Chimbote – Fisch ist gesund


Wir alle wissen es: Fisch ist gesund! Einmal abgesehen von den im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren ist das Fleisch eiweißreich, aber cholesterinarm. Fisch enthält essentielle Aminosäuren, Mineralien und eine Vielzahl an lebenswichtigen Vitaminen. Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Ist Fisch für alle gesund ? Naja, wenn bereits solch eine Frage auf den in unserer westlichen Welt reich gedeckten Tisch kommt, muß ja etwas faul sein. Oder anders ausgedrückt: Der Fisch fängt beim Kopf zu stinken an!Chimbote: Eine Stadt in Peru stinkt zum Himmel. Wenn Fisch in den Fischfabriken zu Fischmehl verarbeitet wird und den reichen Industriestaaten neuen Fisch bringt. Aber wo ist der Kopf, wenn wir der Schwanz sind ?

Ich habe in einem meiner Artikel (siehe Second-Hand-Spielzeug) schon einmal die Problematik des Kreislaufes des Elektroschrotts in Ghana beschrieben, dessen enthaltenes Quecksilber durch Verbrennung dieses Mülls in die Meere gelangt, dort von den Fischen aufgenommen wird und letztendlich wieder auf unserem heimischen Tisch landet. Es gibt aber noch einen weiteren Grund,  warum Fisch nicht für alle Menschen gesund ist, wobei ich das mit dem einen Grund sogleich wieder berichtigen muß, da es eine Menge an guten Gründen gibt.

Wir Europäer haben Fisch und hier besonders Lachs zum Fressen gern, sprichwörtlich gesehen. Laut Daten und Fakten des Fisch-Informationszentrums FIZ, welches Statistiken für Deutschland führt, betrug der Pro-Kopf-Verbrauch 2008 ca. 10 kg Fisch und Meeresfrüchte, Tendenz steigend. Was uns aber fehlt, und hier darf ich auch für Österreich und sämtliche mitteleuropäischen Staaten sprechen, ist jedoch der Lachs. Das heißt, wir essen das, was wir leider nicht haben. Aber wir wollen es dennoch auf unserem Tisch. Über die Überfischung der Meere brauche ich in diesem Zusammenhang nicht mehr hinweisen, es sollte sich doch mittlerweile überall herumgesprochen haben. Also was tun, wenn der Lachs in freier Wildbahn nicht mehr in jenen Mengen vorrätig ist, in welchen er benötigt wird ? Richtig, man beginnt, ihn auf Lachsfarmen zu züchten. Eine weitere Form der Massentierhaltung, aber sei´s drum, auch dieses Problem sei hier nur am Rande erwähnt ! Ich weiß, soviele Probleme, die ich nur am Rande erwähne, würden anderswo schon ganze Seiten füllen, aber ich sehe vor lauter Randnotizen sowieso schon nicht mehr über den Tellerrand hinaus. Aber auch dies nur am Rande erwähnt.

Nordeuropäische Staaten wie Schottland oder die skandinavischen Länder haben sich neben Asien auf den Betrieb solcher Fischfarmen spezialisiert. Aber wie jedes Lebewesen brauchen auch Fische Nahrung. Und da der Lachs unbestritten zur Gattung der Fische zählt, trifft dieses Nahrungsproblem auch für den Lachs zu. Und was wäre für einen Massentierhaltungsbetrieb geeigneter als die Fütterung im Akkord mit Futter, welches lagerfähig, platzsparend und obendrein billig ist. Da fällt uns doch sogleich Fischmehl ein. Aber was für den Rohstoff Lachs gilt, trifft für das Fischmehl in gleichem Maße zu. Wir benötigen, um es herzustellen, wiederum Rohstoffe, und diese in Form kleiner Fische wie etwa Sardellen, Sardinen oder Sprotten. Wir haben die großen Meeresräuber wie Thunfisch, Lachs und Kabeljau aus den Meeren geholt, also holen wir uns nun die kleinen Fische, um damit die großen in den Zuchtbecken zu füttern. Was aber viele nicht bedenken, die Weltmeere sind ebenfalls Heimat vieler Vogelarten sowie der Fische, welche uns bisher entkamen oder die für uns nicht von Nutzen sind und in den Meeren leben ebenfalls Meeressäuger wie Delfine oder Wale. Und man höre und staune, auch diese Lebewesen wollen etwas zu fressen haben. Was aber bleibt, wenn der Mensch sämtliche Nahrungsgrundlagen abfischt ? Richtig, nichts ! Die gesamte Ernährungspyramide der maritimen Welt bricht nach und nach zusammen. Ja, wir sind wirklich das dümmste Säugetier, welches jemals die Kontinente besiedelt hat.

Aber es gibt natürlich auch, oder gerade wegen unserer Dummheit, Menschen, welche unter dieser Ignoranz mehr leiden als andere. Begeben wir uns nach Peru, in die Stadt Chimbote. Dort leben die Menschen hauptsächlich von dem, was ihnen das Meer noch schenkt bzw. was sich überhaupt noch darin befindet. Und um eben diese kleinen Fische zu Fischmehl zu verarbeiten, sind Fischfabriken notwendig. Chimbote ist der Standort für die weltweite Fischmehl-Produktion, in Chimbote wird Fischmehl für die ganze Welt produziert. Chimbote steht als Synonym für Millionen von Tonnen Fischmehl, welches rund um die Uhr für die reichen Industrieländer produziert wird.

Aber paradoxerweise steht das peruanische Chimbote auch für ein Land, in welchem jeder zweite Einwohner unterernährt ist. Hier wird der Fisch nicht gegessen, hier wird der Fisch zu Geld gemacht. Das erinnert stark an die Weisheit der Cree-Indianer, jene fünf Zeilen, die eigentlich zu trauriger Berühmtheit gelangten.

„Erst wenn der letzte Baum gerodet,

der letzte Fluss vergiftet,

der letzte Fisch gefangen ist,

werden die Menschen feststellen,

dass man Geld nicht essen kann.“


In Chimbote stinkt nicht der Fisch, in Chimbote stinkt die ganze Stadt. Umweltschutz hat hier seine Grenzen, aufgestellt von den reichen Fischbaronen. Aber Chimbote ist weit weg, sehr weit weg. Und da unser Wasser sauber, unsere Luft rein ist, unsere Kinder nicht an chronischen Asthmaanfällen leiden und die Hauptsache, unser Lachsfleisch schön zartrosa ist, ja solange kann Chimbote gar nicht genug stinken.
Weitere Quellen z.B.: Die Fischmehl-Connection – Eine Stadt klagt an, Aus fünf Kilo Fisch wird ein Kilo Zuchtlachs, Fischmehl, Geld und fette Kälber


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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