Fuchs und Hase 1


Heute hatte ich wieder einmal das Bedürfnis, mich zu duschen. Alle Neuankömmlinge, also alle Leser, welche mich bisher noch nicht kannten, natürlich nicht kennen im Sinne von persönlicher Nähe, sozusagen auf Du und Du, wobei ich natürlich alle meine Leser sieze, auch diejenigen, welche ich im normalen Leben duzen würde, also alle diese Leser werden jetzt die berechtigte Fage stellen, warum erwähnt dieser Mensch, also ich, daß er das Bedürfnis nach einer Dusche hat. Ist es denn wirklich erwähnenswert, lauthals zu schreiben: „Ich dusche, also bin ich !“. Nein, mitnichten, aber dieses hat eine andere Bewandtnis, alle diejenigen, welche mich bereits kennen, Sie wissen jetzt schon, wie ich dieses meine, haben Sie übrigens dieses „Sie“ anstatt eines vertraulichen „Du“ bemerkt, dies soll aber keinesfalls ein Vertrauensbruch sein, vielmehr ist es als Höflichkeitsform gedacht, also ich erachte diesen besonderen Hinweis auf meine Duschfreudigkeit mit meinen ganz speziellen Warmduscher-Qualitäten als für besonders erwähnenswert.

Wie schon geschrieben steht, duschen hat für mich neben dem primären Zweck der Körperpflege noch den Sinn des Nachdenkens. Wenn ich mich der Körperreinigung hingebe, reinige ich sozusagen auch meinen Geist. Aber das können Sie ja unter „Warmduscher“ nachlesen.

Nun gut, Fuchs und Hase. Da fällt uns natürlicherweise zuallererst und überhaupt und sowieso die Nachtruhe ein. Wenn wir an diese beiden Wald-, Wiesen- und Feldbewohner denken, sagen wir doch automatisch „Gute Nacht !“, denn wir assoziieren Meister Reineke und Meister Lampe mit dem bekannten Sprichwort: Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Wir meinen also eine Stelle oder einen Ort tief im Wald, wo rein gar nichts los ist, sozusagen der Hund begraben ist. Aber nein, wenn wir den treuesten Vierbeiner des Menschen dort begraben, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, dann wiederum meinen wir eine Stelle, wo sich vielleicht ein Schatz befindet, also vergraben ist. Was aber wiederum auch oftmals eine weit entlegene Stelle impliziert, also dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Im tiefsten 17. Jahrhundert glaubte nämlich die Volksseele, daß ein verborgener Schatz immer vom Teufel bewacht wird, und der in Gestalt eines bösen schwarzen Hundes diese ehrenvolle Aufgabe übernahm. Und ein verborgener Schatz findet sich selbstredend nicht mitten auf der Strasse, sondern eben dort, wo der Hund begraben liegt, also, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Ich hätte gute Lust, Sie jetzt aufgrund des Stichwortes Schatz mit den Nibelungen zu langweilen, irgendwie gefällt mir diese Verbindung Schatz – begrabener Hund einerseits und demgegenüber Nibelungenschatz – Alberich als Hüter desselben, aber das hebe ich mir für ein anderes Mal auf, aber bitte erinnern Sie mich bei Gelegenheit daran. Da ich jetzt aber schon weiß, daß diese Zeilen einer meiner geschätztesten Arbeitskollegen, es gibt derer leider nur noch wenige, ich will ihn der Einfachheit F. nennen, lesen wird, werde ich mit Sicherheit dieses Thema noch ein weiteres Mal streifen müssen. Aber bis dahin streifen wir wieder gemeinsam durch die Wälder, immer auf der Suche nach dem sagenhaften begrabenen Hund.

Bevor wir uns aber wieder unserem eigentlichen Thema zuwenden, fällt mir zu Hund natürlich wieder einmal ein literarisches Meisterwerk ein. Ich zitiere im folgenden aus dem zehnten, dem Schlusskapitel von „Der Process“ von Franz Kafka, und zwar gebe ich die letzten drei Sätze wider, unkommentiert, vollkommen losgelöst vom übrigen Roman, aber trotzdem für sich selbst sprechend:

„Aber an K.s Gurgel legten sich die Hände des einen Herrn, während der andere das Messer ihm ins Herz stieß und zweimal dort drehte. Mit brechenden Augen sah noch K., wie die Herren, nahe vor seinem Gesicht, Wange an Wange aneinander gelehnt, die Entscheidung beobachteten. „Wie ein Hund!“ sagte er, es war, als sollte die Scham ihn überleben.“

Nun gut, zurück zum Thema. Während also die einen den Hund als Symbol des Teufels interpretieren, sehen andere den Hund als einen Überbringer von Liebesbriefen, welcher laut einer Fabel dem Herrchen die Schmachtfetzen seiner Angebeteten überbrachte  und zum Dank für die treuen Dienste nach seinem Ableben mit einem Gedenkstein geehrt wurde. Doch sei es, wie es will, praktisch dort, wo der Hase im Pfeffer liegt, wenn einer weiß, wie der Hase läuft, bin das natürlich ich. Nicht daß Sie glauben, ich will Ihnen einen Floh ins Ohr setzen und Sie sollen auch keinesfalls die Katze im Sack kaufen geschweige denn, daß ich Sie als jemanden einschätze, welcher mit den Wölfen heult.

