Gott ist tot ! Willkommen Homo superior


Diese ketzerische Aussage entstammt nicht meiner Feder. Auch steht sie nicht auf Seite 1 einer unserer beliebtesten österreichischen Tageszeitungen, was dem ganzen natürlich die Krone aufsetzen würde. Wobei, wenn ich mich recht entsinne, auch Deutschland hat ein dementsprechendes Pendant, welches durch tiefgreifende journalistische Recherchen besticht, damit der Leser immer wohl informiert und über das tagesaktuelle Geschehen im Bild ist. Aber nein, Gott ist tot und keine Tageszeitung, kein Fernsehsender und selbst das allwissende Internet verschweigt uns diese doch tiefgreifende Tatsache. Warum wohl ?

Soll dies womöglich bedeuten, daß wir gar nicht wissen, daß Gott das Zeitliche gesegnet hat ? Jener Schöpfer, welcher über Zeit und Raum herrscht, der in seiner unendlichen Unendlichkeit plötzlich an seine eigenen Grenzen gestossen sein soll. Aber wer kann ihn, diesen Gott, an seine eigenen nicht existenten Grenzen stossen, wenn nicht er selbst ? Womöglich wurde er, sie, es, wir, ihr, sie, wie soll ich diesen Gott überhaupt bezeichnen, plötzlich von seiner eigenen begrenzten Grenzenlosigkeit so überrascht, daß er einfach über sein eigenes Ziel, unsterblich zu sein, hinausgeschossen ist. Ich bleibe nun zwecks der sich im Laufe der Zeit herausgebildeten Vermännlichung des Wesens Gott bei der Gott, meine weibliche Leserschaft möge es mir verzeihen, daß ich nicht die Gott sage und auch die lieben Kinder bitte ich um Entschuldigung, daß ich nicht das Gott schreibe. Gott ist also über sein eigenes Ziel hinausgeschossen, er hat sich sozusagen selbst eliminiert, hat sich auf seinen großen, göttlichen Katapult gesetzt, den göttlichen Schleudersitz und dann, schnipp, schnapp, ratsch, schneidet er mit seinem Messer, mit welchem er damals die Welt in sechs bis sieben Tagen erschaffen hat, das Schleuderseil durch und weg ist er.

Kein Abschied, kein Gute-Nacht-Kuss, einfach weg. Aber wo ist er hin ? Ich mag Nietzsche, und ich kann mich ebenso mit seinen Schriften anfreunden. Aber auch Nietzsche ist tot, leider hat er eine Frage unbeantwortet gelassen, bevor auch er sich auf den Schleudersitz namens Leben gesetzt hat und am Seil gezogen hat. Nietzsche hat in seinem 1882 veröffentlichten Buch Die fröhliche Wissenschaft den Imperativ „Gott ist tot“ geprägt, was er leider vergessen hat zu erwähnen ist die Tatsache, seit wann denn eigentlich und von wem wurde Gott überhaupt gemeuchelt. Mich würde eine vernünftige Antwort darauf brennend interessieren. Wenn ich nur wüsste, in welche Richtung Nietzsche geflogen ist ? Ich würde mir sofort von Daedalos (Daedalus) Flügel anfertigen lassen, nein, den Schleudersitz nehme ich nicht, noch nicht. Aber wo ist er hin, dieser Nietzsche ? Möglicherweise auf direktem Wege hinter dem toten Gott her, quasi ein Leichenflug, so etwas in der Art wie ein Leichenzug, nur eben auf anderer Ebene.

Wobei dieses „Gott ist tot“ nicht heißt, Gott gab es nie. Wer nur diesen ersten Satz liest, kommt schnell zu einer Fehlinterpretation. In weiterer Folge heißt es bei Nietzsche: „Gott bleibt tot ! Und wir haben ihn getötet ! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder ? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unsern Messern verblutet – wer wischt dies Blut von uns ab ? …“ . Viele halten Nietzsche für einen Gottesverleugner, einen Denker, welcher alleine durch seine Denkweise Gott philosophisch getötet hat. Dem ist aber nicht so. Nietzsche stellt lediglich auf lapidare Weise fest, daß die Existenz Gottes sehr wohl in der Vergangenheit begründet liegt, aber der Mensch durch sein eigenes Tun und Handeln für dessen Untergang gesorgt hat. Gott ist tot, Gott wurde durch den Menschen seiner weiteren Daseinsberechtigung beraubt, Gott wird nicht mehr gebraucht, wir können ihn sich selbst auf der großen Müllhalde des Vergessens entsorgen lassen.

