Riga und Raben(eltern) 1


So, meine lieben LeserInnen, es ist so weit ! Ich darf mich nun für die nächsten sechs Tage von Ihnen verabschieden, da ich mit der allerbesten Ehefrau, die meisten werden sie bereits als die mir angetraute und anvertraute Gabi und somit eine der bemitleidenswertesten Personen der gesamten Michstrasse kennen, die lettische Hauptstadt Riga ansteuern werde. Da die liebe Tochter, ja sie muß zuhause bleiben, nein wir sind keine Rabeneltern, meinen Blog allerdings nicht weiterführen wird, werden Sie dementsprechend die nächsten Tage nicht viel Neues erspähen.

Bevor ich es nun vergesse, noch einmal zurück zu den bereits angesprochenen Raben bzw. Rabeneltern. Wenn wir von Rabeneltern sprechen, assoziieren wir unweigerlich schlechte Eltern, die sich schlecht und vollkommen unzureichend um den eigenen Nachwuchs, sprich die eigenen Kinder, kümmern. So, jetzt muß endlich einmal Schluß mit diesem Blödsinn sein, eine ganze Vogelart kommt hier seit langer Zeit völlig zu Unrecht in Verruf und Mißkredit.

Raben zeichnen sich durch ein hervorragendes Sozialverhalten aus, die Jungtiere werden selbst Wochen nach Verlassen des Nestes noch von ihren Rabeneltern, dies jetzt bitte wortwörtlich, noch durchgefüttert und vor Feinden gewarnt. Aber eben diese gemachte Beobachtung war es, die uns Menschen zu dem Trugschluss verleitete, Raben seien schlechte Eltern. Obwohl oftmals noch nicht flügge, verlassen die Jungtiere bereits das eigene Nest, es ist wie bei den Menschenkindern, sie wissen einfach alles besser. Naja, und dann sitzen sie eben da, scheinbar einsam und verlassen auf dem Waldboden, fern der Nestheimat, aber doch immer unter den wachsamen Blicken der stets besorgten Rabeneltern. Der einzige, der wieder einmal glaubt, die kleinen Nesthocker wären vorzeitig aus dem heimatlichen Nest geworfen worden, ist der Mensch. (siehe auch Rabenmutter).

Eine weitere interessante These in Verbindung mit dem schönen Sprichwort „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“, d.h. woher dieses Sprichwort stammt, läßt sich womöglich auch mit dem schon angesprochenen Sozialverhalten der Raben erklären. Ausgeprägte soziale Kontakte im Tierreich äußern sich vielfach in der Vorliebe, sich gegenseitig zu reinigen und sich dadurch von Mitessern und quälenden Parasiten zu befreien. Dieses Verhalten ist gerade bei den Raben sehr gut zu beobachten, wobei sie sich mit ihren dolchähnlichen Schnäbeln gerade im Augenbereich gerne gegenseitig putzen. Und dies tun die Raben mit soviel Vorsicht, daß sie sich gegenseitig nicht verletzen, “ die Krähen hacken sich also niemals die Augen aus“.

Doch abgesehen von diesem Sozialverhalten stellen Wissenschaftler wie Louis Lefebvre von der McGill-Universität in Montreal den Raben und Krähen ein ganz besonderes Zeugnis aus: Die Geier grübeln schon, nein, nicht wo denn nun der nächste Kadaver liegt, sondern wie sich Frischfleisch zu solchen verarbeiten läßt. Wer bisher der Meinung war, nur Menschen und unsere nächsten Verwandten, die Primaten, können mit Werkzeug umgehen und sich sogar eigene Werkzeuge anfertigen, muߠsich nun eines Besseren belehren lassen. Und die japanischen Rabenkrähen haben diese Fertigkeit gar zur Kunst erhoben, sie haben sich ihren eigenen Drive-in für Walnüsse geschaffen. Denn das Problem der Rabenkrähe ist folgendes: Sie haben Walnüsse zwar zum Fressen gern, aber ihr Schnabel ist nicht als Nussknacker geeignet. Was also tun ? 

Auf nahegelegenen Hausdächern oder anderen Plätzen warten sie die Rotphasen der Ampeln ab. Stehen die Autos dann, plaziert dieser Einstein unter den Vögeln die Walnüsse vor den Autoreifen der stehenden Autos, wartet ab, bis die Fussgänger die Zebrastreifen überquert haben und die Autos bei Grün über die Nüsse fahren und sie knacken. Misslingt der Versuch, nun dann heißt es eben warten bis zum nächsten Auto, aber auch auf Japans Strassen bedeutet dies kein langes Warten.

Und da Raben und andere intelligente Vögel auch noch andere Gelüste haben als sich nur der langweiligen Tätigkeit der Nahrungsaufnahme hinzugeben, brauchen auch diese Lebewesen ab und zu einen besonderen Kick. So wie wir Fallschirmspringen oder tauchen, holen sich manche dieser gefiederten Artgenossen ebenfalls ihren ganz speziellen Kick. Das folgende Bild, welches ich auf dem Birdwatcher Weblog gefunden habe, könnte durchaus als Vogel auf bzw. unter dem Drahtseil durchgehen, allerdings ohne Netz, doppelten Boden und vor allem ohne Stuntman. 

Ein Vogel am Drahtseil

       Quelle: Birdwatcher Weblog, gesehen unter http://www.surfbirds.com/blogs/asptec/archives/003217.html

So, da ich im Moment noch nicht viel über Riga zu berichten weiß, möchte ich zumindest abschließend all diejenigen grüßen, die irgendwann einmal zu Unrecht als Rabenmutter, Rabenvater oder als Rabeneltern tituliert wurden. Und sollte Ihnen diese Namensgebung zu einem späteren Zeitpunkt einmal widerfahren, bedanken Sie sich artig und höflich, nehmen Sie es als stillschweigendes Kompliment und verweisen Sie doch auf diese hochintelligenten, in ihrer Lebensweise sehr flexiblen und vollkommen unterschätzten, schwarzen und gefiederten Gesellen des Vogelreiches. Nicht umsonst bediente sich schon der einäugige Odin, der germanische Göttervater, auch als Rabengott bezeichnet, der beiden Raben Hugin (Der „Gedanke“) und Munin (Die „Erinnerung“), die ihm all das zuflüsterten und zutrugen, was sie auf ihren Streifzügen durch die Welt erblickten und hörten.

Wer sich nun noch etwas mit dem Raben beschäftigen will, die folgenden Links zum Thema Rabe könnten ganz hilfreich sein. Und über Riga sprechen wir dann, wenn ich wieder zurück bin.

Tierisch intelligent: Krähen sind erfindungsreiche Werkzeugnutzer, Die Raven Homepage, Das Ei war sein Schicksal

Bis dahin grüßt Sie der Rabenvater Paul Bögle

       


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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