Es werde Licht


Keine Angst, ich möchte jetzt nicht die von vielen meiner Leser herbeigesehnte tägliche Bibelstunde beginnen. Auch wenn man die Meinung vertreten könnte, viele der heutigen Architekten, Bauherren, aber auch „normale“ Menschen wie Sie und ich seien besonders gottesfürchtig und bibelfest. Denn wie sonst könnte es sein, daß wir das Buch Genesis, Kapitel 1, Satz 3, welches die Erschaffung der Welt beschreibt, wortwörtlich nehmen: „Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.“

Lichtverschmutzung ! Schon einmal davon gehört? Ich muß Ihnen ehrlich gestehen, diese gar so offensichtliche, nicht einmal mehr so neue Art der Umweltverschmutzung war auch mir bis dato neu bzw. Lichtverschmutzung als eines (von vielen) Problemen unserer Gesellschaft drang bisher noch nicht in mein Umweltbewusstsein. Luftverschmutzung, die Verschmutzung unserer Meere, Umweltverschmutzung im Allgemeinen, aber Lichtverschmutzung?

Die Erde wird immer heller. Der Himmel wird immer dunkler. Dies bedeutet nun nicht, daß sich aufgrund weniger werdender Sterne an unserem Himmelsfirmament oder bereits zuviel erloschener Himmelsobjekte der Himmel zunehmend verdunkelt, sondern durch die künstliche Aufhellung des Nachthimmels erfolgt eine Angleichung der Lichtverhältnisse von „unten“ unten „oben“. Hauptgrund für dieses Phänomen sind dabei die in immer größerer werdende Anzahl und leistungsstärkeren eingesetzten künstlichen Beleuchtungskörper, welche wir Menschen einsetzen. Wir wollen mittlerweile alles und jeden im wahrsten Sinne ins rechte Licht setzen. Straßenbeleuchungen, die immer stärker um sich greifende Unart, jedes sogenannte architektonische Meisterwerk mittels externer Lichtquellen anzustrahlen, die steigende Anzahl an Autos, die massiven Werbebotschaften in Form von Leuchtreklamen und von unten beleuchteter Werbeobjekte, all dies trägt dazu bei, daß der Sternenhimmel immer mehr in den Hintergrund rückt. Was mancher vielleicht nur als Spinnerei von Astronomen sieht, welche ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können, entwickelt sich nun mehr seit mehreren Jahren zu einem handfesten Problem, welches uns alle betrifft. 

Wir machen die Nacht zum Tag. Künstliches Licht begleitet uns für 24 Stunden am Tag. Diese Lichtglocken, welche unsere Städte verhüllen, erschweren es uns mehr und mehr, den Nachthimmel mit freiem Augen erkennen und beobachten zu können (siehe dazu z.B. Die Helle Not – Künstliche Lichtquellen, ein unterschätztes Naturschutzproblem). Wann haben Sie zum letzten Mal die Milchstrasse mit freiem Auge gesehen ? Oder anders ausgedrückt: Stellen Sie sich einmal nachts in einer Stadt, sei es nun meine schöne Stadt Wien, Sie können aber auch jede x-beliebige andere Stadt wählen, und blicken Sie in den Sternenhimmel oder zumindest in das, von welchem Sie glauben, daß es sich um den Sternenhimmel handeln könnte. Es wird Ihnen wahrscheinlich schwer fallen, vor lauter externen Lichtquellen noch die Sterne zu sehen.

Einen sehr interessanten Beitrag bieten Daniela Klotz und Georg Zotti unter Lichtverschmutzung. Wobei es durchaus schon praktikable Lösungen gibt, wie die slowenische Stadt Ljubljana zeigt. Ein Gesetz gegen die Lichtverschmutzung, was auf den ersten Blick skurril anmutet, hat leider einen ernsten Hintergrund, aber hoffentlich mit Vorbildwirkung. Nach oben abgeschirmte Leuchten und die Beschränkung der Leuchtdichte bei Gebäuden helfen nicht nur, den Überhand nehmenden Lichtsmog zu reduzieren, sondern sollen auf die nächsten Jahre hinaus auch einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen helfen. Dieses von der Arbeitsgruppe Dark Sky mit initiierte Gesetz ist als ernstzunehmende und vor allem wirkungsvolle Initiative gegen Lichtverschmutzung anzusehen und bietet uns allen als Mitverantwortliche dieses neuen Phänomens einer besonderen Art der Umweltverschmutzung weitreichende Informationen und Möglichkeiten, uns aktiv an der Reduktion dieser Light Pollution zu beteiligen. Denn wir sollten uns über eines im Klaren sein: Lichtverschmutzung ist keinesfalls ein Problem, mit welchem nur Astrologen, Vögel, Insekten und unsere Stromzähler zu kämpfen haben. Lichtverschmutzung steht sicherlich auch in engem Zusammenhang mit unseren Schlafgewohnheiten, welche sich durch permanentes Kunstlicht geändert haben, ich brauche nicht zu erwähnen, nicht zu unserem Vorteil. Ich möchte deshalb in diesem Zusammenhang auch noch ein anderes Problem mit ein paar Sätzen streifen, welches nun auf den ersten Blick nicht primär mit der Lichtverschmutzung zusammenhängt, bei genauerer Überlegung aber die Problematik von der dauernden Beleuchtung, welcher wir ausgesetzt sind, und daraus resultierenden und oftmals weitreichenden Folgen für uns unsere Umwelt deutlich macht.      

