Der Panther


Sie kennen Rainer Maria Rilke ? Welch frevlerische Frage, ich weiß es selbst ! Verzeihen Sie also bitte, daß ich diese überhaupt an Sie stellen konnte. Aber ich gelobe Besserung ! Gut, Sie werden mir jetzt, ob berechtigt oder nicht, entgegnen, daß ich jedes Mal Besserumg gelobe, aber im gleichen Atemzug bzw. Gedankengang werden Sie sich denken, von Besserung bezüglich Besserung weit und breit nichts in Sicht, es bleibt seit jeher bei seiner Ankündigung. Aber nichts desto trotz gelobe ich es wieder einmal, es wird allerdings wie immer dabei bleiben, mißverstehen Sie mich bitte nicht, ich habe es ja immer vor, aber es will mir nicht so recht gelingen. Aber wofür gibt es denn dieses wunderschöne und auf jeden und alles anzuwendende „Allein der Wille zählt !“, eine Floskel prädestiniert für meine permanenten Läuterungsabsichten. Das werde ich übrigens auch dann benutzen, Sie wissen bereits, mein Agnostizismus und ich, eine Symbiose par excellence, manche sehen in mir sogar einen verkappten Atheisten, na gut, einen Teufel werde ich tun, dieses abzuschreiten, aber sagen Sie dies bitte in Gottes Namen und um Himmels willen nicht weiter, aber zurück zu dem, was ich benutzen möchte.

Also, ich habe mir eines überlegt als ein von ewigen Zweifeln Geplagter. Ich bin mittlerweile schon derart von Zweifeln geplagt, daß es geradezu schon biblische Ausmaße annimmt, man könnte die Quantität meiner persönlichen Zweifel schon mit denen der alten Ägypter vergleichen, Sie wissen schon, die zehn Plagen, mit welchen der arme Pharao und seinesgleichen zu kämpfen hatte, weil er partout die ihm an sein Pharaonenherz gewachsenen Israeliten nicht ziehen lassen wollte. Wobei, wenn ich meiner Frau, Sie wissen schon, der besten Ehefrau der Welt, wobei darüber ich und mein Alter Ego immer noch streiten, Glauben schenken darf, bin die größte Plage immer noch ich. Da ich aber mit einem latenten Hang zum Atheismus gesegnet bin, köstlich, finden Sie nicht, ein gesegneter Atheist, ich könnte wieder einmal brüllen vor Lachen ob meines Humors, da ich also mit dieser Eigenschaft gar reichlich bedacht wurde, muß ich dieser Aussage meiner liebsten Gattin jetzt nicht unbedingt diesen Glauben schenken, welchen ich ihr sonst in jeder Beziehung zukommen lasse.

So, nun hat es mich wieder einmal vollkommen aus meiner Umlaufbahn geworfen, ursprünglich wollte ich auf Rainer Maria Rilke hinweisen und irgendwie bin ich dann auf „Allein der Wille zählt !“ gekommen. Deshalb jetzt ein kleiner, aber wirkungsvoller Ratschlag für alle, welch wie ich auf der Felucke (oder auch Feluke) der Gottesverleugner dahinsegeln, Sie wissen schon, jene kleinen Segelschiffe, die schon zu Zeiten des damaligen unglückseligen Pharaos, jener mit dem großen Pharaoherzen, welches, nach seinem Ableben, nicht entfernt wurde. Nein, das große Pharaonenherz verblieb im toten Pharao, es wurde noch beim Totengericht gebraucht, sozusagen als Visitenkarte für all die guten oder auch weniger guten Taten des Herrschers. Wenn Sie jetzt natürlich wissen möchten, was so alles in den Kanopen gesammelt wurde, also jenen Behältnissen für die alten Pharaonen-Eingeweide, die getrennt beigesetzt wurden, so waren dies der Magen, die Gedärme, die Lunge und die Leber, wobei die Leber mancher Zeitgenossen, ich spreche jetzt wieder über unsere heutige Zeit, nicht vom inneren Organ des Pharaos der damaligen Zeit, besser nicht der Öffentlichkeit gezeigt werden sollte.

Aber Alkoholismus hin und Saufgelage her, wir befinden uns im Moment auf der Felucke der Gottlosen und segeln dementsprechend mehr oder weniger fröhlich dahin auf unserem selbst gewählten Hades der Gottlosigkeit. So, und jetzt komme ich endlich zu dem, was ich eigentlich schon seit dem vorletzten Absatz oder war es sogar einer vor demselben, schreiben will. Also, folgendes habe ich mir in meinem kleinen, vom Atheismus verseuchten Gehirn überlegt. Sollten ich und all meine gottlosen Gefährten uns doch getäuscht haben, können wir immer noch zurückrudern, was auch sonst auf einer Felucke, wobei hier zurücksegeln zwar angesagter wäre, aber des Wortspiels wegen bleibe ich beim Rudern, in dem wir dem Schöpfer, vor dem wir dann zu unserer aller Überraschung stehen, wahrscheinlich triefend nass von den Untiefen unserer ketzerischen Ader, einfach mit treuherzigem Blick unserer neo-gottesfürchtigen Augen entgegnen: „Allein der Wille zählt !“. Was kann uns passieren ? Entweder wir kommen ins Fegefeuer, aber da wollten wir ja Zeit unseres Lebens sowieso hin oder, was natürlich auch nicht zu verachten wäre, wir wechseln die Felucke und segeln für alle Ewigkeit unter falscher Flagge.

Was hat dies alles aber nun mit Rainer Maria Rilke und der Überschrift „Der Panther“ zu tun ? Rein gar nichts, aber es gibt ein wunderschönes Gedicht von Rilke aus dem Jahre 1902, also weit nach den biblischen Plagen, aber es beschreibt die größte Plage, mit welcher sich ein Tier wie der Panther konfrontiert sieht. Ich lasse Sie deshalb wieder einmal allein und wünsche Ihnen ein kleines bisschen Nachdenklichkeit mit dem folgenden Gedicht.

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, Paris 1902



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen