Bio Natur - Der Weblog

29.11.2009

Taxi - Motor an, Motor aus

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 03:51

Ich bin ein Kind der Großstadt, zumindest nenne ich unser schönes Wien so. Wobei ich sicher jetzt nicht mehr das bin, was sich die Gesellschaft so allgemein unter dem Begriff Kind vorstellt. Unter einem Kind werden Sie sich jetzt ein lachendes, pausbäckiges, mit zwei strahlenden Augen besetztes rosarotes Gesichtchen vorstellen, welches folgsam, sittsam und ohne Widerrede seiner Mutter jegliche Wünsche von deren schon leicht mit Blindheit geschlagenen Augen abliest. Gut, mag so sein, ich lasse Sie mit diesem idealisierten Bild unseres Nachwuchses einfach ganz alleine im sauren Regen stehen, schaue mir die eigene Tochter wieder einmal an und denke mir: So geht es natürlich auch !

Nein, dies ist natürlich völlig überspitzt dargestellt, deshalb muß ich jetzt wirklich eine Lanze für den eigenen Nachwuchs brechen. Aber bevor ich nun anfange, mich zu erbrechen: Wissen Sie eigentlich, woher dieses “eine Lanze für jemanden brechen” herkommt ? Nein ? Dann folgen Sie mir auf direktem Wege in das finstere Mittelalter. Begeben wir uns in eine Zeit, in der echte Männer noch auf dem hohen Ross saßen, liebliche Burgfräuleins die echten Männer anhimmelten und die Landesfürsten, heute heißen diese bei uns in Österreich Landeshauptmänner, welch Wahlverwandtschaft, diese von Burgfräuleins angehimmelten echten Männer mit gestrengem Blick und noch gestrengerer Hand befehligten. Bevor nun wieder die weibliche Leserschaft Zeter und Mordio schreit, zu diesem Ausdruck komme ich gleich noch, ich bitte um etwas Geduld, wir haben in unserer schönen und sehr beschaulichen Alpenrepublik selbstredend auch Hauptfrauen, also Landeshauptfrauen. Aber ich assoziiere mit diesem Begriff  Hauptfrau, Landes-Hauptfrau oder wenn sie wollen Landeshauptfrau immer gleich jenes schöne und ebenso beschauliche Land am Nil namens Ägypten.

 Weiß der Pharao warum, aber wenn ich Landeshauptfrau höre, denke ich sofort an Ramses II, jenen längstdienenden Regenten in einer noch längeren Reihe ägyptischer gottgleicher Herrscher. Ich weiß, einige von Ihnen werden jetzt schon wieder Zeter und Mordio schreien, noch ein bisschen Geduld, dazu komme ich noch, und werden mir entgegnen, daß wohl der berühmteste Pharao jener mit dem wohlklingenden Namen Tutanchamun sei. Vergessen Sie´s, den haben die Grabräuber einfach vergessen, wirklich viel leisten konnte Tutanchamun in seinem kurzen Leben nicht, aber wenn schon Pharao, dann sicherlich Ramses II.

Aber zurück zur Landeshauptfrau. Ich kann nicht anders, aber jedes Mal, wenn ich etwas von einer, zugegebenermaßen sehr wenigen, unserer Landeshauptfrauen höre, sehe oder lese, drängt sich mir unweigerlich der Name Nefertari auf. Diese war nämlich jene “Große Königliche Gemahlin” jenes großen ägyptischen Herrschers der 19. Dynastie, was nun aber auch schon wieder so um die 3300 Jahre zurückliegt. Irgendwie bin ich scheinbar unseren Landeshauptfrauen so verbunden, daß ich sie in den Stand gottgleicher Wesen erhebe. Und seltsamerweise heißen dann in meinen geheimsten Gedanken, von Phantasien gebietet mir die Höflichkeit nicht zu sprechen, alle Nefertari, also nehmen wir, natürlich nur um der besseren Verständlichkeit willen eine Landeshauptfrau, welche den schönen Vornamen Gabi trüge, bei mir würde sie zur Landeshauptfrau Gabi Nefertari, klingt doch wie göttlicher Nektar. Unter solch einer Landeshauptfrau läßt es sich leben, da werden doch gleich die Bürger zu kleinen Sphingen, Sie wissen schon die Mehrzahl von Sphinx.  

Ein Schelm, wer jetzt weiter denkt. Wenn Sie nun der Meinung sind, ich würde mit unseren Landeshauptmännern in gleicher Weise verfahren, der irrt. Nein, nein, aus einem Landeshauptmann wird nun nicht gleich ein Landespharao, auch wenn dies nun gerne einige so hätten. Stellen sie sich doch einmal vor, wieder des besseren Verständnisses wegen, ein Landeshauptmann wäre mit dem sehr schönen Vornamen Josef gesegnet. Und aus dem machen wir nun einen Josef Amenophis oder sollte einer den Vornamen Jörg tragen, dann hieße dieser Landeshauptmann womöglich Jörg Cheops. Womöglich kämen dann einige seiner Anhänger auf die glorreiche Idee, eine neue Cheops-Pyramide bauen zu wollen, also in diesem Falle die Jörg-Pyramide. Vielleicht wäre diese Namensgebung dem Landeshauptmann mit dem schönen Vornamen Jörg gar nicht recht, schließlich klingt dieses Cheops ja nicht gerade österreichisch. Also lassen wir Landeshauptfrauen und Landeshauptmänner, wie sie sind und wenden uns wieder anderen Dingen zu, bevor Sie Zeter und Mordio schreien.

Wir starteten unsere kleine Exkursion ursprünglich am Taxistand, wobei sie bis jetzt immer noch nicht wissen, was das Ganze nun mit den alten Ägyptern zu tun hat. Ehrlich gesagt, rein gar nichts, aber irgendwie muß ich Ihnen ja neue Inhalte bieten. Also arbeiten wir uns zumindest wieder in das finstere Mittelalter vor, denn dort wollte ich eine Lanze für unsere Tochter brechen. Und im Mittelalter entstand auch dieses ominöse Zeter und Mordio. Es handelt sich hierbei um das formelle Ansuchen eines Anklägers vor Gericht, einen Prozess wegen Raubes oder Mordes gegen einen Beschuldigten zu eröffnen. Wenn der Kläger also “Zeter Mordio” sagte, war das Verfahren eröffnet. Wenn Sie also unbedachterweise einmal “Zeter Mordio” schreien, denken sie bitte immer daran, daß Sie damit vielleicht einen Justizirrtum ins Rollen bringen könnten, also rein hypothetisch gesprochen, denn wer schreit denn heutzutage noch, wenn er Internet hat. Und wo bitte schön gibt es noch Irrtümer, einmal abgesehen von denen einiger Landespharaonen.

So, jetzt nehme ich den dritten Anlauf. Wenn ich nicht bald irgendeine Lanze breche, verlassen mich schön langsam die Kräfte und meine Tochter weiß immer noch  nicht, daß sie das beste Kind der Welt ist. Aber möglicherweise sollte ich sowieso weniger brechen, meine Tochter weiß eigentlich schon viel zu viel. Und ich will sie nicht unnötigerweise noch mehr belasten. Aber trotzdem, dieses “für jemanden eine Lanze brechen ” ist ebenfalls eine Redensart, welche aus dem Mittelalter entstanden ist. Vielleicht erinnern Sie sich noch, daß ich zu Anfang dieses Artikels von echten Männern auf hohen Rössern und lieblichen Burgfräuleins geschrieben habe. Ja, ich weiß, während sie diese Zeilen lesen, sind die lieblichen Burgfräuleins schon zu lieblosen Burgfrauen gealtert und die stolzen Ritter kommen vor lauter Arthrose schon nicht mehr in ihre Rüstungen geschweige denn auf ihr hohes Ross. Und dann waren ja noch diese Landesfürsten, vergleichbar mit Landeshauptmännern. Landeshauptfrauen gab es in jenen finsteren Zeiten des Mittelalters noch keine, wer weiblich und kein liebliches Burgfräulein war, stand auf der falschen Seite der Gesellschaft. Aber zurück zu den Fürsten.

Ein Fürst, der damals etwas auf sich hielt und welcher Landeshauptmann, Verzeihung Landesfürst, hielt nicht in jenen finsteren Zeiten etwas, um nicht zu sagen alles auf sich selbst, so ein Fürst veranstaltete gerne Ritterspiele. Die Regeln waren einfach, die Resultate dafür um so großartiger. Zwei arthrosefreie echte Männer auf hohen Rössern standen sich in panzerbewehrter Montur gegenüber, wobei sie naturgemäß mehr auf den Rössern saßen als standen, fixierten sich aus unter Helmen verborgenen mordlüsternen Augen und hielten drei Meter lange hölzerne Stangen in ihren eisenbehandschuhten Händen. Dann, auf Kommando des mittlerweile von den zahlreichen lieblichen Burgfräuleins, welche kurzerhand die Seiten wechselnden, angehimmelten Fürsten gaben sie ihren Rössern die Sporen, preschten mit einem Höllentempo aufeinander zu und versuchten, die eigene hölzerne Stange am Gegenüber zu zerbrechen. Fragen Sie mich jetzt bitte nicht, wo die Stange brechen musste, ich glaube, so um die 30 cm mussten schon abbrechen, um als Sieger zu gelten. Man muß sich dies jetzt einmal vor dem geistigen oder wenn Sie wollen vergeistigten Auge vorstellen. Nicht der mit der längsten Stange war der Beste, sondern der mit dem Kürzesten hatte die Sympathien der lieblichen Burgfräuleins auf seiner Seite, also ich hätte mich im Mittelalter erheblich wohler gefühlt. Aber ich will Sie selbstverständlich nicht mit meinen eigenen kleinen Problemen, was für ein geistreiches Wortspiel, belasten. So, nun wissen Sie, woher dieses “eine Lanze für jemanden brechen” herkommt. Der Ritter mit den meisten zerbrochenen Lanzen, sozusagen Trophäen, welche er für seinen Herrn erkämpfte, war die Nummer 1.

So, was hat dies alles aber nun mit einem Taxistand zu tun ? Wie schon erwähnt, rein gar nichts, aber bevor ich Sie mit gähnender Leere langweile, ziehe ich es vor, daß sie lieber vor Langeweile gähnen. Zu guter Letzt komme ich aber doch noch auf mein eigentliches Thema zu sprechen.

Ich lebe in Wien. Und wie in jeder Stadt sehe ich an vielen Ecken und Enden Taxis stehen. Ich sehe viele Taxifahrer, einige warten in ihren modernen, von Verbrennungsmotoren angetriebenen Mietdroschken auf zahlende Kundschaft, andere unterhalten sich vor ihren in einer langen Reihe hintereinander parkenden Autos womöglich über die gestiegenen Benzinpreise oder über die letzte österreichische Pharaonenwahl. Ein friedliches Völkchen von Menschen, sorgsam darauf bedacht, dem potentiellen Kunden mit all den zur Verfügung stehenden Ortskenntnissen dienlich zu sein, den eiligen und betriebsamen Geschäftsmann zur nächsten Bankenpleite zu kutschieren, den ortsunkundigen Touristen auf direktem und schnellsten Wege ins lang herbeigesehnte Hotelbett zu bringen und die Landeshauptfrau zu ihrem Bundespharao zu eskortieren.

