Bio Natur - Der Weblog

11.11.2009

rot-schwarz-Zero

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 19:38

Auch wenn Sie nun den Verdacht haben, die Überschrift deutet auf einen politischen Beitrag hin, kann ich schon jetzt sagen: Weit gefehlt ! Ich bin nicht gerade das, was man einen politischen Menschen bezeichnet und schon gar nicht bin ich ein menschlicher Politiker. Sagen Sie mir doch bitte schön, wo es heutzutage noch menschliche Politiker gibt ? Also ist es schlichtweg unmöglich, ein solcher zu sein. Über den politischen Menschen in mir läßt sich sicherlich streiten, aber hätte ich das mit dem politischen Menschen nicht geschrieben, hätte ich dieses Wortspiel nicht anwenden können. Also werde ich flugs diese Aussage revidieren, ich gebe es nun doch zu, ich bin ein politischer Mensch, aber das mit den menschlichen Politikern lasse ich trotzdem einmal so stehen, auch auf die Gefahr hin, daß ich mich jetzt in der Öffentlichkeit unbeliebt mache und mit Regressansprüchen für diese Verleumdung rechnen muß. Aber andererseits, dies soll natürlich keine verleumderische, allgemeingültige Aussage sein, es ist wie so vieles, was ich von mir gebe und so vor mich hin schreibe, mehr die berühmte, sehr rhetorische Frage. Wenn ich naturgemäß diese besondere Form der Fragetechnik anwende, will ich eigentlich gar keine Antwort von Ihnen, naja, ich will schon eine Antwort, wo eben diese menschlichen Politiker hingekommen sind, aber lassen wir das.

Nein, ich muß doch noch einmal darauf zurückkommen. Ich muß doch einmal diese öffentlich gemachte Aussage aufgreifen, ich will schließlich nicht in Teufels Küche kommen. Wer möchte das schon, außer naturgemäß diese Menschen, in deren Adern atheistisches Blut fliesst, aber selbst die kommen weder in den siebten Himmel noch in Teufels Küche, eher noch in besagten Himmel, und dieses auch nur, wenn sie ihre Seele an die Institution der Ehe verkaufen. Und wenn diese abgrundtief bösen Menschen dann das Zeitliche segnen, haben sie jede Möglichkeit auf ein christliches Begräbnis verspielt, sie haben sozusagen Hausverbot auf dem Friedhof, ein “Betreten verboten für Hunde und Atheisten” Schild verwehrt ihnen den Weg in geweihte Erde, sozusagen eine Verbotstafel ala “Hier dürfen keine kleinen Atheisten spielen “. Aber was gibt es für einen Atheisten Schöneres als Hausverbot auf dem Friedhof ?

Aber zurück zu meiner eingangs gestellten rhetorischen Frage: Wo gibt es heutzutage noch menschliche Politiker ? Es ist doch so, liebe Leser. Wie soll ein heilig-geistig-unterbelichteter Erdenbürger wie ich solch sagenumwobene Wesen kennen können, wenn er sich dem Glauben des Nichtglaubens verschrieben hat, wo doch alle demokratischen Parteien sich dem Gebot christlicher Nächstenliebe verpflichtet haben ? Ich habe mich doch selbst jeder Chancen beraubt, in dem ich mich als Querulanten der christlichen Nächstenliebe hinstelle, wohlgemerkt, der christlichen, nicht der Nächstenliebe. Es ist wie mit der christlichen Seefahrt. Kolumbus hätte mich niemals auf sein Flaggschiff, die Santa Maria gelassen. Die heilige Maria wäre für immer und ewig für mich tabu gewesen, nicht einmal an der geheiligten Takelage hätte ich spielen dürfen, Großmast, Fockmast und Besanmast des hölzernen Kolumbus´schen Ersatzweibes wären für alle Zeiten meinen begierigen Händen verwehrt geblieben. Was ist die Moral dieser Geschichte ? Richtig, ich habe Amerika nicht entdeckt und hätte das gelobte Land von Drive-in und Fastfood niemals entdecken können, weil ich kein christlicher Seefahrer hätte werden können. Und der Antichrist muß auch irgendwo anders zuhause sein, aber das war eigentlich nicht Thema dieser Geschichte.

 Sie merken, ich habe jetzt innerhalb kürzester Zeit das Wort spielen schon zum zweiten Mal zu elektronischem Papier gebracht. Was möchte dieser Schreiberling damit bezwecken, wird sich der vor Neugier platzende Leser nun die Frage stellen. Gute Frage, die Sie hier an mich stellen. Oder war dies mehr rhetorisch gemeint, damit ich endlich diesen endlos langen Monolog beende und Sie wieder in Ruhe nach neuen Ländereien Ausschau halten lasse, welche es Ihrer Meinung noch zu entdecken gäbe. “Wie lange noch, Catilina, mißbrauchst Du unsere Geduld ?”, Sie wissen schon, Cicero gegen Catilina. Aber ich kann Ihnen in diesem Zusammenhang, und hier komme ich schon wieder auf Kolumbus und seine Santa Maria zu sprechen, versichern ! Bei genauerer Überlegung wäre es manches Mal doch kein Fehler, sein Herz bzw. die eigene Seele der christlichen Seefahrt zu verkaufen. Gut, nicht unbedingt der christlichen, aber zumindest der Seefahrt. Hätte das Cicero damals beherzigt, also wäre er anstatt sich auf seinen Landsitz zu retten gleich auf sein Schiff zu geflüchtet und hätte sich schnurstracks nach Griechenland abgesetzt, hätte er sicherlich ein längeres Leben geniessen können. So kam es, wie es kommen musste. Die Handlanger des Marcus Antonius erwischten ihn, Ciceros Leib und Kopf verloren ihre Einheit und, was vielleicht noch schlimmer war, seine rechte Hand wurde vom kopflosen Leib abgetrennt, die Reihenfolge der Trennungen ist allerdings auch mir unbekannt. Doch trennen wir uns nun wieder von christlicher Seefahrt, von Enthauptungen und von körperlosen Händen und kommen zurück zum eigentlichen Thema.

 Wobei dieses rot-schwarz-Zero genau das ist, um was es hier geht. Das Leben ist ein großes, aber ungerechtes Spiel. Wenn mir jemand sagt, das Leben ist wie eine Hochschaubahn, also so eine Art Achterbahnfahrt, einmal rauf, und dann wieder steil bergab, dem muß ich vehement widersprechen. Das Leben besteht doch in Wirklichkeit weder aus Höhen und Tiefen, zumindest mein eigenes Leben nicht. Mein Dasein ist eine riesengroße grüne Spielwiese, eingeteilt in viele gleich große, um nicht zu sagen gleichförmig monotone Quadrate. Ich bin Teil eines überdimensionierten riesengroßen Glücksspiels, auf welchem mir zu einer bestimmten Zeit ein mir unbekannter Croupier meinen Platz zugewiesen hat.