Aber es ist doch mittlerweile wirklich so, daߠkein Schwein mehr nach vielen Tieren pfeift und der Hahn kräht schon lange nicht mehr danach. Nehmen Sie den großen Fuchs, den arktischen Fuchs oder den iberischen Luchs ? Der erste ein Schmetterling, der zweite ein polarer Bewohner mit weißem Wintermantel und grau-braunem Sommermantel und der dritte die seltenste Großkatze, welche unser Planet beherbergt. Warum ich über Fuchs und Hase schreibe ?  Grund war ein Artikel mit der Überschrift: Jeder sechste Säuger Europas vom Aussterben bedroht.

Nicht, daß mir dieses jetzt zu Denken gibt. Warum sollte ich mir Gedanken über solche Trivialitäten machen, schließlich gibt es ja noch genug andere Tiere, welche den Planeten Erde bewohnen und die vom Über-Tier, dem Menschen, in Ruhe gelassen werden. Die Artenvielfalt unseres Heimatplaneten ist doch immer noch erstaunlich hoch, auf ein paar mehr oder weniger darf es uns dabei nicht ankommen. Sehen wir es einmal positiv, sterben einige der bedrohten Tierarten aus, haben die anderen wenigstens mehr Platz. Und wo gehobelt wird, da fallen bekannlich auch die Späne. Und im Krieg sterben Soldaten. Und im Regenwald sterben Bäume. Und auf der Treibjagd sterben Füchse. Und unter dem Mähdrescher sterben Hasen. Das große Sterben allenthalben. Nur der Mensch stirbt nicht, der fährt Mähdrescher. Und hat seinen königlichen Spaß an Treibjagden. Aber Fuchs hin und Hase her, man kann uns doch nicht für alles verantwortlich machen, wir haben schließlich schon genug mit den Regenwäldern zu kämpfen.

Des Pudels Kern liegt doch wohl darin, daß sicher nicht der Mensch an dieser Misere schuld ist. Immerhin haben es die Tiere uns zu verdanken, daß es das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) gibt. Und dieses wundervoll geschriebene Stückchen Papier regelt ganz klar, wie der Handel mit geschützten Arten, seien es Tiere oder Pflanzen der freien Wildbahn, geregelt und kontrolliert werden soll. Vielleicht sollte man sollte sagen, aber die Welt ist kein Wunschkonzert.

 Ich meine, seien wir uns doch einmal ehrlich, was können wir Menschen dafür, wenn sich die Tiere und Pflanzen an diese Abmachungen nicht halten ? Sollen wir wirklich deren Probleme zu unseren eigenen machen, wo wir doch schon selber genug am Hals haben ? Oder schauen Sie sich nur all diese schrecklichen Reportagen im Fernsehen an, wenn diese Bestie namens weißer Hai immer diese armen Surfer zerfleischt, nur weil dieses kurzsichtigen Kretins der Welt(müll)meere ein Surfbrett nicht von einer Kegelrobbe unterscheiden können. Und dann diese grausamen Tiger auf Sumatra ! Ja, ich weiß, Sie werden jetzt berechtigterweise sagen, aber die haben wir doch Gott sei Dank schon weitgehend ausgerottet. Sie haben selbstverständlich recht, aber diese Unverbesserlichen vom WWF mit ihrer Geheimsache Sumatra-Tiger glauben doch tatsächlich, sie könnten noch retten, was fast nicht mehr zu retten ist. Und dann diese ästhetischen Katastrophen, welche sich einst auf Borneo, Java oder im Kongo breitgemacht hatten, kurze Beine, übergewichtig und dann dieses Riesenhorn auf der Nase, fürcherlich anzuschauen. Ich sage Ihnen, wie es ist. Wenn es der Potenz förderlich ist, dann weg mit dem Riesenvieh und her mit dem Pulver. Und wenn es schon nicht wirkt, dann schadet es zumindest nicht, außer dem Nashorn natürlich, aber wie heißt es schön: No risk, no fun !

Liebe Weltverbesserer, ich bin es einfach leid, mir noch weitere Gedanken über das Leid der Tiere zu machen. Und ich bin müde, mich mit den Problemen von Tieren zu beschäftigen, welche ich selbst nur vom Hören-sagen kenne. Deshalb sage ich jetzt: Gute Nacht, Fuchs, Hase, asiatischer Elefant, Orang-Utan, Mink- und Pottwal. Ich wünsche einen geruhsamen Schlaf allen Arten von Meeresschildkröten, dem Wisent, dem Perlmuttfalter und ich weiߠ nicht wie vielen anderen Tieren, deren letzte Vertreter sich vielleicht gerade heute nacht zum allerletzten Male niederlegen.

Wissen Sie was, so müde bin ich dann doch noch nicht. Also würde ich mich freuen, wenn wir alle gemeinsam dazu beitragen, daß auch morgen noch möglichst viele Arten wieder aus ihrem Schlaf erwachen mögen.

             


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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