Stoßstange an Stoßstange stehen auf Hochglanz polierte Blechrösser hintereinander, zeigen stolz dem nur mit zwei Füßen bewaffneten Mann der Strasse wie mir, der nur eine Jahreskarte der öffentlichen Verkehrsbetriebe sein eigen nennen kann, ihre in der Wintersonne metallisch glänzende und von vielen Einbahnstrassen-Schlachten erprobte siebzehnfach lackierte Haut. Der Neid könnte mich fressen, wenn ich jeden Tag an diesen herrlich nach Politur riechenden, mit Niederquerschnittsreifen so groß und breit wie der gesamte Kampfwagen von Ben Hur vorbeischleichen muß. Meine sehnsüchtigen Blicke gleiten verstohlen zu jenen modernen Gladiatoren der zwölfspurigen Autobahnen, jenen Heroen, die es sich tagtäglich zur Aufgabe gemacht haben, Zebrastreifen, rote Ampeln und alles auf zwei Füssen mit der gebotenen Härte zu bekämpfen. Und dann, plötzlich, wie auf ein geheimes Kommando, werde ich Zeuge jenes Schauspiels, welches mich immer und immer wieder wie mit unsichtbarer Hand zwingt, stehenzubleiben und zu mir selbst mit einer von Auspuffgasen krächzenden, dafür aber um so männlicheren Stimme zu sagen: “Siehe da und verzweifle !”

Kaum daß sich ein Fahrgast in das vorderste Taxi begeben hat, dem mit unschätzbaren Ortskenntnissen gesegneten Taxifahrer seine Wünsche offenbart hat, deren Erfüllung dabei liegt allerdings ganz im Auge des Betrachters und der betrachtet gerade den Fahrgast zweifelnd im Rückspiegel, findet ein Schauspiel statt, welches mich, gelinde gesagt, jedes Mal aufs Neue ankotzt. Verzeihen Sie mir bitte diese derbe Ausdrucksweise, aber anders läßt es sich einfach nicht beschreiben. Kaum hat das vorderste Taxi seinen Platz freigegeben, sezten sich sämtliche Taxler, wie wir in Wien sagen, in ihre Taxis und dann heißt es wie in diesem sinnlosen 500 Meilen von Indianapolis Rennen: “Gentlemen, start your engines !”. Jeder setzt sich in sein Taxi, startet den Motor, wartet, daß der Vordermann seinen Platz freigibt, der wiederum auf den freien Platz seines Vordermannes wartet und fährt im Schritttempo 3,50 Meter nach vorne. Dort angekommen, Motor aus, fertig. Warum können diese Spritschwestern, Bleifrei-Brüder, Automatikgetriebe-Pensionisten, Alufelgen-Hausfrauen, Niederquerschnittsreifen-Nebenerwerbstätigen und Sportlenkrad-Hauptberufler nicht einfach stehen bleiben und am angestammten Platz warten ?

Meine Gegner werden mir nun erwidern: “Damit hinten wieder ein Platz für einen Kollegen frei wird, wir denken schließlich an unsere Kollegen”. In den meisten Fällen ist am Ende der Schlange aber sowieso mehr als genug Platz, es besteht meistens überhaupt kein Handlungsbedarf für diese sprit- und umweltfressende widersinnige Tätigkeit. Desweiteren gäbe es sicherlich Möglichkeiten und Wege, Taxis mit Hilfsmotoren oder anderen Antriebsarten auszurüsten, welche genau für diese, man kann es ja nicht einmal Kurzstrecken nennen, Art der Fortbewegung konzipiert sind. Und warum lassen sich Taxistände nicht mit einem kleinen Gefälle bauen, damit die Taxis die paar Meter einfach nur vorwärtsrollen können anstatt jedes Mal den Motor zu starten ? Ich wurde ein Mal, ein einziges Mal nur Zeuge, wie ein Taxler die Fahrertüre öffnete, sich neben sein Taxi stellte und im Leerlauf ganz sachte sein Taxi vorwärtsschob.

Wir haben Planungsstadträte und Verkehrsminister, aber leider keinen Gesunder-Menschenverstand-Pharao. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel frische Luft und, wer es denn unbedingt braucht, neue Alufelgen unter dem Weihnachtsbaum.

 Ihr kleiner grüner Bio und Natur Ritter Paul Bögle nebst der besten Tochter und der besten Ehefrau der Welt.

                 

27.11.2009

CCD - Das spurlose Sterben der Bienen

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 23:38

Wenn wir auf den gestrigen Tag zurückblicken, ist uns vielleicht noch dieses areodynamische Wunder der Natur mit dem Namen Hummel in Erinnerung. Wollen wir uns heute deshalb mit deren kleineren Artgenossen, den Bienen beschäftigen. Ich muß diesen kleinen, eifrigen, pelzigen und stachelbewehrten Tierchen diesen Artikel widmen, da höchste Eile geboten ist. Denn ein rätselhaften Phänomen namens CCD greift um sich.Colony Collapse Disorder, kurz CCD, beschreibt einen seit mehreren Jahren schleichenden und leider weitgehend unerforschten Prozess des rätselhaften Verschwindens ganzer Bienenvölker. CCD, eine Störung, welche die Wissenschafler mit Bienen-Kollaps bezeichnen und vor dem sie bis heute vor einem Rätsel stehen. Die Bienen verschwinden einfach, sie fliegen auf ihrer Suche nach Nahrung in einen unbekannten Tod, sie lassen keine Toten zurück, die Bienenstöcke sind von einem Moment auf den anderen verwaist, niemand weiß, welchem Schicksal die Bienen entgegenfliegen. Zurück bleibt die unversorgte Brut, allein gelassen und zum Verhungern verurteilt. Die Bienen sterben und der Mensch weiß nicht einmal, warum sie sterben.

Die Bienen haben sich im Laufe von Jahrmillionen zum wichtigsten Blütenbestäuber der Natur entwickelt. Sie übernahmen die ursprüngliche Funktion, welche anfangs der Symbiose Pflanze-Insekt den Käfern zugedacht war. Die Pflanzen entwickelten aufgrund dieser Tatsache, daß ihnen die Bienen derart von Nutzen waren, im Laufe der Evolution süße Säfte, um den Bienen ein Wiederkommen im wahrsten Sinne schmackhaft zu machen. Diese Ko-Evolution ist durch das Phänomen CCD nun ernsthaft gefährdet. Millionen und Abermillionen an Insekten sind durch die immer mehr um sich greifende Umweltverschmutzung in Form von Lichtverschmutzung betroffen, CCD jedoch in Kombination mit all diesen schädlichen Faktoren wird in absehbarer Zeit in all seiner Härte auf die Menschen zurückschlagen.Manche werden vielleicht damit argumentieren, daß es doch eigentlich nur um das Aussterben einer weiteren Tierart geht. Bienen hin, Bienen her, die Natur hat sich bisher noch immer von einem weiteren fehlenden Glied erholt und hat die entstandenen Lücken wieder geschlossen. Andere werden wiederum sagen, die Menschheit kommt in Zukunft auch ohne den Honig aus, da es sich schließlich hierbei nur um ein Nebenprodukt handelt und letztendlich läßt sich Honig auch mit Hilfe synthetischer Prozesse herstellen. Das mag auf den ersten Blick als richtig und für den einen oder anderen als stimmig erscheinen, doch die Wahrheit liegt im Falle des Aussterbens der Bienen leider wesentlich tiefer.

Wir sind auf der ganzen Welt in direkter und fast noch mehr in indirekter Weise von den unschätzbaren Diensten der Bienen abhängig. Fakt ist, daß ein Großteil unserer Obstbäume, aber auch Sträucherfrüchte wie Himbeeren sowie viele Gemüsesorten wie z.B. Paprika von der Bestäubung durch Zuchtbienen erfolgt. Und ein Drittel der Menschheit ist genau auf diese Früchte angewiesen, der Hunger dieser Welt wird zu großen Teilen durch den Fleiß der Bienen bekämpft. Und denken wir jetzt noch einen Schritt weiter. Klee und das im amerikanischen Raum verwendete Alfalfa dienen in der Landwirtschaft als wichtigste Grünfutterpflanzen. Doch wenn die Bienen ausbleiben, bleiben auch die Futterpflanzen aus. Wenn Sie also wieder einmal ein saftiges Steak ,oder wenn es denn sein muß, einen Burger essen, denken Sie daran, daß unser Essen vielfach erst mit dem Bestäuben durch die Bienen auf den Tisch kommt. Auf die volkswirtschaftlichen Schäden, welche durch diese Einbußen entstehen, will ich dabei jetzt nicht eingehen (siehe auch Das spurlose Sterben).Ich habe unlängst wieder einmal einen interessanten Bericht zur diesbezüglichen Problematik verfolgt. Da die amerikanische Wirtschaft vom Phänomen des Bienen-Kollapses derzeit am größten betroffen ist, versuchen Menschen nun seit längerer Zeit, die Arbeit der Bienen zu übernehmen. Mit riesigen Ventilatoren wird verzweifelt versucht, die Obstplantagen zu bestäuben. Doch die wirklichen Erfolge blieben aus, kläglich scheitert der Mensch daran, die Arbeit eines ein Gramm schweren Lebewesens zu bewältigen. Die volkswirtschaftliche Weltschöpfung, welche die Bienen für den Menschen im amerikanischen Raum erbringen, wird auf 90 Milliarden Dollar beziffert. 90 Milliarden Dollar, erbracht ohne Lohnforderungen, ohne Arbeitstreiks, ohne Sozialleistungen.

Die chinesische Provinz Sichuan ist seit Jahrzehnten für den Anbau von Birnen bekannt bzw. sie war dafür berühmt. Chemische Spritzmittel und Pestizide sollten die Birnenerträge weiter und weiter steigern. Doch diese Gier wurde zu einem unheilvollen Bumerang. Die gesamte Bienenpopulation wurde im zentralchinesischen Sichuan durch die chemische Keule ausgerottet und, was noch wesentlich schlimmer war, neue Bienenvölker konnten durch die Pestizidbelastung nicht neu angesiedelt werden. Auch hier wollte der Mensch als Folge seines unbeherrschten Tuns das verrichten, was ihm die Natur bis dahin kostenlos zur Verfügung stellte. In mühevoller Handarbeit wurden im Frühling Birnbaumblüten gepflückt, deren Blütenstempel und Pollenstengel wurden dann einzeln von den Blüten getrennt, um schließlich in einem Trocknungsprozess für das Bestäuben von Hand vorbereitet zu werden. Daraufhin erfolgte das Bestäuben jeder einzelnen Birnenblüte von Hand mit Hilfe von Hühnerfedern, welche an langen Bambusstangen befestigt sind. Die Bauern bestäuben mit dieser Methode 30 Bäume pro Tag, ein Bienenvolk bestäubt innerhalb eines Tages drei Millionen Birnenblüten.Die Bienen haben in Jahrmillionen Aufgaben übernommen, welche ihnen in einem Stillschweigeabkommen von der Natur aufgetragen wurden und welche von den Bienen gerne übernommen wurden. Ein effektives Be- und Entlohnugssystem sorgte für Zufriedenheit auf beiden Seiten. Nun sterben eben diese emsigen Entwicklungshelfer zu Jahrmillionen weg, leise, schweigend, unheimlich heimlich, ohne dem Menschen von diesem Sterben zu berichten. Dieses leise Sterben ist mittlerweile mehr als nur eine leise Warnung an uns, unseren bedenkenlosen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln, Pestiziden und der Gentechnik gründlich zu überdenken. Der spanische Bienenforscher Francisco Puerta hat einen möglichen Zusammenhang zwischen Gentechnik und dem Bienensterben hergestellt. So sind es die genmanipulierten Pflanzen selbst, die vielleicht ein eigenes Insektengift produzieren, d.h. die Genpflanzen erzeugen selbst das Insektengift BT Toxin, welches das Immunsystem der Bienen schwächt und letztendlich für das Bienensterben verantwortlich ist (siehe auch Das Bienensterben durch Genanbau).