Roulette   

Irgendwann gingen dem riesengroßen, mir unbekannten Croupier, viele bezeichnen ihn als Herrn Gott, die Mitspieler aus. Es mussten neue Spieler her, die Spielbank hatte keine Gegner mehr, gegen die sie wetten konnte. Rien ne va plus sozusagen, ohne mich ging gar nichts mehr. Also wurden die Karten neu gemischt, eine wurde aufgedeckt und zum Vorschein kam ich, Herz Bube, schreiend an der Nabelschnur hängend, aber doch schon brauchbar, um gleich an den riesengroßen Spieltisch gesetzt zu werden, um meinen ersten Einsatz zu machen. Gut, Herz Bube hat dieses Spiel schnell begriffen, ich setzte auf rot, schwarz kam. Leider verloren, Pech gehabt, ich musste weiterleben. Erstes Spiel gespielt, erstes Spiel verloren, die Kugel rollte, nur leider nicht auf Gewinn, Was soll´s , einmal verloren, aber dann eben beim nächsten Mal. Mein Einsatz ? Natürlich die Nabelschnur.

Ich wurde größer, die Einsätze stiegen. Ich spielte  auf rot, die Kugel fiel auf die schwarze sechs, die Schulzeit begann, schon wieder verloren, aber aller guten Dinge sind drei. Die Bank gewinnt, machen Sie bitte Ihre Einsätze, die Kugel rollt schon wieder. Ich spielte und spielte, ich setze auf die ungerade schwarze 17, die gerade rote 18 kam, ich wurde volljährig, leider wieder verloren, was für eine Pechsträhne ! Doch ich hatte mich nun schon einmal von der Nabelschnur getrennt, mein allererster Einsatz sozusagen, irgendwann musste ich doch gewinnen, bitte nur ein einziges Mal. Ich setze wieder und wieder, ich verlor wieder und wieder, Jahr um Jahr setzte ich gegen die Spielbank, Jahr um Jahr verschwand vom Spieltisch, immer neue Einsätze, immer schneller drehte sich die Kugel, immer schneller verschwanden die Jahre, immer höher türmte sich der Berg vor diesem unfairen Croupier, immer geringer wurde mein Spielkapital.

“Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen !”, schoß es mir durch den Kopf, als ich auf die schwarze 29 setzte und die Kugel lauthals lachend auf die rote 30 rollte. Irgendwo muß es unter dem Spieltisch einen kleinen unscheinbaren Knopf geben, welcher den Mechanismus manipuliert, ja, Manipulation musste im Spiel sein, in diesem grausamen Spiel namens Leben. Ich schaute genau, meine Mitspieler schauten genau, doch es gab keinen Knopf, keinen noch so winzigen Hebel, es gab nichts zu drücken, nichts zu ziehen. Wir verloren alle, ich verlor, mein Sitznachbar verlor, die hübsche Frau gegenüber verlor, es gab keinen, der ein einziges Mal gewann. Manchmal rollte die Kugel auf Zero, dann herrschte plötzlich Schweigen am Tisch, betretene Mienen überall, manche fingen an zu weinen, einige leise, andere laut. Der Croupier deutete mit seinem knochigen Finger auf einen Spieler, wir schauten alle in die Richtung, wohin der Knochenfinger zeigte und sahen, das Spielkapital war aufgebraucht, kein einziges Jahr blieb mehr als Einsatz übrig, der Spieler musste seinen Platz räumen, wurde sofort ersetzt durch ein neues Gesicht. “Machen Sie bitte Ihre Einsätze, und Sie, der Neue, Ihr Einsatz ist Ihre Nabelschnur ! Aber bitte schnell, die Kugel rollt schon wieder !”

Unlängst, es ist noch gar nicht lange her, vielleicht gestern oder vorgestern, mag sein, auch schon ein paar Tage oder Monate oder Jahre länger, da wusste ich: “Heute ist mein Tag, heute gehöre ich zu den Gewinnern !” Ich wollte den Croupier so betrügen, wie er es mit uns machte. Ich sagte laut in die Spielrunde: “Ich möchte auf die 37 setzen, egal ob schwarz oder rot, aber ich spiele heute nur auf die 37. Auf keine andere Zahl, alle anderen Zahlen habe ich schon gespielt, immer habe ich verloren. Entweder auf die 37 oder ich spiele nicht mehr mit in diesem blöden Spiel namens Leben !” Es wurde still in der Runde, manche sahen betreten zu Boden, andere beglückwünschten mich zu dieser genialen Entscheidung, jüngere Mitspieler blickten mich verächtlich an, denn sie setzten gerade eines ihrer Jahre auf die schwarze 22, die rote 19 oder schwarze 26 und wollten weiterspielen, die Kugel muß weiterrollen.

Der Croupier blickte mich lange an, sein Blick suchte meinen Blick, sein schwarzes Auge suchte mein vom Spielfieber glänzendes Auge, wanderte dann langsam hinunter, dorthin, wo mein Spielkapital vor mir lag, taxierte mit einem durch die Jahrtausende geschulten Kennerblick mein kleines Häuflein, welches vor mir lag und fing an zu sprechen: “Aber selbstverständlich, mein Herr ! Der Spieltisch für die hohen Einsätze befindet sich gleich links von Ihnen ! Ein Sessel wurde schon für Sie reserviert, schon damals, als Sie Ihre Nabelschnur verspielten. Ich wünsche Ihnen viel Glück !”

Ich sitze am neuen Tisch, der Croupier gleicht dem ersten wie ein schwarzes Ei dem anderen, die gleichen knochigen Finger werfen genau dieselbe Kugel in immer die gleichen Bahnen, nach jedem Spiel ertönt die Stimme aus dem Hintergrund: “Rien ne va plus ! Die Bank hat gewonnen ! Machen Sie bitte Ihre Einsätze !”

Ich spiele mit, meine Mitspieler spielen mit, wir blicken mit jedem neuen Wurf gebannt auf das große Rad, verfolgen mit pochendem Herzen, wie Zahl auf Zahl kommt, immer in der trügerischen Hoffnung, einmal, nur einmal zu den Gewinnern zu gehören. Zero kommt, ein Mitspieler verläßt seinen Platz, wird sofort von einem anderen ersetzt, welcher auf die 37 setzen wollte, egal ob rot oder schwarz. Meine Nabelschnur ist schon lange verdorrt.


Body Attack - volle Attacke

Abgelegt unter: Bezahlte Rezensionen — Paul Boegle @ 01:20

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Sportnahrung, Abnehmen, Vitamine, Equipment und Muskelaufbau (z.B. das patentierte Kre Alkalyn EFX), der Relaunch von Body Attack zeigt dem Suchenden in klarer und vor allem übersichtlicher Weise, wohin der Weg geht. Die neu gestaltete Webseite führt in strukturierter und leicht verständlicher Weise dorthin, wohin der Sportler und Sportbegeisterte hingelangen möchte. Der Online Shop Nummer 1 in Sachen Sportnutrition präsentiert seinen Webauftritt in einem vollkommen neuen Gewand, die dominierende Farbe rot vermittelt dem Gast einerseits Wärme, andererseits aber auch pulsierendes Feuer.

