Codex gigas – Teufelsbibel 1


Jetzt bin ich wirklich nahe dran, dem Teufel meine arme Seele zu verkaufen. Ich habe kürzlich einen Bericht gesehen, fragen Sie jetzt bitte nicht wo, auf alle Fälle im Fernsehen, aber mehr weiß ich schon nicht mehr, da dieses Instrument wollüstiger Verdummung und gemeinschaftlicher Verblödung in vielen Fällen mir nur dazu dient, mir das Gefühl zu geben, daß sich jemand mit mir unterhalten möchte. Ich benutze diesen Nachfolger der Braunschen Röhre, bei genauerer Betrachtung nutzen die heutigen Flachbildfernseher natürlich ganz andere Techniken als eben diese alten Röhrenfernseher, aber ich bin eben Nostalgiker, was soll´s !

Also ich nutze diese neuesten Als-die-Bilder-uns-das-Kaufen-lernten-High-Tech-Apparaturen sozusagen als Substitution für fehlende soziale Bindungen und Ausgleich kommunikativer Fehlfarben. Sie werden jetzt berechtigterweise den Einwand vorbringen: „Aber das tun doch alle Menschen, besonders am 24. und 25. Dezember, wenn alle im engsten Familienkreis und in trauter Zwietracht gemeinsam vor dem TV sitzen, selbstverständlich nach Darbietung der Sangeskunst der kompletten A bis Zett Familie, welche sich allerdings meist auf den berühmten Zweizeiler „Stille Nacht, heilige Nacht“, weiter weiß ich selbst nicht, beschränkt. Aber es ist nun einmal wie es ist, meist sind diese Nächte weder heilig und schon gar nicht still und überhaupt sind nachts alle Katzen grau. Deshalb gilt, was schon damals, so etwa vor 2000 Jahren, in jenem ominösen Stall in Bethlehem galt: Je größer der Stall, desto mehr Rindviecher haben darin Platz. Übertragen auf unsere heutige Zeit, speziell die Weihnachtszeit: Je größer der LCD-Fernseher, um so mehr zerstrittene Familienmitglieder. Fragen Sie nun bitte nicht, woher ich all dies so genau weiß, ich weiß es ganz einfach. Wir haben übrigens einen wunderschönen LCD-Fernseher zuhause. Und was für eine große Bilddiagonale der hat, phänomenal, überhaupt so um den 24. Dezember.  

Apropos TV ! Was für ein Schwachsinnswort, welch Nonsens, das Wort alleine ist hier Programm, auch wieder so eine Doppeldeutigkeit, aber sehen Sie selbst, schon wieder solch eine Spitzfindigkeit. Zerlegen wir auf die Schnelle doch dieses Wort, welches uns allabendlich, viele Menschen auch alltäglich und man höre und staune, sogar allmorgendlich und allnächtlich, kurz gesagt rund um die Uhr, begleitet. Bitte sagen Sie jetzt nicht, ich urteile zu streng. Die Befürworter dieser Televisions-Maschinen, jetzt habe ich die Zerlegung von TV schon vorweggenommen, eigentlich sollte dies eine Überraschung werden, aber ich war schon immer für meine vorschnellen geistigen Ejakulationen bekannt, also die Pro-TV-Fraktion, eigentlich eher die Mehrheitsregierung mit Tendenzen zum Absolutismus mit dem Fernseher als Souverän, welcher mit sämtlichen Familiengeschäften betraut ist, wird mir entgegnen, Fernsehen ist nichts anderes als ein wunderschönes großes und friedliches Pfadfindertreffen. Alle versammeln sich vor einem wunderschönen großen und friedlichen Lagerfeuer namens LCD-Fernseher, halten ihre Würstchen, wir sprechen in diesem speziellen Fall vom Konsumentengehirn, in diese wunderschöne große und friedliche Flamme mit der Bezeichnung „Auswandern für Analphabeten“, „In 17 Tagen zu Körbchengröße 120 F“, „Hilfe, meine Hoden sind behaart, Frau Holle hilft beim Schütteln“ und warten, bis alles schön gegrillt ist. Sie haben recht, das Fernsehen macht einen butterweich, vom Hirn bis zur Hirnanhangdrüse, Sie wissen schon, die Hypophyse, jenes lästige Anhängsel, welches mit dem Hirn oder dem, was in unserer Zivilisation als solches bezeichnet wird, durch den Hypophysenstiel mit demselben verbunden ist und von dem die Mediziner doch tatsächlich behaupten, daß es andere Körperdrüsen zur Hormonbildung anregen soll. Ich für meinen Teil muß allerdings gestehen, daߠbei mir hauptsächlich die Tränendrüsen ob der meisten dieser Fernsehsendungen stimuliert werden, diese allerdings reichlich.

