Das Atom vom Strom


Es wird mir immer wieder vorgeworfen, ich schreibe zu pessimistisch und deprimiere dementsprechend meine Leser mit diesen negativen Gedanken und meiner ewigen Schwarzmalerei. Nun gut, das soll ab heute der Vergangenheit angehören. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich immer und immer wieder nur alles angeprangert habe, jeden und alles grundlos niedergemacht habe und nur über Probleme, Krisen und Unglücke berichtet bzw. geschrieben habe. Ich fange hiermit ein neues Leben an, die positiven Aspekte rinnen jetzt schon förmlich von meinen zehn Fingern in die Tastatur. Ich kann richtig spüren, wie ich schon zu einem neuen lebensbejahenden Menschen mutiert bin.

Dies also mein erster (und hoffentlich) nicht letzter Bericht über eine glückliche Welt, in welcher wir alle miteinander leben und in der wir uns auch wohlfühlen sollen. Ich will, daß Ihnen beim Anblick des folgenden Bildes so richtig warm um Ihr kleines Herz wird. Mein von tiefster Menschlichkeit durchleuchtetes Herz will, daß Ihnen dieses Foto ein Strahlen in Ihr Gesicht zaubert, ein Strahlen so hell wie sämtliche bisher durchgeführten Atomwaffenversuche auf und besonders unter Mutter Erde nicht leuchtender sein können. Mein innigster Wunsch ist es, daß Sie beim Anblick dieser Strukturen, dieser Formen, dieser modernen Sgraffito-Malereien einfach hin und weg sind. Genießen Sie dieses Stilleben aus nuklearem Restmüll, aus entsorgten Brennelementen, aus radioaktivem Uran, welches umkränzt ist von (atom)kerngesunden Bäumen und Sträuchern, so als wollte Mutter Natur sagen: Laßt Euch ruhig in meinen Armen nieder, ich habe Platz für jedes Atom und sei es noch so radioaktiv!

Sie sitzen immer noch schweigend und faszinierend vor dieser Bildkomposition, Ihre begehrlichen Blicke bekommen dieses Glitzern, daß Sie immer dann bekommen, wenn es um Ihre nächste Urlaubsplanung geht. Sie wollen endlich einmal weg von All-inklusive-Urlaub mit 17 geregelten Mahlzeiten pro Vormittag ? Sie sind der Meinung, daß Wellness-Urlaub nur etwas für Warmduscher ist? Die griechische Antike ist sowieso schon lange tot, warum bei 42 Grad im Schatten auf die Akropolis ? Dann habe ich doch das Richtige für Sie, warum nicht einmal 14 Tage All-Radioaktive in Sibirien, genauer gesagt in Sewersk, einem beschaulichen und atomwaffenfreien Städtchen, wo sich dreischwänzige Füchse und siebenohrige Hasen „Gute Nacht“ sagen. Sie wollen das Außergewöhnliche, Sie suchen den ultimativen Uran 235 Kick, Sie lieben Stahlfässer, in deren Wänden sich die lieblich am Himmel vorbeiziehenden Wolken spiegeln, malerisch umgeben von pastellfarbenen zarten Rostflecken, welche Ihnen auf geradezu philosophische Weise klarmachen, daߠSauerstoff auch nicht vor Stahl haltmacht.

Sie haben noch Bedenken, sie haben leise Zweifel, daß ich Sie vielleicht in eine für Ihre Gesundheit nicht zuträgliche Urlaubsregion schicken möchte ? Diese Unterstellung muß ich mit tiefster Entrüstung zurückweisen, vertrauen Sie mir ! Nein, vertrauen Sie nicht einem inkompetenten Urlaubsmuffel wie mir, sondern der gültigen Gesetzeslage. Und die sagt ganz klar: Es wird kein  Atommüll transportiert, hierbei handelt es sich, und das sollte doch bitte jedem Zweifler einleuchten, um radioaktives Material. Müll wäre es nur dann, wenn es entsorgt werden müsste, aber bitte schön wir reden hier nicht von Entsorgung, wir sprechen von Wiederaufbereitung. Radioaktive Brennelemente werden recycelt, si werden wiederverwertet. Wir müssen all diesen Verantwortlichen der Atomlobby dankbar sein, schließen wir sie in unser allabendlichen Vater unser im Atommüll-Himmel ein,  daß sie uns von all unseren radioaktiven Ängsten befreien. Es herrscht die von allen überzeugend vertretene Meinung vor, also zumindest in dieser ehrenwerten Branche, daß diese kostbaren Wertstoffe wieder angereichert werden, also möglicherweise, irgendwann einmal, vielleicht nicht sofort, aber in absehbarer Zeit, naja so in etwa absehbarer Zeit, so ganz klar läßt sich dieser Zeitrahmen natürlich nicht bestimmen, aber dann auf alle Fälle zu 100 Prozent, gut, fangen wir zum Üben doch mit 60 Prozent an, okay, nehmen wir anfangs doch 60 Prozent von den 60 Prozent und von denen vielleicht einmal die Hälfte, jetzt weiß ich nicht mehr, wieviel Prozent zum Anreichern wirklich übrig bleiben, aber unterm Strich sicherlich 10 bis 15 Prozent. Ich denke, das ist doch zu vertreten, schließlich wurde Rom auch nicht an einem Tag gebaut und ein Atomkraftwerk schon gar nicht.

Sie kennen die Basler Konvention ? Nein ! Seltsam, ich dachte eigentlich, die wäre relativ bekannt. Kurz gesagt geht es darin um die auf ein Minimum zu reduzierenden grenzüberschreitenden Transporte von gefährlichen Abfällen. Aber wenn Sie als vielgereister Tourist diese Konvention schon nicht kennen, warum sollen dann schwer beschäftigte und nie Urlaub machende Politiker und Unternehmenssprecher von Atomstromlieferanten dieses lächerliche Papier kennen? Seien Sie tolerant, üben Sie ein kleines bisschen Nachsicht und buchen Sie jetzt endlich Ihren Urlaub. Und wenn Ihnen Sibirien zu kalt ist, ich hätte da ein paar aktuelle Angebote a la „Die Schnellen Brüter Europas in 12 Tagen“ oder sehr beliebt ist auch die geführte Rundreise „Die sieben schönsten AKW´s bei Nacht und Nebel“. Und für alle Kleinen und Junggebliebenen empfehle ich das Ferienspiel „Atomstrom – aktiv und kanzerogen“.

Sie interessieren sich für weitere Reiseziele oder besser gesagt nicht für bestimmte Reiseziele ? Weiterführende Informationen zum Thema „Wie entsorge ich meinen Atommüll richtig ?“ finden Sie z.B. hier: Strahlendes Sibirien von Joachim Wille oder Frankreichs Atommüll in Sibirien „entsorgt“ von Rudolf Balmer (Die Presse) oder Frankreich lädt Atommüll in Russland ab (Quelle: tagesschau.de).


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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