Karl, der kühne Käfer


Drehen wir wieder einmal gemeinsam am Rad der Geschichte, tauchen wir hinein in ein kleines Stückchen Zeitgeschichte und lassen wir uns auf dem rückwärts gerichteten Zeitstrahl in das 15. Jahrhundert treiben. Blicken wir zurück in eine Epoche voller Reformen, vieler Kriege, neuer Bewegungen, aber auch in ein Zeitalter künstlerischer und wissenschaftlicher Fortschritte. Beenden wir die Geschichte des Mittelalters mit dem abschließenden Spätmittelalter und wenden wir uns der Frühmoderne mit dem Anfang der Renaissance zu.

Die Philosophen jener Zeit, die sogenannten Frühhumanisten und Vordenker von Heyne, Herder, Goethe oder in weiterer Folge die geistigen Urväter von Russell, Einstein und Sartre wenden sich wieder der Fragestellung der griechischen Antike zu, welche die Prinzipien Toleranz, friedliches Zusammenleben und die Achtung der Würde Andersdenkender und Andersgläubiger in den Mittelpunkt der Betrachtungsweise und des Denkens des damaligen Homo sapiens gestellt hatten. Der bis dato allgegenwärtige Grundsatz des „Homo homini lupus est“, also der physischen und psychischen Gewaltbereitschaft der Menschen untereinander, jener Grundsatz, wie er bereits ca. 200 v. Chr. von Plautus geprägt wurde und später von Thomas Hobbes wieder aufgegriffen wurde, aber bis in die heutige Zeit oftmals falsch interpretiert wird, soll gegen ein gewaltfreies Miteinander und dem Bestreben nach gesellschaftlicher Weiterentwicklung auf den Grundlagen Würde, Bildungsfreiheit und Freiheit des Einzelnen gesehen und ausgetauscht werden.

Die Entdeckung oder besser gesagt die Nutzung des Schwarzpulvers in Europa war der Beginn der „effektiven Kriegsführung“, sofern man in solchen Fällen das Adjektiv effektiv überhaupt verwenden darf. Aber mit der Entwicklung und dem Einsatz von Feuerwaffen, Kanonen und Geschützen änderten sich die Kriegstechniken von Grund auf. Die Lust des Menschen an Kriegen geht einher mit seiner unbändigen Zerstörungswut, sie zieht sich wie ein blutroter Faden durch sämtliche Geschichtsepochen, Kriege sind Vergangenheit, Gegenwart und unendliche Zukunft unserer Spezies. So ist es auch nicht verwunderlich, daß auch das Zeitalter der Renaissance von vielen großen Kriegen geprägt war, die Eroberung von Konstantinopel 1453 durch die Osmanen läutete das Ende des Mittelalters und den Beginn dieser neuen Zeitrechnung ein. Aber auch abseits der vielen Kriegsschauplätze waren große Geister, nicht geistlose Größen wie all die selbstgefälligen Kriegsherren, am Werk.

Einer dieser Stellvertreter war mit Sicherheit Johannes Gensfleisch. Die meisten werden ihn sicherlich nicht unter diesem Namen kennen, aber der Name Gutenberg wird allen bekannt sein. Allerdings sollten wir hier mit einem Vorurteil aufräumen. Gutenberg wird immer als Erfinder des Buchdrucks bezeichnet, es sollen hier auch keineswegs seine Leistungen geschmälert werden. Aber wie bei so vielen Dingen waren wieder einmal die Chinesen einen, wenn nicht sogar zwei Nasenlängen den Europäern voraus (siehe z.B. Gutenbergs unbekannte Brüder). Und dann sei hier noch das Jikji erwähnt, ein bereits 78 Jahre vor Entstehung der Gutenberg-Bibel datiertes Werk des koreanischen Zen-Buddhismus. Eine weitere wichtige Entdeckung, im wahrsten Sinne des Wortes, fand 1492 im Vorbeigehen, oder sollte ich besser im Vorbeisegeln sagen, statt. Kolumbus entdeckte Amerika. Entdeckte er die neue Welt wirklich ? Nein, natürlich nicht, wenn ich schon solch eine rhetorische Frage stelle( siehe dazu z.B. meinen Artikel Der Homo sapiens kommt unter die Räder). Aber zumindest bildete diese Wiederentdeckung Amerikas die Grundlage für das Anlegen neuer Handelsrouten, die Welt rückte wieder ein Stückchen näher zueinander.