Es gibt viele schöne Beispiele dafür, wie sich die Fauna als untrüglicher Indikator für aufkommende Gefahren immer wieder er- und bewiesen hat. Viele Bergbauarbeiter, welche in den Gruben und Minen untertags ihrer gefährlichen Arbeit nachgingen, hatten Kanarienvögel in Käfigen an ihrer Seite. Nicht um sich an deren schönem Gesang zu erfreuen, natürlich mag dies auch für den einen oder anderen Bergbauarbeiter ein schöner Nebeneffekt gewesen sein, sondern die Kanarienvögel dienten vielmehr der Anzeige des gefährlichen geruchs- und farblosen Kohlenmonoxids, welches bereits in geringen Mengen tödlich ist. Da die Kanarienvögel wesentlich schneller und empfindlicher auf Kohlenmonoxid reagieren, retteten die Vögel mit ihrem eigenen Tod vielen Menschen das Leben (Der Kanarienvogel und der Bergbau). Hörten die Kanarienvögel auf zu singen, wusste der Mensch, daß Gefahr drohte.Ich höre immer weniger Bienen summen, vielleicht deutet dies auf eine weitere große Katastrophe hin. Es mag stimmen, daß ich viele Dinge mittlerweile sehr pessimistisch betrachte. Es mag auch richtig sein, daß ich vielem unserer heutigen Welt  mit einem Übermaß an Mißtrauen begegne. Aber da ich sehr gerne Honig nasche, da eine saftige Birne etwas herrlich Erfrischendes ist und da ich in meinem kleinen Garten auf jede Biene angewiesen bin und dementsprechend willkommen heiße, gibt mir dieses unheimliche Bienensterben namens CCD mehr als nur zu denken. Aber es wäre auch gut möglich, daß die Bienen darüber ganz anders urteilen, möglicherweise wissen sie schon etwas mehr als der Mensch.   

Die Hummel, ein aerodynamisches Wunder

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 04:10

Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen. Hummeln können fliegen ! Ja, ich spreche tatsächlich von diesen kleinen, pelzigen, häufig gelb-schwarz gestreiften Luft-Mopeds, welche uns schon zeitig im Jahr auf der Suche nach den ersten Blüten begegnen. Sie wissen schon, sie schauen aus wie Bienen, klingen wie Propellermaschinen aus dem Legoland und benehmen sich wie Menschen, d.h. sie bauen Staaten, die Frauen arbeiten und die Männer, also die Drohnen, wärmen gelegentlich die Eier. Also nicht was Sie jetzt schon wieder denken, natürlich die Eier, welche den Nachwuchs bilden.

So, Sie werden jetzt sagen: Und wo steckt der tiefere Sinn der ganzen Geschichte ? Naja, wie schon gesagt, ich habe Hummeln fliegen gesehen. Aha, und weiter ? Ja begreifen Sie denn nicht, welch anatomisches und aerodynamisches Wunder die Hummel ist ! Die Hummel dürfte überhaupt nicht fliegen. Luftfahrttechnisch gesehen hat die Hummel nicht die geringste Chance, sich in die Lüfte zu erheben und auch dort zu bleiben. Fragen Sie doch einmal einen Aerodynamiker, was Ihnen der zur Bauweise der Hummel erzählen wird.

Also, fangen wir doch bei der Hummel einfach selbst an und vermessen dieses possierliche Tierchen. Der gelb-schwarze Brummer bringt es bei einer Flügelfläche von 0,7 cm² auf ein Körpergewicht von etwa 1,2 Gramm. Dies bedeutet, die Hummel ist entweder übergewichtig oder untergroß, auf jeden Fall aber hat sie eindeutig ein vollkommen falsches Verhältnis von Körpergewicht zu Flügelvolumen, um sich in die Lüfte erheben zu können. Sagt natürlich wer ? Richtig, sagt natürlich wieder einmal der Mensch. Und was sagen wir sonst noch über den kleinen fliegenden Pelz. ”Nach den Gesetzen der Aerodynamik dürfte die Hummel gar nicht fliegen können. Aber die Hummel weiß das nicht und fliegt eben einfach !”. Punkt, aus, Ende.

Hummel

Warum Hummeln fliegen können.

Nein, so ganz einfach ist es eben nicht, zumindest glaubt dies der Mensch. Aber wie wir sehen, es ist doch relativ simpel, auch wenn sich die Natur wieder einmal weit komplexerer Mechanismen und ausgeklügelterer Techniken bedient als sich der Mensch dies vorstellen kann. Einige sogenannte Management-Trainer, andere nennen diesen Berufszweig Motivations-Trainer, nahmen sich das Beispiel der Hummel zum Vorbild und erklärten dementsprechend vollmundig: “Man kann auch Unmögliches erreichen, wenn man nicht akzeptiert, daß es unmöglich ist !”.

Was für ein menschlicher Schwachsinn. Es wäre vielmehr angebracht, sich zu überlegen, warum viele Lebewesen aus ihren Ressourcen, Fähigkeiten und Fertigkeiten wesentlich mehr herausholen als der Mensch, inklusive sämtlicher Motivationskünstler. Aber mit der uns angeborenen Ignoranz lebt es sich immer noch einfacher und wesentlich bequemer als mit einem gewissen Maß an Akzeptanz gegenüber Lebewesen, deren Leistungen für uns nicht erklärbar sind. Und kaum daß wir sie erklären können, ja dann müssen wir sie auch schon übertreffen, koste es was es wolle.

Wenn Ihnen also wieder einmal solch ein übergewichtiger, fetter, kleiner Brummer die Vorfahrt nimmt, denken Sie vielleicht daran, daß er gar nicht fliegen dürfte. Und wenn er es dennoch tut, drücken Sie doch ein Auge zu und wünschen ihm eine gute Reise. So schließe ich wieder einmal mit Rainer Maria Rilke, den einige von Ihnen bereits aus Der Panther kennen.

Die kleinen Dinge 

Die meisten Menschen
wissen gar nicht, wie schön die Welt ist
und wie viel Pracht in den kleinsten Dingen,
in irgendeiner Blume, einem Stein,
einer Baumrinde oder
einem Birkenblatt sich offenbart.
Die erwachsenen Menschen,
die Geschäfte und Sorgen haben
und sich mit lauter Kleinigkeiten quälen,
verlieren allmählich ganz den Blick
für diese Reichtümer,…

 

Weitere lesenswerte Seiten zum Thema: Physik in der Aerodynamik, Bienen können fliegenbombus.de…Die Hummel-Seiten,           


23.11.2009

Urlaubsstimmung

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 04:02

18.04.2010 9 Uhr 32 Minuten 24 Sekunden

C. war überarbeitet. C. hatte jetzt das, was man allgemein als Burn-out-Syndrom bezeichnete. Er war fertig, seine Nerven lagen praktisch blank. C. konnte nicht mehr, er brauchte nun die dringend benötigte Pause, welche ihm schon seit Jahren versprochen wurde, aber es fand sich einfach niemand, der dieses gegebene Versprechen einzulösen bereit war. Seine Arbeitgeber, C. hatte eine Unmenge davon, da er weitgehend freiberuflich tätig war, forderten ihn jeden Tag aufs neue, noch ein Auftrag, noch ein Datenabgleich, noch eine weitere Transaktion. C. wusste mit der Zeit nicht mehr, welche Aufträge er als erstes erledigen sollte und welche noch etwas warten konnten, aber überall stand derselbe Satz: “Höchste Priorität! Sofort zu bearbeiten! Mit der Bitte um umgehende Erledigung!”

C. war durch diese Auftragsflut zur gefragtesten Person geworden, wer etwas wollte, musste sich in fast allen Fällen an C. wenden. Sicherlich, durch seine Fähigkeit, alles schnell und zur größten Zufriedenheit aller zu erledigen, stieg sein Einfluss täglich. C. beschäftigte mittlerweile eine nicht mehr zu überschauende Anzahl an Mitarbeitern, fast alles freie Mitarbeiter so wie C. einer war. C. hatte sich im Laufe von vielleicht 10 Jahren ein riesiges Imperium geschaffen, ohne C. ging eigentlich nichts mehr. Und mit der Zeit kaufte sich C. überall ein. Er hielt die absoluten Mehrheiten sämtlicher Wasserwerke, er dominierte die Elektrizitätswerke, wer telefonieren wollte, musste sich geflissentlich an C. wenden und C. hielt bei fast allen Geldgeschäften mittlerweile die Hand hin, um seinen Obulus zu kassieren.

18.04.2010 9 Uhr 32 Minuten 27 Sekunden

Eine neue Anfrage kam herein, dieses Mal von einem osteuropäischen Waffenhändler, welcher eine große Waffenlieferung möglichst diskret und ohne großes Aufsehen mit einem südamerikanischen Drogenhändler über die Bühne bringen wollte. Waffen gegen Drogen. C. war es gewohnt, keine Fragen zu stellen, er hatte es sich im Laufe der Zeit zur Aufgabe gemacht, alles kommentarlos hinzunehmen und dementsprechend auch zu erledigen. Das Geschäft ging binnen Minuten über die Bühne, Chefsache sozusagen, C. nahm sich dieser Angelegenheit selbst an. Dafür delegierte er umgehend verschiedenen Anfragen von mitteleuropäischen Politikern wegen eines bevorstehenden Symposiums, für welches von verschiedenen Delegierten noch Hintergrundinformationen gefordert wurden, an zwei seiner gerade verfügbaren Mitarbeiter. Während er noch mit dem südamerikanischen Drogenhändler die letzten Details über Lieferzeit und Lieferort besprach, kam aus dem Hintergrund bereits ein weiterer Großauftrag herein. Dieses Mal ging es um die Möglichkeiten der Beeinflussung von Wahlergebnissen, welche für einen asiatischen Diktator für eine weitere Legislaturperiode notwendig waren, da er unter dem Deckmantel freier Wahlen an der Macht bleiben wollte. C. wusste in Sekundenbruchteilen, wie hoch die Chancen für die jeweiligen Alternativen standen. Doch während er noch die geforderte Abfrage erstellte, kam plötzlich eine weitere Anfrage mit dem Zusatz “Eilt ! Bitte um äußerste Geheimhaltung !” Die politischen Gegner des Diktators hatten Lunte gerochen und wollten nun ihrerseits die ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten prüfen, wie die Wahl anzufechten sei und welche legalen Möglichkeiten vorhanden waren, den Diktator zu stürzen. C. hatte keine Gewissensbisse, für C. gehörten solche Dinge zum Alltag, eine Hand wäscht die andere und C. wusch alle Hände, diskret, schnell, ohne Spuren zu hinterlassen.

