Der illegale Einwanderer G.


Wenn Sie wüssten, daß ich weiß, was viele nicht wissen ! Ja,  sehr verehrte Leserschaft, ich bin sozusagen ein Wissender, natürlich nicht immer, wenn ich etwas nicht so ganz genau weiß, bin ich dementsprechend nur ein Halbwissender und wenn ich von irgendetwas überhaupt keine Ahnung habe, bin ich ein Unwissender, umgangssprachlich auch als Mensch bezeichnet. Sie könnten nun natürlich, zugegeben berechtigterweise, entgegnen, bei meiner Art organischen Lebens handelt es sich doch wohl immer um einen von dieser ominösen Sorte gebündelter Unwissenheit, also quasi Menschen. Nun gut, will ich nicht abstreiten, bin eben auch ich ein Unwissender, aber ein wissender, also ein wissender Unwissender, aber einer mit viel Halbwissen. Fassen wir zusammen: Ich bin also ein wissender Unwissender mit viel Halbwissen !

Aha, Sie sagen, dieses wussten Sie schon. Aber das würde ja bedeuten, daß Sie bereits wussten, daß ich weiß, was viele nicht wissen. „Well roared, lion !“  Sie wissen schon, jenes stadt-, land- und weltbekannte „Gut gebrüllt, Löwe !“, welches Demetrius von Shakespeare in dessen Stück „Ein Sommernachtstraum“ ( Fünfter Aufzug, erste Szene) in dessen Mund gelegt wird. Aber wir wollen nicht weiter über Shakespeare reden, wobei, über Shakespeare gäbe es immer etwas zu reden, aber jetzt muß ich mir selber Einhalt gebieten, sonst ufert das Ganze wieder einmal aus. Und so schneide ich mir deshalb selbst das geschriebene Wort ab und zitiere „O schweig still …“,  aus der komischen Oper Les Dragons de Villars (Das Glöckchen des Eremiten)von Louis Aimé Maillart(Uraufführung 1856). Wenn ich jetzt nicht schön langsam die Kurve kriege, schieße ich wieder ungebremst über das Ziel des heutigen Tages hinaus, denn eigentlich war doch unser Thema „Der illegale Einwanderer G.“ Aber man, oder in diesem Falle ich, mache es mir eben nicht leicht, wenn einen, also schon wieder mich, die Muse küsst.

Sie schreien schon wieder: „Halt, stopp, welche Muse bitteschön ?“ Ich sehe schon, ich habe mir mit Ihnen nicht nur einen ebenbürtigen Gegner, sondern einen mir in allen Belangen überlegenen Kontrahenten ausgewählt. Aber sie haben selbstverständlich recht, wenn ein Unwissender mit seinem Halbwissen prahlen will, sollte er sich gut überlegen, was er so von sich gibt. Also gut, ich präzisiere. Aber bevor ich dieses tue, muß ich natürlich erst einmal gut überlegen. Von welcher Muse soll ich mich küssen lassen ? Da muß ich jetzt eines voranschicken. Sie sollen nicht glauben, daß ich ein gieriger Hund bin, ganz im Gegenteil, ich bin Sportsmann durch und durch.

Ich liebe den Sport, egal welche Sportart, ich kenne mich überall aus, zumindest halbwegs, sozusagen kann ich mit meinem berühmten Halbwissen glänzen. Fragen Sie mich über Fußball und ich sage Ihnen auf den Kopf zu: „Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten !“ Sie wollen etwas über Eishockey wissen ? Eine meiner Lieblingssportarten, da kann es nur eine Antwort geben: “ Der Puck ist rund, so halbwegs und das Spiel dauert 60 Minuten, netto, wie wir Fachmänner zu sagen pflegen !“ Sie haben eine unbeantwortete Frage zum Kegeln oder besser gesagt Bowling, wie wir Experten ohne mit der Wimper zu zucken diesen Sport bezeichnen, welche Ihnen bisher noch kein Mensch beantworten konnte. Egal, welche Frage sie nun an mich richten, die Antwort kann nur lauten: „Alle Neune !“