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9.11.2009

Paul Celan: Die Todesfuge

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 05:49

Liebe Leser, ich bin, wie Sie mittlerweile wissen, ein schreibender Mensch, ein menschlicher Schreiberling, der viele Dinge, welche mich beschäftigen und die ich dementsprechend auf diesem, meinem Weblog Bio Natur mit einer gehörigen Portion Sarkasmus, Ironie und vielleicht auch manches Mal mit einem gewissen Hang zur Übertreibung niederschreibe. Allerdings gibt es Themen, welche weder zum Lachen sind noch in irgendeiner Weise zum Lachen anregen sollen geschweige können.

Die meisten von uns können sich an jene Zeiten, welche sich zu Beginn der 40er-Jahre bis Mitte der 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts abspielten, sprich in einem sehr kurzen Zeitraum, welcher seinen unsäglichen Anfang mit dem Jahre 1933 nahm und nach 12 dunklen, grauenvollen Jahren jäh endete, nur noch anhand der Geschichtsbücher erinnern, ich selbst habe noch die Erzählungen meines bereits seit langer Zeit verstorbenen Großvaters als immer währendes Mahnmal in meinem Kopf. Es wurde jedoch schon vieles über Hitler und sein Terrorregime geschrieben, deshalb möchte ich auch nicht weiter ins Detail gehen, nicht weil ich nicht will (siehe dazu Das hässliche Ent-lein), sondern weil es ganz einfach weit bessere Literatur darüber zu lesen gibt.

Doch auch wenn ich einer Folgegeneration angehöre, welche die Schrecken des Krieges, vielleicht besser der vielen, unzähligen Kriege, welche auf unserer Erde wüteten und tagtäglich ihren Heißhunger immer wieder auf´s Neue stillen, nie miterleben musste, blieb mir ein Ereignis Zeit meines bisherigen Lebens in Erinnerung. Es handelt sich dabei um ein Gedicht von Paul Celan, welches ich während meiner Schulzeit kennenlernen durfte, nein, eigentlich kennenlernen musste. Es ist ein Gedicht, welches zugleich Klage als auch Anklage ist, es ist ein von solch gewaltiger Intensität verfasstes Mahnmal der Literatur, daß ich jedes Mal, wenn ich es lese, förmlich in einen Schockzustand verfalle. Ich möchte hier auch gar nicht beginnen, eine Interpretation der Todesfuge zu versuchen, denn dieses Gedicht bedarf  keiner Interpretation. 

Deshalb bitte ich Sie jetzt, setzen Sie sich für ein paar Minuten ruhig hin und lassen Sie diese Wortgewalt der Todesfuge von Paul Celan auf sich wirken. Hören Sie dieses Gedicht wieder und wieder, glauben Sie nicht, beim ersten Mal alles verstanden zu haben, denken Sie nicht, beim zweiten Hören alles gehört zu haben und beginnen Sie vielleicht erst beim dritten und vierten Mal, über das Gehörte nachzudenken. Und wenn Sie so wie ich  das Gedicht unzählige weitere Male selbst gesprochen haben, sprechen Sie es laut, schreien Sie die Sätze förmlich heraus, wird es Ihnen möglichweise ebenso ergehen wie mir, die Todesfuge wird Sie ein Leben lang begleiten, immer bereit, zu mahnen, nie wieder zu vergessen. Wenn Sie nun bereit sind, folgen Sie bitte dem Link zu Paul Celan´s Die Todesfuge. Und für alle, welche so wie ich von dieser brachialen und geradezu erschütterten Gewalt der Todesfuge immer und immer wieder berührt sind, hören Sie und lesen Sie sich das Gedicht Wort für Wort durch. Im folgenden finden Sie den Text.

 

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland

dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith

         



         

8.11.2009

Der Panther

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 23:53

Sie kennen Rainer Maria Rilke ? Welch frevlerische Frage, ich weiß es selbst ! Verzeihen Sie also bitte, daß ich diese überhaupt an Sie stellen konnte. Aber ich gelobe Besserung ! Gut, Sie werden mir jetzt, ob berechtigt oder nicht, entgegnen, daß ich jedes Mal Besserumg gelobe, aber im gleichen Atemzug bzw. Gedankengang werden Sie sich denken, von Besserung bezüglich Besserung weit und breit nichts in Sicht, es bleibt seit jeher bei seiner Ankündigung. Aber nichts desto trotz gelobe ich es wieder einmal, es wird allerdings wie immer dabei bleiben, mißverstehen Sie mich bitte nicht, ich habe es ja immer vor, aber es will mir nicht so recht gelingen. Aber wofür gibt es denn dieses wunderschöne und auf jeden und alles anzuwendende “Allein der Wille zählt !”, eine Floskel prädestiniert für meine permanenten Läuterungsabsichten. Das werde ich übrigens auch dann benutzen, Sie wissen bereits, mein Agnostizismus und ich, eine Symbiose par excellence, manche sehen in mir sogar einen verkappten Atheisten, na gut, einen Teufel werde ich tun, dieses abzuschreiten, aber sagen Sie dies bitte in Gottes Namen und um Himmels willen nicht weiter, aber zurück zu dem, was ich benutzen möchte.

Also, ich habe mir eines überlegt als ein von ewigen Zweifeln Geplagter. Ich bin mittlerweile schon derart von Zweifeln geplagt, daß es geradezu schon biblische Ausmaße annimmt, man könnte die Quantität meiner persönlichen Zweifel schon mit denen der alten Ägypter vergleichen, Sie wissen schon, die zehn Plagen, mit welchen der arme Pharao und seinesgleichen zu kämpfen hatte, weil er partout die ihm an sein Pharaonenherz gewachsenen Israeliten nicht ziehen lassen wollte. Wobei, wenn ich meiner Frau, Sie wissen schon, der besten Ehefrau der Welt, wobei darüber ich und mein Alter Ego immer noch streiten, Glauben schenken darf, bin die größte Plage immer noch ich. Da ich aber mit einem latenten Hang zum Atheismus gesegnet bin, köstlich, finden Sie nicht, ein gesegneter Atheist, ich könnte wieder einmal brüllen vor Lachen ob meines Humors, da ich also mit dieser Eigenschaft gar reichlich bedacht wurde, muß ich dieser Aussage meiner liebsten Gattin jetzt nicht unbedingt diesen Glauben schenken, welchen ich ihr sonst in jeder Beziehung zukommen lasse.