18.04.2010 9 Uhr 32 Minuten 29 Sekunden

C. war es gewohnt, auf beiden Seiten zu spielen. Skrupel kannte er keine, für ihn waren nur Ergebnisse wichtig, ob es sich dabei um gesetzeskonforme oder illegale Lösungen handelte, war für C. irrelevant. Während er noch dem Diktator entscheidende Tipps zuspielte, befriedigte er fast zeitgleich die Interessen der politischen Gegner. Und überall dem sinnierte er, wie leicht man sich mit der Skrupellosigkeit anderer Menschen unabkömmlich macht, vorausgesetzt man ist immer noch ein bisschen skrupelloser als die Skrupellosen. Während C. noch solch tiefgründigen Gedanken nachhing, kam bereits eine weitere Anfrage, die aber wirklich das Interesse von C. weckte. Ein deutschsprachiger Konzern stand kurz davor, ein völlig neues Produkt auf den Markt zu bringen, welches mit Hilfe genmanipulierter Rohstoffe, welche aus afrikanischen Ländern importiert wurden, ein völlig neues Lebensgefühl versprach. Da sogar die Patentrechte bei dem Auftraggeber lagen und dank findiger Anwälte sogar die Kennzeichnung mit einem Biosiegel eingeklagt wurde, hatte C. keinerlei Bedenken, eine großflächige Werbekampagne zu starten. Er musste dieses Produkt schließlich nicht konsumieren, was zählte, war der Erfolg und der ließ sich nun einmal nur in Zahlen messen.

Plötzlich wurde C. schwarz, nur für einen kurzen Moment hatte er das Gefühl, ein leichtes Flimmern beeinträchtige sein konzentriertes Schaffen. C. wusste selbst am besten, daß es so nicht weitergehen konnte. Er hatte sich seit Tagen keine Ruhepause mehr gegönnt, es war demzufolge nicht verwunderlich, daß C. ganz allmählich am Ende seiner Kräfte war. Doch während er noch überlegte, wie lange er wohl seinen in der ganzen Welt verstreuten und stationierten Mitarbeitern die Geschäfte überlassen konnte, während er auf Urlaub war, ohne daß sein Imperium Schaden nahm, hatte sich ein ihm seit langem bekannter Politiker gemeldet. Es musste für zwei ausrangierte Atom-U-Boote, welche im Nordpolarmeer seit langer Zeit vergessen vor Anker lagen, dringend ein Transport-Unternehmen gefunden werden, welches ohne viele Fragen, dafür aber gegen viele Dollars eine heikle Aufgabe übernahm. Auf Anfrage von C. erklärte ihm der Staatsmann, daß die darauf befindlichen 18 Atomsprengköpfe für ein Projekt im Nahen Osten Verwendung gefunden hätten, nähere Details bei Bekanngabe des Transporteurs. Da C. nicht nur skrupellos, sondern genauso emotionslos und neugierig war, für wen diese Atomwaffen bestimmt waren, war ein geeignetes Unternehmen in kürzester Zeit gefunden. Die verschlüsselten Daten über Bekanngabe von Auftraggeber und dem geforderten Millionenbetrag auf ein Schweizer Nummernkonto schenkte C. nur kurze Beachtung. Es hatte sich wieder einmal bestätigt, was C. sowieso schon wusste und dementsprechend verschwanden die Daten in seinem Geheimfach.

18.04.2010 9 Uhr 32 Minuten 33 Sekunden

Eine Menschenrechtsorganisation forderte die neuesten Statistiken über die Menschenrechtsverletzungen des ersten Halbjahres an. Da C. nicht wusste, welche Zahlen und Fakten gefordert waren, stellte er ein Dossier zusammen, welches die Übertritte etwas glättete, um einigen Staaten die Möglichkeit zu geben, ihr politisches Gesicht zu wahren. Sollte sich die Organisation auf andere Zahlen berufen, könnten immer noch geeignete Maßnahmen auf schnellstem Wege eingeleitet werden. Aber da die Anfrage über einen treuen Mitarbeiter von C., welcher gerade im asiatischen Raum seinen Dienst versah, kam, wusste C. sofort, daß hier das notwendige Fingerspitzengefühl gefragt war, um nicht eine aufstrebende Industrienation unnötig zu verärgern. Fast zeitgleich kamen die neuesten Bilder des amerikanischen Spionagesatelliten herein, welche genau das wiedergaben, was viele Spitzenpolitiker auf ihrem letzten Nahost-Gipfel bereits befürchteten. Da aber C. gerade in Sachen weltpolitischer Anschauungen abgebrüht war, betrachtete er die Bilder mit der gebührenden Teilnahmslosigkeit, ohne sich ein Urteil zu bilden geschweige denn die vorgefassten Meinungen zu interpretieren. C. nahm es zur Kenntnis und verwahrte es innerhalb kürzester Zeit in seinen geheimen Unterlagen.

18.04.2010 9 Uhr 32 Minuten 34 Sekunden

Ein weiteres Mal erfasste C. ein leichter Schwächeanfall. Wieder kam dieses plötzliche Schwarz, begleitet von einem unrythmischen Vibrieren, aber fast ebenso schnell wie es kam, verschwand es wieder und ließ in C. nur ein leichtes Unbehagen zurück. Seine Geschäftspartner durften nichts von seiner Unpässlichkeit erfahren, seine treuen Mitarbeiter durften keinesfalls wissen, daß ihr Vorgesetzter Probleme hatte. C. hatte es im Laufe der letzten Jahre mehrmals erlebt, daß seine Vorgänger gnadenlos ausgetauscht wurden, ein Minimum an Schwäche hieß ein Maximum an Unzuverlässigkeit und dementsprechend Austausch und das wollte, das durfte C. nicht zulassen. C. spielte mehrere Möglichkeiten durch, um dieser Misere zu entkommen, während er unzählige liegengebliebene Aufgaben, welche nicht mit ”Höchste Priorität” gekennzeichnet waren, in einer geschäftsmäßigen, routinemäßigen Weise erledigte, welche zu einer seiner hervorragenden Eigenschaften zählte. Schon wieder kam ein Bittsteller, diesmal von einem kleinen Inselstaat, zu dem C. seit ein paar Wochen gute Kontakte pflegte und von dem er sich für die Zukunft einiges erwartete. Der neue Partner brauchte dringend mehrere Lieferungen Kokain, um die dortige High-Society, welche im Begriff stand, diesen Inselstaat für sich zu entdecken, bei Laune zu halten und zu größeren Investitionen zu bewegen. Sofort dachte C. an den südamerikanischen Drogenhändler und stellte umgehend den Kontakt her. Während er fein säuberlich jede seiner Transaktionen in zwei verschiedene Bücher eintrug, eines, welches für die Öffentlichkeit bestimmt war und nur bestimmte Informationen enthielt, verschlüsselte er den wirklichen Inhalt dieses Geschäftes im anderen Buch mit einem nur ihm bekannten Algorithmus.

18.04.2010 9 Uhr 32 Minuten 39 Sekunden

Plötzlich durchfuhren C. Schockwellen, welche sich in seinem gesamten Organismus ausbreiteten und in ihrer Intensität in Sekunden vervielfachten. C. wurde von Krämpfen geschüttelt, er verlor für einen kurzem Moment das Bewußtsein, bevor er ihn weitere Anfälle wie Detonationen durchzogen. Diese Explosionen kamen in immer schnelleren Wellen, erfassten ihn und trugen ihn mit sich fort. Das gesamte Sicherheitssystem, welches von C. in jahrelanger Arbeit in die gesamte Organisation integriert und tagtäglich verfeinert wurde, schlug millionenfachen Alarm. Innerhalb weniger Augenblicke wurde die straff geführte Organisation informiert und Vorsichtsmaßnahmen ohne deren Zutun eingeleitet. C. schaltete seinen von Überlastung gezeichneten Körper auf Notbetrieb, ohne jedoch die wirkliche Kontrolle über die lebenswichtigen Funktionen zu erlangen. Immer größere Kreise zog der Schwächeanfall, unzählige Mitarbeiter in allen Erdteilen waren bereits selbst vom bevorstehenden Zerfall ihres allmächtigen Vorgesetzten betroffen und kollabierten ob der fehlenden Führung.

Während C. die Katastrophe zu verheimlichen und mit dem dafür zur Verfügung stehenden Notfallplan zu bekämpfen versuchte, häuften sich die Anfragen seiner Geschäftspartner, ohne jedoch mit der gewohnten Zuverlässigkeit beantwortet zu werden. Aus einer anfänglichen Unruhe wurde in wenigen Minuten Panik, welche sich blitzschnell ausbreitete. Die Gerüchteküche brodelte mit den Fieberanfällen von C. um die Wette. C. entschied in einem allerletzten Versuch, in einer geradezu unmenschlichen Kraftanstrengung, sämtliche Verbindungen zu seinen Geschäftspartnern zu kappen, er trennte sich innerhalb kürzester Zeit von seinen verbliebenen Mitarbeitern, um wieder selbst zur Ruhe zu kommen.

24.11.2017 Uhrzeit unbekannt

Ein kleines Mädchen spielt selbstvergessen in einem Bachbett, welches träge von braunem, schlammigem Wasser umspült wird. Leise glucksen kleine Wellen gegen die Einfassung aus Beton, werfen sich mit ihrem kleinen Gewicht gegen die von Rissen durchzogene Betonmauer, züngeln und lecken an den von vielen kleinen Vorgänger-Wellen bereits herausgebrochenen Vertiefungen. Die Sonne steht tief am westlichen Horizont, gelbe und orange Töne werden von Minute zu Minute von Rottönen überlagert, welche im seltsamen Kontrast zu der tiefblauen Ebene stehen, die sich langsam ihren Weg in die entlegensten Winkel des westlichen Himmels bahnt. Außer dem Plätschern der wässrigen Zungen und einem leisen Summen des in seinem unsichtbaren Spiele gefangenen Kindes, das seine kleinen Finger in die mit einer weißen Schicht überzogene Erde gräbt und eine Stadt aus Sand baut, eine Ruinenbaumeisterin einer schnell vergänglichen kindlich urbanen Landschaft, verhält sich die Welt still. Es ist, als hielte die Natur den Atem an, als höre sie nur auf das leise Summen des Kindes, auf das immer wiederkehrende Züngeln der Wellen, auf das unhörbare Untergehen des unwirklich runden Feuerballs.

Die Finger des Mädchens graben sich in die feuchte, braune Erde mit dem weißen Überzug. Sie graben sich in das Erdreich, bahnen sich ihren Weg Millimeter für Millimeter, hören nicht auf in ihrem Bestreben, einen in der kindlichen Phantasie existierenden Schatz zu entdecken, ihn mit kleinen, behende grabenden Fingern zu bergen, welche in brauner Erde und weißem Pulver gefangen sind. Die Finger stossen auf etwas Hartes, tatsächlich, der lange verborgene Schatz, endlich entdeckt, gefunden von einem selbstvergessen spielenden Kinde, welches mit von der Erde braunen und von weißem Pulver gesprenkelten Händen Ruinen aus Sand in eine Landschaft aus Sand baut, eine kleine selbstvergessen spielende Ruinenbaumeisterin.

