Bio Natur - Der Weblog

27.11.2009

CCD - Das spurlose Sterben der Bienen

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 23:38

Wenn wir auf den gestrigen Tag zurückblicken, ist uns vielleicht noch dieses areodynamische Wunder der Natur mit dem Namen Hummel in Erinnerung. Wollen wir uns heute deshalb mit deren kleineren Artgenossen, den Bienen beschäftigen. Ich muß diesen kleinen, eifrigen, pelzigen und stachelbewehrten Tierchen diesen Artikel widmen, da höchste Eile geboten ist. Denn ein rätselhaften Phänomen namens CCD greift um sich.Colony Collapse Disorder, kurz CCD, beschreibt einen seit mehreren Jahren schleichenden und leider weitgehend unerforschten Prozess des rätselhaften Verschwindens ganzer Bienenvölker. CCD, eine Störung, welche die Wissenschafler mit Bienen-Kollaps bezeichnen und vor dem sie bis heute vor einem Rätsel stehen. Die Bienen verschwinden einfach, sie fliegen auf ihrer Suche nach Nahrung in einen unbekannten Tod, sie lassen keine Toten zurück, die Bienenstöcke sind von einem Moment auf den anderen verwaist, niemand weiß, welchem Schicksal die Bienen entgegenfliegen. Zurück bleibt die unversorgte Brut, allein gelassen und zum Verhungern verurteilt. Die Bienen sterben und der Mensch weiß nicht einmal, warum sie sterben.

Die Bienen haben sich im Laufe von Jahrmillionen zum wichtigsten Blütenbestäuber der Natur entwickelt. Sie übernahmen die ursprüngliche Funktion, welche anfangs der Symbiose Pflanze-Insekt den Käfern zugedacht war. Die Pflanzen entwickelten aufgrund dieser Tatsache, daß ihnen die Bienen derart von Nutzen waren, im Laufe der Evolution süße Säfte, um den Bienen ein Wiederkommen im wahrsten Sinne schmackhaft zu machen. Diese Ko-Evolution ist durch das Phänomen CCD nun ernsthaft gefährdet. Millionen und Abermillionen an Insekten sind durch die immer mehr um sich greifende Umweltverschmutzung in Form von Lichtverschmutzung betroffen, CCD jedoch in Kombination mit all diesen schädlichen Faktoren wird in absehbarer Zeit in all seiner Härte auf die Menschen zurückschlagen.Manche werden vielleicht damit argumentieren, daß es doch eigentlich nur um das Aussterben einer weiteren Tierart geht. Bienen hin, Bienen her, die Natur hat sich bisher noch immer von einem weiteren fehlenden Glied erholt und hat die entstandenen Lücken wieder geschlossen. Andere werden wiederum sagen, die Menschheit kommt in Zukunft auch ohne den Honig aus, da es sich schließlich hierbei nur um ein Nebenprodukt handelt und letztendlich läßt sich Honig auch mit Hilfe synthetischer Prozesse herstellen. Das mag auf den ersten Blick als richtig und für den einen oder anderen als stimmig erscheinen, doch die Wahrheit liegt im Falle des Aussterbens der Bienen leider wesentlich tiefer.

Wir sind auf der ganzen Welt in direkter und fast noch mehr in indirekter Weise von den unschätzbaren Diensten der Bienen abhängig. Fakt ist, daß ein Großteil unserer Obstbäume, aber auch Sträucherfrüchte wie Himbeeren sowie viele Gemüsesorten wie z.B. Paprika von der Bestäubung durch Zuchtbienen erfolgt. Und ein Drittel der Menschheit ist genau auf diese Früchte angewiesen, der Hunger dieser Welt wird zu großen Teilen durch den Fleiß der Bienen bekämpft. Und denken wir jetzt noch einen Schritt weiter. Klee und das im amerikanischen Raum verwendete Alfalfa dienen in der Landwirtschaft als wichtigste Grünfutterpflanzen. Doch wenn die Bienen ausbleiben, bleiben auch die Futterpflanzen aus. Wenn Sie also wieder einmal ein saftiges Steak ,oder wenn es denn sein muß, einen Burger essen, denken Sie daran, daß unser Essen vielfach erst mit dem Bestäuben durch die Bienen auf den Tisch kommt. Auf die volkswirtschaftlichen Schäden, welche durch diese Einbußen entstehen, will ich dabei jetzt nicht eingehen (siehe auch Das spurlose Sterben).Ich habe unlängst wieder einmal einen interessanten Bericht zur diesbezüglichen Problematik verfolgt. Da die amerikanische Wirtschaft vom Phänomen des Bienen-Kollapses derzeit am größten betroffen ist, versuchen Menschen nun seit längerer Zeit, die Arbeit der Bienen zu übernehmen. Mit riesigen Ventilatoren wird verzweifelt versucht, die Obstplantagen zu bestäuben. Doch die wirklichen Erfolge blieben aus, kläglich scheitert der Mensch daran, die Arbeit eines ein Gramm schweren Lebewesens zu bewältigen. Die volkswirtschaftliche Weltschöpfung, welche die Bienen für den Menschen im amerikanischen Raum erbringen, wird auf 90 Milliarden Dollar beziffert. 90 Milliarden Dollar, erbracht ohne Lohnforderungen, ohne Arbeitstreiks, ohne Sozialleistungen.

