich das Gefühl, noch niemand wirklich vorhersagen. Wir haben uns auf unserer Reise nach Riga deshalb entschieden, Bargeld erst vor Ort nach Bedarf zu wechseln. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten, da die Wechselstuben wesentlich ungünstigere Kurse haben als der festgeschriebene Wechselkurs von 1 Euro = 0,7 Lat (Stand Dezember 2009) und leider gilt auch hier, was für viele Taxis gilt: Vor Betrug ist man nicht gefeiht. Geldautomaten gibt es aber bereits bei der Ankunft am Flughafen sowie im Kaufhaus „Stockmann“ und im in der Innenstadt gelegenen „Galerijas Centrs“. Die gängigen Kreditkarten werden darüberhinaus in vielen Hotels ebenfalls akzeptiert.Jugendstil Riga

Das soll es aber nun mit den unerfreulichen Dingen gewesen sein, ganz abgesehen davon, daß jede Großstadt heutzutage mit diesem Problemen zu kämpfen hat, Riga ist hier weder Ausnahme noch Regel. Denn eines darf ich hier sagen: Meine Frau und ich haben uns zu jeder Zeit in dieser schönen Stadt vollkommen sicher gefühlt. Und da kommen wir auch schon zum Hauptgrund, warum Riga auf alle Fälle eine Reise wert ist. Wer schon einmal in Prag war und diese wunderbare Stadt mit all ihren verwinkelten Gassen mag, wird Riga ganz einfach lieben. Und für all jene, die sich dem Jugendstil verschrieben haben oder etwas über diese kurze Epoche der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert lernen und erfahren möchten, muß einfach Riga besuchen. Budapest ist für seine Jugendstilbauten bekannt, unser Wien hat den Jugendstil sozusagen erfunden und verinnerlicht, aber soviel geballte Architektur wie in Riga war sogar mir bis dato unbekannt. Wen schon die Innenstadt mit all ihren Jugendstilhäusern an vielen Ecken, Enden und Kreuzungen der kleinen Gassen begeistert, dem wird in der Elisabeths iela (Straße) die Luft wegbleiben und wer dann in die Alberts iela, benannt nach dem Gründer von Riga, kommt, der muß wahrscheinlich so wie ich vom Asphalt getragen werden.