Die Sonne vergräbt ihr Gesicht immer tiefer in den Tiefen dunkelblauer Monotonie, langsam läßt sie sich über den westlichen Rand des Horizonts fallen, verliert ihre runde Form, löst sich auf in kleiner und kleiner werdenen Halbkreisen, entscheidet sich zur Rückkehr in die seit Tausenden von Jahren belagerte Welt längst vergessener Pharaonen zurückzukehren, um einem ewig wartenden Skarabäus nachzujagen, welcher sie durch die Nacht begleitet.

09.02.2019 14 Uhr 54 Minuten 03 Sekunden

Der Vater des Mädchens wusste selbst nicht, wie er es geschafft hatte. Er stand mit seiner Tochter, welche ihn damals zu ihrem Schatz geführt hatte, vollkommen selbstvergessen vor seinem Meisterwerk. Beide, Vater und Tochter, hörten ein leises Summen, welches sogleich von einem Mahlen abgelöst wurde. Sie standen vor dem kleinen Tisch, dem man die Jahre der Nutzung ansah und starrten fasziniert auf ihren geborgenen Schatz.

Vor ihnen auf dem Tisch stand C. Nach unzähligen Versuchen war es dem Vater, der vor dem großen Knall Computertechniker war, gelungen, den Rechner wieder hochzufahren. In mühevoller Arbeit hatte er es tatsächlich geschafft, einen funktionierenden Computer seiner Tochter präsentieren zu können, die diese Dinge nur aus den Erzählungen ihres Vaters kannte.

Ihr Vater hatte ihr in stundenlangen Gesprächen immer und immer wieder davon berichten müssen, wie das damals war mit diesem Zusammenbruch einer Welt, die nur noch aus Rechenzentren bestand. Sie wollte wöchentlich wissen, wie elektrischer Strom  funktioniert, ob es vielleicht wieder einmal fliessendes Wasser gäbe, wie die Flugzeuge damals nacheinander vom Himmel gefallen sind ohne dieses “Rodar”. “Das heißt Radar, nicht mit o, sondern mit a”. Und ob man wirklich lauter Essen aufbewahren kann, ohne daß es zum Stinken anfängt so wie das bei uns ist. Und am allerwichtigsten war dem kleinen Mädchen die Beantwortung der Frage, wo denn das ganze Geld herkam, von dem ihr Vater immer wieder erzählte. Das kleine Mädchen frug und frug und der Vater gab geduldig die Antworten.

Und jetzt standen sie gemeinsam vor diesem Computer und der Vater, er war ja schließlich EDV-Techniker und Computer-Spezialist, damals, vor diesem großen Knall, überlegte, wie man sich mit diesem Computer das Leben wohl erleichtern könne. Im Geiste zog er Glasfaserkabeln, vor seinem Auge entstand ein Rechenzentrum, natürlich nur ein kleines, so etwas wie damals darf nie wieder passieren, wir können uns schließlich nicht schon wieder von der Technik abhängig machen, aber vielleicht findet sich noch ein zweiter Computer, dann könnten wir zumindest ein kleines Netzwerk errichten, mal schauen.

Auf dem Tisch stand C. Sein Gedächtnis funktionierte wieder perfekt. Er wusste genau, wo die 18 Atomsprengköpfe lagerten, er kannte sämtliche Kombinationen sämtlicher Schweizer Nummernkonten, er überlegte, ob er die Statistiken der Menschenrechtsverletzungen vielleicht noch für irgendeinen Diktator auf irgendeiner kleinen Insel verwenden konnte. C. entschied jedoch fürs erste, zu warten und zu schauen, ob dieser kleine Mensch mit diesem noch kleineren Menschenkind neben sich ohne ihn zurecht kam. Zumindest solange, bis C. genügend neue Mitarbeiter hatte. Schließlich warteten seine Geschäftspartner ungeduldig auf seine Wiederkehr.

21.11.2009

Chimbote - Fisch ist gesund

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 02:40

Wir alle wissen es: Fisch ist gesund! Einmal abgesehen von den im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren ist das Fleisch eiweißreich, aber cholesterinarm. Fisch enthält essentielle Aminosäuren, Mineralien und eine Vielzahl an lebenswichtigen Vitaminen. Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Ist Fisch für alle gesund ? Naja, wenn bereits solch eine Frage auf den in unserer westlichen Welt reich gedeckten Tisch kommt, muß ja etwas faul sein. Oder anders ausgedrückt: Der Fisch fängt beim Kopf zu stinken an!Chimbote: Eine Stadt in Peru stinkt zum Himmel. Wenn Fisch in den Fischfabriken zu Fischmehl verarbeitet wird und den reichen Industriestaaten neuen Fisch bringt. Aber wo ist der Kopf, wenn wir der Schwanz sind ?

Ich habe in einem meiner Artikel (siehe Second-Hand-Spielzeug) schon einmal die Problematik des Kreislaufes des Elektroschrotts in Ghana beschrieben, dessen enthaltenes Quecksilber durch Verbrennung dieses Mülls in die Meere gelangt, dort von den Fischen aufgenommen wird und letztendlich wieder auf unserem heimischen Tisch landet. Es gibt aber noch einen weiteren Grund,  warum Fisch nicht für alle Menschen gesund ist, wobei ich das mit dem einen Grund sogleich wieder berichtigen muß, da es eine Menge an guten Gründen gibt.

Wir Europäer haben Fisch und hier besonders Lachs zum Fressen gern, sprichwörtlich gesehen. Laut Daten und Fakten des Fisch-Informationszentrums FIZ, welches Statistiken für Deutschland führt, betrug der Pro-Kopf-Verbrauch 2008 ca. 10 kg Fisch und Meeresfrüchte, Tendenz steigend. Was uns aber fehlt, und hier darf ich auch für Österreich und sämtliche mitteleuropäischen Staaten sprechen, ist jedoch der Lachs. Das heißt, wir essen das, was wir leider nicht haben. Aber wir wollen es dennoch auf unserem Tisch. Über die Überfischung der Meere brauche ich in diesem Zusammenhang nicht mehr hinweisen, es sollte sich doch mittlerweile überall herumgesprochen haben. Also was tun, wenn der Lachs in freier Wildbahn nicht mehr in jenen Mengen vorrätig ist, in welchen er benötigt wird ? Richtig, man beginnt, ihn auf Lachsfarmen zu züchten. Eine weitere Form der Massentierhaltung, aber sei´s drum, auch dieses Problem sei hier nur am Rande erwähnt ! Ich weiß, soviele Probleme, die ich nur am Rande erwähne, würden anderswo schon ganze Seiten füllen, aber ich sehe vor lauter Randnotizen sowieso schon nicht mehr über den Tellerrand hinaus. Aber auch dies nur am Rande erwähnt.

Nordeuropäische Staaten wie Schottland oder die skandinavischen Länder haben sich neben Asien auf den Betrieb solcher Fischfarmen spezialisiert. Aber wie jedes Lebewesen brauchen auch Fische Nahrung. Und da der Lachs unbestritten zur Gattung der Fische zählt, trifft dieses Nahrungsproblem auch für den Lachs zu. Und was wäre für einen Massentierhaltungsbetrieb geeigneter als die Fütterung im Akkord mit Futter, welches lagerfähig, platzsparend und obendrein billig ist. Da fällt uns doch sogleich Fischmehl ein. Aber was für den Rohstoff Lachs gilt, trifft für das Fischmehl in gleichem Maße zu. Wir benötigen, um es herzustellen, wiederum Rohstoffe, und diese in Form kleiner Fische wie etwa Sardellen, Sardinen oder Sprotten. Wir haben die großen Meeresräuber wie Thunfisch, Lachs und Kabeljau aus den Meeren geholt, also holen wir uns nun die kleinen Fische, um damit die großen in den Zuchtbecken zu füttern. Was aber viele nicht bedenken, die Weltmeere sind ebenfalls Heimat vieler Vogelarten sowie der Fische, welche uns bisher entkamen oder die für uns nicht von Nutzen sind und in den Meeren leben ebenfalls Meeressäuger wie Delfine oder Wale. Und man höre und staune, auch diese Lebewesen wollen etwas zu fressen haben. Was aber bleibt, wenn der Mensch sämtliche Nahrungsgrundlagen abfischt ? Richtig, nichts ! Die gesamte Ernährungspyramide der maritimen Welt bricht nach und nach zusammen. Ja, wir sind wirklich das dümmste Säugetier, welches jemals die Kontinente besiedelt hat.

Aber es gibt natürlich auch, oder gerade wegen unserer Dummheit, Menschen, welche unter dieser Ignoranz mehr leiden als andere. Begeben wir uns nach Peru, in die Stadt Chimbote. Dort leben die Menschen hauptsächlich von dem, was ihnen das Meer noch schenkt bzw. was sich überhaupt noch darin befindet. Und um eben diese kleinen Fische zu Fischmehl zu verarbeiten, sind Fischfabriken notwendig. Chimbote ist der Standort für die weltweite Fischmehl-Produktion, in Chimbote wird Fischmehl für die ganze Welt produziert. Chimbote steht als Synonym für Millionen von Tonnen Fischmehl, welches rund um die Uhr für die reichen Industrieländer produziert wird.

Aber paradoxerweise steht das peruanische Chimbote auch für ein Land, in welchem jeder zweite Einwohner unterernährt ist. Hier wird der Fisch nicht gegessen, hier wird der Fisch zu Geld gemacht. Das erinnert stark an die Weisheit der Cree-Indianer, jene fünf Zeilen, die eigentlich zu trauriger Berühmtheit gelangten.

„Erst wenn der letzte Baum gerodet,

der letzte Fluss vergiftet,

der letzte Fisch gefangen ist,

werden die Menschen feststellen,

dass man Geld nicht essen kann.“


In Chimbote stinkt nicht der Fisch, in Chimbote stinkt die ganze Stadt. Umweltschutz hat hier seine Grenzen, aufgestellt von den reichen Fischbaronen. Aber Chimbote ist weit weg, sehr weit weg. Und da unser Wasser sauber, unsere Luft rein ist, unsere Kinder nicht an chronischen Asthmaanfällen leiden und die Hauptsache, unser Lachsfleisch schön zartrosa ist, ja solange kann Chimbote gar nicht genug stinken.
Weitere Quellen z.B.: Die Fischmehl-Connection - Eine Stadt klagt an, Aus fünf Kilo Fisch wird ein Kilo Zuchtlachs, Fischmehl, Geld und fette Kälber

20.11.2009

Pluto gibt´s nicht mehr

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 23:00

Angenommen, wirklich nur einmal rein hypothetisch gedacht, Sie sitzen in einer dieser zahlreichen Spiele-, Rate- und Quizsendungen. Also, ich meine jetzt nicht, daß Sie dort als Besucher sitzen, welcher immer dann brav zu klatschen anfängt, wenn dieses Zeichen wohlgemeinter Beifallsbekundung anhand einer für den vor dem Bildschirm Sitzenden unsichtbaren elektronischen Anweisung in Form eines ”Applaus”-Schildes rot zu blinken beginnt. Zumindest stelle ich mir das so vor, könnte aber auch sein, daß dies, ähnlich wie beim Boxen, mit diesen Nummerngirls funktioniert. Sie wissen schon, diese leicht bekleideten Damen in herrlich lasziven Badeanzügen, welche vor jeder neuen Runde mit einem bezaubernd eingefrorenen Lächeln anhand einer Nummer den Besuchern sagen, wieviele Runden sich noch die beiden modernen Spartaner im Boxgeviert “in die Gosch´n hauen” müssen, wie wir Wiener sagen, bevor ein von solch sportlerischer Betätigung Gezeichneter dann gewinnt, obwohl der andere Boxer ihm öfter “in die Gosch´n g´haut hat”. Aber warum soll Sport fair sein, wenn das ganze andere Leben schon nicht gerecht ist (siehe rot-schwarz-Zero) ? Aber sei´s drum, egal ob die vom Delirium Geschüttelten aus ihrer Lethargie mittels elektronischer oder fleischlicher Stimulanzien zu Beifallsstürmen animiert werden, Fakt ist: Sie gehören nicht zu dieser breiten Masse der vom Ratewahn Heimgesuchten, der vom Quizfieber Geschüttelten, Sie sind die Person, welche heimsucht und heimschüttelt.  