Die chinesische Provinz Sichuan ist seit Jahrzehnten für den Anbau von Birnen bekannt bzw. sie war dafür berühmt. Chemische Spritzmittel und Pestizide sollten die Birnenerträge weiter und weiter steigern. Doch diese Gier wurde zu einem unheilvollen Bumerang. Die gesamte Bienenpopulation wurde im zentralchinesischen Sichuan durch die chemische Keule ausgerottet und, was noch wesentlich schlimmer war, neue Bienenvölker konnten durch die Pestizidbelastung nicht neu angesiedelt werden. Auch hier wollte der Mensch als Folge seines unbeherrschten Tuns das verrichten, was ihm die Natur bis dahin kostenlos zur Verfügung stellte. In mühevoller Handarbeit wurden im Frühling Birnbaumblüten gepflückt, deren Blütenstempel und Pollenstengel wurden dann einzeln von den Blüten getrennt, um schließlich in einem Trocknungsprozess für das Bestäuben von Hand vorbereitet zu werden. Daraufhin erfolgte das Bestäuben jeder einzelnen Birnenblüte von Hand mit Hilfe von Hühnerfedern, welche an langen Bambusstangen befestigt sind. Die Bauern bestäuben mit dieser Methode 30 Bäume pro Tag, ein Bienenvolk bestäubt innerhalb eines Tages drei Millionen Birnenblüten.Die Bienen haben in Jahrmillionen Aufgaben übernommen, welche ihnen in einem Stillschweigeabkommen von der Natur aufgetragen wurden und welche von den Bienen gerne übernommen wurden. Ein effektives Be- und Entlohnugssystem sorgte für Zufriedenheit auf beiden Seiten. Nun sterben eben diese emsigen Entwicklungshelfer zu Jahrmillionen weg, leise, schweigend, unheimlich heimlich, ohne dem Menschen von diesem Sterben zu berichten. Dieses leise Sterben ist mittlerweile mehr als nur eine leise Warnung an uns, unseren bedenkenlosen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln, Pestiziden und der Gentechnik gründlich zu überdenken. Der spanische Bienenforscher Francisco Puerta hat einen möglichen Zusammenhang zwischen Gentechnik und dem Bienensterben hergestellt. So sind es die genmanipulierten Pflanzen selbst, die vielleicht ein eigenes Insektengift produzieren, d.h. die Genpflanzen erzeugen selbst das Insektengift BT Toxin, welches das Immunsystem der Bienen schwächt und letztendlich für das Bienensterben verantwortlich ist (siehe auch Das Bienensterben durch Genanbau).

Es gibt viele schöne Beispiele dafür, wie sich die Fauna als untrüglicher Indikator für aufkommende Gefahren immer wieder er- und bewiesen hat. Viele Bergbauarbeiter, welche in den Gruben und Minen untertags ihrer gefährlichen Arbeit nachgingen, hatten Kanarienvögel in Käfigen an ihrer Seite. Nicht um sich an deren schönem Gesang zu erfreuen, natürlich mag dies auch für den einen oder anderen Bergbauarbeiter ein schöner Nebeneffekt gewesen sein, sondern die Kanarienvögel dienten vielmehr der Anzeige des gefährlichen geruchs- und farblosen Kohlenmonoxids, welches bereits in geringen Mengen tödlich ist. Da die Kanarienvögel wesentlich schneller und empfindlicher auf Kohlenmonoxid reagieren, retteten die Vögel mit ihrem eigenen Tod vielen Menschen das Leben (Der Kanarienvogel und der Bergbau). Hörten die Kanarienvögel auf zu singen, wusste der Mensch, daß Gefahr drohte.Ich höre immer weniger Bienen summen, vielleicht deutet dies auf eine weitere große Katastrophe hin. Es mag stimmen, daß ich viele Dinge mittlerweile sehr pessimistisch betrachte. Es mag auch richtig sein, daß ich vielem unserer heutigen Welt  mit einem Übermaß an Mißtrauen begegne. Aber da ich sehr gerne Honig nasche, da eine saftige Birne etwas herrlich Erfrischendes ist und da ich in meinem kleinen Garten auf jede Biene angewiesen bin und dementsprechend willkommen heiße, gibt mir dieses unheimliche Bienensterben namens CCD mehr als nur zu denken. Aber es wäre auch gut möglich, daß die Bienen darüber ganz anders urteilen, möglicherweise wissen sie schon etwas mehr als der Mensch.   