Jugendstil RigaAllegorische Gestalten, goldene Ornamente des Neoklassizismus, Pflanzendekore, Maskaronen, hybride Formen, Reliefgestalten mit Skulpturen der altgriechischen Mythologie, Sonnen, Pfauen, Pflanzen, erstaunte Gesichter, Giebel mit wachehaltenden Hunden. Es ist unbeschreiblich, was es hier zu entdecken und zu bestaunen gibt. Hier gleich der nächste Tipp: Wer sich intensiv mit Riga selbst beschäftigen möchte, also der Altstadt und der angrenzenden Neustadt, in der sich die eben beschriebenen Jugendstilbauten befinden, ist auf keine öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Riga kann in gemütlichen Spaziergängen und ohne große Anstrengungen erkundet werden, aus meiner Sicht ist es sogar wenig hilfreich, sich innerhalb der Stadt mit Bus oder Straßenbahn fortzubewegen, da eben die meisten Sehenswürdigkeiten nur per pedes zugänglich sind.
Da wir Riga im Winter besucht haben, war eine Bootsfahrt auf dJugendstil Rigaer Daugava (Düna), jenem Strom, der durch Riga fließt, nicht möglich. Wir haben zwar im Touristikbüro, welches sich gleich neben dem Schwarzhäupterhaus am Rathausplatz (Rātslaukums) befindet, nachgefragt, aber scheinbar war der Dezember dann doch nicht der geeignete Zeitpunkt für eine Bootsfahrt auf der Daugava. Zumindest schwankten die Blicke, welche uns zugeworfen wurden, zwischen Mitleid und ungläubigem Staunen, aber nun gut, wir haben es zumindest probiert. Trotzdem ist das Touristikbüro eine gute Anlaufstelle, um sich über besondere Aktivitäten und Veranstaltungen in Riga zu erkundigen.
Wer in Riga verhungert und verdurstet, ist selbst schuld. Kaffeehäuser wechseln sich mit Restaurants ab, Schnellimbissketten mit weiteren Kaffeehäusern. Allerdings gilt auch hier, was für die meisten Konsumtempel gilt: Rauchen verboten. Wer trotzdem nicht auf Zentralmarkt Centrāltirgus Rigadie Zigarette zum Kaffee oder nach dem Essen verzichten möchte, geht ins „Alus Seta“ in die Tirgonu iela Nr.6 gleich hinter dem Rathaus. Es handelt sich zwar um ein Selbstbedienungsrestaurant, aber erstens sind die Preise sehr touristenfreundlich und zum zweiten erinnert das Ambiente bei weitem nicht an eine amerikanische Fast-food-Kette, die rustikalen Vollholzmöbel bieten eine gemütliche Atmosphäre gerade in den kalten Wintermonaten. Und wer es komplett rauchfrei haben und trotzdem seinen Kaffee oder Tee zu einem erschwinglichen Preis trinken möchte, von den Mehlspeisen, Kuchen und Torten fange ich jetzt lieber gar nicht an, der geht gleich rechts neben dem „Alus Seta“ in die Bäckerei, deren Namen ich mir leider nicht aufgeschrieben habe. Und falls Sie sich einmal von der jungen wilden lettischen Küche überzeugen wollen, das „Domini Canes“ in der Skārņu iela Nr. 20 neben der St. Johanniskirche bietet internationale Küche auf hohem Niveau, aber zu wesentlich günstigeren Preisen als in unseren westlichen Metropolen. Die Gerichte sind überaus liebevoll dekoriert, das Gemüse auf den Punkt gegart und die Rippchen waren perfekt, genußvolles Essen in einer bezaubernden aus neun Tischchen begrenzten intimen Atmosphäre.
Wer sich lieber selbst versorgt oder ganz einfach dem Markttreiben hingeben möchte oder auf der Suche nach dem einen oder anderen Schnäppchen ist, muß auf den Centrāltirgus. Der Zentralmarkt Rigas mit seinen fünf Schwarzhäupterhaus Rathausplatz Rigariesigen Zeppelinhallen bietet wirklich alles, was der Lette tagtäglich braucht. Besonders die Fischspezialitäten in einer der Hallen hatten es uns angetan, aber auch außerhalb der Hallen findet man einfach alles in fast unüberschaubarer Auswahl und Menge, wovon der (westliche) Besucher träumt.

Es gäbe nun noch so vieles zu Riga zu sagen. Angefangen vom Schloss, welches nun den lettischen Präsidenten beherbergt und in welchem mehrere Museen untergebracht sind über das KatzenhauImpressionen aus Riga: Kerze und Kürbiss und die kleine und große Gilde am Livenplatz (Līvu laukums) bis zum Mariendom mit seiner weltberühmten Orgel und den verschiedenen Baustilen, einer Mischung aus romanischen Bauelemente mit gotischen, barocken (Turmspitze) und sogar dem Jugendstil. Pulverturm, Schwedentor, die drei Brüder, das schon erwähnte Schwarzhäupterhaus und immer wieder verwinkelte kleine Gassen mit immer wieder Neuem. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, daß die Beschreibungen Dritter niemals adäquater Ersatz für eigenes Erleben und Empfinden ist. Ich habe deshalb auch viele Dinge in diesem Kurzbericht über Riga, teils bewusst, teils aus Vergesslichkeit, außer Acht Katzenhaus am Livenplatz in Rigagelassen. Er soll deshalb auch nur dazu dienen, sich doch über Reiseziele zu informieren und animieren zu lassen, welche sich abseits von Hurghada und Rimini befinden.

 

Wir haben Riga heuer im Dezember besucht, es war eiskalt, es war teilweise außer kalt nur noch kalt und es war dann noch saukalt. Aber der Adventsmarkt am Domplatz hat uns für alles entschädigt, die Beschaulichkeit dieser 700 000 Einwohner zählenden Hauptstadt Lettlands lädt ein, abseitsImpressionen Riga: Christbaumkugel am Domplatz der lärmenden Großstädte einmal so richtig Adventsstimmung aufkommen zu lassen. Und daß ich mir bei unseren Exkursionen neun Finger beim Fotografieren fast abgefroren habe, der ZeigGeschnitzte Holzkanzel im Mariendom Rigaefinger meiner rechten Hand klebt jetzt noch am Auslöser meiner Kamera, naja, kann passieren. Aber meine Frau und ich wussten selbstverständlich, welche Temperaturen um diese Jahreszeit in Lettland herrschen. Und wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung !

 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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