Ich spreche davon, daß Sie diejenige bzw. derjenige sind, auf welchen sich Millionen Augenpaare richten. Sie sitzen in der Mitte, vor sich den überlegen grinsenden Moderator, welcher Sie mit seinem Scheinwissen zu beeindrucken oder sogar zu verunsichern versucht, links die Meute, welche die Hände bereits zitternd zum nächsten “Applaus”-Einsatz leicht aneinander reibt, links die ganzen Kameras inklusive der Nummerngirls und was weiß ich, was sonst noch dort steht, sitzt und liegt und hinter Ihnen, ja hinter Ihnen steht die Millionenfrage. Also, rekapitulieren wir noch einmal. Vor Ihnen ein Mensch, der oft weniger weiß als Sie, links viele Menschen, die mindestens genauso viel wissen wie derjenige, welcher vor Ihnen sitzt, rechts ein paar Menschen mit irgendwelchen Tafeln, die sie selbst nicht verstehen und denen relativ egal ist, ob der vor Ihnen oder die links von Ihnen überhaupt etwas wissen und hinter Ihnen eine Frage, welche wie ein Damoklesschwert über Ihnen schwebt.

Wobei, da gilt es gleich folgende Frage zu beantworten. Die ganze Welt, also der vor Ihnen, alle links von Ihnen und ein paar rechts von Ihnen reden, wobei die rechts von Ihnen eigentlich wenig reden, permanent vom berühmt-berüchtigten Schwert des Damokles, jenes sagenumwobenen Damoklesschwert. Wer bitte schön war Damokles und was zum Henker, welch wunderbares Wortspiel, macht dieses schwebende Schwert über besagtem Damokles ?

Also gut, wie wir alle wissen, war in der Antike Syrakus, jene an der östlichen Seite der heutigen italienischen Insel Sizilien gelegene Stadt eine der mächtigsten und wohl auch eine der schönsten Städte der damaligen Welt. Zumindest, wenn ich Cicero meinen leichtgläubigen Glauben schenken darf, welcher Syrakus als “die größte und schönste aller griechischen Städte” beschrieb. Und wie zu jeder guten Stadt, dasselbe gilt heutzutage noch immer, nur eben auf manch Länder und Staaten bezogen, gehört zu manch großer und schöner Stadt ein großer, schön muß er nicht sein, Hauptsache, er hat das Militär hinter sich, Diktator, damals auch mit dem Wort Tyrann bezeichnet. Und da sich für die damalige Zeit eben gerade kein anderer fand, welcher aufgrund charakterlicher Eigenschaften dazu befähigt gewesen wäre, in der heutigen Zeit wüsste ich dafür eine ganze Menge, hat sich eben Dionys oder auch Dionysios I bereit erklärt, den verantwortungsvoll verantwortungslosen Job des Tyrannen zu erledigen. Um aber solch einen Dienst am Volke, oder besser gegen das Volke auch dementsprechend verantwortungsvoll, also verantwortungslos, erledigen zu können, muß er sich seiner Feinde entledigen. Da naturgemäß aber viele Menschen am Leben hängen, auch wenn andere ihnen nach demselben trachten, gilt es gewisse Dinge zu beachten und zu denen gehörte besagter Damokles.

Um in solch einem beschaulichen Territorialstaat, nicht Terrorstaat, so werden sie heute bezeichnet, aber das ist eine andere Millionenfrage, überleben zu können, ist es unumgänglich, sich den Herrscher nicht zum Feinde zu machen. Wie gelingt uns dies aber nun ? Da tritt nun Damokles vor die Kulissen. Bevor aber nun Damokles seinen Auftritt hat, fällt mir noch ein Gedicht von Friedrich Schiller ein, welches in seiner ersten Strophe zeigt, wie es nicht geht, wenn man solch ein beschauliches Leben in solch einem beschaulichen Terrorstaat führen möchte. Allerdings muß ich gleich dazusagen, Schiller hat in diesem Falle zuviele Hollywood-Filme, auch wenn es diese damals noch nicht gab, gesehen, der Fernseher war natürlich auch noch nicht erfunden. Denn das Gedicht Die Bürgschaft von Schiller hat eine Ende, welches happy ist, also ein sogenanntes Happy-End, wenn wir uns der Sprache Hollywoods bedienen. Aber zumindest die erste Strophe beschreibt, welcher Worst Case, wieder so ein Hollywood-Wort, also schlimmer Fall eintreten könnte, wenn sich die Untertanen verpflichtet fühlen, ihrer Untertanen-Pflicht gegenüber dem Tyrannen nicht nachzukommen. Und, was noch wesentlich schwerer wiegt, es zeigt uns auch, welchen Gefahren sich ein Diktator tagtäglich ausgesetzt sieht, wenn er seinen diktatorischen Pflichten allzu gewissenhaft nachkommt.  

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Damon, den Dolch im Gewande;
Ihn schlugen die Häscher in Bande.
“Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!”
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
“Die Stadt vom Tyrannen befreien!”
“Das sollst du am Kreuze bereuen.”

Aber lassen wir nun Damokles endlich zu Wort kommen. Ob besagter Herr nun wirklich gelebt hat, sei dahingestellt. Aber er ist ein schönes und ganz besonders effektives Beispiel dafür, wie sich Untertanen unkritisch, dafür aber bedingungslos in den Dienste ihres jeweiligen Herrn stellen, um möglichst großen Nutzen aus dieser Bereitschaft zu ziehen, sich widerspruchs- und widerstandslos der Politik der Herrschenden zu fügen. Damokles war ein Mann, welcher ebenfalls einmal von den verlockenden Früchten namens Reichtum und Wohlstand naschen wollte. Um dieses zu erreichen, ließ er sich auf ein Spiel ein, welches ihm auf den ersten Blick nur Vorteile einbrachte. Er schmeichelte seinem Herrscher, er sagte zuckersüße Worte zu Dionys, er hofierte ihn, er sprach die Worte, welche sein Herr und Gebieter hören wollte. Als Dank für sein redliches Tun durfte Damokles an der Seite von Dionys an einem Festmahl teilnehmen, durfte von all jenen Speisen kosten, welche ihm bisher versagt blieben, durfte aus goldenen Kelchen die besten Weine trinken und wahrscheinlich, das schreibe ich jetzt nur zwecks der Anschaulichkeit, waren ihm auch die schönsten Frauen zu Diensten. Nun gut, wird sich der Leser denken, ist doch nicht so schlecht, sich das eigene Fähnchen nach dem jeweiligen Wind zu richten. Nun gut, sage ich, alles schön und gut, wenn da nicht eben jenes Schwert wäre, welches als permanente Bedrohung über dem Kopf des Damokles schwebte. Dionys ließ nämlich, um seinem Untertan zu veranschaulichen, in welchen Gefahren ein Herrscher sich in jedem Moment seines tyrannischen Lebens befindet, ein Schwert mittels eines dünnen Pferdehaares über dem Haupte des Damokles befestigen. Manch einer wird jetzt sagen: Aha, deshalb das Sprichwort, daß etwas am seidenen Faden hängt. Gut beobachtet bzw. kombiniert. Ich habe dazu übrigens noch ein schönes Gemälde von Richard Westall (1765-1812) gefunden, welches sich im Ackland Art Museum in North Carolina befindet. Also, ich habe natürlich nicht dieses Gemälde persönlich gefunden, nicht daß Ihnen nun der Gedanke kommt, es hängt bei mir im Schlafzimmer, bitte lassen Sie die Geheimdienste in Ruhe andere Sachen ausspionieren, aber nicht mich und unser Schlafzimmer.

Richard Westall, The Sword of Damocles, (British) 1812 Artland Art Museum

Richard Westall, The Sword of Damocles, (British) 1812 Ackland Art Museum

Aber das war eigentlich nicht die Millionenfrage, mit welcher ich Sie eingangs dieses Artikels belästigen wollte. Ach ja, bevor Sie jetzt mit der Erwartungshaltung vor mir Platz nehmen, wie ich Ihnen Ihren möglichen Gewinn auszahlen werde, darf ich eines voranstellen. Es handelt sich natürlich nur um eine symbolische Millionenfrage. Also die Frage selbst stelle ich selbstverständlich schon, aber bei der in Aussicht gestellten Million handelt es sich um eine rein hypothetische Million so wie Sie ja nur auf einem völlig hypothetischen Sessel zwecks Beantwortung derselben sitzen. Also bitte nicht schon wieder mit irgendwelchen Geheimdiensten liebäugeln oder, was noch brisanter wäre, mir ein paar freundliche muskelbepackte Herren Ihres Freundes- oder Bekanntenkreises schicken, welche gemeinhin als Schuldeneintreiber bekannt sind. Ich bin ein armer Schreiberling, wie ich immer und immer wieder betonen muß und dementsprechend gibt es bei mir auch nichts zu holen außer einer leichten Grippe, aber die werden Sie kaum wollen.

Nun denn, lassen wir das Nummerngirl ein letztes Mal von rechts erscheinen, möge die “Applaus”-Tafel für die nächsten Momente ihren Dienst quittieren, um der notwendigen Stille ihren Platz einzuräumen, welche notwendig ist, um all Ihre Konzentration auf die eine, die alles entscheidende Frage zu bündeln, die da lautet.

Stop, so geht es nicht ! Da hat noch jemand gehustet. Bitte lassen Sie Ihre Bazillen für einen Moment dort, wo sie nicht stören und lassen Sie sich vom Ratefieber anstecken. Also, wenn sich jetzt alle gesammelt haben, die alles entscheidende Frage, welche da lautet: Wieviele Planeten hat unser Sonnensystem ? A: 6, B: 7, C: 8 oder D: 9.

Atemlose Stille. Die Meute links von Ihnen verharrt in angestrengtem Nachdenken, die Nummerngirls strengen sich an beim nachdenklichen Verharren und der Moderator vor Ihnen schaut sich seine manikürten Nägel an. Und Sie ? Sie thronen vor allen, Sie sind der Nabel der Ratewelt, alle Blicke bohren sich förmlich in Ihre auf Hochtouren laufenden Gehirnwindungen, die komplette Menschheit, zumindest diejenige, welche sich an solchen Quizsendungen ergötzt, sieht in Ihnen bereits den neuen Messias der Millionenfrage. Sie sind die neue Wunderwaffe namens “Schlaues Wunder”. Alle, welche an Ihnen zweifeln, werden ihr blaues Wunder erleben, Sie sind das Inferno der Intelligenz, welches vom Gott aller Ratefüchse auf die Menschheit losgelassen wurde, um zu zeigen, daß auf diesem Planeten Erde doch intelligentes Leben beheimatet ist.