Apropos alle Neune. Da kann ich jetzt wieder nahtlos an die Muse anknüpfen, welche mich bisher immer noch nicht geküsst hat. Oder nein, geküsst hat sie mich schon, aber sie wissen immer noch nicht, welche dieser  Töchter des Zeus und der Mnemosyne mich mit ihrem Liebesbeweis umgarnt hat. Ich habe mich Ihnen gegenüber immer noch nicht erklärt. Als Sportsmann würde ich natürlich am liebsten alle neun Töchter haben, wie sie von Hesiod in seiner Theogonie beschrieben wurden. Geht aber nicht, ich bin zwar ein Extremsportler, aber eben ein verheirateter Extremsportler, soll heißen, sollte mich mehr als eine der Liebreizenden küssen, würde mich mit Sicherheit der Hufschlag des geflügelten Musenrosses Pegasus in Gestalt meiner liebsten Ehefrau vom Olymp der glücklich verheirateten Ehe-Götter stoßen. Gut, aber zumindest einen dicken Schmatz werde ich mir genehmigen, bleibt aber unter uns Wissenden, es reicht, wenn wir das wissen, meine Frau braucht das nicht unbedingt zu wissen. Aber welche nehme ich mir denn, wer soll die Auserwählte, oder sollte ich besser Auserquälte sagen, sein.

Wissen Sie was, ich lasse sie noch ein Weilchen im Unklaren, warum soll andauernd ich den Unwissenden spielen. Spielen, richtig, da fällt mir auch noch eine Kleinigkeit ein. Obwohl, wir wollten uns eigentlich über den illegalen Einwanderer G. unterhalten, aber eines nach dem anderen. Also spielen, unlängst spielte es wieder einmal, nein, wieder ist vollkommen falsch, denn so oft spielt es Goethe dann auch wieder nicht im Fernsehen, nun gut, unlängst spielte es Iphigenie auf Tauris. Nun gut, dieses nur so am Rande, aber kennen Sie eigentlich auch von Johann Wolfgang von Goethe den Epos Hermann und Dorothea ? Nein, o.k., soll so sein, man kann schließlich nicht alles wissen geschweige denn kennen. Naja, auf jeden Fall handelt es sich hierbei um ein Werk, welches in neun Kapitel gegliedert ist, Sie merken sicherlich schon, auf was ich hinaus will. Und jedes dieser Kapitel trägt einen Namen jener neun Musen, von denen Sie bisher immer noch nicht wissen, welche mich geküsst hat.

So, ich würde sagen, Sie haben nun lange genug gelitten, lüften wir das Geheimnis. Also, der Name der Muse ist …. . Bummm, ratatatatatatat, eine Salve hat mich hingestreckt, ein rachsüchtiger Leser, dem dies alles zu viel geworden ist, hat mich gemeuchelt. Röchelnd will ich mein Geheimnis preisgeben, Sie wissen schon, wie in diesen guten alten Spionagefilmen, aber mit letzter Kraft gelingt es mir gerade noch, ein allerletztes „Entschuldigung, aber wie spät ist es eigentlich ?“ zu stöhnen, zu mehr reicht es leider nicht mehr. Liebevoll entgegnen Sie: “ 17.32 Uhr !“. Und mit wirklich aller-, aber wirklich allerletzter Kraft blicke ich Sie mit dankbaren Augen an und kann nur noch hervorpressen: „Sommerzeit oder Winterzeit ?“, bevor ich Ihnen mein großes Geheimnis anvertrauen kann und mit demselben von Ihnen gehe. Ihre Uhr würde mir übrigens auch sehr gut gefallen, aber dafür ist es leider zu spät. Der Kalauer ist wirklich nicht schlecht.

Wir schreiben das Jahr 2023, es ist 13.17 Uhr. In einer wundersamen Rettungsaktion wurde ich wieder zum Leben erweckt, nach schier endlosen Jahren des Hoffens und Bangens, des Wartens und Betens kehre ich zurück. Für alle, die sich nicht mehr erinnern können. Ich wurde im Jahre 2009 hinterrücks von einem heimtückischen Meuchelmörder niedergestreckt und jetzt bin ich nur noch von unstillbaren Rachegelüsten getrieben. Unerkannt und mit neuen Papieren, ich heiße jetzt Graf von Monte Christo, will ich meinen Widersacher finden und ihn zur Rechenschaft ziehen. Gut, eigentlich wollte ich Ihnen etwas über den illegalen Einwanderer G. erzählen, aber das muß jetzt einfach warten.