So, nun hat es mich wieder einmal vollkommen aus meiner Umlaufbahn geworfen, ursprünglich wollte ich auf Rainer Maria Rilke hinweisen und irgendwie bin ich dann auf “Allein der Wille zählt !” gekommen. Deshalb jetzt ein kleiner, aber wirkungsvoller Ratschlag für alle, welch wie ich auf der Felucke (oder auch Feluke) der Gottesverleugner dahinsegeln, Sie wissen schon, jene kleinen Segelschiffe, die schon zu Zeiten des damaligen unglückseligen Pharaos, jener mit dem großen Pharaoherzen, welches, nach seinem Ableben, nicht entfernt wurde. Nein, das große Pharaonenherz verblieb im toten Pharao, es wurde noch beim Totengericht gebraucht, sozusagen als Visitenkarte für all die guten oder auch weniger guten Taten des Herrschers. Wenn Sie jetzt natürlich wissen möchten, was so alles in den Kanopen gesammelt wurde, also jenen Behältnissen für die alten Pharaonen-Eingeweide, die getrennt beigesetzt wurden, so waren dies der Magen, die Gedärme, die Lunge und die Leber, wobei die Leber mancher Zeitgenossen, ich spreche jetzt wieder über unsere heutige Zeit, nicht vom inneren Organ des Pharaos der damaligen Zeit, besser nicht der Öffentlichkeit gezeigt werden sollte.

Aber Alkoholismus hin und Saufgelage her, wir befinden uns im Moment auf der Felucke der Gottlosen und segeln dementsprechend mehr oder weniger fröhlich dahin auf unserem selbst gewählten Hades der Gottlosigkeit. So, und jetzt komme ich endlich zu dem, was ich eigentlich schon seit dem vorletzten Absatz oder war es sogar einer vor demselben, schreiben will. Also, folgendes habe ich mir in meinem kleinen, vom Atheismus verseuchten Gehirn überlegt. Sollten ich und all meine gottlosen Gefährten uns doch getäuscht haben, können wir immer noch zurückrudern, was auch sonst auf einer Felucke, wobei hier zurücksegeln zwar angesagter wäre, aber des Wortspiels wegen bleibe ich beim Rudern, in dem wir dem Schöpfer, vor dem wir dann zu unserer aller Überraschung stehen, wahrscheinlich triefend nass von den Untiefen unserer ketzerischen Ader, einfach mit treuherzigem Blick unserer neo-gottesfürchtigen Augen entgegnen: “Allein der Wille zählt !”. Was kann uns passieren ? Entweder wir kommen ins Fegefeuer, aber da wollten wir ja Zeit unseres Lebens sowieso hin oder, was natürlich auch nicht zu verachten wäre, wir wechseln die Felucke und segeln für alle Ewigkeit unter falscher Flagge.

Was hat dies alles aber nun mit Rainer Maria Rilke und der Überschrift “Der Panther” zu tun ? Rein gar nichts, aber es gibt ein wunderschönes Gedicht von Rilke aus dem Jahre 1902, also weit nach den biblischen Plagen, aber es beschreibt die größte Plage, mit welcher sich ein Tier wie der Panther konfrontiert sieht. Ich lasse Sie deshalb wieder einmal allein und wünsche Ihnen ein kleines bisschen Nachdenklichkeit mit dem folgenden Gedicht.

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, Paris 1902


Codecheck

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 22:08

Ich habe zwar über die Plattform codecheck schon auf meinem Webprojekt Bio Natur - Gesundheit (er)leben berichtet, aber doppelt hält besser. Wir alle kennen den Strichcodes oder auch EAN (Europäischer Artikelnummern)- Code, wer genauer hinsieht, wird ihn auf sehr vielen Produkten unseres täglichen Lebens entdecken. Wer bei Code allerdings um eine Verschlüsselungstaktik eines dubiosen Geheimdienstes denkt, den muß ich leider enttäuschen. Der Strichcode soll aufdecken, und zwar mit Scannern oder sonstigen optoelektronischen Geräten. D.h., dieser Balken- oder auch Barcode, zwei weitere Synonyme für den Strichcode, sind nichts anderes als Daten, welche z.B. das Herkunftsland des Produkts, den Namen des Produzenten oder auch den Verkaufspreis enthalten.

Die Internet-Plattform Codecheck macht sich genau diesen Strichcode zunutze, indem sie die darauf enthaltenen Informationen als Bewertungkriterien für die Verträglichkeit der Inhaltsstoffe des jeweiligen Produkts heranzieht, welches untersucht werden soll. Die einzelnen Bestandteile werden dabei in verschiedene Kategorien gegliedert, jeder Inhaltsstoff wird von Codecheck mit “empfehlenswert”, “eingeschränkt empfehlensert”, “nicht empfehlenswert”, oder in speziellen Fällen auch mit “nur Einzelfallbewertung möglich” bzw. “nicht bewertet” aufgeführt.

Doch Codecheck lebt auch von unserer Bereitstellung an Informationen, d.h. wir als Verbraucher und Konsument können uns aktiv bei Codecheck beteiligen. Damit wir Codecheck als Entscheidungshilfe für den Kauf von Produkten heranziehen können oder einfach nur die Plattform als Informationssuche verwenden wollen, bietet Codecheck die Möglichkeit, Produkte, welche in der Codecheck-Datenbank noch nicht erfasst sind, in Eigenregie anhand des Strichcodes einzugeben und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die schmuck- und kostenlose Internetpräsenz machen Sinn und Zweck von Codecheck deutlich, es geht hierbei um objektive und sinnvolle Informationssuche, welche dem kritischen Verbraucher auf einfache und unkomplizierte Weise ermöglicht werden soll. Codecheck betreibt nicht Meinungsmache, sondern will den Konsumenten lediglich helfen, sich im Dschungel der chemischen Inhaltsstoffe, Antioxidantien, künstlichen Farb- und Konservierungsstoffe zurechtzufinden. Weiterhin bietet Codecheck die Möglichkeit, sich über eventuelle Alternativen zu den “gecheckten” Produkten zu informieren.

Die Kritiker werden nun vielleicht entgegnen: “Ja, aber wenn ich die Produkte schon gekauft habe, kann ich sie erst zuhause überprüfen !” Das mag sicherlich richtig sein, aber die Antwort meines ehemaligen Vorgesetzten auf ein Fehlereingeständnis meinerseits vor versammelter Belegschaft hat sich für immer in mein Gedächtnis eingegraben: “Was unterscheidet einen intelligenten von einem dummen Menschen ? Der intelligente Mensch macht den selben Fehler nur ein einziges Mal !” Wobei Codecheck auch den direkten und sofortigen Check mittels Handy anbietet, aber das nur am Rande. Und sollte es weitere Skeptiker geben, die der Meinung sind, ich werde von Codecheck für die Veröffentlichung dieses Artikels auf meinem Weblog bezahlt, kann ich auch hier beruhigen. Bezahlte Rezensionen auf Bio Natur - Der Weblog werden von mir als solche deutlich gekennzeichnet. Die Vorstellung dieser nützlichen Seite, speziell hinsichtlich Kosmetikprodukten fundiert einzig und alleine auf der Tatsache, daß es doch hin und wieder Hilfreiches und für den Konsumenten Wissenswertes im Internet zu finden gibt.