Die Hummel, ein aerodynamisches Wunder

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 04:10

Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen. Hummeln können fliegen ! Ja, ich spreche tatsächlich von diesen kleinen, pelzigen, häufig gelb-schwarz gestreiften Luft-Mopeds, welche uns schon zeitig im Jahr auf der Suche nach den ersten Blüten begegnen. Sie wissen schon, sie schauen aus wie Bienen, klingen wie Propellermaschinen aus dem Legoland und benehmen sich wie Menschen, d.h. sie bauen Staaten, die Frauen arbeiten und die Männer, also die Drohnen, wärmen gelegentlich die Eier. Also nicht was Sie jetzt schon wieder denken, natürlich die Eier, welche den Nachwuchs bilden.

So, Sie werden jetzt sagen: Und wo steckt der tiefere Sinn der ganzen Geschichte ? Naja, wie schon gesagt, ich habe Hummeln fliegen gesehen. Aha, und weiter ? Ja begreifen Sie denn nicht, welch anatomisches und aerodynamisches Wunder die Hummel ist ! Die Hummel dürfte überhaupt nicht fliegen. Luftfahrttechnisch gesehen hat die Hummel nicht die geringste Chance, sich in die Lüfte zu erheben und auch dort zu bleiben. Fragen Sie doch einmal einen Aerodynamiker, was Ihnen der zur Bauweise der Hummel erzählen wird.

Also, fangen wir doch bei der Hummel einfach selbst an und vermessen dieses possierliche Tierchen. Der gelb-schwarze Brummer bringt es bei einer Flügelfläche von 0,7 cm² auf ein Körpergewicht von etwa 1,2 Gramm. Dies bedeutet, die Hummel ist entweder übergewichtig oder untergroß, auf jeden Fall aber hat sie eindeutig ein vollkommen falsches Verhältnis von Körpergewicht zu Flügelvolumen, um sich in die Lüfte erheben zu können. Sagt natürlich wer ? Richtig, sagt natürlich wieder einmal der Mensch. Und was sagen wir sonst noch über den kleinen fliegenden Pelz. ”Nach den Gesetzen der Aerodynamik dürfte die Hummel gar nicht fliegen können. Aber die Hummel weiß das nicht und fliegt eben einfach !”. Punkt, aus, Ende.

Hummel

Warum Hummeln fliegen können.

Nein, so ganz einfach ist es eben nicht, zumindest glaubt dies der Mensch. Aber wie wir sehen, es ist doch relativ simpel, auch wenn sich die Natur wieder einmal weit komplexerer Mechanismen und ausgeklügelterer Techniken bedient als sich der Mensch dies vorstellen kann. Einige sogenannte Management-Trainer, andere nennen diesen Berufszweig Motivations-Trainer, nahmen sich das Beispiel der Hummel zum Vorbild und erklärten dementsprechend vollmundig: “Man kann auch Unmögliches erreichen, wenn man nicht akzeptiert, daß es unmöglich ist !”.

Was für ein menschlicher Schwachsinn. Es wäre vielmehr angebracht, sich zu überlegen, warum viele Lebewesen aus ihren Ressourcen, Fähigkeiten und Fertigkeiten wesentlich mehr herausholen als der Mensch, inklusive sämtlicher Motivationskünstler. Aber mit der uns angeborenen Ignoranz lebt es sich immer noch einfacher und wesentlich bequemer als mit einem gewissen Maß an Akzeptanz gegenüber Lebewesen, deren Leistungen für uns nicht erklärbar sind. Und kaum daß wir sie erklären können, ja dann müssen wir sie auch schon übertreffen, koste es was es wolle.

Wenn Ihnen also wieder einmal solch ein übergewichtiger, fetter, kleiner Brummer die Vorfahrt nimmt, denken Sie vielleicht daran, daß er gar nicht fliegen dürfte. Und wenn er es dennoch tut, drücken Sie doch ein Auge zu und wünschen ihm eine gute Reise. So schließe ich wieder einmal mit Rainer Maria Rilke, den einige von Ihnen bereits aus Der Panther kennen.

Die kleinen Dinge 

Die meisten Menschen
wissen gar nicht, wie schön die Welt ist
und wie viel Pracht in den kleinsten Dingen,
in irgendeiner Blume, einem Stein,
einer Baumrinde oder
einem Birkenblatt sich offenbart.
Die erwachsenen Menschen,
die Geschäfte und Sorgen haben
und sich mit lauter Kleinigkeiten quälen,
verlieren allmählich ganz den Blick
für diese Reichtümer,…

 

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