Das hässliche Ent-lein 1



Ich liebe Märchen! Schon als Kind habe ich sie geliebt, diese mündlichen und schriftlichen Erzählungen aus längst vergangenen Tagen, als die Welt noch von edlen Rittern, feuerspeienden Drachen, kleinen, geheimnisvoll schimmernden Elfen mit durchsichtigen Flügeln, bösen, mit übermenschlichen Kräften ausgestatteten Trollen, hilflosen, beschützenswerten Jungfrauen, von sprechenden Fröschen und grummelnden Steinen, von tapferen Schneidern und seltsamen Fischwesen, von Füchsen, Gänsen, Musikanten, verwunschenen Schlössern und vielen tausend weiteren Raritäten bevölkert war. Und natürlich vom hässlichen Ent-lein. Nein, nein, ich spreche hier nicht vom hässlichen Entlein, sondern vom hässlichen Ent-lein.

Bei genauerem Nachdenken könnte man eigentlich diese Verniedlichungsform streichen, lassen wir doch das -lein beiseite und sprechen wir vom hässlichen Ent. Schließlich sind wir alle den berühmten Kinderschuhen entwachsen, hängen wir diese doch einfach an den sprichwörtlichen Nagel und nageln neben unsere Kinderschuhe auch dieses Diminutiv namens -lein. Oder stellen Sie sich einmal vor, die ganze Welt spräche von Freunderl-Wirtschaft, nennen wir das Kind doch ganz einfach beim Namen und sagen doch gleich Korruption, klingt viel besser und hört sich nicht so hinterlistig an. Ein Beispiel hätte ich noch, selbstverständlich mit Österreich-Bezug. Denken Sie zurück an den in unserer schönen Wachau spielenden Film „Mariandl“ mit Cornelia Froboess, Rudolf Prack und der großen Waltraud Haas. Ich kann jetzt noch die Tropfen der Sentimentalität auf der Kinoleinwand glitzern sehen, höre förmlich, wie sich die Stimme des Hofrats Geiger ihren Weg in mein imaginäres Trommelfell bahnt und denke zurück, wie sich nach 90 Minuten Verwechslung alles in Wohlgefallen und ein glückliches Ende aufgelöst hat, nicht in ein Happy-end, wer braucht schon Hollywood zum Glücklichsein. Die machen natürlich viel bessere Filme, Rambo-lein, Terminator-le, Krieg der Stern-chen oder Ali, die Verniedlichung von Alien. Aber gut, zurück zu unserem Mariandl.

Jetzt stellen Sie sich einmal bildlich vor, und das meine ich durchaus ernst, Sie stehen in Paris im Louvre und schauen sich folgendes Bild an:

Eugene Delacroix: Die Freiheit führt das Volk

Die Freiheit führt das Volk, Öl auf Leinwand, Eugene Delacroix 1830

Das Symbol der Freiheit, die Allegorie schlechthin für die französische Republik in den Wirren der Französischen Revolution geht immer einher mit dem Namen Marianne. Sie werden auch sonst an vielen Plätzen der französischen Hauptstadt Büsten und Statuen mit dieser Symbolfigur der französischen Revolution finden. Aber gut, also zurück in den Louvre. Sie stehen völlig verzückt und versunken vor diesem kraftvollen Werk und plötzlich sagt neben Ihnen jemand im breitesten Wiener Dialekt: “ Also, Ernstl, der hat des Mariandl aber gut zeichnet !“ Ich für mich würde stante pede, natürlich nicht stehenden Fusses, sondern so schnell als möglich, umdrehen, würde mir das breiteste Grinsen im Louvre suchen, selbstverständlich spreche ich von Da Vinci´s Mona Lisa, nur um nicht laut schreiend und fluchend unsere wunderschöne Wachau verwünschen zu müssen.

Kommen wir aber nun wieder zum Ausgangspunkt unserer Geschichte, also wie alles begann, so vor 100 000 Jahren, wie Ludwig Hirsch so schön singt. Wir sprachen über das hässliche Ent, also das erwachsen gewordene hässliche Ent-lein. So gesehen, brauchen wir gar keine so große Zeitreise von 100 000 Jahren unternehmen. Es genügt schon, wenn wir uns in das Jahr 1933 zurückbegeben. Dort wurde nämlich das echte, das originale Märchen vom hässlichen Ent-lein geschrieben. Nur leider war dies keine Erzählung, keine Mär, keine Geschichte mit einem Happy-end. Ein Märchenprinz namens Hitler hat sich damals auf den Weg gemacht, der Welt seine Lügengeschichten von Ent-artung und von Ent-eignung von Minderheiten zu erzählen, er hat die Welt und sein Publikum mit seinen Konz-Ent-rationslagern begeistert. Dieses Märchen wurde leider zur bitteren Wahrheit, aus einem hässlichen, kleinen Ent-lein wurde ein riesengroßer, hässlicher, alles verzehrender und vernichtender brauner Schwan.

Die Welt hat sich von dieser degenerierten Kreatur befreit, sie hat sie ent-sorgt. Aber es stehen jeden Tag immer noch viel zu viele Menschen auf, welche an dieses Märchen glauben und sich solch einen Märchenprinzen wieder wünschen. Es mag viele Beweggründe für diese vielleicht vom Leben Ent-täuschten geben, Arbeitslosigkeit, fehlende Zukunftsperspektiven, Schwelgen in alten Zeiten, falsch verstandener Patriotismus, aber Ent-täuschung kommt von Täuschung.  Dieser braune, hässliche Schwan hat die Welt und die damaligen Menschen getäuscht und auch nach ihm machten und machen sich unzählige Märchenerzähler auf, die Menschen, uns alle, für ihre kranken Ideen und falschen Ideale zu mißbrauchen. Die hässlichen Ent-lein werden nie aussterben, aber geben wir gemeinsam ihnen keine Chance, zu ausgewachsenen Schwänen zu werden.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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