Wer also in Zukunft einmal wissen will, welche Inhaltsstoffe das verwendete Haar-Shampoo oder die aufgetragene Hautcreme enthalten, kann sich auf Codecheck dazu näher informieren. Und damit ich diesen Artikel nicht vollkommen ohne Eigennutzen geschrieben habe und endlich den Skeptikern und meinen Kritikern neue Nahrung verschaffe, mache ich letztendlich doch Werbung in eigener Sache und empfehle die Frischekosmetik von RINGANA, deren Produkte selbstverständlich auf Codecheck abgerufen werden können.


         

6.11.2009

Der Tag danach

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 17:10

Zuerst glaubte S., das Handy sei kaputt. Doch das Display leuchtete wie immer, es waren keine Anzeichen füt ein Nichtfunktionieren zu erkennen. Auch das Symbol für den Akku auf der rechten, oberen Seite zeigte noch genug Ladekapazität an. Und das kleine Symbol links oben, welches für die Anzeige des Empfangs zuständig war, ließ ebenfalls keinerlei Zeichen von Schwäche erkennen, sofern man bei einem Zeichen von Schwäche reden konnte.

S. wusste nicht mehr weiter. Zu Silvester hatte er schon desöfteren, eigentlich immer kurz vor Mitternacht bis ca. 1.00 Uhr, erlebt, daß sämtliche Netze unter der Last der Glückwünsche zusammenbrachen. In schöner Regelmäßigkeit, immer am 31. Dezember eines jeden Jahres musste er mit ansehen, wie die Balken des linken, oberen Symbols, jenes Zeichen für den Netzempfang, für ein bis zwei Stunden ihren Dienst quittierten. Nicht, daß er deswegen ärgerlich wurde, er hatte niemanden, welchem er an diesem letzten Tag des Jahres, jedem letzten Tag jeden letzten Jahres, irgendwelche Glückwünsche übermitteln musste geschweige denn daß er auf irgendwelche “Einen guten Rutsch…”-Nachrichten wartete. Für S. gestaltete sich jeder Tag jeden Jahres mit der selben Präzision, er hatte es eigentlich längst aufgegeben, sich nach irgendwelchen Kalendern zu richten, welche überall in seiner kleinen Wohnung hingen, standen oder in einer für den Außenstehenden scheinbaren Unordnung herumlagen. Für S. war weder Sommer- noch Winterzeit von Bedeutung für sein wohlgeordnetes Leben, er stellte seine Uhren dann um eine Stunde vor, wenn es die anderen Menschen auch taten und wenn ihm die Nachrichten oder die Tageszeitung sagte, die Sommerzeit sei zu Ende, stellte er die Uhren wieder um eine Stunde zurück. S. richtete sich schon lange nicht mehr nach der Zeit, er tat nur das, was alle taten, und er machte es dann, wenn dies alle machten. Zeit bedeutet S. schon lange nichts mehr in seinem wohlgeordneten, von Kalendern überhäuften Leben, er hatte seinen eigenen Zeitstrahl, auf dem er sich präzise fortbewegte, Sommerzeit bedeutete für ihn eine Stunde weniger schlafen, Winterzeit hieß für ihn eine Stunde länger schlafen. S. schlief dann eine Stunde weniger, wenn dies die anderen auch taten und wenn die anderen eine Stunde länger im Bett blieben, richtete sich S. nach ihnen.

 Aber wer waren die anderen ? S. hatte schon lange Zeit, die Zeit, in der er selber lebte, keine anderen mehr gesehen. Die Welt von S. war seine eigene Welt, die Welt, in die er sich schon lange zurückgezogen hatte, fern ab von den anderen, welche sich am 31. Dezember jeden Jahres eine “Einen guten Rutsch…”-SMS schrieben. Sie schrieben solange ihre “Einen guten Rutsch…”-Kurznachrichten, bis die Netze zusammenbrachen. S. schrieb keine SMS, wem sollte S. auch schreiben, er hatte niemanden in dieser Welt der anderen, dem er eine SMS schreiben konnte. Die anderen wussten nicht, daß S. existierte, S. existierte in seiner eigenen Welt der eigenen Präzision, in seinen eigenen vier Wänden, in seiner eigenen Zeit, mit seinen eigenen Kalendern, welche in einer für den Außenstehenden scheinbaren Unordnung überall hingen, standen und herumlagen.

S. griff ein zweites Mal zum Handy, er wollte seiner Haushaltshilfe eine SMS schreiben, Frau G. war sein einziger Kontakt, der sich in seinem Telefonspeicher befand. S. hatte Frau G. unter G gespeichert, aber er hätte sie auch unter A wie andere, die Welt der anderen speichern können, denn Frau G. war für S. seine ganze Welt der anderen, sein ganzer Telefonspeicher, seine Welt der anderen bestand nur aus Frau G.

S. schaute ein zweites Mal auf das Display, welches bläulich im dunklen Zimmer, dieser dunklen präzisen Welt von S. schimmerte. S. schickte die mühsam geschriebene SMS “Ich brauche nur pfeferminztee, kommen sie bitte am donnerst. zwischen 10 und 111.” ein weiteres Mal weg. S. hatte das “pfeferminztee” nur mit einem f geschrieben, nicht weil er es nicht besser wusste, sondern weil S. nicht wusste, wie er das Wort verbessern sollte. S. wusste nicht, wo die Zurück-Taste war und S. schrieb “donnerst.” statt “Donnerstag”, nicht weil er Donnerstag nicht schreiben konnte, aber S. hatte seine eigene Vorstellung von den Wochentagen und wie man die zu schreiben hatte. Die Tage von S. waren seine eigenen Tage und sie gehörten ihm, sie waren seine eigenen Tage in seiner eigenen Welt in seinen eigenen vier Wänden mit seiner eigenen Präzision in seinem eigenen wohlgeordneten Leben ohne die anderen. Und deshalb schrieb S. “donnerst.” und nicht “Donnerstag”. S. drückte  die Senden-Taste und sah nicht, daß er anstatt “11″ “111″ geschrieben hatte, aber vielleicht wollte S. es gar nicht sehen, denn Zeit bedeutete S. schon lange nichts mehr.   

S. wurde am 04.01. gefunden. Auf dem Handy war eine SMS. “Einen guten Rutsch… wünscht Ihnen Frau G.”. S. lag da, das Handy in der rechten Hand, das Gesicht auf dem alten, von der Sonne ausgebleichten Teppich, der Rollstuhl lag neben S., umgekippt. Die anderen standen ratlos um S. herum, in seiner ehemaligen Welt voller Präzision, in seiner ehemaligen Welt der eigenen Sommer- und Winterzeit, schauten auf die vielen Kalender, welche an den Wänden hingen, auf dem kleinen Tisch standen und überall herumlagen, in einer für die Außenstehenden scheinbaren Unordnung. Doch da war S. schon lange in seiner eigenen geordneten Welt, welche er betrat, gerade als die Handynetze wieder einmal zusammenbrachen, so wie jeden 31. Dezember.      

5.11.2009

Gedanken-los !

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 00:28

Selbst mir gehen von Zeit zu Zeit die Ideen aus ! Ja, es kommen Momente, da weiß selbst ich nicht mehr, über was ich schreiben soll. Obwohl, wenn ich es recht bedenke, solch eine Situation ist mir neu, ich kann mich nicht erinnern, daß mir dieses jemals passiert ist. Dieser Zustand geistiger Kontinenz, continentia, wie die alten Lateiner sagten, ja, natürlich gab es auch alte Lateinerinnen, aber eine Frau auf ihr Alter anzusprechen, kann zu einem exitus letalis führen, diesen Begriff brauche ich wohl nicht zu übersetzen, also solch ein Zustand der Zurückhaltung meines Oberstübchens war mir bisher fremd. Meine Gedanken gingen sozusagen fremd, nur wusste ich leider nicht, mit wem und was mich noch mehr interessiert hätte, wohin gingen sie fremd. Sie waren plötzlich nicht mehr da, ließen mich zurück mit einem Gefühl der Ratlosigkeit. Guter Rat war teuer, aber in welcher Währung werden Gedanken gehandelt ? Oder kann man Gedanken vielleicht gegen irgend etwas tauschen, so ein kleiner Gedankentausch-Shop wäre ganz praktisch. Vielleicht gibt es ja auch eine Gedanken-Single-Börse, also so etwas in der Art, daß man einzelne Gedanken miteinander verkuppelt, zu einem Gedanken-Paar möglicherweise ? Und für die ganz Gedankenlosen, die mehr als nur einen Gedanken benötigen, also kein Gedanken-Paar, sondern ein paar Gedanken, so ein Gedanken-Gangbang wäre doch eine Überlegung wert. Stellen Sie sich einmal vor, Ihre Gedanken, die in diesem Falle natürlich nicht vorhanden sind, es handelt sich nur um fiktive Gedanken, kreisen nur um den einen Gedanken, und zwar um den Gedanken, ein paar andere Gedanken zu verführen. Ihre eigenen Gedanken wollen mit fremden Gedanken koitieren, welch ein Koitus intergedankus. Was für ein lustvolles Denken, nicht wahr ?

Aber reissen wir uns lieber wieder von solch sündigen Gedanken los, bevor andere noch auf den Gedanken kommen, daß wir nur an das eine denken. Soll die Prüderie wieder Einzug in unsere Tristesse halten. Denken wir wieder alle gemeinsam an mich und meine Gedankenlosigkeit. Ich stand also vor vollendeten Tatsachen, der schlimmste Fall war eingetreten. Ich hatte nur noch den einen Gedanken: “Tu quoque Brute, mi fili ?” Sie wissen schon, Cäsar und sein “Auch Du, mein Sohn Brutus ?”, in meinem ganz speziellen, meinem persönlichen Mordfall war Brutus mein Gedanke, welcher mich hinterrücks gemeuchelt hat. Ja, es gibt ihn wirklich, diesen brutalen Gedanken, der einen erdolcht, gnadenlos, rücksichtslos, gedankenlos. Wobei, wobei mir da wieder leise Zweifel kommen, ein kleiner Gedanke quält mich jetzt schon wieder, er martert mein Hirn, steht plötzlich einsam und verlassen am Marterpfahl der Gedankenqual.

Nicht Zweifel quälen mich bezüglich meiner brutalen Gedanken, denken Sie jetzt bitte nicht, ich hätte derer solche, wir haben doch eben festgestellt, daß ich überhaupt keine haben und schon gar keine brutalen. Naja, manches Mal habe ich schon Gedanken solcher Art, aber das war vor meiner Zeit der Gedankenlosigkeit, besser wäre zu sagen, ich hatte solche brutalen Gedanken. Aber nun, im Zeitalter meines post-gedanklichen Zeitalters, nun, da ich aus der Sicht eines Ex-Denkenden schreibe, kann ich ruhig zugeben, daß ich voller brutaler Gedanken war. Ich war ein beispielloses Beispiel gedanklicher Brutalität bzw. brutaler Gedanklichkeit, aber vorbei diese goldenen Zeiten, zugeschüttet und begraben unter einem Sumpf großer bedenklicher Gedankenlosigkeit. Danke, liebe Gedanken, Ihr seid mir immer treue Begleiter gewesen ! Vielen Dank für die schönen Zeit, macht es gut in Eurem neuen Hirn !

Vor lauter Danksagung hätte ich jetzt meine leisen Zweifel vergessen. Also noch einmal zurück zu Cäsar. Laut Geschichtsschreibung soll nun also Cäsar während seines Hinscheidens die berühmten Worte “Auch Du, mein Sohn Brutus ?” oder ein Zitat in ähnlicher Form von sich gegeben haben. Selbst Shakespeare hat dies in seinem “Brutus, auch du ? - So falle, Cäsar.” aufgegriffen, welches er dem Herrscher Roms in seinem Stück Julius Cäsar (Dritter Aufzug, erste Szene) in dessen vom Sterben erfüllten Mund legte. Sie sehen übrigens, über Shakespeare gibt es immer etwas zu berichten, aber das wissen Sie ja schon seit Der illegale Einwanderer G.. Was ich jedoch so erstaunlich finde, ist die Tatsache, daß Cäsar trotz 23 Messerstichen, welche ihm von den Senatoren, denn nicht nur Brutus stach auf ihn ein, es war mehr ein großartiges Hauen und Stechen des Senats, mehr Stechen als Hauen natürlich, aber das liegt in der Natur der Dinge, sprich von Messern und Dolchen, daß Cäsar immer noch die Kraft hatte, diese berühmten Worte auszustossen, während auf ihn eingestossen wurde.

Da liegt doch gleich einmal wieder die Frage auf der Hand: Waren hier Dilettanten am Werk ? Wie findet ein Mann, welcher durch ein solche Vielzahl von Messerstichen verletzt wird, noch Zeit und ganz besonders Kraft, sich mit seinem Mörder zu unterhalten ? Entweder waren hier lauter anatomische Nebenberufsmörder am Werke oder Cäsar hatte die Konstitution einer Kreuzung aus Rambo und Terminator, er war in Wirklichkeit gar kein Imperator, sondern vielmehr ein Rambonator. Aber sollen die Geschichtsbücher schreiben, was sie für richtig halten, wir waren alle nicht dabei, zumindest ich kenne keinen, der mir bisher seine Reinkarnation bzw. Auferstehung gestanden hätte. Oder wäre hier das Wort gebeichtet eher angebracht ? Aber wer weiß, die Geschichtsschreiber, besonders diejenigen im Dienste der Institution “Die zehn größten Irrtümer (Gebote) dieser Welt”  haben schon oftmals den Ostersonn-Tag vor dem Karfrei(tag)-Abend in den Himmel gelobt, vielleicht athe-ist es ja doch ganz anders als ich un-glaube

Aber zumindest eines ist bei all diesem Durcheinander passiert. Meine Gedanken haben sich wieder frisch geordnet, die Brutalität hat wieder Einzug in mein Gehirn gehalten. Aber da bin ich glücklicherweise nicht der einzige, dem dies tagtäglich widerfährt. Ich heiße mich demnach wieder selber herzlich willkommen in einer neuen, alten Welt der 23 Messerstiche, manchmal weniger, meistens mehr. Cäsar wurde am 15. März 44 v. Chr. ermordet,  jener Senatssitzung in den sogenannten Iden des März. “Die Iden des März sind da !” , sollen seine spöttischen Worte gewesen sein. Worauf ihm Spurinna entgegnete: “Das sind sie, aber sie sind noch nicht vorüber !”

