Gedanken-los ! 1


Selbst mir gehen von Zeit zu Zeit die Ideen aus ! Ja, es kommen Momente, da weiß selbst ich nicht mehr, über was ich schreiben soll. Obwohl, wenn ich es recht bedenke, solch eine Situation ist mir neu, ich kann mich nicht erinnern, daß mir dieses jemals passiert ist. Dieser Zustand geistiger Kontinenz, continentia, wie die alten Lateiner sagten, ja, natürlich gab es auch alte Lateinerinnen, aber eine Frau auf ihr Alter anzusprechen, kann zu einem exitus letalis führen, diesen Begriff brauche ich wohl nicht zu übersetzen, also solch ein Zustand der Zurückhaltung meines Oberstübchens war mir bisher fremd. Meine Gedanken gingen sozusagen fremd, nur wusste ich leider nicht, mit wem und was mich noch mehr interessiert hätte, wohin gingen sie fremd. Sie waren plötzlich nicht mehr da, ließen mich zurück mit einem Gefühl der Ratlosigkeit. Guter Rat war teuer, aber in welcher Währung werden Gedanken gehandelt ? Oder kann man Gedanken vielleicht gegen irgend etwas tauschen, so ein kleiner Gedankentausch-Shop wäre ganz praktisch. Vielleicht gibt es ja auch eine Gedanken-Single-Börse, also so etwas in der Art, daß man einzelne Gedanken miteinander verkuppelt, zu einem Gedanken-Paar möglicherweise ? Und für die ganz Gedankenlosen, die mehr als nur einen Gedanken benötigen, also kein Gedanken-Paar, sondern ein paar Gedanken, so ein Gedanken-Gangbang wäre doch eine Überlegung wert. Stellen Sie sich einmal vor, Ihre Gedanken, die in diesem Falle natürlich nicht vorhanden sind, es handelt sich nur um fiktive Gedanken, kreisen nur um den einen Gedanken, und zwar um den Gedanken, ein paar andere Gedanken zu verführen. Ihre eigenen Gedanken wollen mit fremden Gedanken koitieren, welch ein Koitus intergedankus. Was für ein lustvolles Denken, nicht wahr ?

Aber reissen wir uns lieber wieder von solch sündigen Gedanken los, bevor andere noch auf den Gedanken kommen, daß wir nur an das eine denken. Soll die Prüderie wieder Einzug in unsere Tristesse halten. Denken wir wieder alle gemeinsam an mich und meine Gedankenlosigkeit. Ich stand also vor vollendeten Tatsachen, der schlimmste Fall war eingetreten. Ich hatte nur noch den einen Gedanken: „Tu quoque Brute, mi fili ?“ Sie wissen schon, Cäsar und sein „Auch Du, mein Sohn Brutus ?“, in meinem ganz speziellen, meinem persönlichen Mordfall war Brutus mein Gedanke, welcher mich hinterrücks gemeuchelt hat. Ja, es gibt ihn wirklich, diesen brutalen Gedanken, der einen erdolcht, gnadenlos, rücksichtslos, gedankenlos. Wobei, wobei mir da wieder leise Zweifel kommen, ein kleiner Gedanke quält mich jetzt schon wieder, er martert mein Hirn, steht plötzlich einsam und verlassen am Marterpfahl der Gedankenqual.

Nicht Zweifel quälen mich bezüglich meiner brutalen Gedanken, denken Sie jetzt bitte nicht, ich hätte derer solche, wir haben doch eben festgestellt, daß ich überhaupt keine haben und schon gar keine brutalen. Naja, manches Mal habe ich schon Gedanken solcher Art, aber das war vor meiner Zeit der Gedankenlosigkeit, besser wäre zu sagen, ich hatte solche brutalen Gedanken. Aber nun, im Zeitalter meines post-gedanklichen Zeitalters, nun, da ich aus der Sicht eines Ex-Denkenden schreibe, kann ich ruhig zugeben, daß ich voller brutaler Gedanken war. Ich war ein beispielloses Beispiel gedanklicher Brutalität bzw. brutaler Gedanklichkeit, aber vorbei diese goldenen Zeiten, zugeschüttet und begraben unter einem Sumpf großer bedenklicher Gedankenlosigkeit. Danke, liebe Gedanken, Ihr seid mir immer treue Begleiter gewesen ! Vielen Dank für die schönen Zeit, macht es gut in Eurem neuen Hirn !

Vor lauter Danksagung hätte ich jetzt meine leisen Zweifel vergessen. Also noch einmal zurück zu Cäsar. Laut Geschichtsschreibung soll nun also Cäsar während seines Hinscheidens die berühmten Worte „Auch Du, mein Sohn Brutus ?“ oder ein Zitat in ähnlicher Form von sich gegeben haben. Selbst Shakespeare hat dies in seinem „Brutus, auch du ? – So falle, Cäsar.“ aufgegriffen, welches er dem Herrscher Roms in seinem Stück Julius Cäsar (Dritter Aufzug, erste Szene) in dessen vom Sterben erfüllten Mund legte. Sie sehen übrigens, über Shakespeare gibt es immer etwas zu berichten, aber das wissen Sie ja schon seit Der illegale Einwanderer G.. Was ich jedoch so erstaunlich finde, ist die Tatsache, daß Cäsar trotz 23 Messerstichen, welche ihm von den Senatoren, denn nicht nur Brutus stach auf ihn ein, es war mehr ein großartiges Hauen und Stechen des Senats, mehr Stechen als Hauen natürlich, aber das liegt in der Natur der Dinge, sprich von Messern und Dolchen, daß Cäsar immer noch die Kraft hatte, diese berühmten Worte auszustossen, während auf ihn eingestossen wurde.

Da liegt doch gleich einmal wieder die Frage auf der Hand: Waren hier Dilettanten am Werk ? Wie findet ein Mann, welcher durch ein solche Vielzahl von Messerstichen verletzt wird, noch Zeit und ganz besonders Kraft, sich mit seinem Mörder zu unterhalten ? Entweder waren hier lauter anatomische Nebenberufsmörder am Werke oder Cäsar hatte die Konstitution einer Kreuzung aus Rambo und Terminator, er war in Wirklichkeit gar kein Imperator, sondern vielmehr ein Rambonator. Aber sollen die Geschichtsbücher schreiben, was sie für richtig halten, wir waren alle nicht dabei, zumindest ich kenne keinen, der mir bisher seine Reinkarnation bzw. Auferstehung gestanden hätte. Oder wäre hier das Wort gebeichtet eher angebracht ? Aber wer weiß, die Geschichtsschreiber, besonders diejenigen im Dienste der Institution „Die zehn größten Irrtümer (Gebote) dieser Welt“  haben schon oftmals den Ostersonn-Tag vor dem Karfrei(tag)-Abend in den Himmel gelobt, vielleicht athe-ist es ja doch ganz anders als ich un-glaube

Aber zumindest eines ist bei all diesem Durcheinander passiert. Meine Gedanken haben sich wieder frisch geordnet, die Brutalität hat wieder Einzug in mein Gehirn gehalten. Aber da bin ich glücklicherweise nicht der einzige, dem dies tagtäglich widerfährt. Ich heiße mich demnach wieder selber herzlich willkommen in einer neuen, alten Welt der 23 Messerstiche, manchmal weniger, meistens mehr. Cäsar wurde am 15. März 44 v. Chr. ermordet,  jener Senatssitzung in den sogenannten Iden des März. „Die Iden des März sind da !“ , sollen seine spöttischen Worte gewesen sein. Worauf ihm Spurinna entgegnete: „Das sind sie, aber sie sind noch nicht vorüber !“


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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