Sie werden sich mittlerweile schön langsam die berechtigte, nicht rhetorische, Frage stellen, warum um alles in der Welt schreibe ich dies alles unter dem Unterpunkt Tierisches. Keine Frage, eine gute Frage. Nun gut, ich will Sie nicht länger mit dem finsteren Mittelalter und dem Beginn der Moderne langweilen, sondern sogleich die Antwort darauf geben. Ich ging gedankenverloren durch Wiens abendliche Strassen, doch scheinbar nicht völlig verloren und vollkommen gedankenfrei. Ein Plakat erregte meine Aufmerksamkeit, gerade soviel, um weiterzugehen, aber doch genügend um Aufmerksamkeit heischend, um die darauf enthaltene Botschaft zu registrieren. Es wurde für eine Ausstellung mit dem Titel „Karl der Kühne“  in einem unserer Wiener Museen geworben. Karl der Kühne dachte ich bei mir, ja das war diese Epoche, deren kurzen Abriss Sie eben gelesen haben. Und da die Gedanken bekanntermaßen frei sind, ließ auch ich den meinen freien Lauf.

Karl der Kühne, Karl der Käfer. Der Kühne brachte mich auf den Käfer. Richtig, da war doch etwas in meiner eigenen Sturm-und-Drang-Zeit. Wir wollen jetzt nicht wieder eine Epoche ausgraben, wobei sich hier der Kreis schließen würde. Denn wer als nicht Johann Wolfgang von Goethe war wohl der berühmteste Vetreter dieses literarischen und philosophischen Umbruchs und Goethe war ja sehr geprägt von den Frühhumanisten der Renaissance. Aber genug der Vergangenheit. Karl der Käfer, richtig 1983, die Gruppe hieß Gänsehaut. Da gab es diesen Song, damals haben wir zwar noch Lied dazu gesagt, aber sei´s drum, auch ich muß mit der Zeit gehen, schließlich will ich up-to-date sein, also ganz nahe beim Zeitgeschehen, auch wenn ich oft über längst Vergangenes und vielfach Vergessenes schreibe. Also, Karl der Käfer lautete der Titel. Ich will Sie jetzt abschließend mit dem Text alleine lassen, vielleicht wissen Sie aber dann, warum ich so oft über Vergangenes und Vergessenes schreibe. Und warum dieser Artikel steht, wo er steht, unter Tierisches. Viel Vergnügen mit diesem wunderbaren Text, der zum Nachdenken anregen soll.

Tief im Wald, zwischen Moos & Farn,
Da lebte der Kaefer mit Namen Karl.

Sein Leben wurde jaeh gestoert,
Als er ein dumpfes Grollen hoert:
Laermende Maschinen ueberrollen den Wald,
Uebertoenen den Gesang der Voegel schon bald.

Mit scharfer Axt faellt man Baum um Baum,
Zerstoert damit seinen Lebensraum.

Karl der Kaefer wurde nicht gefragt,
Man hat ihn einfach fortgejagt.
Karl der Kaefer wurde nicht gefragt,
Man hat ihn einfach fortgejagt.

Ein Band aus Asphalt breitet sich aus,
Fordert die Natur zum Rueckzug auf.
Eine Blume, die noch am Wegesrand steht,
Wird einfach zugeteert.

Karl ist schon laengst nicht mehr hier.
Einen Platz fuer Tiere gibt’s da nicht mehr.
Dort, wo Karl einmal zuhause war,
Fahr’n jetzt Kaefer aus Blech und Stahl.

Karl der Kaefer wurde nicht gefragt,
Man hat ihn einfach fortgejagt.
Karl der Kaefer wurde nicht gefragt,
Man hat ihn einfach fortgejagt

Wer sich den Song von Gänsehaut im Original anhören möchte, klicke bitte hier

 



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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