Ich führe nun diesen Gedanken von Nietzsche fort und sage: Der Mensch hat sich über die Schöpfung gestellt, nicht im Sinne eines allmächtigen, ewigen Schöpfers, welcher die Welt in einer Woche erschaffen hat. Aber der Mensch hat sich seit langer Zeit auf den Weg gemacht, sich über jedes andere Wesen zu stellen, unter Mißachtung sämtlicher Regeln. Der Homo sapiens ist auf dem besten Wege, sich seinen eigenen Herrn und Schöpfer in Form des Homo superior, eines Übermenschen, zu erschaffen. Gott ist tot, Gott hat ausgedient, der Homo superior als neue Krone der Schöpfung soll und vor allem, er kann dieses Auslaufmodell adäquat ersetzen. Le roi est mort, vive le roi, der König ist tot, es lebe der König ! Diese letztendliche Konsequenz, eine Weiter- bzw. Höherentwicklung des heutigen Menschen  läßt sich auch anhand der Evolutionstheorie von Darwin begründen. Warum sollte ausgerechnet der Homo sapiens die endgültige Ausbaustufe eines Wesens sein, welches sich dank neuer Technologien wie der Gentechnik dazu berufen und bestimmt fühlt, sich selbst weiterzuentwickeln, zu perfektionieren und zu vervollkommnen.

Nietzsche hat dieses mit dem einfachen, aber treffenden Satz in Zarathustras Vorrede (4) aus „Also sprach Zarathustra“ beschrieben: „Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch – ein Seil über einem Abgrunde.“ Es würde nun den Rahmen dieses Artikels sprengen, näher auf das Hauptwerk Nietzsches einzugehen, aber man muߠNietzsche bei all der Antipathie, welche ich übrigens nicht teile, die seinen Werken entgegengebracht wird, eines zugute halten. Er hat eine Entwicklung und Geisteshaltung der Menschen vorausgesehen, deren Höhepunkt im Dritten Reich mit dieser unsäglichen Geisteshaltung der sogenannten arischen Rasse gipfelte.

Was aber die heutigen Wissenschaftler nicht bedenken ist die Tatsache, daß sich dieser Homo superior irgendwann einmal gegen uns stellen wird, nein, er muß sich gegen seinen eigenen Schöpfer stellen, um selbst überleben zu können. Dieser Übermensch wird aufgrund seiner geistigen Entwicklung, welche einen neuen Standard erreichen wird, zu der Überzeugung kommen, daß der „normale“ Mensch zu einer Bedrohung wird, welche den Fortbestand dieser Superrasse Mensch gefährden kann. Der Homo superior muß uns unsere Vernichtungswerkzeuge, Atomwaffen, biologische Massenvernichtungswaffen und chemische Kampfstoffe, aus unseren Händen nehmen, um seinen eigenen Fortbestand zu sichern.

Es stellt sich nun die Frage: Wird sich der Homo sapiens seine Macht mit friedlichen Mitteln entreissen lassen ? Ich denke nein ! Wir werden zwangsläufig in die selbe Situation kommen, in welcher sich die heutigen von uns unterjochten Lebewesen befinden. Nur werden dieses Mal wir nicht auf der anderen Seite des Abgrundes stehen, wir werden uns mitten über dem Abgrund befinden. Der Satz „Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch – ein Seil über einem Abgrunde.“ wird weiterhin seine Gültigkeit behalten, nur wird uns der Brückenschlag über den Abgrund nicht mehr gelingen.

Gott ist tot ! Oder wie Jean-Paul Sartre so schön sagte: „Auch Götter sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt.Der Eigensinn ist die Energie der Dummen. Der Mensch ist im Grunde Begierde, Gott zu sein.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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