4.11.2009

Das Anthropozän

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 02:07

Es gibt Worte, da verschlägt es sogar mir die Sprache. Da muß man bei näherem Hinschauen noch eine Spur näher hinschauen. Und dieses Verschlagen der Sprache soll hier durchaus wörtlich verstanden werden.

Die Menschen haben seit Erfindung der Sprache, ich nenne es der Einfachheit halber Erfindung, diesselbe immer dazu benutzt, eine bestimmte Relation zwischen dem Zeichen (dem gesprochenen bzw. geschriebenen Wort), dem zu Bezeichnenden (Gegenstand, Objekt usw.) und einer gewissen Vorstellung, welche dieses Zeichen hervorruft, herzustellen. Ich beziehe mich hierbei allerdings nur auf die Interpretion, wie sie von Aristoteles eingeführt wurde. Andere große Semiotiker wie Umberto Eco oder Jan Mukařovský lasse ich einmal außer Acht, einerseits, weil es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, andererseits muß ich Ihnen, aber noch viel mehr mir selbst, eingestehen, daß ich auf dem Gebiet der Semiotik ein absoluter Laie bin und deshalb auch nicht die leiseste Ahnung habe, wie ich mich dieses Mankos entledigen soll, ohne unglaubwürdig dazustehen. Deshalb sage ich, wie es ist: Ich kenne mich nicht aus, dieses aber exzellent !

Aristoteles´Ansatz ist ein Erklärungsversuch, wie Menschen miteinander und untereinander mit Hilfe konventioneller Zeichen in Form allgemein verständlicher und vordefinierter Begriffe, wie sie sich im Laufe menschlicher Interaktionen herausgebildet haben, zu einer intersubjektiven Verständigung über die Wirklichkeit übereinkommen. Vorrang dabei hat immer das gesprochene Wort, da Geschriebenes immer nur eine Folge des Gesprochenen sein kann. Klingt kompliziert ? Ist es auch ! Deshalb wollen wir es dabei bewenden lassen und mit einem abschließenden Beispiel verdeutlichen. Nehmen wir als Grundlage die bereits angesprochene Triade Zeichen - Bezeichneter - Seelenregung oder auch das semiotische Dreieck nach Ogden und Richards. Wenn ich zu Ihnen das Wort “Tisch” sage, vertritt dieses Symbol ein Bezugsobjekt, d.h. ein Objekt, welches für uns greifbar ist, wobei auch dies wiederum nicht korrekt ist, aber sei´s drum. Das Wort hat also die Aufgabe, einen wirklichen Gegenstand zu vertreten, aber erst diese Verbindung zwischen diesem Symbol und dem Bezugsobjekt löst in uns eine bestimmte gedankliche Assoziation aus, d.h. wir verbinden mit dem Wort “Tisch” eine gedankliche Interpretation. Was wir im Laufe unseres Lebens geübt und gelernt haben, läßt uns bestimmte Informationen mit dem Wort “Tisch” abrufen. Um aber genau jene Denkprozesse richtig verstehen zu können, ist es unumgänglich, daß wir jene Verzahnung von Worten, Gegenständen und Begriffen verstehen. Doch gerade hier liegt die Schwierigkeit, denn um erfolgreich und zielgerichtet Sprechen und Denken miteinander verbinden zu können, bedarf es eines langen Lernprozesses. Ein Kind muß den Gegenstand Tisch zuerst einmal aus einer Vielzahl gelernter Begriffe filtern können, d.h. es muß ein bestimmtes Wort einem genau dafür vorgesehenen Objekt zuordnen können, um so in gewünschter und gewollter Weise mit seiner Umwelt interagieren zu können. Möchte ich den Apfel auf dem Tisch haben, muß ich den dafür richtigen Begriff verwenden, um einen bestimmten und zielgerichteten Denkprozess des Partners in Gang zu setzen, um ein gewünschtes Ergebnis zu erreichen, nämlich den Apfel und nicht den Tisch.  

Aber lassen wir das, ich wollte Ihnen damit nur zeigen, daß mit bestimmten Begriffen auch bestimmte Verknüpfungen in unserem Denken vorhanden sind. Und eben dieses stellte sich bei mir nicht ein, als ich das Wort Anthropozän zum ersten Mal zu hören bekam. Es regte sich einfach nichts in meinem klitzekleinen Gehirn, alles blieb dunkel, meine Neuronen versagten ihren sonst doch sehr zuverlässigen Dienst. Da half nur noch eines, ich musste mich wieder einmal duschen. Wer das jetzt nicht versteht, das ist mittlerweile schon zu einem running gag auf meinem Blog geworden, ich sage deshalb nur Warmduscher oder Fuchs und Hase. Doch selbst das blieb dieses Mal unerwidert, Milliarden von Nervenzellen versagten weiterhin ihren Dienst, wollten so gar nicht kooperieren, partout weder chemische noch elektrische Weiterleitungen von Informationen, wie auch, wenn ich keine Informationen über den Begriff Anthropozän hatte. Was blieb mir übrig ? Ruhet in Frieden, ihr verdammten Axone, ihr  zu nichts zu gebrauchende, vollkommen unnütze Neurotransmitter.

“Des Menschen Wille ist sein Himmelreich, die Unentschlossenheit die Hölle.” Ein schönes Sprichwort. Also fing ich wieder einmal an, das zu tun, was Trüffelschweine auch gerne tun. Ich begann nach den Trüffeln zu suchen, ich fing an, unter der Oberfläche zu graben. Ich wollte wissen, wie der Trüffel mit dem unaussprechlichen Namen Anthropozän wirklich aussah. Und siehe da, auch eine kleine Sau wie ich findet ab und zu einmal einen Schlauchpilz, wenn auch nur einen namens Anthropozän.