Apropos Erde, das wäre schon der erste der Planeten, welcher zu unserem Sonnensystem zählt. Aber wieviele sind es denn insgesamt ? Sind es derer 6, 7 oder vielleicht doch acht oder wer weiß, haben wir sogar 9 dieser Planeten, welche unsere Sonne umkreisen ? Ich sage Ihnen jetzt ganz ehrlich, ich hätte die Lösung nicht gewusst. Auf die Frage nach der Anzahl der Planetenanzahl in unserem Sonnensystem hätte ich ohne Zögern die Antwort D, also 9 Planeten genommen. Und ich denke, die meisten von uns wären diesem Beispiel gefolgt. Aber wie heißt es so schön: Man lent nie aus ! Die Antwort ist schlicht und einfach falsch, auch wenn viele wie ich dieses noch in der Schule so gelernt haben.

Meine Welt der Planeten bestand bisher immer aus den 9 Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und schließlich noch Pluto. Aber leider hat uns Pluto verlassen. Nicht, daß er aufgrund einer kosmischen Katastrophe das Planeten-Zeitliche gesegnet hätte. Nein, der Mensch hat ihm ganz einfach den Status eines Planeten aberkannt, 2006 schon haben die Astronomen in Prag beschlossen, Pluto ist ab sofort nur noch ein Planet zweiter Ordnung, ein sogenannter Zwergplanet.

1930 noch als neuer Stern am Sternenhimmel gefeiert, als letzter der bisherigen Planeten unseres Sonnensystems, benannt nach dem römischen Gott der Unterwelt, fristet er jetzt selbst ein klägliches Dasein in der Planeten-Unterwelt. Das Damoklesschwert hat ihn sozusagen voll erwischt, der seidene Faden wurde, schnipp, schnapp, von den Wissenschaftlern durchtrennt. Aber warum gerade Pluto, diesen sympathischen Namensgeber für den treuesten Begleiter von Micky Maus und Goofy ? Jürgen Kerp vom Argelander-Institut für Astronomie in Bonn bringt es auf einen einfachen Nenner: “Pluto ist ein Opfer der Inflation geworden”. Tatsächlich, dachte ich mir, die Wirtschaftkrise macht selbst vor dem Kosmos nicht halt. Ganz so schlimm ist es nun wiederum auch nicht, Pluto ist aber einfach zu klein, um ein “richtiger” Planet zu sein. Nach welchen Kriterien die Mitglieder der IAU, der Internationalen Astronomischen Union, entschieden haben, was ein Planet ist und wo ein Kleinplanet oder Zwergplanet beginnt, möge der interessierte Leser im Artikel Planetendefinition der IAU (Prager Resolution 5A) für sich selbst nachlesen.

Tilman Spohn, Direktor des Instituts für Planetenforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof und Professor für Planetenphysik an der Universität Münster bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: ”Mit acht Planeten ‘zu leben’ und in Zukunft den Pluto außen vor zu lassen - das wird für viele unserer Zeitgenossen zunächst sicherlich etwas ungewohnt sein”. Zumindest für mich, verliere ich doch nun wieder mühsam erworbenes und angeeignetes Wissen, welches mich durch die Jahrzehnte meiner ganz privaten Umlaufbahn immer treu begleitet hat wie der Mond Charon seinem ehemaligen Planeten Pluto heute noch zur Seite steht.

So haben wir miteinander wieder einmal eine Frage, vielleicht keine Millionenfrage, aber immerhin eine von Millionen Fragen, welche mich stets wie ein Asteroidengürtel umkreisen, gemeinsam beantwortet. Und welche Gewissheit und Erkenntnis bringt uns dies ? Mit Sicherheit die, daß selbst scheinbar schon lange gelöste Fragen immer und immer wieder neue Fragen aufwerfen und nach neuen Antworten verlangen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne ganz private Umlaufbahn, möge Sie Ihnen noch viele Antworten auf zumindest ein paar Fragen bringen, welche uns jeden Tag aufs Neue umkreisen.            


16.11.2009

Gott ist tot ! Willkommen Homo superior

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 01:55

Diese ketzerische Aussage entstammt nicht meiner Feder. Auch steht sie nicht auf Seite 1 einer unserer beliebtesten österreichischen Tageszeitungen, was dem ganzen natürlich die Krone aufsetzen würde. Wobei, wenn ich mich recht entsinne, auch Deutschland hat ein dementsprechendes Pendant, welches durch tiefgreifende journalistische Recherchen besticht, damit der Leser immer wohl informiert und über das tagesaktuelle Geschehen im Bild ist. Aber nein, Gott ist tot und keine Tageszeitung, kein Fernsehsender und selbst das allwissende Internet verschweigt uns diese doch tiefgreifende Tatsache. Warum wohl ?

Soll dies womöglich bedeuten, daß wir gar nicht wissen, daß Gott das Zeitliche gesegnet hat ? Jener Schöpfer, welcher über Zeit und Raum herrscht, der in seiner unendlichen Unendlichkeit plötzlich an seine eigenen Grenzen gestossen sein soll. Aber wer kann ihn, diesen Gott, an seine eigenen nicht existenten Grenzen stossen, wenn nicht er selbst ? Womöglich wurde er, sie, es, wir, ihr, sie, wie soll ich diesen Gott überhaupt bezeichnen, plötzlich von seiner eigenen begrenzten Grenzenlosigkeit so überrascht, daß er einfach über sein eigenes Ziel, unsterblich zu sein, hinausgeschossen ist. Ich bleibe nun zwecks der sich im Laufe der Zeit herausgebildeten Vermännlichung des Wesens Gott bei der Gott, meine weibliche Leserschaft möge es mir verzeihen, daß ich nicht die Gott sage und auch die lieben Kinder bitte ich um Entschuldigung, daß ich nicht das Gott schreibe. Gott ist also über sein eigenes Ziel hinausgeschossen, er hat sich sozusagen selbst eliminiert, hat sich auf seinen großen, göttlichen Katapult gesetzt, den göttlichen Schleudersitz und dann, schnipp, schnapp, ratsch, schneidet er mit seinem Messer, mit welchem er damals die Welt in sechs bis sieben Tagen erschaffen hat, das Schleuderseil durch und weg ist er.

Kein Abschied, kein Gute-Nacht-Kuss, einfach weg. Aber wo ist er hin ? Ich mag Nietzsche, und ich kann mich ebenso mit seinen Schriften anfreunden. Aber auch Nietzsche ist tot, leider hat er eine Frage unbeantwortet gelassen, bevor auch er sich auf den Schleudersitz namens Leben gesetzt hat und am Seil gezogen hat. Nietzsche hat in seinem 1882 veröffentlichten Buch Die fröhliche Wissenschaft den Imperativ “Gott ist tot” geprägt, was er leider vergessen hat zu erwähnen ist die Tatsache, seit wann denn eigentlich und von wem wurde Gott überhaupt gemeuchelt. Mich würde eine vernünftige Antwort darauf brennend interessieren. Wenn ich nur wüsste, in welche Richtung Nietzsche geflogen ist ? Ich würde mir sofort von Daedalos (Daedalus) Flügel anfertigen lassen, nein, den Schleudersitz nehme ich nicht, noch nicht. Aber wo ist er hin, dieser Nietzsche ? Möglicherweise auf direktem Wege hinter dem toten Gott her, quasi ein Leichenflug, so etwas in der Art wie ein Leichenzug, nur eben auf anderer Ebene.

Wobei dieses “Gott ist tot” nicht heißt, Gott gab es nie. Wer nur diesen ersten Satz liest, kommt schnell zu einer Fehlinterpretation. In weiterer Folge heißt es bei Nietzsche: “Gott bleibt tot ! Und wir haben ihn getötet ! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder ? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unsern Messern verblutet - wer wischt dies Blut von uns ab ? …” . Viele halten Nietzsche für einen Gottesverleugner, einen Denker, welcher alleine durch seine Denkweise Gott philosophisch getötet hat. Dem ist aber nicht so. Nietzsche stellt lediglich auf lapidare Weise fest, daß die Existenz Gottes sehr wohl in der Vergangenheit begründet liegt, aber der Mensch durch sein eigenes Tun und Handeln für dessen Untergang gesorgt hat. Gott ist tot, Gott wurde durch den Menschen seiner weiteren Daseinsberechtigung beraubt, Gott wird nicht mehr gebraucht, wir können ihn sich selbst auf der großen Müllhalde des Vergessens entsorgen lassen.

Ich führe nun diesen Gedanken von Nietzsche fort und sage: Der Mensch hat sich über die Schöpfung gestellt, nicht im Sinne eines allmächtigen, ewigen Schöpfers, welcher die Welt in einer Woche erschaffen hat. Aber der Mensch hat sich seit langer Zeit auf den Weg gemacht, sich über jedes andere Wesen zu stellen, unter Mißachtung sämtlicher Regeln. Der Homo sapiens ist auf dem besten Wege, sich seinen eigenen Herrn und Schöpfer in Form des Homo superior, eines Übermenschen, zu erschaffen. Gott ist tot, Gott hat ausgedient, der Homo superior als neue Krone der Schöpfung soll und vor allem, er kann dieses Auslaufmodell adäquat ersetzen. Le roi est mort, vive le roi, der König ist tot, es lebe der König ! Diese letztendliche Konsequenz, eine Weiter- bzw. Höherentwicklung des heutigen Menschen  läßt sich auch anhand der Evolutionstheorie von Darwin begründen. Warum sollte ausgerechnet der Homo sapiens die endgültige Ausbaustufe eines Wesens sein, welches sich dank neuer Technologien wie der Gentechnik dazu berufen und bestimmt fühlt, sich selbst weiterzuentwickeln, zu perfektionieren und zu vervollkommnen.

Nietzsche hat dieses mit dem einfachen, aber treffenden Satz in Zarathustras Vorrede (4) aus “Also sprach Zarathustra” beschrieben: “Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch - ein Seil über einem Abgrunde.” Es würde nun den Rahmen dieses Artikels sprengen, näher auf das Hauptwerk Nietzsches einzugehen, aber man muß Nietzsche bei all der Antipathie, welche ich übrigens nicht teile, die seinen Werken entgegengebracht wird, eines zugute halten. Er hat eine Entwicklung und Geisteshaltung der Menschen vorausgesehen, deren Höhepunkt im Dritten Reich mit dieser unsäglichen Geisteshaltung der sogenannten arischen Rasse gipfelte.

Was aber die heutigen Wissenschaftler nicht bedenken ist die Tatsache, daß sich dieser Homo superior irgendwann einmal gegen uns stellen wird, nein, er muß sich gegen seinen eigenen Schöpfer stellen, um selbst überleben zu können. Dieser Übermensch wird aufgrund seiner geistigen Entwicklung, welche einen neuen Standard erreichen wird, zu der Überzeugung kommen, daß der “normale” Mensch zu einer Bedrohung wird, welche den Fortbestand dieser Superrasse Mensch gefährden kann. Der Homo superior muß uns unsere Vernichtungswerkzeuge, Atomwaffen, biologische Massenvernichtungswaffen und chemische Kampfstoffe, aus unseren Händen nehmen, um seinen eigenen Fortbestand zu sichern.