„Ein Mann solle vier Stunden schlafen, eine Frau fünf Stunden und nur ein Idiot schläft sechs Stunden!“. Zumindest wenn es nach Napoleon Bonaparte ginge. Alles schön und gut, aber vielleicht sollte es mehr Idioten auf dieser Welt geben, möglicherweise hätten sich dann einige der Katastrophen vermeiden lassen, welche sich immer dann ereigneten, als sich der natürliche Biorhythmus des Menschen auf Schlaf einstellte. Wir alle kennen Tschernobyl, das Tankerunglück der Exxon Valdez, den Beinahe-GAU des im nordamerikanischen Harrisburg stehenden Atomkraftwerks Three Mile Island, den Absturz der Raumfähre Challenger oder den Untergang der Titanic. Ich möchte hier keinesfalls mit Fakten hantieren, welche möglicherweise alle nur auf Zufällen beruhen. Aber die Uhrzeiten der verschiedenen Unglücksfälle, die Reaktorschmelze im Block 4 von Tschernobyl 26.04.86 1.23 Uhr, die Havarie der Exxon Valdez 24.03.89 0.04 Uhr, Three Mile Island am 28.03.79 um 4.00 Uhr, der Untergang der Titanic am15.04.12 0.12 Uhr (siehe dazu auch Umweltmedizin – Nacht- und Schichtarbeit Fakten und Perspektiven Seite 2 der Uni Köln) oder das Challenger-Unglück, bei dem gravierende Entscheidungen am frühen Morgen nach weniger als zwei Stunden Schlaf gefällt wurden, sprechen leider eine andere Sprache. Der Mensch ist nun einmal durch die Evolution so konditioniert, daß er bestimmte Ruhephasen zu seit Jahrtausenden definierten Uhrzeiten benötigt. Da ich weder Arbeitsmediziner noch Arbeitspychologe bin, kann ich diese Unglücke hinsichtlich ihrer zeitlichen Entstehung und eines damit stehenden kausalen Zusammenhangs mit den wissenschaftlichen Leistungskurven, welche es für den Arbeitsfaktor Mensch gibt, bewerten. Aber ich setze der Einfachheit halber meinen gesunden Menschenverstand  dagegen und bin deshalb der Meinung, daß der Mensch zwar zum Arbeitstier geschaffen ist, die rühmliche Ausnahme bin nach Meinung der besten Ehefrau der Welt, also meiner Gattin, natürlich wieder einmal ich, aber der Mensch ist sicherlich nicht zum Nacht-Arbeitstier geschaffen. 

Ich kann und will die Nacht- bzw. Schichtarbeit nun nicht verdammen, da ich selbst ein davon Betroffener bin. Vielleicht habe ich auch mehr Möglichkeiten, mich gerade in kritischen Phasen wieder aufzufrischen, in dem ich mich für ein paar Minuten an die frische Luft begebe und Körper und Geist dadurch wieder „in Schwung bringe“. Es soll ebenso wenig hier auf die Nachteile der Nachtarbeit eingegangen werden, denn eigentliches Thema war die Lichtverschmutzung, auf welches ich hier hinweisen wollte. Aber wenn Sie wieder einmal den vollkommen unsinnigen Spruch hören: „Schlafen kann ich auch noch, wenn ich tot bin !“, denken Sie vielleicht daran, daß gerade durch Schlafmangel schon viele Menschen, sei es durch die oben aufgeführten Unglücke, sei es durch die erhöhten Verkehrsunfälle auf unseren Strassen gerade während der frühen Morgenstunden, dieses Sprichwort leider traurige Wahrheit ist.

Wer also die Möglichkeit hat, einen kleinen Beitrag zu weniger Kunstlicht zu leisten, sollte dieses auch tun. Es werden Ihnen viele Seiten danken. Nachtaktive Tiere, Insekten und Vögel haben mit diesem Lichtmüll zu kämpfen, oft bis zur Erschöpfung und dementsprechend dem Tod. Ihre Stromrechnung wird es Ihnen danken, auch kein zu verachtender Vorteil. Und schließlich wandeln viele Glühbirnen und andere Leuchtkörper die im wahrsten Sinne ungenutze Energie in wirkungslose Wärme um, welche wiederum zur Klimaerwärmung beiträgt. Inwiefern sich Lichtsmog nachteilig auf das Pflanzenwachstum auswirkt, wurde meines Wissens bisher noch nicht grundlegend erforscht, soll aber trotzdem hier seine Erwähnung finden. Was andererseits aber wieder bewiesen ist: Durch die vielen Insekten, die Biologen sprechen hier von Billionen, welche den Lichttod sterben, fehlen diejenigen Tranporteure, welche für das Bestäuben der Pflanzen zuständig sind. Der Kreislauf schließt sich immer und immer wieder, deshalb wäre es für unser aller Zukunft wünschenswert, den Stromkreis auch das einer oder sogar andere Mal zu unterbrechen, um andere Kreisläufe nicht für immer zu unterbrechen. 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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