Aber was wollte ich eigentlich schreiben ? Genau, beim TV waren wir stehengeblieben. Also T für Tele und V für Vision. Ich habe lange, sehr lange, vielleicht sogar zu lange gerätselt, um eines der letzten Rätsel der Menschheitsgeschichte zu lösen. Woher kommt dieses schwammige Wort Television ? Tele kommt aus dem griechischen: fern oder weit und vision aus dem lateinischen visio, welches für eine Erscheinung, für das Sehen, den Anblick steht. Es ist jetzt weniger diese Zusammenführung von Tele und Vision zu Television, welche mich am Fernsehen zweifeln läßt, verzweifeln wäre auch keine unpassende Wortwahl, aber bitte erklären Sie mir dieses Kunstwort, diesen Neologismus zufriedenstellend. Wir werfen Griechen und Lateiner in einen großen Topf, rühren kräftig und fischen dann eine griechisch-lateinische Wortschöpfung aus dem dicken Brei, welche frei übersetzt als Fern-Sehen, aber genauso gut als Halluzination, die weit weg ist, übersetzt werden kann. Der alte Lateiner unter Ihnen und der mit dem Griechischen vertraute Leser wird sogleich in dieses babylonische Sprachgewirr mit einstimmen und wird Television als eine religiöse Erscheinung, welche sich in weiter Ferne befindet, übersetzen.

Fassen wir also zusammen: Der TV-Apparat ist eine Gemeinschaftsproduktion der Griechen und Lateiner, welche vor 2000 Jahren in einem Stall zu Bethlehem von lauter Rindviechern unter kräftiger Zuhilfenahme dreier Könige, den heutigen Fernseh-Intendanten zum Zwecke des alljährlichen Weihnachtsstreites, welcher von einer Horde Pfadfinder unter Vorsitz von Herrn Braun im Hause der Familie A bis Zett mit Hilfe der Hirnanhangdrüse ausgefochten wird, zum ersten Male gesendet wurde.

Was dies nun mit der Teufelsbibel zu tun hat ? Rein gar nichts, aber schauen Sie doch einmal auf die Uhr, wann ich diesen Artikel geschrieben habe. Es ist bereits nach 2:30 Uhr, meine Frau schläft, die Tochter schläft, die Katze schläft nicht, weil sie Hunger hat. Und ich, ich sitze hier und langweile Sie doch tatsächlich mit irgendwelchen Büchern. Also, ich würde folgendes vorschlagen: Beenden wir doch nun gemeinsam diesen Artikel und schauen einmal, was es denn so im Nachtprogramm spielt. Und für diejenigen, die vor lauter Codex gigas jetzt nicht schlafen können, seien die beiden nachstehenden Links an´s Herz gelegt: Über die Teufelsbibel (Codex gigas) aus dem 13. Jahrhundert,  Seite 290: Der Namensgeber für die Teufelsbibel (Quelle: Königliche Bibliothek von Schweden), ich fand es höchst interessant. Den kleinen Film Der Codex Gigas – Des Teufels Bibel 1/5 habe ich auch irgendwie genossen, hat zwar mit dem Fernsehen zu tun, aber den kann man sich doch anschauen, ohne gleich zu verblöden. Bevor Sie jetzt weiterlesen, nehmen sie sich doch die zehn Minuten Zeit, um sich den Film anzuschauen. 

Aha, ich sehe, Sie sind zurück. Das kann natürlich zweierlei bedeuten. Entweder Sie wollen sich nun endgültig von mir verabschieden und mich dorthin schicken, wo eben jener Namensgeber der Teufelsbibel sein Refugium hat, kann ich gut verstehen. Oder Sie fragen sich oder besser gesagt mich: Na gut, und wie geht es weiter ? Wer sich noch die restlichen Teile anschauen möchte, der klicke die folgenden Links: Der Codex Gigas – Des Teufels Bibel 2/5, Der Codex Gigas – Des Teufels Bibel 3/5, Der Codex Gigas – Des Teufels Bibel 4/5 und schließlich Der Codex Gigas – Des Teufels Bibel 5/5

Wissen Sie was, ich lasse den Fernseher ausgeschaltet und schreibe lieber noch ein bisschen und wünsche Ihnen nun eine gute Nacht.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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