Es stellt sich nun die Frage: Wird sich der Homo sapiens seine Macht mit friedlichen Mitteln entreissen lassen ? Ich denke nein ! Wir werden zwangsläufig in die selbe Situation kommen, in welcher sich die heutigen von uns unterjochten Lebewesen befinden. Nur werden dieses Mal wir nicht auf der anderen Seite des Abgrundes stehen, wir werden uns mitten über dem Abgrund befinden. Der Satz “Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch - ein Seil über einem Abgrunde.” wird weiterhin seine Gültigkeit behalten, nur wird uns der Brückenschlag über den Abgrund nicht mehr gelingen.

Gott ist tot ! Oder wie Jean-Paul Sartre so schön sagte: “Auch Götter sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt.Der Eigensinn ist die Energie der Dummen. Der Mensch ist im Grunde Begierde, Gott zu sein.

14.11.2009

Es werde Licht

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 23:47


Keine Angst, ich möchte jetzt nicht die von vielen meiner Leser herbeigesehnte tägliche Bibelstunde beginnen. Auch wenn man die Meinung vertreten könnte, viele der heutigen Architekten, Bauherren, aber auch “normale” Menschen wie Sie und ich seien besonders gottesfürchtig und bibelfest. Denn wie sonst könnte es sein, daß wir das Buch Genesis, Kapitel 1, Satz 3, welches die Erschaffung der Welt beschreibt, wortwörtlich nehmen: “Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.”

Lichtverschmutzung ! Schon einmal davon gehört ? Ich muß Ihnen ehrlich gestehen, diese gar so offensichtliche, nicht einmal mehr so neue Art der Umweltverschmutzung war auch mir bis dato neu bzw. Lichtverschmutzung als eines (von vielen) Problemen unserer Gesellschaft drang bisher noch nicht in mein Umweltbewusstsein. Luftverschmutzung, die Verschmutzung unserer Meere, Umweltverschmutzung im Allgemeinen, aber Lichtverschmutzung ?

Die Erde wird immer heller. Der Himmel wird immer dunkler. Dies bedeutet nun nicht, daß sich aufgrund weniger werdender Sterne an unserem Himmelsfirmament oder bereits zuviel erloschener Himmelsobjekte der Himmel zunehmend verdunkelt, sondern durch die künstliche Aufhellung des Nachthimmels erfolgt eine Angleichung der Lichtverhältnisse von “unten” unten “oben”. Hauptgrund für dieses Phänomen sind dabei die in immer größerer werdende Anzahl und leistungsstärkeren eingesetzten künstlichen Beleuchtungskörper, welche wir Menschen einsetzen. Wir wollen mittlerweile alles und jeden im wahrsten Sinne ins rechte Licht setzen. Straßenbeleuchungen, die immer stärker um sich greifende Unart, jedes sogenannte architektonische Meisterwerk mittels externer Lichtquellen anzustrahlen, die steigende Anzahl an Autos, die massiven Werbebotschaften in Form von Leuchtreklamen und von unten beleuchteter Werbeobjekte, all dies trägt dazu bei, daß der Sternenhimmel immer mehr in den Hintergrund rückt. Was mancher vielleicht nur als Spinnerei von Astronomen sieht, welche ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können, entwickelt sich nun mehr seit mehreren Jahren zu einem handfesten Problem, welches uns alle betrifft. 

Wir machen die Nacht zum Tag. Künstliches Licht begleitet uns für 24 Stunden am Tag. Diese Lichtglocken, welche unsere Städte verhüllen, erschweren es uns mehr und mehr, den Nachthimmel mit freiem Augen erkennen und beobachten zu können (siehe dazu z.B. Die Helle Not - Künstliche Lichtquellen, ein unterschätztes Naturschutzproblem). Wann haben Sie zum letzten Mal die Milchstrasse mit freiem Auge gesehen ? Oder anders ausgedrückt: Stellen Sie sich einmal nachts in einer Stadt, sei es nun meine schöne Stadt Wien, Sie können aber auch jede x-beliebige andere Stadt wählen, und blicken Sie in den Sternenhimmel oder zumindest in das, von welchem Sie glauben, daß es sich um den Sternenhimmel handeln könnte. Es wird Ihnen wahrscheinlich schwer fallen, vor lauter externen Lichtquellen noch die Sterne zu sehen.

Einen sehr interessanten Beitrag bieten Daniela Klotz und Georg Zotti unter Lichtverschmutzung. Wobei es durchaus schon praktikable Lösungen gibt, wie die slowenische Stadt Ljubljana zeigt. Ein Gesetz gegen die Lichtverschmutzung, was auf den ersten Blick skurril anmutet, hat leider einen ernsten Hintergrund, aber hoffentlich mit Vorbildwirkung. Nach oben abgeschirmte Leuchten und die Beschränkung der Leuchtdichte bei Gebäuden helfen nicht nur, den Überhand nehmenden Lichtsmog zu reduzieren, sondern sollen auf die nächsten Jahre hinaus auch einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen helfen. Dieses von der Arbeitsgruppe Dark Sky mit initiierte Gesetz ist als ernstzunehmende und vor allem wirkungsvolle Initiative gegen Lichtverschmutzung anzusehen und bietet uns allen als Mitverantwortliche dieses neuen Phänomens einer besonderen Art der Umweltverschmutzung weitreichende Informationen und Möglichkeiten, uns aktiv an der Reduktion dieser Light Pollution zu beteiligen. Denn wir sollten uns über eines im Klaren sein: Lichtverschmutzung ist keinesfalls ein Problem, mit welchem nur Astrologen, Vögel, Insekten und unsere Stromzähler zu kämpfen haben. Lichtverschmutzung steht sicherlich auch in engem Zusammenhang mit unseren Schlafgewohnheiten, welche sich durch permanentes Kunstlicht geändert haben, ich brauche nicht zu erwähnen, nicht zu unserem Vorteil. Ich möchte deshalb in diesem Zusammenhang auch noch ein anderes Problem mit ein paar Sätzen streifen, welches nun auf den ersten Blick nicht primär mit der Lichtverschmutzung zusammenhängt, bei genauerer Überlegung aber die Problematik von der dauernden Beleuchtung, welcher wir ausgesetzt sind, und daraus resultierenden und oftmals weitreichenden Folgen für uns unsere Umwelt deutlich macht.      

“Ein Mann solle vier Stunden schlafen, eine Frau fünf Stunden und nur ein Idiot schläft sechs Stunden !”. Zumindest wenn es nach Napoleon Bonaparte ginge. Alles schön und gut, aber vielleicht sollte es mehr Idioten auf dieser Welt geben, möglicherweise  hätten sich dann einige der Katastrophen vermeiden lassen, welche sich immer dann ereigneten, als sich der natürliche Biorhythmus des Menschen auf Schlaf einstellte. Wir alle kennen Tschernobyl, das Tankerunglück der Exxon Valdez, den Beinahe-GAU des im nordamerikanischen Harrisburg stehenden Atomkraftwerks Three Mile Island, den Absturz der Raumfähre Challenger oder den Untergang der Titanic. Ich möchte hier keinesfalls mit Fakten hantieren, welche möglicherweise alle nur auf Zufällen beruhen. Aber die Uhrzeiten der verschiedenen Unglücksfälle, die Reaktorschmelze im Block 4 von Tschernobyl 26.04.86 1.23 Uhr, die Havarie der Exxon Valdez 24.03.89 0.04 Uhr, Three Mile Island am 28.03.79 um 4.00 Uhr, der Untergang der Titanic am15.04.12 0.12 Uhr (siehe dazu auch Umweltmedizin - Nacht- und Schichtarbeit Fakten und Perspektiven Seite 2 der Uni Köln) oder das Challenger-Unglück, bei dem gravierende Entscheidungen am frühen Morgen nach weniger als zwei Stunden Schlaf gefällt wurden, sprechen leider eine andere Sprache. Der Mensch ist nun einmal durch die Evolution so konditioniert, daß er bestimmte Ruhephasen zu seit Jahrtausenden definierten Uhrzeiten benötigt. Da ich weder Arbeitsmediziner noch Arbeitspychologe bin, kann ich diese Unglücke hinsichtlich ihrer zeitlichen Entstehung und eines damit stehenden kausalen Zusammenhangs mit den wissenschaftlichen Leistungskurven, welche es für den Arbeitsfaktor Mensch gibt, bewerten. Aber ich setze der Einfachheit halber meinen gesunden Menschenverstand  dagegen und bin deshalb der Meinung, daß der Mensch zwar zum Arbeitstier geschaffen ist, die rühmliche Ausnahme bin nach Meinung der besten Ehefrau der Welt, also meiner Gattin, natürlich wieder einmal ich, aber der Mensch ist sicherlich nicht zum Nacht-Arbeitstier geschaffen. 

Ich kann und will die Nacht- bzw. Schichtarbeit nun nicht verdammen, da ich selbst ein davon Betroffener bin. Vielleicht habe ich auch mehr Möglichkeiten, mich gerade in kritischen Phasen wieder aufzufrischen, in dem ich mich für ein paar Minuten an die frische Luft begebe und Körper und Geist dadurch wieder “in Schwung bringe”. Es soll ebenso wenig hier auf die Nachteile der Nachtarbeit eingegangen werden, denn eigentliches Thema war die Lichtverschmutzung, auf welches ich hier hinweisen wollte. Aber wenn Sie wieder einmal den vollkommen unsinnigen Spruch hören: “Schlafen kann ich auch noch, wenn ich tot bin !”, denken Sie vielleicht daran, daß gerade durch Schlafmangel schon viele Menschen, sei es durch die oben aufgeführten Unglücke, sei es durch die erhöhten Verkehrsunfälle auf unseren Strassen gerade während der frühen Morgenstunden, dieses Sprichwort leider traurige Wahrheit ist.

Wer also die Möglichkeit hat, einen kleinen Beitrag zu weniger Kunstlicht zu leisten, sollte dieses auch tun. Es werden Ihnen viele Seiten danken. Nachtaktive Tiere, Insekten und Vögel haben mit diesem Lichtmüll zu kämpfen, oft bis zur Erschöpfung und dementsprechend dem Tod. Ihre Stromrechnung wird es Ihnen danken, auch kein zu verachtender Vorteil. Und schließlich wandeln viele Glühbirnen und andere Leuchtkörper die im wahrsten Sinne ungenutze Energie in wirkungslose Wärme um, welche wiederum zur Klimaerwärmung beiträgt. Inwiefern sich Lichtsmog nachteilig auf das Pflanzenwachstum auswirkt, wurde meines Wissens bisher noch nicht grundlegend erforscht, soll aber trotzdem hier seine Erwähnung finden. Was andererseits aber wieder bewiesen ist: Durch die vielen Insekten, die Biologen sprechen hier von Billionen, welche den Lichttod sterben, fehlen diejenigen Tranporteure, welche für das Bestäuben der Pflanzen zuständig sind. Der Kreislauf schließt sich immer und immer wieder, deshalb wäre es für unser aller Zukunft wünschenswert, den Stromkreis auch das einer oder sogar andere Mal zu unterbrechen, um andere Kreisläufe nicht für immer zu unterbrechen. 

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