Ach ja, und Hermann und Dorothea warten schließlich auch noch. So, dann machen wir das mit den beiden von Goethe ins Leben Gerufenen eben im Schnelldurchlauf. Ich will deshalb nicht alle neun Kapitel besprechen, sondern wir nehmen einfach Kapitel Nummer…. . Bummm, ratatatatatatat. Nein, war ein Scherz, ich bin nicht schon wieder hingemeuchelt. Aller guten Dinge sind drei und deshalb also Kapitel Nummer drei. Dieser Teil trägt den Namen Thalia Die Bürger. Ich nehme mir ganz zufällig eine Textpassage heraus, mal sehen, welche nehme ich mir denn ? Ja, die gefällt mir sehr gut, denn sie passt inhaltlich ausgezeichnet in die Kategorie Garten dieses Blogs:

So war mein Garten auch in der ganzen Gegend berühmt, und
Jeder Reisende stand und sah durch die roten Staketen
Nach den Bettlern von Stein und nach den farbigen Zwergen.

Wenn ich nicht bald auf den illegalen Einwanderer G. zu sprechen komme, ist dieser entweder schon eingebürgert oder es macht zum dritten Mal Bummm, ratatatatatatat, aber aller guten Dinge sind bekanntermaßen ebenso viele. Aber wer zwischen den Zeilen zu lesen vermag, wird die Lösung schon gefunden haben. Laut Reisepass, eine Kopie wurde mir auf dunklen Kanälen von der Einwanderungsbehörde zugespielt, handelt es hierbei um einen Immigranten mit dem geheimnisvoll klingenden Namen “ Nanus hortorum vulgaris „. Meine staatsbürgerliche Pflicht macht es darüberhinaus notwendig, einen Zivilfahnder bei seinem letzten großen Fang zu zeigen. Das Fahndungsfoto, der Fahnder ist übrigens derjenige rechts im Bild, glaube ich zumindest, ich kann mich aber auch täuschen, Sie wissen, mein sagenhaftes Nichtwissen macht sich permanent bemerkbar , soll in Zukunft helfen, allen illegal nach Österreich eingereisten Verwandten und Bekannten von G. bzw. Einreisewilligen die Einreise und den Aufenthalt zu erschweren.

Eine kleine Bitte habe ich allerdings an Sie und ich hoffe, ich kann hier auf Ihre Verschwiegenheit hoffen. Das, was ich Ihnen jetzt sage, ist deshalb auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern muß wirklich unter uns bleiben. Wenn Sie sich also nicht strafbar machen und Ihr Gewissen nicht unnötig belasten wollen, dann bitte ich Sie, jetzt wegzuschauen. Also, es ist folgendes. Kommen sie ein bisschen näher zum Bildschirm, damit ich nicht so laut schreiben muß, es braucht schließlich nicht jeder hören, was ich Ihnen jetzt schreibe, Sie wissen, der Feind liest mit. Also, wenn Sie sich jetzt auf die Jagd nach illegal eingereisten Gartenzwergen machen, jetzt kann ich ja sagen, wie diese subversiven Objekte im Fachjargon heißen, dann suchen Sie bitte in unserem kleinen Garten nicht allzu genau. Es könnte sein, daß Sie dort auch den einen oder anderen Gartenzwerg finden werden. Und so ganz nebenbei, wenn sie einen gut dotierten Job suchen, ich kenne, natürlich rein zufällig, den Boss der größten Gartenzwerge-Schlepperbande, aber bitte, ich will nichts geschrieben haben. Wenn sie sich also auf mich berufen, ich werde alles abstreiten, wer will schon beweisen, daß ich das hier geschrieben habe.

Und zu guter Letzt: Sollte ich mit diesem Artikel zu Ihrer Unterhaltung beigetragen haben, die Muse der Unterhaltung heißt Thalia.       

 



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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