Aber bevor wir dieses Zeitalter unserer neuesten Menschheits- und Erdgeschichte einläuten, denn um ein solches handelt es sich laut Definition von Prof. Paul J. Crutzen, ein kleiner Witz. Sie werden jetzt aus allen Wolken fallen und entgeistert fragen: “Kann denn dieser Mensch auch etwas Lustiges schreiben ?” Ich verspreche hiermit hoch und heilig: “Es wird nie wieder vorkommen !” Also, halten Sie sich fest, trotzen Sie den Fliehkräften, sonst wird es Sie demnächst aus der Umlaufbahn hauen. Aber das wird es sowieso, wenn wir so weitermachen. Aber jetzt zum versprochenen Heiterkeitsausbruch und wehe, ich höre Sie nicht brüllen vor lauter Lachen ! Folgendes hat sich zugetragen:

Zwei Planeten treffen sich weitab unseres bekannten Sonnensystems. Der eine kotzt sich seine Innereien aus dem Leib, hat Waldsterben wie andere die Masern, Ozonlöcher so groß wie der südliche Urkontinent Gondwana zu Zeiten des Prähistoriums. ”Was hast Du denn ?”, will der zweite Planet wissen. “Ich habe die Seuche Homo sapiens !” sagt der kranke Planet. “Ach, mach Dir nichts draus, das geht schnell vorüber, die hatte ich auch einmal !”

Na, habe ich Ihnen zuviel versprochen ? Da sage noch einmal einer, ich hätte keinen Sinn für Humor. Ich höre Sie jetzt noch wiehern. Ja, es ist immer wieder erbaulich, andere zum Lachen zu bringen, fragen Sie doch bitte meine Frau, sie wird ganz weinerlich ob meiner humoristischen Ader. In meinen Adern fließt sozusagen flüssiger Witz, ich bin förmlich durchsiebt von Lachsalven, welche mich immer und immer wieder ob meiner brillianten komischen mit flüssigem Witz erfüllten Ader treffen. Mir wird nachgesagt, ich sei ein wandelnder Witze-Newsletter, eine ganz große Nummer, quasi eine Lachnummer, mir wurde anstatt der Hirnanhangdrüse eine Humoranhangdrüse vom Schöpfer eingebaut. Meine Mitmenschen bezeichnen mich als Cartoonator, als fleischgewordenen Spaßfaktor, als Reinkarnation sämtlicher totgelachter Kabarettisten. Man kann mit Fug und Recht behaupten, wer mich nicht kennt, hat in seinem Leben noch nicht wirklich gelacht. Aber genug der Lobhudeleien, Sie machen mich ja völlig verlegen, schauen wir doch jetzt, wo wir uns wieder alle beruhigt haben, was es sonst noch auf unserem Planeten gibt. Halten wir noch einen kurzen Moment inne, ich höre noch jemanden im Hintergrund brüllen. So, wenn jetzt wieder Ruhe auf unserem ganz privaten Narrenschiff eingekehrt ist, wenden wir uns einem anderen Rotationskörper zu. 

Sie wissen, welchen ich meine ? Vollkommen richtig, wir nennen ihn gemeinhin Mutter Erde. Selbstverständlich können Sie auch sagen: “Gemein, Mutter Erde ist hin !” Das mit diesem gemeinhin sollten wir alle etwas lockerer sehen, Mutter Erde nimmt es mit der Rechtschreibung schon lange nicht mehr so genau, genauer gesagt, seit wir das erdgeschichtliche Zeitalter des Anthropozän eingeläutet haben. Die Geologen sprechen zwar vom sogenannten Holozän, wenn sie von unserem gegenwärtigen erdgeschichtlichen Zeitalter sprechen, aber da wir uns permanent auf der Überholspur befinden, müssen wir uns für das völlig Neue, so die sinngemäße Übersetzung von Holozän (griech. ὅλος, „völlig“ und καινός, „neu“) schon wieder etwas neues einfallen lassen. Paul Crutzen hat dementsprechend im Jahre 2002 das Konstrukt des Anthropozän geprägt, welches in Anlehnung an das griechische ανθρωποδ = Mensch unsere heutige Epoche meint, welche durch die radikalen Eingriffe des Menschen in das Ökosystem Erde dieses nicht nur regional, sondern global beeinflusst und geradezu beschneidet. Das Anthropozän steht also für das Zeitalter des Menschen, leider.

Der Mensch hat seit Beginn der Urbachmachung von Wald und Boden in zunehmendem Maße in den natürlichen Kreislauf der Erde eingegriffen. Doch während sich diese Eingriffe, deren Folgen schon damals mit Erosion, verändertem Wasserhaushalt und Nährstoffentzug einhergingen, in der Jungsteinzeit vielfach noch auf bestimmte Regionen beschränkten,  hat sich dies mit Beginn der Industrialisierung grundlegend geändert. Das System Erde in seiner Ganzheitlichkeit, welches sich einst aus unzähligen Einzelfaktoren zusammensetzte, wird im Anthropozän von einem einzigen überdimensionierten Faktor, dem Faktor Mensch bestimmt, dominiert und reglementiert, innerhalb eines Zeitraumes von einigen wenigen Jahrhunderten hat der Mensch das beherzigt, was ihm sein sogenannter Gott vorgegeben hat: “Machet Euch die Erde untertan” (Genesis Mose 1, Vers 28).

Diese irreparablen Schäden an der Natur, welche durch die gedankenlose Ausbeutung und Verschwendung unserer Resourcen, das überproportional ansteigende Bevölkerungswachstum, welches die Erschließung neuer Nahrungsquellen notwendig macht, der Klimawandel, Umwelt- und Luftverschmutzung, die Überfischung der Meere, sind alleine auf die dynamische Größe Homo sapiens zurückzuführen. Der Mensch ist nicht mehr ein Teil von vielen, er hat sich durch seine Vormachtstellung zu einem alles dominierenden Aktivator und Beschleuniger dieses globalen Wandels außerhalb dieses Systems gestellt.

Ich möchte zum Abschluß keine Schwarzmalerei betreiben, ich will nicht pessimistisch in unsere gemeinsame Zukunft blicken und es steht mir keinesfalls zu, da ich selbst Teil einer von vielen unterschiedlichen Kulturen bin, welche dieser Planet beherbergt, andere zu maßregeln bzw. gute Ratschläge zu erteilen. Der einzige Grund für das Verfassen dieses Artikels war, und hier schließt sich dann wieder der Kreis zu Aristoteles, eine Erklärung für ein Zeichen, in diesem speziellen Fall das Wort Anthropozän, zu finden, welches sich in meinem bisher gelernten Wort- und Sprachschatz nicht abrufen ließ. Das semiotische Dreieck lag vor mir, ohne daß ich fähig war, dessen Umrisse zu sehen, zu erkennen oder gar zu interpretieren. Ich hatte zwar einen Ausdruck, einen Begriff vor mir liegen, doch konnte ich diesem keinen Referenten zuordnen geschweige denn diesen Terminus mit Inhalten füllen.

Ich bin wiederum ein Stückchen weiter gekommen, zugegebenermaßen nur einen winzigen Schritt. Ich habe es längst aufgegeben, mich auf die Suche nach Wahrheit zu machen. Ich erhebe ebenfalls nicht den Anspruch, vom Baum der Erkenntnis naschen zu wollen. Da halte ich es doch lieber mit Xenophanes:

Nicht von Anfang an haben die Götter den Sterblichen alles Verborgene gezeigt, sondern allmählich finden sie suchend das Bessere.”                            

      

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